Grenzenlose Jubel: Timo Scheider nach seinem zweiten Titelgewinn

DTM 2009

— 29.12.2009

Der große DTM-Saisonrückblick 2009 - Teil 5

Zum Jahresende blicken wir zurück auf die vergangene DTM-Saison - Zum Abschluss: Das dramatische Rennen in Dijon und die Meisterkür in Hockenheim

Das Jahr 2009 neigt sich allmählich seinem Ende entgegen. Das ist Anlass für 'Motorsport-Total.com', noch einmal auf die vergangene DTM-Saison zurückzublicken - die Saison, in der Audi-Pilot Timo Scheider zum zweiten Mal in Folge Meister wurde, in der der in den Neuwagen zurückgekehrte Gary Paffett ein harter Gegner für ihn war, in der manch weiterer Pilot für Glanzlichter sorgte und andere enttäuschten. Und auf eine Saison, in der es auch immer wieder reichlich Diskussionsstoff gab.

Im heutigen fünften und Teil unseres großen Saisonrückblicks fassen wir die dramatischen Ereignisse des Frankreich-Rennens in Dijon noch einmal zusammen, von Qualifikationsdramen bis hin zu den Reifenschäden. Und natürlich blicken wir zurück auf das große Finale in Hockenheim, bei dem sich Timo Scheider zum zweiten Mal zum Meister krönte.

Dijon: Das große Reifendrama

Nach seinem Sieg zuvor in Barcelona hätte Audi-Pilot Timo Scheider bereits beim vorletzten Saisonlauf am 11. Oktober in Dijon den Sack zu machen können. Der Titelverteidiger hatte in Frankreich den Matchball, als Tabellenführer hatte er vor dem Frankreich-Rennen mit 53 Punkten zwölf Zähler mehr als sein zweitplatzierter Audi-Teamkollege Mattias Ekström und 14 Punkte mehr als Gary Paffett, der als bester Mercedes-Pilot auf dem dritten Platz lag. Doch statt einer Meisterkür erlebte die DTM bei ihrem ersten Auftritt in Dijon ein Wochenende voller Dramen - aber auch ein Rennen, das an Spannung nicht zu überbieten und deshalb ganz nach dem Geschmack der Fans war.

Scheider hatte sich seine Strategie für den Saisonendspurt zurechtgelegt. Der Audi-Pilot wollte nichts mit der Brechstange erreichen, sondern mit Köpfchen fahren und seinen Vorsprung verwalten, ohne unnötige Risiken einzugehen. Schließlich musste er mit seinem Polster keine Siege mehr holen, um wieder Meister zu werden - er musste nur weiter Punkte hamstern. Nur zu gut hatte er noch das Jahr 2008 in Erinnerung, in dem er ebenfalls mit einem Matchball zum vorletzten Rennen ins französische Le Mans gekommen war. Dann aber lief es im Regenchaos so daneben, dass sein damaliger Rivale Paul Di Resta bis auf zwei Punkte herankommen konnte und es beim Finale alles zu gewinnen und alles zu verlieren gab.

Scheider wollte diesmal vermeiden, es ähnlich spannend zu machen. Doch im Qualifying von Dijon erlebte er einen solchen Rückschlag, dass er fast fürchten musste, ein traumatisches Déjà Vu zu erleben. Wieder war es der französische Regen, der dem Wahlösterreicher einen Strich durch die Rechnung machte. Im Nieselregen entschieden er und sein Team am Ende von Q1, nur nachzutanken, aber keine frischen Reifen aufzuziehen und stattdessen noch einen Versuch auf angefahrenen Pneus zu starten. Das ging komplett schief. Scheider schied aus und musste sich mit Startplatz 16 begnügen.

"Wir haben uns klassisch verzockt", so Scheider danach. "Wir haben uns entschieden, keine neuen Reifen aufzuziehen, sondern es mit den Gebrauchten zu versuchen. Was soll ich machen? Es ist halt jetzt so. Da gibt auch es nicht viel zu analysieren, wir wissen, woran es gelegen hat, das ist natürlich extrem enttäuschend." Sein schwacher Trost war, dass seine Rivalen auch keine perfekte Qualifikation erlebt hatten. Sein direkter Verfolger Paffett stand nur auf Platz acht, Ekström auf Startplatz vier. Die Pole-Position ging an Mercedes-Pilot Bruno Spengler vor seinem Kollegen Paul Di Resta, Audi-Pilot Tom Kristensen stand auf Startplatz drei. Nach der Qualifikation ahnte aber noch niemand, dass das Dijon-Rennen noch dramatischer wird.

Die Anfangsphase des Rennens verlief noch recht ereignislos. Spengler erwischte einen sehr guten Start und konnte sofort von der Pole-Position die Führung übernehmen. Kristensen schob sich auf den zweiten Rang vor und hatte Di Resta und Ekström hinter sich. Paffett arbeitete sich in der ersten Runde vor bis auf Rang fünf und Scheider konnte sich gleich von P16 auf Platz elf verbessern. Nach der zweiten Runde lag der Deutsche sogar schon auf Rang neun, nachdem sich die Gegenwehr der vor ihm liegenden Markenkollegen Martin Tomczyk und Oliver Jarvis in Grenzen gehalten hatte.

Da man auf dem französischen Kurs nur sehr schwer überholen kann, hing alles an den Boxenstopps. Ekström und Paffett setzten das perfekt um: Beide kamen gleich bei der Öffnung des Boxenstoppfensters rein und brannten danach eine schnelle Rundenzeit nach der anderen in den Asphalt. Durch diese Strategie setzten sie sich an die Spitze des Feldes: Nach den ersten Stopps führte Ekström vor Paffett, gefolgt von Spengler, Kristensen und Di Resta.

Unterdessen hatte Scheider Glück im Unglück: In der 21. Runde verlor plötzlich sein linker Hinterreifen Luft. Das geschah jedoch kurz vor der Boxeneinfahrt, so dass Scheider direkt mit seinem Plattfuß in die Box humpeln konnte und nicht allzu viel Zeit verlor. Doch es war das erste Warnzeichen für das, was in diesem Rennen noch passieren sollte.

In den letzten zehn Runden kam erst richtig Dramatik auf. Los ging es mit einem Reifenschaden von Audi-Pilot Oliver Jarvis. Danach erwischte es Tom Kristensen, der bis dahin auf Platz drei gelegen war. Auch Martin Tomczyk hatte mit einem Reifenschaden zu kämpfen. In Runde 46 traf es das nächste prominente Opfer: Spitzenreiter Ekström. Auf dem Weg zum eigentlich sicheren Sieg platzte auch bei ihm ein Reifen - damit lösten sich nicht nur seine Sieg, sondern auch seine Meisterschaftsträume in Rauch auf.

Das Titelrennen war für Ekström gelaufen. Zum zweiten Mal in dieser Saison hatte er den sicheren Sieg durch einen Reifenschaden verloren, beim Auftakt in Hockenheim hatte ihn dieses Schicksal auch schon ereilt. "Ich habe in meiner Karriere schon viel erlebt und so lange ich noch weiterfahre werde ich noch viele Erfahrungen sammeln. Aber das war was Neues", kommentierte er Schulter zuckend. Ekström rettete sich noch in die Box, holte frische Reifen und konnte zwar noch ins Ziel fahren, er blieb aber punktelos.

Nach Ekströms Reifenschaden herrschte in der Führungsgruppe die pure Angst, der Boxenfunk begann zu glühen, jeder Ingenieur mahnte seinen Fahrer eindringlich, seine Reifen zu schonen. Und das sorgte dafür, dass die Fans am Schluss noch eine turbulente letzte Runde erleben durften, in der das Mittelfeld noch einmal bunt durcheinandergewürfelt wurde.

Die Führungsgruppe nahm deutlich das Gas raus, Spitzenreiter Paffett hatte die beruhigende Info, dass er hinter sich vier weitere Mercedes hat und fuhr im Schongang dem Ziel entgegen. Gleiches galt für seine Kollegen dahinter. Doch dahinter gab es Piloten, die weniger Reifensorgen hatten. Sie machten Druck, das Feld rückte immer näher zusammen und in der letzten Runde ging es noch einmal richtig turbulent zu.

Vor dem letzten Umlauf war Martin Tomczyk Siebter, Alexandre Prémat lag im Audi-Jahreswagen als Achter auf dem letzten Punkterang. Dicht dahinter folgten Maro Engel im Mercedes-Jahreswagen als Neunter und Ekström, der in der vorletzten Runde Mathias Lauda überholt hatte. Lauda war Elfter vor Markus Winkelhock und Mike Rockenfeller. Im Ziel lautete die Reihenfolge dann ganz anders.

Mercedes-Jahreswagenfahrer Engel war einer jener Piloten, die von hinten noch einmal Druck machten - und einer der Hauptdarsteller in der turbulenten letzten Runde. "Wenn man langsam fährt, weil man irgendwas schonen muss, ist es okay. Aber deswegen kann man doch nicht einfach die Strecke blockieren", schimpfte er. "Ich bin auf der Gerade entlang gefahren und war von Audis eingeklemmt. Vor mir ein Audi, rechts ein Audi, so dass ich einfach nichts machen konnte."

Also versuchte Engel, am Achtplatzierten Prémat vorbeizukommen, der selbst Angst um seine Pneus hatte: "Natürlich hat man die, wenn man sieht, dass schon ein paar Autos einen Reifenschaden hatten. Man weiß nie, wann es passiert - in der Kurve, am Kurveneingang, am Kurvenausgang oder auf der Gerade? Es gibt so viele Möglichkeiten. Deshalb sind wir am Ende vier Sekunden langsamer gefahren. Die Jungs hinter mir waren aber einfach verrückt", so der Franzose.

Schließlich kam Engel an Prémat vorbei und lag damit als Achter auf dem letzten Punkterang. Danach versuchte er in der Spitzkehre, auch noch den Siebtplatzierten Tomczyk anzugreifen. Plötzlich spürte Engel jedoch "einen Hammerschlag" auf seiner rechten Fahrzeugseite. Da war ihm von hinten Prémat zu nahe gekommen. Die beiden kollidierten, links außen zog Ekström vorbei nach vorn, rechts außen überholte Lauda, in dessen Windschatten Winkelhock gleich noch mitzog.

Lauda fand sich plötzlich als Achter auf einem Punkterang wieder, Winkelhock war kurzzeitig Neunter vor Ekström, der Schwede ging aber in der letzten Kurve noch an ihm vorbei. Premat, wenige Kurven vorher noch auf Punktekurs, musste sich am Ende mit Rang elf hinter Winkelhock begnügen, für Engel blieb nach der Kollision nur Rang zwölf statt des erhofften Zählers.

So lautete das Endergebnis: Mercedes feierte einen Fünffachtriumph, mit Sieger Paffett vor Di Resta, Spengler, Green und Schumacher. Scheider war als Sechster bester Audi-Pilot und betrieb damit Schadensbegrenzung - sein Vorsprung auf seinen einzigen verbliebenen Titelrivalen Paffett betrug immer noch sieben Punkte. Tomczyk wurde Siebter vor Mercedes-Jahreswagenfahrer Lauda, der sich den letzten Zähler sicherte. Für Ekström war es statt des erhofften Siegs Platz neun vor Winkelhock, Prémat und Engel. Es war wohl der dichteste Zieleinlauf, den die DTM je gesehen hat. Die Siebt- bis Zwölfplatzierten kamen innerhalb von nur zweieinhalb Sekunden ins Ziel, Mercedes-Pilot Engel hatte als Zwölfter nicht einmal sechs Sekunden Rückstand auf Sieger Paffett.

Danach wurde natürlich viel diskutiert, warum gleich so viele Audi-Piloten Reifenschäden erlitten hatten. Von den Testfahrten her war bekannt, dass die Pneus wegen der Streckencharakteristik von Dijon zum Problem werden könnten. Doch Hersteller Dunlop hatte im Vorfeld alles unternommen, um solche Schäden zu vermeiden, zudem wurde die schnelle letzte Kurve etwas entschärft. Und Mercedes hatte keine Reifenschäden zu verzeichnen.

Warum es ausgerechnet Audi traf und keinen der Mercedes, hat mehrere Gründe. Zum einen scheint man bei den Stuttgartern ein reifenfreundliches Setup gefunden zu haben. Schon im Laufe der Saison hatte sich herauskristallisiert, dass der Mercedes mit den Reifen besser umgeht. Den Ingolstädtern hingegen machten am Wochenende vor allem die hohen Kurvengeschwindigkeiten in Dijon in Verbindung mit der guten Aerodynamik des Audi zu schaffen. Schließlich lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 190 km/h. Zudem fährt man traditionell einen aggressiveren Sturz als bei Mercedes, der die Reifen zusätzlich belastet. Nach dem Warmup am Sonntagmorgen schien es zwar so, als ob Audi ein Setup gewählt hatte, das die Reifen nicht gefährdet - doch bis zum Rennen am Nachmittag änderten sich die Temperaturen und die Grenze der Belastbarkeit war dann doch wieder überschritten.

Hockenheim: Grande Finale

Die Ereignisse in Dijon hatten dazu geführt, dass die Titelentscheidung erst beim Finale am 25. Oktober in Hockenheim fiel. Mit sieben Punkten Vorsprung auf Paffett hatte Scheider alle Trümpfe in der Hand. Schon ein fünfter Platz reichte dem 30-Jährigen zum zweiten Titel reichen. Doch er und Audi wollten nichts mehr dem Zufall überlassen und konzentriert ans Werk gehen. Denn sie hatten in Dijon gesehen, wie schnell ein Vorsprung von sieben Punkten weg sein kann.

Genau so viele Zähler hatte Paffett nämlich in Frankreich wettgemacht. Und sollte am Ende Punktgleichheit herrschen, wäre Paffett wegen der höheren Anzahl von Siegen Meister. Deshalb witterte der britische Mercedes-Pilot vor dem Finale wieder Morgenluft. Wenn er in Dijon sieben Punkte aufholen konnte, warum dann in Hockenheim nicht noch einmal? Er nahm sich jedenfalls vor, selbst sein Bestes zu geben. Alles andere hinge dann davon ab, wie es für Scheider läuft.

Doch das Beste zu geben, reichte für Paffett nicht aus. Denn diesmal erlebte Scheider keine Dramen mehr, sondern tat genau das, was er tun musste: Einfach dicht an Paffett dran bleiben. So war es schon in der Qualifikation zum Finallauf. Paffett holte sich Startplatz zwei hinter Polesitter Mattias Ekström, Scheider platzierte sich direkt dahinter auf dem dritten Rang. "Unser Ziel war einfach, auf Sicherheit zu gehen, es richtig zu machen und nach dem Wochenende in Dijon wieder zu unserer wirklichen Performance zurückzufinden. Mein Ziel war, so nah wie möglich an Gary dran zu sein und ich glaube, es ist nah genug, wenn man nur um zwei Hunderstelsekunden geschlagen wird", saget Scheider nach der Qualifikation.

Teil eins der Mission war damit erfüllt, doch der Audi-Pilot wusste, dass ihm bis zum zweiten Titelgewinn noch ein langes Rennen bevorstand: "Ich muss schnell genug sein, um Fünfter zu werden. Für den Fall, dass Gary das Rennen gewinnt, würde Platz fünf reichen. Es kann aber auch eine schwierige Aufgabe sein, Fünfter zu werden. Vielleicht haben wir morgen schwieriges Wetter." Auf alle Fälle setzte er sich nicht zum unbedingten Ziel, das Rennen zu gewinnen: "Es wäre dumm, wenn ich zu viel riskieren würde. Wir haben jetzt eine gute Ausgangslage, um gegen Gary anzukämpfen."

Scheiders Bedenken wegen des Wetters erwiesen sich als unbegründet. Zum Finale gab es auf dem Hockenheimring bei leichter Bewölkung gute Bedingungen. Und so stand ihm auf dem Weg zum zweiten Titel nichts mehr im Weg. Zwar erfüllte auch Paffett seine Aufgabe: Der Brite holte sich in Hockenheim seinen vierten Saisonsieg. Doch Scheider wurde Zweiter und das reichte, um den Titel zu verteidigen und Audi gleichzeitig den historischen Hattrick zu sichern.

Emotionen und faire Gesten

Unmittelbar nach der Zieldurchfahrt flossen bei Scheider unter dem Helm die Tränen. "Ihr seid das beste Team, das man sich vorstellen kann. Vielen Dank, dass ihr mich zu dem gemacht habt, was ich jetzt bin", sagte der emotional sehr bewegte 30-Jährige über den Boxen-Funk. Und es gab eine schöne Geste: Auf der Auslaufrunde stellten die beiden Titelrivalen Scheider und Paffett ihre Autos ab und gingen Arm in Arm zu den Fans und ließen sich feiern.

Zuvor hatten die Fans noch einmal ein Rennen erlebt, das Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug danach als "Finale wie aus dem Bilderbuch" bezeichnete. Schon in der Startphase ging es einmal mehr turbulent zu. Scheider kam gut weg und versuchte, links an Polesitter Mattias Ekström vorbei zu kommen, der gleich nach rechts zog. Paffett zog zuerst nach rechts, reihte sich dann doch hinter den Schweden ein. Zu dritt ging es in die erste Kurve mit Ekström in Führung vor Paffett und Scheider. Dann griff Paffett an und auch Scheider suchte immer wieder einen Weg vorbei an seinen Konkurrenten - gleichzeitig wollte er aber nicht zu viel riskieren.

Schließlich setzte sich Paffett an die Spitze, doch Ekström gab nicht auf und griff immer wieder an. In der zweiten Runde überholte er Paffett innen in der Spitzkehre. Zwischenzeitlich hatte sich Scheider noch mit Di Resta einen Schlagabtausch geleistet. In der ersten Runde war auch der Schotte an Scheider vorbeigegangen. Doch Scheider konterte und holte sich wenige Kurven später Platz drei zurück.

In der vierten Runde kam das Aus für Ekström. Schon vorher hatte er über Funk geklagt, dass sein Kühler kaputt ist - diesen hatte er sich in seinem beherzten Zweikampf mit Paffett beschädigt. Sein Ingenieur Alex Stehlig meinte noch: "Fahr so lange wie möglich." Doch Ekström entschied sich doch, in die Box abzubiegen. Über Funk meinte er: "Wasser geht auf die Hinterräder und das ist zu gefährlich."

Damit lag Paffett in Führung vor Scheider und Di Resta. An dieser Reihenfolge änderte sich auch nichts mehr, obwohl es dennoch bis zum Schluss spannend blieb. Scheider und Di Resta konnten auf Paffett aufholen, doch der Brite behauptete die Führung, auch nach seinem zweiten Boxenstopp.

Hinter dem Führungstrio hatte sich Audi-Jahreswagenpilot Alexandre Prémat heimlich, still und leise nach vorn gearbeitet. Von Startplatz zwölf aus machte er zwei sehr späte Stopps. Gleichzeitig redete ihm sein Ingenieur mehr als gut zu und trieb den Franzosen zu schnellen Rundenzeiten an. Nach seinem zweiten Stopp lag er auf Rang vier - diesen Platz hielt er bis ins Ziel und holte damit sein bestes Saisonergebnis.

Auch bei Mercedes-Pilot Bruno Spengler lief es zunächst gut. Der Kanadier hatte sich gleich am Start von Platz 15 auf Rang zehn verbessert. In der zehnten Runde kam er als einer der ersten zum Boxenstopp und zog neue Reifen auf. Die hatten gerade acht Runden auf dem Buckel, als Spengler zum zweiten Mal zum Stopp abbog. Nachdem alle beim Reifenwechsel waren, lag er auf Rang fünf vor Winkelhock und Jarvis. Doch später fiel er im Positionskampf auf den siebten Rang zurück.

Nachdem alle Boxenstopps absolviert waren, schien das Rennen gelaufen. Doch es sollte anders kommen. In der 31. Runde war Susie Stoddart im Zweikampf mit Tom Kristensen zu hart über den inneren Curb in der ersten Kurve gefahren, die Radaufhängung brach und die Schottin knallte in die Reifenstapel. Daraufhin kam das Safetycar auf die Strecke, das Feld rutschte wieder enger zusammen. Stoddart blieb bei ihrem heftigen Crash zum Glück unverletzt.

Vier Runden später wurde das Rennen wieder freigegeben. Scheider klebte an Paffett, während Di Resta abreißen lassen musste. Prémat geriet unter Druck von Spengler, der dann allerdings Jarvis im Heck hatte. Schließlich konnte Jarvis Spengler überholen - doch lachender Dritter war Jamie Green, der den Zweikampf nutzte und an beiden vorbeiging. Green holte sich damit Platz fünf vor Jarvis und Spengler.

Vorne rückte die Spitze nochmal enger zusammen. Doch alles blieb wie es war: Paffett holte sich seinen vierten Saisonsieg, Scheider wurde Zweiter und Meister der DTM 2009. Paul Di Resta kam auf Rang drei ins Ziel. Prémat wurde bester Jahreswagen-Pilot und holte einen sensationellen vierten Rang vor den beiden 2008er-Boliden mit Jamie Green und Oliver Jarvis hinter dem Steuer. Spengler kam auf Platz sieben ins Ziel und Winkelhock sicherte sich mit Rang acht den letzten Punkt.

Nun war es an der Zeit, in Hockenheim den alten und neuen Meister zu feiern. "Das ist ein emotionaler Moment und wenn der Druck von einem abfällt, die ganzen Erwartungen und Hoffnungen, die man selber hat, die das Umfeld hat - wenn man denen gerecht wird, ist das ein schönes Gefühl", strahlte Scheider, der ein Stückchen Geschichte geschrieben hatte: "Nicht nur mit dem Dreifacherfolg für Audi, sondern ich habe auch meinen Titel verteidigt und das ist bisher nur Bernd Schneider 2000/2001 gelungen." Danach startete ein Feiermarathon, der mehrere Tage dauern sollte.

Rivale Paffett war zwar geschlagen, aber kein Verlierer. In seiner ersten Saison, in der er wieder im Neuwagen fahren durfte, verpasste er den Titel nur knapp. Und er holte vier Siege - so viele, wie alle Audi-Piloten zusammen. "Das Rennen zu gewinnen und den vierten Saisonsieg einzuholen, ist unglaublich", sagte er nach dem Finale. Natürlich sei er im ersten Moment enttäuscht gewesen, dass es mit dem Titel doch nicht geklappt hat: "Aber wir müssen wirklich sehr zufrieden sein. Generell haben wir das ganze Jahr über unser Bestes gegeben. Wir hatten zwei oder drei Rennen, in denen die Rennperformance nicht gut genug war, aber wenn man vier Rennen gewonnen hat, muss man zufrieden sein. Wir hatten ein großartiges Jahr."

Nun beginnt bald das Jahr 2010 - und es wird sicher ein spannendes DTM-Jahr. Gelingt Scheider der Hattrick? Holt Paffett noch das entscheidende Quäntchen mehr heraus und wird zum zweiten Mal nach 2005 den Titel? Oder werden sie von ihren Kollegen in den Schatten gestellt und werden beim Titelkampf anderer Rivalen nur zu Nebendarstellern? Ist vielleicht sogar Oliver Jarvis in seinem ersten Jahr im Audi-Neuwagen ein neuer Titelaspirant? Oder bleibt Ralf Schumacher und bei ihm platzt der Knoten? Fragen über Fragen - die Antworten gibt es ab dem 25. April 2010, wenn in Hockenheim die neue Saison startet.

Fotoquelle: xpb.cc

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