Selbstbewusstes Lächeln: Timo Scheider startet als Titelverteidiger in die Saison

DTM 2009

— 05.05.2009

Scheider: Mission Titelverteidigung und P!nk

Timo Scheider im Interview über die bevorstehende Mission Titelverteidigung und seine Einladung an Pop-Superstar P!nk

Vor einem Jahr ging Timo Scheider noch als krasser Außenseiter in die bevorstehende DTM-Saison. 2009 ist der deutsche Audi-Werkspilot Titelverteidiger. Über die Auswirkungen dieses Erfolgs auf sein Leben, seine Ziele für die kommende Saison, seine Kontakte zum Popstar P!ink und vieles mehr unterhielten wir uns kürzlich mit dem 30-Jährigen.

Frage: "Timo, dein letztjähriges Meisterauto R14 passte perfekt zu deinem Fahrstil. Das neue heißt R14 plus, ist eine Weiterentwicklung. Fährt es sich ähnlich?"
Timo Scheider: "Ja, es harmoniert nach wie vor mit meinem Fahrstil. Fast noch wichtiger ist aber, dass wir sehr viele Komponenten des Autos kennen. Letztes Jahr war das anders. Durch die neue Modellgeneration des A4 hatten wir auch einen ganz neuen Rennwagen. Das ist natürlich immer ein gewisses Risiko - speziell was die Zuverlässigkeit angeht. Das ist jetzt anders: Kein neues Auto, kein Risiko. Auch deshalb freue ich mich schon auf den Saisonstart."

Kritiker geben nun Ruhe

Frage: "Letztes Jahr hast du mit 29 Jahren endlich deinen ersten DTM-Titel gewonnen. Startest du nun mit einem anderen Gefühl in die neue Saison?"
Scheider: "Die Fahrermeisterschaft der DTM zu gewinnen, ist immer mein großes Ziel gewesen. Klar hat das zu lange gedauert - auch, dass ich überhaupt erst letzte Saison zum ersten Mal ein DTM-Rennen gewonnen habe. Aber ich habe bewiesen, dass ich konstant Leistung zeigen kann."

"Auch die Kritiker, die an der Person Timo Scheider gezweifelt haben, geben nun Ruhe. Das gibt mir Gelassenheit. Ein viel angenehmeres Gefühl als jemals zuvor. Die große Last im Hinterkopf ist nicht mehr da. Jetzt mache ich mir selbst Druck: Ich will den Titel verteidigen. Dieses Ziel hat ein ganz anderes, viel höheres Niveau als die bisherigen. Stell dir mal vor, ich hätte vor einem Jahr vom Titel gesprochen. Da hätten doch viele gesagt: 'Der Scheider hat einen Vollschaden. Der soll erst mal aufs Podest kommen.' Und natürlich ist jetzt auch die Stimmung im Team richtig gut. Jetzt will jeder, dass wir vorne bleiben."

Frage: "Was hat der Titel in deinem Leben verändert?"
Scheider: "Die Wirkung habe ich komplett unterschätzt! Ob Veranstaltungsbesuche, PR-Termine oder Fanpost - alles hat sich mehr als verdoppelt. Außerdem haben sich neue Fanclubs bei mir gemeldet. Auch in meinem Alltag erkennen mich immer mehr Leute. Letztens hat mir beispielsweise im Supermarkt ein älterer Herr auf die Schulter geklopft und gesagt: 'Eine tolle Saison haben Sie da gefahren, Herr Scheider. Weiter so!' Das sind alles ganz nette Begegnungen. Auch nach Autogrammen werde ich nun öfter gefragt."

"Ich konnte mir nie vorstellen, das Privatleben eines Formel-1-Fahrers zu führen. Ständig rennt jemand hinter dir her, du hast keine Freiheiten mehr. Bei mir ist das zum Glück nicht der Fall, niemand belagert mich. Michael Schumacher hätte doch nie mit seinen Kindern auf einen öffentlichen Spielplatz gehen können. Das finde ich als Familienvater wirklich schlimm. Zum Glück muss ich zu meinem Sohn Loris nicht sagen: 'Du kannst aber nur hier zu Hause spielen!'"

Respekt vor der Konkurrenz

Frage: "Wie stark schätzt du die Konkurrenz von Mercedes-Benz ein?"
Scheider: "Ich bin mir ganz sicher, dass auch die Stuttgarter über den Winter hart gearbeitet haben. Sie wollen nicht zum dritten in Folge Mal die Meisterschaft verlieren. Wie stark sie wirklich sind, werden wir aber erst beim Saisonauftakt in Hockenheim sehen. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Zeiten der Vorsaisontests nicht den tatsächlichen Kräfteverhältnissen entsprechen."

Frage: "Bei der DTM-Präsentation in Düsseldorf durften die Fans zumindest Demorunden erleben. Würde ein weiteres Stadtrennen der DTM gut tun?"
Scheider: "Stadtrennen haben ihren eigenen Reiz, ganz klar. Allerdings hat die DTM hohe Sicherheitsanforderungen an eine Strecke. Deshalb wird niemand der Verantwortlichen auf Biegen und Brechen ein zweites Stadtrennen haben wollen."

"Ich persönlich hätte aber Spaß daran. Der Norisring hat vielleicht das Flair von Monaco, aber eben nicht die Streckenführung. Monaco ist wirklich eine meiner Lieblingsstrecken. Zwischen den Leitplanken darf sich ein Fahrer nicht groß verzetteln. Und ich halte es für eine meiner Stärken, im Laufe eines Rennens wenig Fehler zu machen."

Konzentration auf die DTM

Frage: "Die beiden Porsche-Werksfahrer Romain Dumas und Timo Bernhard unterstützen dieses Jahr den Audi-Fahrerkader beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Neidisch?"
Scheider: "Auf der Nordschleife und in Spa habe ich bereits zwei 24-Stunden-Rennen gewinnen können. Natürlich fasziniert mich der Prototypensport. Bei meinem Arbeitgeber bin ich da ja auch genau richtig (lacht; Anm. d. Red.)! Aber es gibt zwiespältige Meinungen, ob ein Fahrer mit zwei unterschiedlichen Autos fahren soll. Ich habe da eine ganz klare: Wenn ich in der DTM absolut top sein will, ist es schwierig, beides zu machen."

"Wir haben in der DTM in dieser Saison weniger Testmöglichkeiten, um Kosten zu sparen. Deshalb will ich keine Zeit verschenken, um mich erst wieder auf das Auto umzustellen. Als Fahrer nimmst du das in dem Moment vielleicht gar nicht so wahr. Aber ich denke schon, dass es eine halbe Stunde dauert, bis du wieder am absoluten Limit fährst, wenn du zuvor mit einem ganz anderen Auto gefahren bist. Das ist der Grund, warum ich mich zu 100 Prozent auf die DTM konzentriere. Alles andere ist Zukunftsmusik."

Frage: "Kritiker halten Motorsport in Zeiten einer Wirtschaftskrise für verzichtbar. Wie denkst du darüber?"
Scheider: "Grundsätzlich halte ich es für richtig, wenn auch wir Geld sparen. Und wir haben auch Restriktionen bekommen. Das reicht vom kleinsten Teil bis zum Entwicklungsbudget. Auch die Rennwochenenden sollen jetzt kompakter werden. Es ist aber nicht mein Job, darüber zu urteilen. Dafür hat Audi Strategen, die wissen, wie sie das zu planen haben. Ich muss nur schnell im Kreis fahren - und wenn ich das erfolgreich mache, ist das gut für das Image der Marke."

Frage: "Du hast im Winter Ihr Musikidol P!nk getroffen, zu einer DTM-Taxifahrt eingeladen. Steht der Termin schon?"
Scheider: "Noch ist nichts Konkretes in Planung. Ich war aber ganz baff, dass sie bei unserem Treffen schon nach 20 Sekunden gefragt hat, ob ich sie im Rennwagen mal mitnehmen kann. Ich bin gar nicht davon ausgegangen, dass sie überhaupt wusste, welche Art von Auto ich fahre. Deshalb hatte ich ihr ein Modellauto meines Audi A4 DTM, eine Visitenkarte und eine Einladung zu einem DTM-Wochenende mitgebracht. Sie hat sofort mit ihrem Management geredet. Zum Saisonauftakt kann sie leider nicht kommen, aber wir stehen noch in Kontakt."

Am liebsten wieder selbst Meister

Frage: "Angenommen, du könntest deinen Titel in diesem Jahr nicht verteidigen, wem würdest du deine Nachfolge gönnen?"
Scheider: "Es gibt keinen, den ich da speziell bevorzugen würde. Es gibt mehr als zwei Hände voll Fahrer, die es verdient hätten. Schön wäre natürlich, wenn er einen Audi fährt."

Frage: "Deine Lebensgefährtin Jasmin Rubatto hat dir zuliebe beim Saisonfinale auf einen Gaststart im SEAT-Leon-Supercopa verzichtet. Holt sie den jetzt nach?"
Scheider: "Ja! Sie testet in Hockenheim, auf dem Lausitzring wird sie dann starten. Sie ist ja früher selbst Rennen gefahren, wollte aber irgendwann den Druck nicht mehr. Jetzt hat sie aber mal wieder richtig Lust drauf. Ich gebe ihr aber ganz bestimmt keine Ziele vor. Sie soll einfach ihren Spaß haben. Und Letzte will sie ganz bestimmt selbst nicht werden!"

Eine ausführliche Vorschau auf die bevorstehende DTM-Saison finden Sie übrigens in der neuen Ausgabe der 'Auto Bild motorsport' , die am 15. Mai erstmals als Heft im Heft in der 'Auto Bild' erscheinen wird.

Fotoquelle: xpb.cc

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