Timo Scheider startet zum ersten Mal als Titelverteidiger in die Saison

DTM 2009

— 13.05.2009

Scheiders neue Leichtigkeit des Seins

Als Titelverteidiger verspürt Timo Scheider sowohl Leichtigkeit als auch Druck - Die Vorgabe für die neue Saison: Möglichst sofort kräftig Punkte sammeln

Vor einem Jahr kam Timo Scheider mit gerade einem Podiumsplatz auf seinem Konto zum Saisonauftakt nach Hockenheim. Nun, ein Jahr später, kommt er als amtierender DTM-Champion. Für den Audi-Piloten hat sich in diesem einen Jahr einiges geändert. "Natürlich lebt es sich einfacher als vor einem Jahr, das muss ich ganz klar sagen", erklärt Scheider kurz vor dem Saisonauftakt 2009.

"Das ganze Standing der Person Timo Scheider hat sich plötzlich um fast 180 Grad gedreht. Viele Menschen im Umfeld der DTM hatten ja schon die verschiedensten Bezeichnungen für die Person Timo Scheider, das reichte von 'Podestverweigerer' bis zu 'ewiges Talent'", blickt er zurück. "Es ist natürlich schön, bewiesen zu haben, dass man doch gute Leistungen und Performances konstant über ein Jahr zeigen kann. Diese Leichtigkeit hilft ein bisschen, wenn man heute ins Auto steigt."

Doch Scheider weiß: "Trotz dieser 'Leichtigkeit' zählt auch in diesem Jahr die Person Timo Scheider eigentlich nur dann etwas, wenn sie wieder Leistung bringt. Wenn im ersten oder zweiten Rennen die Leistung nicht stimmt, dann interessiert fast keinen mehr, was im vergangenen Jahr war."

Man kann bei Scheider vereinzelte Parallelen zu Jenson Button ziehen, der in der Formel 1 jahrelang um Anerkennung gekämpft hat und nun im Brawn das Feld dominiert. Diese Parallelen zieht auch Scheider selbst: "Ich sehe bei ihm Momente und Situationen, in den ich mich auch schon befunden habe. Es ist schön zu sehen, wenn Menschen ihren Traum einfach weiterverfolgen und nicht aufgeben, wenn es eben nicht läuft. Die gerade in den schweren Situationen nicht den Kopf in den Sand stecken und weiter arbeiten. Und das war auch mein Erfolgsrezept: Nicht aufgeben und kämpfen, bis man das Ziel erreicht hat."

In Schumachers Schatten? Kein Problem!

Scheider ist der amtierende Champion - doch als großes Aushängeschild dient der DTM ein anderer Fahrer: Ralf Schumacher. Ein Problem hat der Audi-Pilot allerdings nicht: "Ich weiß, dass Ralf der DTM gut tut. Ralf war immerhin in der Formel 1 ein Aushängeschild für Deutschland und der DTM tut ein Name wie Schumacher gut - das muss man ganz klar sagen. Ich bin froh, wenn ich PR-Termine habe, bin aber auch genauso froh, wenn ich mich dann wieder auf das Wesentliche konzentrieren und meinem Job hinter dem Lenkrad nachgehen kann."

"Für Ralf wird es ein hartes Jahr werden, denn seine Leistung wird extrem auf dem Prüfstand stehen, nachdem er ein aktuelles Auto hat, mit dem er um das Podium fahren kann", sagt Scheider, der eigentlich froh ist, dass der Rummel um ihn "nicht ganz den Stand hat wie bei einem Ralf Schumacher". Doch so ganz unbeobachtet ist auch der Champion nicht: "Alle Augen werden auf einen gerichtet sein und alle werden schauen, was ein Timo Scheider macht, welche Rundenzeiten er fährt, was für ein Setup er fährt. Das ist natürlich ein neuer Druck, den wir jetzt haben. Aber ich muss sagen, dass ich mich jetzt sehr gut fühle. Ich freue mich auf die erste Ausfahrt mit der Nummer eins und ich hoffe, dass ich dem Druck standhalten kann."

Die Devise: Gleich kräftig punkten

Als klares Ziel nennt Scheider die Titelverteidigung. Und entsprechend hat er sich auch die Strategie für die Saison zurechtgelegt. Bei nur zehn Rennen könne es ganz schnell passieren, dass der Titelzug schon nach den ersten Rennen abgefahren sein könnte, wenn man dort nicht die Basis legt. "Ich habe mir auch ganz klar zur Vorgabe gemacht, dass ich in den ersten beiden Rennen vor allem gute Punkteergebnisse brauche", erklärt er. "Perfekt wäre natürlich der Sieg. Aber vielleicht muss man auch darüber nachdenken, ob vielleicht ein vierter oder fünfter Platz sinnvoller und besser ist als ein Ausfall."

Das gelte vor allem beim Saisonbeginn: "Wenn man schon nach dem ersten oder zweiten Rennen den Punkten hinterherlaufen muss, ist es extrem anstrengend. Denn man muss dann aggressiv und gleichzeitig defensiv fahren. Und das macht es natürlich nicht einfacher. Als ich habe ganz klar die Devise, dass ich am besten am Anfang zwei-, dreimal sehr gut punkten will, damit ich mir das Ganze danach ein bisschen einteilen kann."

Derzeit ist Scheider bei seinem Abt-Team in Kempten, wo noch einmal Boxenstopps geübt werden, damit dann beim Saisonauftakt alles reibungslos läuft. Und auch er selbst sieht sich in einer guten Verfassung: "Ich glaube behaupten zu können, dass ich mich noch intensiver vorbereitet habe als in den vergangenen Jahren. Denn es wäre für mich das Schlimmste, mir am Ende vorwerfen zu müssen, dass ich nicht alles getan habe, um den Titel verteidigen zu können."

Bei den Testfahrten konnten Scheider und Audi das geplante Programm "gut abarbeiten", in Dijon war er der Schnellste überhaupt, in Hockenheim holte er eine Tagesbestzeit. "Ich weiß aber auch, dass diese Zeiten eigentlich keinen großen Wert haben. Wie es wirklich aussieht und wie gut wir im Winter gearbeitet haben, das werden wir am kommenden Samstag sehen. Aber ich fühle mich sehr gut", so Scheider.

Das Risiko minimiert

Sein neues Arbeitsgerät, der "R14 plus", wie der aktuelle A4 Audi-intern heißt, funktioniere gut. Darin, dass der neue Wagen eine Weiterentwicklung des 2008er-Modells und kein völlig neues Auto ist, sieht Scheider auch gewisse Vorteile: "Der R14 plus war nur ein 'halber Unbekannter'. Die Basis ist die gleiche wie bei unserem Meisterauto aus dem vergangenen Jahr, was bedeutet, dass wir das Risiko deutlich minimieren konnten im Vergleich zum vergangenen Jahr. Damals kamen wir mit dem völlig neuen A4 zum ersten Rennen und wussten nicht, was wir können und was das Auto kann."

Dennoch müsse man auch mit dem neuen Auto neue Erfahrungen sammeln, betont Scheider, "es wurden in der Weiterentwicklung auch neue Anbauteile, neue Aerodynamik und so weiter an diesem Auto verbaut. Also gibt es auch ein neues Setup und neue Einstellungsmöglichkeiten geben wird. Aber es bewegt sich nicht in einem so großen Rahmen wie 2008." Zudem ist es aus Fahrersicht sehr angenehm, dass der Fahrstil der gleiche geblieben ist: "Das ist für mich positiv, denn ich bin mit dem letztjährigen Auto sehr gut zurechtgekommen. Es ist schon recht angenehm, wenn man auf das gewohnte Fahrverhalten des Autos zurückgreifen kann."

Damit ist Scheider gerüstet für den Kampf um Siege und den Titel. Doch auf die Frage nach seinen schärfsten Konkurrenten fällt seine Antwort recht lang aus: "Da brauche ich nicht so weit auszuschweifen: Das sind ganz klar meine drei Teamkollegen Mattias Ekström, Tom Kristensen und Martin Tomczyk, die alle in der Lage, sind ein Rennen zu gewinnen." Und wenn es für diese drei schon zu Saisonbeginn gut läuft, "dann würde ich jedem meiner Teamkollegen zutrauen, sofort um den Titel mitzufahren."

Bei Mercedes erwartet sich Scheider den schärfsten Gegenwind von seinem letztjährigen Rivalen Paul Di Resta und Gary Paffett, "den ich für sehr stark halte". Bei Bruno Spengler sei "interessant, wie er in die Saison kommt, welche Leistung er zeigt. Aber diese drei halte ich auch auf jeden Fall für Siegkandidaten." Und Ralf Schumacher "sollte man auf keinen Fall unterschätzen", so Scheider.

Doch der Champion hat auch noch andere auf der Rechnung, zumindest wenn es um Siege und Podiumsplätze geht. Die Jahreswagen sind von der Basis her in diesem Jahr 20 Kilogramm leichter als die aktuellen Modelle. Laut Scheider kann das je nach Rennstrecke bis zu vier Zehntelsekunden ausmachen: "Und da kann es durchaus passieren, dass wir Vorjahresfahrzeuge haben, die uns ärgern und dass wir Fahrer auf dem Podium oder sogar Sieger haben, die wir in der Vergangenheit gar nicht auf der Rechnung gehabt hätten."

Fotoquelle: Rolf Scholl

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