Christian Abt ist an diesem Wochenende beim 24-Stunden-Rennen in der Eifel

DTM 2009

— 21.05.2009

Christian Abts große Auftaktanalyse - Teil 2

Experte Christian Abt über schnelle Jahreswagen und "gebügelte" Hersteller, Audi-Neuwagenpiloten auf dem Prüfstand und eine unüberlegte Verlängerung

Es gab viele Themen, die beim Saisonauftakt in Hockenheim im Fahrerlager diskutiert worden. Die dank neuer Gewichtsverteilung erstarkten Jahreswagen, der neue Zeitplan, das neue Qualifyingformat und die Spritprobleme durch die kurzfristige Verlängerung des Rennens um eine Runde waren nur ein Teil der Themen. 'Motorsport-Total.com'-Experte Christian Abt geht sie in seiner Auftaktanalyse noch einmal im Detail durch.

Der Allgäuer findet es "aus sportlicher Sicht, den richtigen Weg, dass man die Jahreswagen näher heranführt und dass sie die Chance haben, auch Rennen zu gewinnen." Was nun mit einem 08er-Modell möglich sei, hätten Oliver Jarvis und Markus Winkelhock in Hockenheim gezeigt: "Sie waren verdammt schnell. Aber Maro Engel und Jamie Green waren im Jahreswagen von Mercedes super unterwegs."

Für die Zuschauer sei die Entscheidung, es den Jahreswagen leichter zu machen, richtig gewesen, so Abt. Er betonte allerdings: "Ob die Hersteller darüber glücklich sind, weiß ich nicht. Ob man es bei Mercedes gern sieht, dass man wie in Hockenheim auch noch von gebrauchten Audis gebügelt wird? Audi selbst hat ein neues Auto gebaut, das schneller ist als das alte. Es ist aber auch noch ein anderer Hersteller mit neuen Autos dabei. Und wenn die dann nicht schneller sind als die Gebrauchten von Audi, dann wird es schon ein bisschen eng."

Oliver Jarvis hat mit Rang drei gezeigt, dass mit einem Jahreswagen sogar der Sprung aufs Podium möglich ist. Das stimmte Abt ein bisschen stolz, schließlich hat er den jungen Briten mitentdeckt und gefördert. "Als er bei Audi angefangen hat, habe ich schon gesagt, dass das ein absolut fähiger Mann ist. Schon nach seiner ersten Saison habe ich gesagt, dass er in der Rangordnung eigentlich eine Stufe höher gehört. Er ist im gebrauchten Wagen fehl am Platz", so der Experte.

Doch Audi entschied anders und ließ Jarvis eine zweite Saison im Jahreswagen absolvieren. Und Abt gibt zu: So verkehrt ist das gar nicht. "Dr. Ullrich baut auf sein Meisterteam. Sie haben so gut zusammengehalten. Auch die Vorjahreswagenfahrer waren im vergangenen Jahr ordentlich unterwegs. Doch sich noch ein weiteres Jahr anzuschauen, welche Entwicklung sie in ihrer Performance im zweiten Jahr machen, ist auch in meinen Augen nicht ganz so falsch."

Denn am Anfang seien alle Newcomer hoch motiviert, zu zeigen, was sie können. Das habe sich nicht nur bei Jarvis, sondern auch in den ersten Rennen von Alexandre Prémat gezeigt. "Aber dann kristallisiert sich doch heraus, wie viele Fehler so ein Junge über das ganze Jahr", weiß Abt. Und so müsse man auch bei Jarvis erst noch sehen, ob er motiviert genug ist, ein weiteres Jahr im Gebrauchtwagen alles zu geben: "In Hockenheim hat er uns schon bewiesen, dass er auf dem richtigen Weg ist. Und wenn er so weiter macht, dann sehe ich ihn im nächsten Jahr mit Sicherheit im Neuwagen - weil er eine 'unbandige' Performance zeigt."

Doch Jarvis ist nicht der einzige Jahreswagenfahrer bei Audi, der Abt überzeugt hat: "Auch Markus Winkelhock hat wieder gezeigt, wie stark er ist. Im vergangenen Jahr hat ihm am Schluss ein bisschen das Glück gefehlt. Er war immer der beste Audi-Jahreswagenfahrer, aber die letzten Rennen, wo die anderen mehr gepunktet haben, haben ihm das Kreuz gebrochen. Doch er war über das gesamte Jahr verdammt stark - und so scheint es auch in diesem Jahr zu sein."

Auch die Neuwagenfahrer auf dem Prüfstand

Ziel aller Jahreswagenfahrer ist es, sich im kommenden Jahr für einen Neuwagen zu empfehlen. Ein Cockpit wird bei Audi mit Sicherheit frei, denn Tom Kristensen beendet seine DTM-Karriere und konzentriert sich auf die Sportwagen. Doch Abt würde nicht ausschließen, dass noch ein weiterer Neuwagen bei den Ingolstädtern frei wird: "Ich glaube, da muss man sich auch genau anschauen, wie die Performance aller vier Fahrer der neuen Fahrzeuge über das Jahr ist. Man muss schauen, ob sie die gleiche Leistung bringen wie andere Rennfahrer. Jeder hat jetzt über die Jahre seine Chance bekommen und da muss man auch schauen, für welchen Fahrer da der Zeitpunkt gekommen ist."

Damit zum nächsten Thema: dem gestrafften Zeitplan. Abt begrüßt die Konzentration der Rennwochenenden auf zwei Tage. Und er sieht kein Problem darin, wenn das Training auch noch unvorhersehbar längere Zeit unterbrochen wird - wie in Hockenheim, als ein Kerb entfernt werden musste. "Die DTM-Autos sind mittlerweile so aussortiert und so schnell zu handeln, dass diese zweieinhalb Stunden völlig ausreichen. Die Fahrer stehen fast nur in der Box und wenn so etwas wie mit den Kerbs passiert, ist das nur noch ein bisschen Freizeit mehr. Ich glaube, es war der richtige Schritt, denn ich habe so eine Straffung schon immer befürwortet. Man muss da nicht über drei Tage nur im Kreis rumfahren."

Pokern im Qualifying

Weniger überzeugt ist Abt vom neuen vierten Qualifyingsektor. "Das ist ein Pokerspiel, das verdammt hart werden kann", erklärte der Allgäuer. "Denn wenn du einen kleinen Fehler drin hast, dann hast du selbst zum Schluss keinen Reifen mehr, während die anderen alle wirklich mit neuen Reifen fahren können."

Eigentlich war ja das Ziel des neuen Formats, dass in Q4 alle mit gebrauchten Reifen fahren. Doch das lässt sich leicht umgehen, wenn man eben vor dem Ende von Q3 noch neue Reifen aufzieht und einmal langsam um die Strecke rollt. So haben es in Hockenheim Mattias Ekström und Tom Kristensen gemacht - und sie teilten sich die erste Startreihe.

Abt Sportsline habe die "Lücke im Reglement gleich wieder gefunden", so der Allgäuer: "Man hatte es ja auch vorher schon so gesagt, aber es hat keiner geglaubt, dass es wirklich so durchgezogen wird. Aber das Team hat es nun eben vorgemacht und jetzt muss man mit der Situation so umgehen. Es kann sein, dass du als Vierter den Einzug in Q4 schaffst, aber keine neuen Reifen hast - dann hast du nie mehr die Chance auf die Pole. Oder du bist im dritten Segment der Schnellste, kannst dann aber im vierten Outing keine Bestzeit mehr fahren."

Bleiben jetzt alle nach dem Ziel stehen?

Einen besonderen "Trick" hat Audi auch am Ende des Rennens angewandt: Man ließ Timo Scheider in der Auslaufrunde das Auto am Streckenrand abstellen. Denn nachdem das Rennen kurzfristig auf Bitten der 'ARD' um noch eine Runde verlängert wurde, war man sich bei den Ingolstädtern nicht sicher, ob Scheider im Parc Fermé noch die nötige Mindestbenzinmenge im Tank haben würde. Und auch hier macht es das Reglement möglich: Ein Fahrer muss aus eigener Kraft über die Ziellinie fahren, in den Parc Fermé darf er abgeschleppt werden. Und so sicherte man Scheiders zweiten Platz lieber durch Abstellen, als zu riskieren, dass er die Position am Ende wegen zu wenig Benzin verliert.

Dieses Manöver wurde im Fahrerlager heiß diskutiert. Die einen waren sich sicher, dass schnellstens das Reglement so geändert wird, dass Abstellen während der Auslaufrunde verboten wird. Andere gehen schlichtweg davon aus, dass das Beispiel Schule macht und beim nächsten Rennen am Lausitzring eben nicht nur ein, sondern zwölf oder mehr Autos nach der Ziellinie stehen bleiben und rieten den Organisatoren, schon einmal genügend Abschleppwagen bereitzustellen.

Experte Abt ist der Meinung, dass man sich "zu wenig Gedanken über die Folgen gemacht hat", als man spontan die Renndistanz verlängert hat: "Manchmal hören auch Verantwortliche bei solchen Themen nicht richtig zu. Man hat gewusst, dass die Tanks so und so groß sind. Und man hat gewusst, dass man eine bestimmte Zeit braucht, um so etwas auch technisch umzusetzen. Wenn man dann einfach nur eine Vorgabe macht, ist das nicht der richtige Weg."

Für den Lausitzring sieht Abt nur eine schnelle Lösung des Problems: "Dann muss man halt die Auslaufrunde weglassen und das Auto reinschieben. Momentan ist das technisch nicht anders möglich. Sie wollen eine Runde mehr fahren - aber wenn in den Tank nicht mehr Benzin passt, was will man denn da machen? Einfach mehr tanken geht auch nicht, da sind schon größere technische Schritte nötig, die die Hersteller einleiten müssen. Ich finde es nicht richtig, dass der DMSB das Reglement einfach so geändert hat. Da war zu wenig Überlegung da."

Fotoquelle: xpb.cc

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