Timo Scheider wartet in dieser Saison noch auf seinen ersten vollen Erfolg

DTM 2009

— 21.06.2009

Scheider: "Auch dritte bis fünfte Plätze wichtig"

Champion Timo Scheider im Interview über den Saisonauftakt, die eigenen höheren Erwartungen, die Eigenheiten des Norisrings und das RACE-4-KIDS

Auf eine Pole-Position oder einen Sieg muss der amtierende DTM-Champion Timo Scheider in dieser Saison noch warten. Doch der Audi-Pilot konnte so viele Punkte sammeln, dass er als Tabellenführer zum dritten Saisonrennen an den Norisring kommt. Im Exklusivinterview mit 'Motorsport-Total.com' erklärte Scheider, warum der Saisonauftakt für ihn nicht ganz so lief wie erhofft. Er sprach über die technischen Anforderungen am Norisring und warum Mercedes dort traditionell stärker ist. Weitere Themen: Die eigenen höheren Erwartungen und das RACE-4-Kids in Friedrichshafen.

Frage: "Jetzt ist rund ein Monat seit dem Saisonstart auf dem Hockenheimring vergangen. Wie sind die beiden ersten DTM-Rennen für dich gelaufen?"
Timo Scheider: "Der Saisonauftakt ist nicht ganz so gut gelaufen. Die Balance des Autos war nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. So hatten wir das ganze Wochenende Probleme mit der Hinterachse, die wir nicht so richtig in den Griff bekommen haben. Damit hat mir im Auto die Sicherheit gefehlt, an die Grenzen zu gehen und zu attackieren. Das hat man dann auch im Qualifying mit Platz fünf gesehen."

"Im Rennen war das Setup nicht schlecht, aber die Strategie hat nicht ganz gepasst. Ich bin fast das gesamte Rennen hinter Tom festgehangen. Da konnte ich nicht viel machen, weil ich kein Risiko eingehen wollte. Punkte sind wichtig, um eine gute Basis für die Saison zu schaffen. Durch den Ausfall von Mattias ist noch ein glücklicher zweiter Platz rausgekommen. Aber ich denke, von der Rennpace her war ich so schnell wie Mattias. Seinen Speed hätte ich mir durchaus auch zugetraut."

"Auf dem Lausitzring bin ich im Qualifying leider der technischen Abnahme zum Opfer gefallen. Der Streckenbelag ist in der Lausitz sehr glatt und so brauchen die Regenreifen ein paar Runden länger, bis sie richtig funktionieren. Allerdings wurde ich im Q2 zur Kontrolle gerufen, obwohl es eine Abmachung gab, dass wegen der knappen Zeit zwischen Q2 und Q3 keine stattfindet. Trotzdem wurde Gewicht und Fahrzeughöhe geprüft. Der Verantwortliche für die Höhe war sich nicht sicher, ob alles stimmt und hat noch jemanden dazu gerufen. So stand ich dort zwei Minuten, die die anderen schon nutzen konnten, um die ersten Runden zu fahren. So haben ihre Reifen schon funktioniert, als ich erst auf die Strecke kam."

"Aber von Rang vier war noch alles möglich. Zudem ist mir mit 2,9 Sekunden der beste Start meiner Karriere gelungen. Wäre ich nicht zwischen Di Resta und Rockenfeller eingeklemmt worden, hätte ich einige überholen können. Aber so musste ich bremsen, um eine Kollision zu vermeiden. Dazu kamen dann noch die Probleme beim Boxenstopp, als die Radmutter verloren ging. Der Stopp war mit 9,5 Sekunden viel zu lang. Ansonsten wäre ein Platz auf dem Podium durchaus drin gewesen."

"Aber den Mercedes zu schlagen wäre auf jeden Fall schwer geworden. Wir hatten damit gerechnet, da sie auf dem Hockenheimring nicht so schlecht waren, wie oft geschrieben wurde."

Frage: "Wieso hat der Mercedes auf dem Lausitzring und Norisring Vorteile gegenüber dem Audi?"
Scheider: "Der mechanische Grip, besonders die Traktion, ist beim Mercedes besser. Deswegen haben sie auf langen Geraden einen Vorteil. Aber da konnten wir schon einiges aufholen. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Bei Audi legen wir mehr Wert auf die Aerodynamik. Die ersten Rennen im Kalender sind für uns nicht so günstig, da kommen noch Strecken, die uns mehr liegen. Aber wenn man sich überlegt, dass ich trotz den beiden Rennen, die nicht so gut gelaufen sind, in der Meisterschaftschaft führe... das ist eine schöne Situation."

Frage: "Du bist zum ersten Mal als amtierender Meister in eine DTM Saison gestartet. Hat sich der Druck erhöht?"
Scheider: "Der Druck, den du dir selbst machst, ist immer am größten und auch die eigenen Erwartungen steigen. Das gilt auch für die Anforderungen durch das Umfeld. Aber es ist schon interessant: Platz vier und fünf im Qualifying ist eigentlich kein Drama. Vergangenes Jahr hatte ich aber einen Quali-Durchschnitt von 1,9 oder 1,8 - im Verhältnis gesehen schon krass. Ein Jahr zuvor hätte ich bei solchen Ergebnissen Saltos vor Freude geschlagen."

"Platz zwei ist jetzt ganz okay, aber die große Freude ist nicht mehr da. Da muss man sich selbst wieder auf den Boden holen und sich bewusst machen, dass auch dritte bis fünfte Plätze wichtig sein können. Aber ich muss auch sagen, dass durch den Titelgewinn einiges an Druck von mir abgefallen ist. Du hast gezeigt, dass du es kannst und gehst mit einer gewissen Leichtigkeit in die Rennen. Die Nummer 1 auf dem Auto zu haben, fühlt sich gut an."

Norisring: Jahreswagen und Bremsen

Frage: "Nach dem Lausitzring stand schon die erste größere Pause auf dem Programm. Was hast du gemacht?"
Scheider: "So eine richtige Pause war es gar nicht. Ich war bei 'Wetten dass..?!' und habe dort einen Q5 an einen Gewinner übergeben. Zwar waren wir dafür vier Tage auf Mallorca, aber davon habe ich nicht so viel mitbekommen. Jasmin lag mit 40 Grad Fieber im Hotelzimmer und da war Betreuung von meiner Seite gefragt. Dieses Wochenende verbringe ich mit meiner Familie und nächste Woche geht's zum Norisring."

Frage: "Müsst ihr auf dem Norisring auch die Jahreswagen im Auge behalten?"
Scheider: "Auf jeden Fall. Von denen könnte eine große Gefahr ausgehen, schließlich sind sie 20 Kilogramm leichter als wir. Und 20 Kilo von fast null hoch zu beschleunigen und abzubremsen, ist schon ein Unterschied."

Frage: "Zumal das Rennen sechs Runden länger dauert. Was hat das für Auswirkungen?"
Scheider: "Es wird auf jeden Fall noch wärmer und kritisch für die Bremsen. Aber das haben wir ganz gut im Griff. Es wird vor allem darauf ankommen, wie heiß es wird. Vergangenes Jahr sahen wir gut aus und ich hoffe, dass es dieses Jahr wieder so ist. Ich habe mir erst die Analyse von 2008 angesehen und weiß, wo man angreifen kann. Ich freue mich sehr auf das Highlight und ich hoffe, dass wir die Mercedes-Dominanz endlich brechen können."

Frage: "Der Norisring besticht durch seine tolle Atmosphäre, aber auch durch seine langen Wege!"
Scheider: "Natürlich ist es etwas zeitaufwendiger, aber man kommt den Fans wieder näher. Klar, muss man um die 20 Minuten mehr einplanen, wenn man in die Box oder zum Auto will. Aber dafür kann man auch mal mit den Fans reden und Fotos machen, ohne dass sie sich anstellen müssen."

Riesenresonanz bem RACE-4-KIDS

Frage: "Anfang August steht ja wieder RACE-4-KIDS bei euch auf dem Programm. Wie laufen denn die Vorbereitungen?"
Scheider: "Es läuft sehr gut. Es gibt immer mehr Promis, die kommen - entweder weil sie von uns eingeladen werden oder weil sie von Freunden von unserem Event gehört haben. Teilweise müssen wir schon Leuten absagen, da mehr als 30 Teams nicht möglich sind. Im Gästebuch auf unserer Internetseite hat sogar Mario Theissen einen Eintrag hinterlassen."

"Toll ist auch die Unterstützung, die wir erhalten. Die Messe Friedrichshafen und auch der Flughafen, der uns kostenlos Flugraum für die Red-Bull-Airrace-Show zur Verfügung stellt. Am 8. August ist für alle was dabei: egal ob Kind oder Erwachsener. Natürlich nicht zu vergessen, das Kartrennen als Hauptattraktion."

Fotoquelle: xpb.cc

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