Jamie Green feierte am Norisring ausgelassen den Sieg im Jahreswagen

DTM 2009

— 03.07.2009

Green exklusiv: "Würde Neuwagen jetzt mehr schätzen"

Jamie Green im Exklusivinterview über die ersten Rennen im Jahreswagen, neue Motivation und die Dinge, die er nun in einem anderen Blickwinkel sieht

Was wäre, wenn Jamie Green immer noch in einem Neuwagen sitzen würde? Das fragt sich die Konkurrenz in dieser DTM-Saison 2009. Die Antwort ist klar: Mit der Performance, die der Brite im Mercedes-Jahreswagen abliefert, wäre er im Neuwagen ein klarer Titelfavorit. Sein Sieg am Norisring war der bisherige Höhepunkt eines eindrucksvollen Saisonstarts. Green ist einer der wenigen Piloten, die bisher in jedem Rennen punkten konnten. In der Fahrerwertung ist er Vierter, nur drei Zähler hinter Spitzenreiter Timo Scheider.

Im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport-Total.com' lässt Green das packende Rennen am Norisring sowie die ersten beiden Läufe in Hockenheim und in der Lausitz noch einmal Revue passieren. Zudem erläutert er, warum er in dieser Saison wesentlich entspannter wirkt als bisher. Und der Brite erklärt, was er aus seine Rückversetzung in den Jahreswagen lernen will.

Frage: "Jamie, Gratulation zum Sieg am Norisring! Wie hast du die packende Schlussphase erlebt?"
Jamie Green: "In den letzten 20 Runden habe ich hinter meinem Markenkollegen Bruno Spengler abgewartet und versucht, keine Risiken einzugehen. Zunächst sind wir an Timo Scheider nicht vorbeigekommen. Vier Runden vor Schluss konnte Bruno ihn dann doch überholen, allerdings verbremste er sich kurz danach in der Spitzkehre - damit war ich Zweiter hinter Timo. In der Schikane habe ich dann ein Manöver probiert und das hat perfekt funktioniert. Ich muss allen danken, Mercedes-Benz Motorsport, meinem Persson-Team und auch HWA, denn sie haben das Auto gebaut. Das Persson-Team war nach dem Fehler im Qualifying ein bisschen enttäuscht, als wir in Q3 leider zu viele Runden gefahren sind, aber im Rennen haben wir als Team zurückgeschlagen."

Frage: "War dieser Sieg im Jahreswagen noch mehr wert als der vom vergangenen Jahr?"
Green: "Jeder Sieg ist wichtig. Aber es kommt nicht allzu oft vor, dass man mit einem Jahreswagen gewinnen kann. Es ist etwas ganz Besonderes. Aber auch im vergangenen Jahr war es etwas Besonderes, am Norisring zu gewinnen, denn 2006 hatte ich dort ein solch unglückliches Rennen, nachdem ich auf der Pole Position stand und im ersten Stint geführt hatte aber leider nach der 35. Runde wegen Aufhängungsproblemen aufhören musset. Es war schön, zu zeigen, was ich kann."

Pech gleich am ersten Wochenende

Frage: "Wie sind zuvor die beiden ersten Rennen der Saison für dich verlaufen?"
Green: "Beide Rennen sind für mich okay verlaufen, da ich Punkte sammeln konnte. Aber ein achter und ein sechster Platz sind nichts Besonderes. Ich war damit nicht wirklich zufrieden. Ich konnte auf dem Lausitzring die schnellste Rennrunde fahren und es ist schön, wenn einem dies in einem Jahreswagen gelingt. Im ersten Rennen musste ich vor dem Qualifying meinen Motor wechseln. Damit hatte ich einen schwierigen Start ins Rennen, aber ich konnte noch auf den achten Platz vorfahren. Das Qualifying auf nasser Strecke auf dem Lausitzring hat uns auch nicht wirklich geholfen, da wir im Nassen nicht so schnell waren wie vorher im Trockenen. Ein Zeittraining auf trockener Strecke wäre besser für uns gewesen."

Frage: "Denkst du, dass es ein Vorteil für dich ist, dass du dein Auto aus dem Vorjahr kennst?"
Green: "Ich kann darin keinen Vorteil für mich sehen. Es gibt keine Garantie, dass das Auto das gleiche Setup hat. Denn andere Personen sind jetzt dafür verantwortlich. Es mag das gleiche Chassis sein, aber es könnte anders abgestimmt sein. Deshalb denke ich nicht, dass ich davon profitiere. Aber es ist ein Vorteil, dass ich die DTM kenne. Ich bin hier seit vier Jahren und kenne die Strecken. Das macht mich konkurrenzfähig."

Frage: "Deine Erfahrung hast du unter anderem vier Jahre lang in einem Neuwagen gesammelt. Bist du als 'alter Hase' nun eine Art 'Leader' im Lager der Jahreswagenfahrer bist?"
Green: "Ja, ich denke, dass ich das sein sollte. Es gibt viele gute Fahrer in der DTM und es ist nie einfach. Ich habe einen guten Job im Neuwagen gemacht und jetzt will ich im Jahreswagen gute Leistungen zeigen. Mein Ziel ist es, der bestplatzierte Fahrer der 08er-Autos zu sein. Darauf konzentriere ich mich. Ich hoffe also, dass ich am Ende der Saison der Leader bin!"

Frage: "Hast du das Gefühl, dass dich die Leute mehr beobachten, weil sie wissen wollen, ob du den Weg zurück in den Neuwagen schaffst?"
Green: "Das ist durchaus möglich. Wenn du in einem Neuwagen sitzt, schauen die Leute die ganze Zeit auf dich. Denn im Werksteam gibt es immer mindestens einen Piloten, der eine gute Leistung zeigt, auch wenn es nicht in jedem Rennen derselbe Fahrer ist. Doch irgendeiner liegt immer vorn. Alle erwarten, dass du auch auf diesem Level fährst, egal auf welcher Strecke. Bei den Jahreswagen hast du Fahrer um dich herum, die nicht unbedingt so schnell sind wie die Neuwagenpiloten. Wenn man also versucht, die Leute in den Fahrzeugen des gleichen Jahrgangs zu schlagen, ist es bei den Jahreswagen einfacher als bei den Neuwagen."

"Aber eigentlich willst du immer vorn sein, egal ob in einem neuen oder einem alten Fahrzeug. Gary Paffett hat ein Rennen in einem alten Auto gewonnen und Paul Di Resta hat auch im Jahreswagen viele Podiumsplatzierungen eingefahren. Das habe ich mir auch vorgenommen. Ich habe das Gefühl, dass in diesem Jahr etwas weniger Druck auf mir lastet. Aber mein Ziel bleibt immer das gleiche: Ich will weiter Rennen gewinnen."

Frage: "Du wirkst in dieser Saison auch viel entspannter als zuvor..."
Green: "Ja, ich denke, das bin ich auch. Die beiden schlimmsten Dinge, die einem in der DTM passieren können sind, dass du dein Cockpit entweder ganz verlierst oder dass du zurückversetzt wirst in einen Jahreswagen. Ich bin im Jahreswagen gelandet. Das einzige, was mir also noch passieren könnte, wäre meinen Job hier ganz zu verlieren. Deshalb denke ich momentan: 'Was soll's?' Ich will meine Rennen einfach genießen. Manchmal setzt du dich selbst so unter Druck, dass du es nicht mehr genießt. Mein Hauptziel ist in diesem Jahr, Spaß am Rennsport zu haben und mein Bestes zu geben. Ich hoffe, dass mich diese Denkweise noch schneller macht. Ich versuche, positiv an die Sache heranzugehen."

Sicht aus anderem Blickwinkel

Frage: "Kann die Zeit im Jahreswagen vielleicht auch einen noch besseren und kompletteren Fahrer aus dir machen?"
Green: "Es tut dir auf jeden Fall nicht weh, im Jahreswagen zu fahren. Es ist nichts Negatives. So lange du richtig darauf reagierst, hart arbeitest und im Jahreswagen schnell fährst, kann es gut für dich sein. Du siehst die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Und vielleicht kannst du es dann auch mehr schätzen, einen Neuwagen zu bekommen, wenn du wieder aufsteigst."

"Vielleicht fühlt man sich dann glücklicher, einen Neuwagen zu haben. Als ich in die DTM kam, hatte ich von Beginn an ein neues Auto und saß jedes Jahr darin. Deshalb war es für mich schon normal. Wenn man dann in einem Jahreswagen sitzt, realisiert man, wie toll es war, in einem Neuwagen zu sitzen. Und ich will dort wieder hin. Ich denke, dass ich es jetzt mehr schätzen würde, wieder ein aktuelles Fahrzeug zu bekommen."

Frage: "Hat sich dein Leben als Rennfahrer verändert? Zum Beispiel testest du jetzt weniger..."
Green: "Ich habe jetzt etwas mehr Zeit zu Hause. Während der Saison fahre ich gar keine Tests mehr, was reglementbedingt ist Im Neuwagen bist du immer mit der Weiterentwicklung beschäftigt. Es ist eine schöne Abwechslung für mich. Nicht, dass ich für immer im Jahreswagen sitzen will - aber für ein Jahr tut es nicht weh. Ich genieße es, will aber nicht für immer in dieser Situation sein."

Fotoquelle: xpb.cc

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