Gary Paffett findet es "großartig", wieder im Neuwagen zu sitzen

DTM 2009

— 05.07.2009

Paffett exklusiv: "Bin vielleicht noch besser als 2005"

Gary Paffett im Interview über seine Rückkehr in den Neuwagen, den turbulenten Saisonauftakt, die Stärken von Mattias Ekström und das Fernziel Formel 1

Gary Paffett gehört in dieser Saison zu den Titelkandidaten in der DTM. Drei Zähler fehlen ihm derzeit auf Spitzenreiter Timo Scheider. Und wäre für ihn im ersten Rennen in Hockenheim nicht schon in der ersten Runde Schluss gewesen, würde der Mercedes-Pilot vielleicht sogar selbst in der Tabelle ganz vorn liegen. Nach zwei Jahren im Jahreswagen ist der 2005er-Champion Paffett zurückgekehrt in den Neuwagen. Ein Ausfall, ein Sieg und ein fünfter Platz - so lautet seine bisherige Saisonbilanz.

Im Exklusivinterview mit 'Motorsport-Total.com' blickt Paffett noch einmal auf das "Wechselbad der Gefühle" zurück, das er in den ersten Rennen erlebt hat. Er erklärt, warum er seiner Meinung nach zu Recht wieder im Neuwagen sitzt und warum er sich im Winter für das Cockpit erneut empfehlen musste. Zudem spricht er über die Arbeit im HWA-Team und mit Ralf Schumacher, seinen Traum von der Formel 1 und die Gründe, warum er zwar gern Deutsch lernen würde, aber keine Zeit dafür hat.

Frage: "Gary, wie würdest du die bisherige Saison zusammenfassen?"
Gary Paffett: "Ich bin durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Wir sind voller Zuversicht nach Hockenheim gekommen. Die Tests waren sehr gut gelaufen und die 2009er AMG Mercedes C-Klasse hat sich toll angefühlt. Dann konnten wir dort aber nicht die Performance zeigen, die wir erwartet hatten. Wir hatten in der Qualifikation Probleme. Im ersten Teil des Qualifyings lief es sehr gut, doch im zweiten stimmte die Balance nicht mehr. Deshalb stand ich weiter hinten."

"Das Rennen selbst war für mich dann leider recht kurz. Ich startete gut, hatte aber schon in der ersten Runde im Gerangel um die Positionen einen Unfall mit Alexandre Prémat und mein Auto blieb liegen. Damit war das Rennen für mich beendet. Es war für das gesamte Team ein sehr schwieriges Wochenende. Im Rennen war Audi schneller als wir. Selbst für mich, der in der Box stand, war es schwer zuzuschauen, wie die Audis uns davongefahren sind. Das war für alle sicherlich eine große Überraschung."

"Wir alle waren überzeugt, dass wir ein sehr gutes Auto und ein sehr gutes Paket haben. Aber irgendetwas war da in Hockenheim schief gelaufen. Am Lausitzring waren wir deutlich schneller als unsere Konkurrenz. Im Qualifying hat es geregnet und wir haben im Nassen eine sehr gute Performance abgeliefert. Wenn ich nicht einen Fehler gemacht hätte, dann hätte ich auf der Pole Position gestanden. So war ich Zweiter, wegen der Strafe in Folge meiner Kollision im Auftaktrennen in Hockenheim wurde ich aber auf Platz sieben zurückversetzt. Das war natürlich alles andere als ideal."

Perfektes Rennen in der Lausitz

"Aber im Rennen war meine C-Klasse fantastisch, vor allem auf gebrauchten Reifen. Das Auto war sehr konstant. Durch unsere Strategie konnte ich vermeiden, im Verkehr zu stecken. Ich habe meine Stopps zu ganz anderen Zeiten gemacht als die anderen. Und ich glaube, dass alle überrascht waren, wie viel schneller wir auf gebrauchten Reifen als die Audi auf relativ frischen Reifen waren. Deren Reifen waren ein paar Runden lang gut, haben dann aber nachgelassen. Wir konnten dagegen an der Spitze mindestens eine halbe Sekunde pro Runde herausfahren. Das hat mir ermöglicht, bei nur einem Boxenstopp fünf Plätze gut zu machen. Es war unglaublich, wie konstant unser Auto im Vergleich zu den Audi war. Selbst auf eine Runde waren wir eine halbe Sekunde schneller. Natürlich waren die Audi reglementsbedingt nach dem Sieg auf dem Hockenheimring ein bisschen schwerer, aber das hat den Unterschied bei den Rundenzeiten nicht einmal zur Hälfte ausgemacht."

"Wir haben ein gutes Paket. Niemand kann mit Sicherheit sagen, warum es sich von einem Rennen zum nächsten so geändert hat. Wir haben gezeigt, dass wir ein gutes Auto haben und das Rennen am Lausitzring gewonnen. Viele Leute haben vielleicht erwartet, dass wir am Lausitzring eine Wiederholung des Hockenheim-Wochenendes erleben, aber wir waren zuversichtlich, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Das Rennen am Norisring war anstrengend. Ich fuhr beständig an vierter Stelle, doch durch den etwas längeren zweiten Boxenstopp verlor ich diesen Platz an Mattias Ekström. Alle lagen sehr eng beieinander und so bin ich mit meinen vier Punkten ganz zufrieden."

Frage: "Mit welchen Gefühlen bist du nach der Enttäuschung von Hockenheim an den Lausitzring gekommen?"
Paffett: "Wir haben vor allem versucht, hart zu arbeiten und sicherzustellen, dass diesmal alles passt. Wir haben nicht mehr zu sehr über das nachgedacht, was in Hockenheim passiert war, das war abgehakt, sondern wir haben im Training nur daran gearbeitet, das richtige Setup und eine gute Balance zu finden. Mein Team und ich wussten, dass ich in der Startaufstellung um fünf Plätze zurückversetzt werde. Das haben wir akzeptiert und versucht, unser Bestes zu geben. Wir hatten uns nicht als klares Ziel gesetzt, das Rennen zu gewinnen. Aber wir hatten uns auf alle Fälle vorgenommen, viele Punkte zu holen. Am Ende haben wir das Rennen gewonnen. Wir haben unsere Erwartungen also übertroffen."

Frage: "Wie fühlt es sich an, wieder in einem Neuwagen zu fahren?"
Paffett: "Es ist großartig. Natürlich kann man auch in einem Jahreswagen gute Rennen fahren und tolle Wochenenden haben. Nur geht das nicht konstant bei jedem Rennen. In einem Neuwagen hat man - mal abgesehen von dem, was in Hockenheim passiert ist - immer das Paket, um zu gewinnen oder an der Spitze mitzufahren. Man kann also mit dem gleichen Einsatz Erster, Zweiter oder Dritter werden statt Zehnter oder Zwölfter. Man wird für seine Mühen besser belohnt."

Frage: "Ist auch die Tatsache, dass in der Formel 1 viel weniger getestet wird, einer der Gründe, warum du wieder einen Neuwagen bekommen hast?"
Paffett: "Nein, das denke ich nicht. Grundsätzlich muss ich sagen, dass Mercedes-Benz immer fantastisch zu mir war. Ich bin als Meister aus der Serie ausgestiegen. Als ich wieder zurückkommen wollte, hatten sie ein Cockpit für mich. Natürlich war es etwas enttäuschend für mich, dass ich nicht gleich wieder einen Neuwagen bekommen habe. Doch mir war klar, dass sie bereits andere Fahrer in die Autos gesetzt hatten, nachdem ich ausgestiegen war und dass sie auch denen ihre Chance geben wollten. Man muss einfach warten, bis sich eine Gelegenheit bietet. Das gilt für jeden hier: Man muss warten, bis man an der Reihe ist und die Chance bekommt, einen Neuwagen zu fahren. Auch ich musste das tun."

"Ich glaube nicht, dass die Beschränkung der Formel-1-Tests dafür ausschlaggebend war. In den vergangenen beiden Jahren habe ich dort auch nicht viel getestet. Ich bin nur etwa 3.000 Testkilometer gefahren. Das ist nicht viel und ich denke auch nicht, dass das meine Performance in der DTM irgendwie beeinflusst hat. Ich arbeite auch jetzt sehr viel für Vodafone McLaren Mercedes. Ich habe nicht völlig damit aufgehört."

Frage: "Hast du das Gefühl, dass du in dieser Saison schon unter Beweis gestellt hast, dass es die richtige Entscheidung war, dir einen Neuwagen zu geben?"
Paffett: "Ja, durchaus. Es hat sich schon bei den Tests im Winter gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war. Denn da wurde beschlossen, dass ich eine 2009er AMG Mercedes C-Klasse bekomme. Ich habe es aber auch schon in der Vergangenheit bewiesen, weil ich Meister geworden bin und zwei Jahre lang der Führungspilot im Team war. Man ist dann schon ein bisschen überrascht, wenn man sein Können erneut unter Beweis stellen muss. Aber beim Test im Winter wollte das Team offenbar prüfen, ob ich immer noch auf demselben Niveau fahre wie früher. Dabei haben sie gesehen, dass ich immer noch der gute Fahrer - oder sogar ein besserer Fahrer - bin, der ich war, als ich den Titel geholt habe. Gerhard Ungar und Norbert haben mir das Cockpit dann gern gegeben. Und nach ein paar Rennen hat sich jetzt sicher gezeigt, dass ich den Speed, die Konstanz und das rennfahrerische Können immer noch habe."

Frage: "Hast du aufgrund deiner Erfahrung im Team wieder eine Art Führungsrolle übernommen?"
Paffett: "Ich denke schon, aber das müssen meine Teamkollegen beschreiben. Aber natürlich kann ich dem Team nicht den Weg vorgeben. Die Ingenieure und Techniker spielen die größte Rolle. Sie bauen das Auto, wir fahren es nur. Und ich würde nicht den anderen Fahrern sagen, was sie tun sollen. Ich würde mich eher darauf konzentrieren, mein eigenes Auto schneller zu machen."

Frage: "Gibst du Ralf Schumacher Ratschläge?"
Paffett: "Wir alle im Team helfen Ralf. Er kann sich alle unsere Daten anschauen und uns jederzeit Fragen stellen. Niemand im Team hält irgendetwas geheim, wir helfen uns immer gegenseitig. Es ist aber nicht so, dass wir ihm 'Unterrichtsstunden' geben, denn Rennfahren kann er. Wenn er etwas fragen möchte, kann er dies tun. Er verbringt viel Zeit mit den Ingenieuren und studiert unsere Daten um herauszufinden, wie er zu unserem Speed finden kann. Bei ihm ist generell wichtig, dass er mehr Erfahrung in der DTM sammeln kann und weiter lernt, wie sich diese Autos verhalten."

Frage: "Wen würdest du im Audi-Lager als deinen größten Konkurrenten bezeichnen?"
Paffett: "Das ist zweifellos Mattias Ekström. Ich habe schon früher mit ihm um den Titel gekämpft und ich weiß, wie gut er ist. Damals hatte er seine Teamkollegen locker im Griff. In den letzten Jahren war er aus welchen Gründen auch immer nicht unbedingt in Topform. Aber in diesem Jahr ist es anders. Ich habe viel mit ihm gesprochen und er sagte mir, dass ihm das Auto in diesem Jahr besser liegt als das des vergangenen Jahres. Und er hat in diesem Jahr bisher gezeigt, dass er dort im Team definitiv der schnellste Fahrer ist - und damit ganz klar für uns der schärfste Gegner."

Die Formel 1 bleibt das Ziel

Frage: "Hat sich dein Leben außerhalb der Rennstrecke geändert, nachdem du jetzt weniger in der Formel 1 testest, dafür wieder mehr in der DTM?"
Paffett: "Nein. Was die Fitness angeht, trainiert man für die DTM genauso hart wie für die Formel 1. Man macht das gleiche Programm, man darf da nicht nachlassen. Es ist körperlich sehr anstrengend, ein DTM-Auto zu fahren. Man trainiert immer so, dass man noch fitter ist als eigentlich nötig wäre. Man arbeitet nicht nur darauf hin, dass man ein DTM-Rennen durchhält, sondern man will mehr. Alle jungen Fahrer hier bereiten ihre Fitness auf die Formel 1 vor, denn sie wollen irgendwann in einem Formel-1-Auto sitzen. Deshalb trainieren wir alle wie die Formel-1-Piloten. Von daher hat sich auch bei mir nichts geändert."

Frage: "Ist die Formel 1 auch immer noch dein Ziel?"
Paffett: "Sicher! Wenn sich die Chance bieten würde, würde ich sie natürlich ergreifen. Man muss immer auf seine Chancen warten. Und während man das tut, muss man beweisen, dass man in der DTM ein guter Rennfahrer ist. Du musst Rennen gewinnen, damit die Leute auch daran glauben, dass du den Job machen kannst."

Frage: "Du hast mit Mercedes-Benz einen deutschen Arbeitgeber. Denkst du darüber nach, Deutsch zu lernen, so wie andere Piloten?"
Paffett: "Das würde ich sehr gern machen. Aber ich arbeite auch noch sehr viel für Vodafone McLaren Mercedes, ich habe drei Kinder und eine Familie, um die ich mich kümmern muss. Deshalb habe ich wesentlich weniger Zeit als andere Fahrer. Ich würde sehr gern besser Deutsch sprechen können, ich denke aber nicht, dass es irgendwelche Auswirkungen auf meine Performance hätte. Natürlich wäre die PR-Arbeit für Mercedes-Benz eventuell manchmal einfacher, wenn ich Deutsch sprechen würde. Wenn ich die Zeit dazu hätte, würde ich Deutsch gerne lernen."

Fotoquelle: xpb.cc

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