"Eine Klasse für sich": Norbert Haug mit seinem Siegfahrer Gary Paffett

DTM 2009

— 19.07.2009

Haug: "Gary eine Klasse für sich"

Für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug war der Sieg in Zandvoort "ein Meilenstein" - Positionswechsel dahinter: Redebedarf mit Audi

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hielt seine Freude über den vor Wochenfrist noch unerwarteten Sieg in Zandvoort nicht zurück. Auf dem niederländischen Dünenkurs zu gewinnen, sei für die Stuttgarter "schon ein Meilenstein", so Haug. Zandvoort sei eine schwieriege Aufgabe für Mercedes als der Norisring, "und wenn man dort mit zehn Kilo Gewichtsnachteil gewinnt, verdient es Beachtung. Und die Jungs haben sich diese Beachtung verdient - und sicherlich ein Bier oder zwei."

"Im vergangenen Jahr habe ich hier in der Pressekonferenz gesagt, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob wir überhaupt teilgenommen haben, weil wir im Vergleich zu unseren Konkurrenten aus Ingolstadt nur in der zweiten Liga gespielt hatten", blickte Haug zurück. "Aber seitdem hat sich viel verbessert. Wir haben unsere Lektion gelernt, wir haben einen guten Schritt nach vorn gemacht und das hat sich nun gezeigt. Das ist die Botschaft an unser Team: niemals aufgeben, selbstkritisch sein und versuchen, etwas Positives daraus zu machen. Man muss an das glauben, was man kann."

Vor dem Zandvoort-Wochenende hat eigentlich kaum jemand erwartet, dass Mercedes gewinnen kann. Auch Haug gibt zu, dass er selbst nicht ganz daran geglaubt hatte: "Wir hatten zwar insgeheim darauf gehofft, dass wir ein paar Leute überraschen können, denn unsere Technikjungs haben das Auto sehr verbessert. Nach den ersten Runden im Regen und dann dem Training dachten wir, dass es schon viel versprechend aussieht."

"Gary war heute einfach eine Klasse für sich", fuhr Haug fort. "Er hatte es wirklich unter Kontrolle. Es war kein einfaches Rennen für ihn. Er war am Anfang gehandicapt, weil Oliver Jarvis so schnell gefahren ist, wie er musste, um das Feld zusammen zu halten. Ich habe auch schon schnellere Boxeneinfahrten gesehen...Aber dass Gary sich dann aus der Umklammerung befreien und auf der Strecke die Antwort geben konnte, macht es eben noch wertvoller. Deshalb gebührt ihm der Sieg."

Paffett war im Mercedes-Neuwagenlager jedoch der einzige Pilot, der Glanzpunkte setzen konnte. Alle anderen mussten sich weiter hinten einreihen. "Wir waren mit den vier neuen Autos sicherlich nicht durchgängig auf einem Leistungsniveau", so Haug. Als mögliche Gründe nannte er den Start und das Setup. So sei zum Beispiel Bruno Spengler das ganze Wochenende über stärker gewesen als im Rennen: "Aber Gary hat die Klasse gezeigt, auch die Klasse der C-Klasse."

Haug hob auch die Leistungen der Jahreswagenfahrer hervor, und zwar nicht nur die der Audi-Piloten Jarvis und Alexandre Prémat. "Maro Engel war im Rennen sehr schnell unterwegs. Wenn es für ihn in der Qualifikation besser gelaufen wäre, wo er nur eine gezeitete Runde fahren konnte, wäre auch für ihn das Podium drin gewesen."

Das Blatt hat sich nach der Auftaktpleite in Hockenheim schnell gewendet - die Bilanz spricht jetzt für Mercedes. Drei der vier Saisonrennen haben die Stuttgarter gewonnen, Paffett führt die Tabelle an. Das bringe Mercedes nicht in eine "Euphoriephase", so Haug, "aber doch in die Selbstbewusstseinphase, dass alles, was wir im Winter so hart gearbeitet haben, sich auszahlt und sich lohnt."

Der Nachteil des Erfolgs: Beim nächsten Rennen in Oschersleben müssen die C-Klassen noch mehr zuladen und sind dann 20 Kilo schwerer als die Audis. "Das ist unsere neue Strategie. Vielleicht tut es der Straßenlage der C-Klasse gut", witzelte Haug. "Die Realität wird anders aussehen, aber wir müssen es mit Galgenhumor angehen."

Haug wittert deutliche Stallorder

"Ich glaube nicht, dass es gut ausgesehen hätte, wenn Gary sich in der letzten Kurve noch gedreht hätte, um Zweiter zu werden und Gewicht abzubauen. Für uns zählt der Sieg vor allem anderen. Und ich muss zugeben, dass wir so auch schon eine Meisterschaft verloren haben, weil wir es vielleicht punktemäßig nicht ganz so hintereinander sortiert haben", so Haug.

Und damit sprach er auf das andere große Thema des Rennens an: die Positionswechsel bei Audi. Für Haug war dabei deutlich Stallregie im Spiel. Er habe seine Meinung dazu, doch die endgültige Entscheidung müssten die Sportkommissare des DMSB treffen.

Doch für Haug ist das ein Thema, über das man "reden muss" - und bei dem man gemeinsam mit Audi und dem DMSB eine Lösung finden müsse. Schon in der Vergangenheit habe man sich bei strittigen Situationen gemeinsam nach Wegen gesucht, "um diesen Sport dem Zuschauer so nahe zu bringen, dass die Begeisterung wächst und die TV-Quote steigt. Das soll auch diesmal der Fall sein. Ich hoffe, dass wir dort zu einem konstruktiven Prozess kommen und gemeinsam eine Lösung besprechen, die Hand und Fuß hat."

Fotoquelle: xpb.cc

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