Timo Scheider ist immer noch mächtig sauer über seinen Wertungsausschluss

DTM 2009

— 29.07.2009

Disqualifikation: Scheider immer noch "extrem sauer"

Timo Scheider versteht nicht, warum er für ein Vergehen, für das es im Reglement keine Definition gibt, die Höchstrafe bekam - Doch noch Chance auf Berufung?

Eineinhalb Wochen sind seit dem Rennen in Zandvoort vergangen und Timo Scheider wird immer noch wütend, wenn er an seinen Wertungsausschluss denkt. Der Audi-Pilot wurde aus der Wertung genommen und hat damit mindestens einen Punkt verloren, weil er nach Ansicht der Rennkommissare zu spät zum Wiegen gekommen war.

"Wenn mich das nicht wurmen würde, dann wäre ich falsch im Motorsport", sagt Scheider dazu. Und er versteht seine Bestrafung immer noch nicht: "Man kann darüber streiten, was 'zu spät' bedeutet. Es gibt keine Definition im Reglement, die besagt, wie der Zeitraum nach dem Eintreffen des Autos bis zum Wiegen ist oder sein soll. Ist es sofort oder gleich oder bald nach dem Aussteigen aus dem Auto?" Man habe ihm gesagt, dass es um 24 Minuten gegangen sei.

Scheider fasst noch einmal zusammen, was genau sich nach der Zieldurchfahrt in Zandvoort ereignet hat: "Nach der Zieldurchfahrt gab es die Info von meinem Ingenieur, dass wir beim letzten Tankvorgang wahrscheinlich zwei Kilo nicht reinbekommen haben und aus Sicherheitsgründen - da es nach wie vor okay ist - habe ich das Auto gleich nach Turn 1 abgestellt. Dann hat es einige Minuten gedauert, bis alle Autos im Ziel waren, das Sicherheitsfahrzeug auf die Strecke und zu mir kam und mich abschleppen konnte."

Scheider wurde in seinem A4 über die Strecke zurückgeschleppt zur Boxengasse, wo bereits die Sperrgitter für den Parc Fermé aufgebaut waren und sich die Teammitglieder zum Feiern unter dem Podium versammelt hatten. Der Fahrer des Sicherheitsfahrzeuges musste sich mit dem A4 am Abschleppseil seinen Weg dort durch bahnen, um Scheider und das Auto zurück zur Box zu bringen, die sich am anderen Ende der Boxengasse befand.

Nachdem "man dann einige Stellzäune etwas verrückt und mit Hilfe der Security Mensch für Mensch auf die Seite geschoben hat", wurde Scheider weitergeschleppt zu seiner Box, "in Spiegelbreite an den Leuten vorbei". Als er an seiner Box ankam, seien gerade noch zwei Teammitglieder da gewesen, berichtet er: "Nachdem das Auto abgehängt wurde, habe ich es mit den Jungs in die Box geschoben, mich ausgezogen und etwas getrunken. Und wie das so ist: Nach dem Rennen mit Emotionen redet man erst einmal darüber, was wo vorgefallen ist."

Danach habe er ein Live-Interview für die 'ARD' und zwei weitere Interviews gegeben, so Scheider: "Ich bin dann wieder in die Box gegangen und habe ehrlicherweise das Thema mit der Waage auch aus den Augen verloren." Der DMSB habe ihm dann mitgeteilt, dass er zum Wiegen kommen müsse: "Also habe ich meine Sachen genommen und bin zur Waage gegangen. Dann stand ich auf der Waage - 80,5 Kilo - und habe meinen Wiegezettel genommen, der weder unterschrieben noch abgestempelt war und keine Uhrzeit oder sonst irgendetwas hatte."

Vor allem das Strafmaß verärgert

Seitens des DMSB sei ihm erklärt worden, dass die fraglichen 24 Minuten gemessen wurden, nachdem sein Auto am Ende der Boxengasse angekommen ist - das Abschleppen durch die Menschenmassen habe also keine Relevanz. Dieser Zeitpunkt wurde durch eine Kontaktschleife festgelegt. "Man kann natürlich schon sagen, dass 24 Minuten zu lang sind", räumt Scheider ein. Und er stellt sich die Frage, ob er vielleicht besser keine TV-Interviews gegeben hätte: "Aber ich habe einfach meine Pflicht darin gesehen, die Presse zu befriedigen, weil es teilweise eben auch live war. Und ich glaube, man muss einem Fahrer auch eingestehen, dass er sich zumindest mal schnell mit dem Handtuch das Gesicht abtrocknet und einen Schluck trinken kann."

Er selbst kommt beim Nachrechnen auch nicht auf eine Zeitspanne von 24 Minuten, sondern von etwa 15 Minuten: "Und dass man dafür jemanden aus der Wertung ausschließt, entzieht sich jeglichen Verständnisses meinerseits." Scheider ärgert sich auch deshalb, weil er sich bereits kurz danach in einer Anhörung bei der Rennleitung dazu geäußert hatte: "Beim Verlassen der Stewarts war die Aussage, das Thema sei erledigt und damit waren wir eigentlich mit gutem Wissen und Gewissen wieder auf dem Weg zur Hospitality. Und später kam dann plötzlich der Wertungsausschluss."

Das sei ein Schock gewesen, und mit dem Strafmaß sei er "nicht einmal ansatzweise zufrieden", so Scheider: "Es ist einfach viel zu hart, es ist so etwas von überzogen und macht mich auch extrem sauer. Denn es ist die höchste Strafe, die man gegen einen Fahrer verhängen kann. Und das wegen eines Vergehens, das weder einen Vorteil noch einen Nachteil für andere Teilnehmer dieses Rennens gebracht hat."

Thema für Scheider noch nicht erledigt

Scheider hat das Thema noch nicht abgehakt, sondern will sich noch einmal mit dem DMSB besprechen: "Denn es kann nicht sein, dass man die höchste Strafe im Motorsport - sprich Disqualifikation aus dem Rennen - für ein Vergehen vergibt, wo es im Reglement keine Definition der Strafe und keine Definition des Zeitraums gibt. Zum guten Schluss ist es auch noch so, dass man mich aus der Wertung genommen hat für ein Rennen, für das es noch gar kein offizielles Ergebnis gibt. Ich konnte eigentlich aus gar keiner Wertung genommen werden, die es noch gar nicht gibt."

Und genau das ist der Punkt, der Scheider noch etwas Hoffnung gibt, dass der Wertungsausschluss vielleicht doch noch aufgehoben werden kann. Audi hatte in Zandvoort darauf verzichtet, Berufung einzulegen. "Damit musste ich den Dingen klein beigeben und sagen: 'Sie werden schon wissen, warum und das wird richtig sein'." Doch in Nachhinein sei man immer schlauer, erklärt er: "Jetzt würde ich auf jeden Fall darauf plädieren, noch eine Berufung einzulegen."

Vielleicht sei es nun zu spät dafür, vielleicht aber auch noch nicht: "Es gibt noch kein Rennergebnis", betont Scheider. "Deshalb habe ich von meiner Seite aus auch in Richtung DMSB gefragt: Falls am Freitag das Ergebnis offiziell wird, habe ich dann noch einmal eine halbe Stunde Zeit, um Berufung gegen meine Entscheidung einzulegen oder nicht? Da war mal große Stille angesagt. Es gibt also vielleicht noch Möglichkeiten, über die man am Freitag diskutieren muss."

Fotoquelle: xpb.cc

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