Für Alexandre Pémat war der Punktetraum kurz vor dem Ziel ausgeträumt

DTM 2009

— 03.08.2009

Audi-Jahreswagen: Schmerzhafte letzte Runden

Die Audi-Jahreswagen-Piloten sorgten am Schluss des Börde-Rennens unfreiwillig für Dramatik - Die größten Probleme: Die Hinterreifen und die Kollegen

In der Qualifikation in Oschersleben hatten die Audi-Jahreswagen noch für ein deutliches Ausrufezeichen gesorgt. Oliver Jarvis, Alexandre Prémat und Mike Rockenfeller schafften gleich im Dreierpack den Sprung in Q3 und damit in die Top 8. Doch im eigentlichen Rennen war es mit der Herrlichkeit vorbei.

Alle mussten im Rennen mit massiven Problemen kämpfen. Und dann sorgten sie in den letzten Runden auch noch unfreiwillig für Dramatik. Erst landete Jarvis aussichtsreich auf Punktekurs liegend neben der Piste. Und dann krachten auch noch Prémat und Rockenfeller ineinander. Rockenfeller rettete sich als Zehnter noch ins Ziel, bekam aber eine 30-Sekunden-Strafe aufgebrummt und fiel zurück auf Rang 13. Für Prémat war das Rennen im Kiesbett beendet.

Jarvis ahnte bereits vorher, was da auf ihn zukommt. Er und sein Team hatten auf die Strategie von Bruno Spengler reagiert und deshalb kam er zweimal recht früh zu seinen Stopps. Das hatte einen langen letzten Stint zur Folge - einen zu langen: "Schon acht Runden vor Schluss hatte ich wirkliche Probleme mit meinen hinteren Reifen. Das Auto war sehr schwierig zu fahren, es war ziemlich unberechenbar", schildert er gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Ich habe dann beschlossen, etwas langsamer zu fahren und die Reifen zu schonen."

Drei Runden vor Schluss spürte der Brite dann eine Vibration, als er über die Start/Ziellinie fuhr: "Ich habe das Team angefunkt und sie sagten mir, dass ich nur noch drei Runden fahren muss. Ich sagte: 'Ich glaube nicht, dass ich das schaffe' und sie sagten: 'Es sind nur noch drei Runden, vielleicht ist es nur Pickup'. In der Schikane war dann der Hinterreifen weg und ich hatte eigentlich ziemliches Glück, dass ich nicht in den Reifenstapel geprallt bin."

Grande Finale: Rockenfeller kontra Prémat

Jarvis' Phoenix-Teamkollege Prémat hatte durch den Ausfall des Briten plötzlich wieder die Aussicht auf Punkte. Der Franzose befand sich in dieser Rennphase im Fight mit dem vor ihm liegenden Maro Engel, kam aber nicht an dessen Mercedes-Jahreswagen vorbei: "Als ich hinter ihm festhing, habe ich drei oder vier Manöver versucht, aber es war unmöglich, ihn zu überholen. Ich hätte ihn dazu rammen müssen und so etwas möchte ich nicht machen", sagt Prémat.

Zudem ließen Prémats Hinterreifen so nach, dass von hinten Rosberg-Pilot Rockenfeller aufschließen konnte: "Er kam an und war wirklich schnell. Und zwei Runden vor Schluss hat er es versucht. Ich war außen und ich habe ihm ein bisschen Platz gelassen - und er ist einfach zu mir rübergekommen und ist in mich reingefahren", schildert der Franzose.

"Ich bin natürlich sehr enttäuscht, weil für mich mindestens ein Punkt drin gewesen wäre", so Prémat. "Es tut ihm natürlich leid, aber es war klar sein Fehler und nicht meiner. Mit seinem Speed hätte er einfach noch ein oder zwei Runden warten müssen, um etwas anderes zu versuchen. Aber er wollte mich wohl so schnell wie möglich überholen. Leider hat das zur Kollision geführt."

Und so hat sich der Kollegen-Crash aus Rockenfellers Sicht ereignet: "Engel, Alex und ich haben gekämpft. Zwei oder drei Runden vor Schluss habe ich es versucht. Ich war vorher schon ein paar Mal neben Alex, habe aber immer zurückgezogen. Ich bin bis dahin total fair gefahren - auch dann noch", berichtet der Deutsche. "Ich denke schon, dass er gesehen hat, dass ich neben ihm war. Er hat sich aber wohl gedacht: 'Okay, er lenkt ein und ich schaffe das noch'."

Doch Rockenfeller war beim Bremsen schon nah am Limit: "Da kann man nicht einfach sagen: 'Okay, jetzt bremse ich noch härter'. Und dann bin ich Alex genau auf die Ecke gefahren." Der Deutsche weiß selbst, dass sich der Zuschauer in diesem Moment fragt, wie so etwas passieren kann, "aber das ist im Auto ein bisschen anders."

Auch, wenn es diesmal schief gegangen ist und er nachträglich eine Zeitstrafe kassierte, würde er es "jederzeit wieder so versuchen", betont Rockenfeller: "Klar, ist es blöd, dass das mit meinen Markenkollegen passiert ist - und auch noch Alex, mit dem ich mich super verstehe. Aber das ist für mich jetzt abgehakt und wir zwei haben kein Problem. Beim nächsten Mal kämpfen wir wieder hart gegeneinander. Hoffentlich ohne, dass sich jemand dreht."

Die Probleme begannen schon am Start

Für das Trio Jarvis, Prémat und Rockenfeller bildeten diese Ereignisse den Schlusspunkt in einem ohnehin schwierigen Rennen. Jarvis hatte im ersten Stint mit mehreren Aussetzern der Elektronik zu kämpfen, die ihn pro Runde etwa eine halbe Sekunde gekostet haben. Deshalb konnte auch Mercedes-Neuwagenfahrer Paul di Resta schließlich so dicht an ihn herankommen.

Als di Resta von seinem ersten Boxenstopp zurück auf die Strecke kam, konnte er Jarvis dann auch sofort überholen. Jarvis selbst war in dieser Situation etwas überrumpelt, denn er wusste nicht einmal, dass der Schotte an der Box war: "Ich bin ganz normal in die Kurve eingefahren und das Nächste, was ich sah, war das weiße Auto auf der Innenseite. Ich hatte keine Ahnung, wer das war. Ich musste den Namen auf dem Auto lesen..."

Jarvis hätte sich durchaus gewünscht, dass ihn sein Team über den Boxenstopp des Schotten informiert hätte: "Wenn ich gewusst hätte, dass Paul in der Box ist, hätte ich vielleicht eine leicht andere Linie wählen können, um zu verhindern, dass er mich überholt. Aber ich war auf der Ideallinie, habe eingelenkt und plötzlich war da innen ein weißes Auto."

Später musste Jarvis auch noch di Restas Teamkollegen Bruno Spengler passieren lassen: "Wegen meiner Probleme mit dem Heck habe ich einen kleinen Fehler gemacht. Das Auto brach einfach aus und Bruno konnte mich überholen. Danach bin ich nur noch vom Gas gegangen und habe versucht, die Reifen zu schonen." Doch das hat bekanntermaßen nicht geklappt.

Startrempler und ein verkorkstes Wochenende

Phoenix-Kollege Prémat hatte seit dem ersten Stint mit massivem Unter- und Übersteuern zu kämpfen. Das ließ im dritten Stint nach und so konnte er auf Engel aufholen - bis Rockenfeller in ihn krachte. Für Rockenfeller wiederum wurde es bereits in der ersten Kurve nach dem Start turbulent, in die er Seite an Seite mit Jarvis und Spengler ging. "Bruno hat mich zwei, drei Mal berührt und beim letzten Mal so stark, dass ich von der Strecke angekommen bin. Dann habe ich sieben oder acht Plätze verloren. Ich war 14. und damit war mein Rennen mehr oder weniger gelaufen." Doch Rockenfeller kämpfte sich trotz Übersteuerns zurück, bis er kurz vor dem Ziel wieder auf Rang neun direkt hinter Prémat lag...

Als sich die Dramatik in der Schlussphase des Rennens dank der Audi-Jahreswagenfahrer noch einmal zuspitzte, war ihr Kollege Markus Winkelhock bereits nur noch Zuschauer. Er war schon in Runde 23 wegen eines Reifenschadens ausgeschieden. Für den Schwaben war das der Schlusspunkt eines Wochenendes, das nicht das seine war: "Im freien Training hatten wir Probleme mit der Servolenkung und einem nach links ziehenden Auto."

Dadurch hatte Winkelhock viel Zeit verloren. Zeit, die er benötigt hätte, um Balanceprobleme zu lösen: "So bin ich mit einem Auto ins Qualifying gegangen, mit dem ich nicht wirklich zurechtkam. Deshalb stand ich auch auf der 13. Position, mit der ich natürlich nicht zufrieden war. Ich habe gehofft, dass es heute im Rennen besser wird", so Winkelhock. Denn schließlich sei er in Zandvoort auch vom zwölften auf den sechsten Rang gefahren: "Deshalb hatte ich mir auch das Ziel gesetzt, in die Punkte zu fahren. Es hat leider nicht sein sollen."

Fotoquelle: xpb.cc

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