Timo Scheider kann in Dijon aus eigener Kraft vorzeitig seinen Titel verteidigen

DTM 2009

— 02.10.2009

Audi nimmt den Titel ins Visier

Timo Scheider hat bei der DTM-Premiere in Dijon den ersten Matchball - Auch Mattias Ekström und Martin Tomczyk sind noch im Titelrennen

Mit Spannung blickt die Motorsport-Welt am 11. Oktober nach Frankreich: Zum ersten Mal gastiert die DTM auf der legendären französischen Rennstrecke von Dijon-Prenois, auf der vor exakt 30 Jahren eines der spektakulärsten Formel-1-Rennen aller Zeiten stattfand. Und zum ersten Mal könnte sich ein Automobilhersteller einen dritten DTM-Titel in Folge sichern - denn Audi Pilot Timo Scheider hat in Frankreich den ersten "Matchball".

Der amtierende DTM-Champion reist mit zwölf Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Mattias Ekström, 14 auf Mercedes-Pilot Gary Paffett und 20 auf Martin Tomczyk zur DTM-Premiere nach Dijon-Prenois. Damit ist klar, dass Scheider auch nach dem neunten Saisonrennen die Tabelle anführen wird. Läuft für den 30-jährigen Deutschen alles optimal, dann kommt er 14 Tage später als neuer und alter Meister zum DTM-Finale nach Hockenheim.

Scheider kann in Dijon-Prenois aus eigener Kraft vorzeitig Meister werden - und zwar unabhängig von den Ergebnissen seiner Verfolger. Dazu müsste er das Rennen gewinnen oder Zweiter werden. Seine drei verbliebenen Rivalen im Titelkampf müssen dagegen auf ein schlechtes Ergebnis des Tabellenführers hoffen und selbst kräftig punkten: Martin Tomczyk muss gewinnen, um im Titelrennen zu bleiben. Gary Paffett benötigt mindestens einen fünften, Mattias Ekström einen sechsten Platz.

Allerdings erwartet Timo Scheider und Co. in Frankreich die vielleicht delikateste Aufgabe des Jahres. Der 3,801 Kilometer lange Kurs von Dijon-Prenois ist mit einem Schnitt von fast 200 km/h die mit Abstand schnellste Strecke im DTM-Kalender und das Rennen mit einer Distanz von 197,652 km das längste der Saison.

Die extrem schnellen Kurven bedeuten zudem eine extreme Belastung für die Reifen. Speziell der linke Vorderreifen gilt als besonders gefährdet. Daher sind eine optimale Abstimmung, die richtige Strategie und eine sensible Fahrweise in Dijon-Prenois besonders gefragt. Und weil es auf dem Hochgeschwindigkeits-Kurs kaum Überholmöglichkeiten gibt, wird dem Qualifying am Samstag eine noch größere Bedeutung zufallen als bei den bisherigen sieben Saisonrennen.

Dass die Strecke in Dijon-Prenois sowohl Timo Scheider als auch dem Audi A4 DTM liegt, zeigte sich bereits bei den offiziellen Testfahrten vor Saisonbeginn, bei denen der amtierende Meister die Bestzeit markierte. Fakt ist zudem, dass dem aerodynamisch ausgefeilten A4 schnelle Kurven besonders gut gefallen. Und auch die über einen Kilometer lange Start-Ziel-Gerade bereitet Audi wenig Sorgen: Bei den meisten Top-Speed-Messungen hatte der A4 in diesem Jahr die Nase vorn.

Obwohl Audi mit einer Doppelspitze nach Frankreich reist und drei der vier verbliebenen Titelkandidaten Audi Piloten sind, weiß man in Ingolstadt und Neckarsulm ganz genau, dass man den begehrten Titel noch längst nicht in der Tasche hat. Zu viel kann in der DTM passieren. Und die starke Konkurrenz aus Stuttgart wird alles daransetzen, die Entscheidung auf das Finale in Hockenheim zu vertagen.

Sollte der Meister trotzdem bereits in Dijon-Prenois gekürt werden, wäre Audi der erste Automobilhersteller in der Geschichte der seit 1984 ausgetragenen DTM, der den Titel zum dritten Mal in Folge gewinnt - und Timo Scheider der zweite DTM-Pilot nach Bernd Schneider (2000/2001), dem eine erfolgreiche Titelverteidigung gelingt.

Stimmen vor dem DTM-Rennen in Dijon-Prenois

Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef): "Mit dem Erfolg in Barcelona haben wir einen guten Schritt gemacht, unseren Titel in der DTM erfolgreich zu verteidigen. Aber es liegen noch zwei wichtige Rennen vor uns, bei denen es gut für uns laufen muss. Dafür sind viel Arbeit und Konzentration erforderlich. Der Lauf in Dijon-Prenois wird für alle eine neue Erfahrung sein. Es wird sehr wichtig sein, auf Basis der Testergebnisse aus dem Frühjahr die Autos zügig gut abzustimmen, damit wir wieder eine kompakte Teamleistung umsetzen können."

Timo Scheider: "Ich freue mich riesig auf Dijon-Prenois, und das nicht nur wegen des Senfes ... Zum einen ist die Strecke neu im Kalender - und etwas Neues ist immer interessant. Zum anderen spürt man in Dijon so richtig, wie viel Abtrieb ein DTM-Fahrzeug erzeugt. Kurz vor Start und Ziel gibt es zudem eine ultraschnelle Rechtskurve, die für das Auto und die Belastung der Reifen außergewöhnlich ist. Im Hinblick auf den Reifenverschleiß müssen wir eine ordentliche Balance erreichen. Denn das Risiko ist groß, sich einen Reifenschaden einzufangen. Beim Test vor Saisonbeginn war ich Schnellster. Deshalb stehen alle Zeichen auf Angriff."

Mattias Ekström: "Ich freue mich sehr auf Dijon. Wir hatten nach Barcelona eine kleine Rennpause, aus der ich topfit zurückkommen werde. Ich werde alles daransetzen, ein gutes Resultat zu erzielen. Ich habe zwar zwölf Punkte Rückstand auf Timo, aber noch habe ich eine Chance auf den Titel. Und die möchte ich nutzen."

Martin Tomczyk: "Ich glaube, dass wir in Dijon wenige Überholmanöver sehen werden, weil es doch eine Strecke ist, auf der vor allem die Aerodynamik zählt. Ich bin gespannt, aber letztendlich ist es Neuland für alle, allein deswegen denke ich schon, dass es spannend werden wird."

Tom Kristensen: "Dijon-Prenois ist eine traditionelle Rennstrecke mit schnellen und anspruchsvollen Kurven und vielen Höhenunterschieden. Man muss sehr feinfühlig und diszipliniert fahren, denn es kann auch eine sehr gefährliche Strecke sein. Daher muss man besonders gut an der aerodynamischen Abstimmung und am Radsturz arbeiten. Aber ich freue mich darauf. Im Test haben wir gesehen, dass man dort sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten erreicht. Die Zuschauer können sich auf DTM-Boliden freuen, die so schnell durch einige Kurven fahren, dass allein das Zusehen zu einem wirklich großartigen Spektakel wird. Und dank der Höhenunterschiede gibt es gute Plätze, von denen aus mehrere Kurven einsehbar sind. Also kann sich jeder auf das neu in den DTM-Kalender aufgenommene Rennen freuen."

Oliver Jarvis: "Wir haben zu Beginn des Jahres in Dijon DTM-Testfahrten absolviert, und es lief wirklich gut für Audi. Das ist eine Rennstrecke, die ich definitiv sehr mag - ein fantastischer Kurs. Ich freue mich sehr, dort bald ein Rennen zu fahren. Es wäre allerdings schön, wenn wir ein wenig leichter wären. Aber ich denke, wenn wir die richtige Abstimmung finden, können wir trotzdem stark sein. Daher hoffe ich auf ein gutes Rennen, in dem wir noch weitere Punkte sammeln können."

Markus Winkelhock: "Ich wünsche mir natürlich, dass es in Frankreich wieder besser läuft als zuletzt in Barcelona. Die Strecke liegt mir ganz gut, beim offiziellen Test war ich Zweitschnellster hinter Timo. Trotzdem wird es kein leichtes Wochenende, denn wir haben 20 Kilogramm mehr als die alten Mercedes an Bord. Wir müssen abwarten, wie die Performance dort sein wird."

Mike Rockenfeller: "Die Strecke ist sehr schön und ich glaube, dass sie unserem Auto gut liegt. Von Nachteil ist sicherlich, dass wir 20 Kilogramm mehr als die Vorjahres-Mercedes an Bord haben - das macht die Sache nicht einfacher. Trotzdem glaube ich, dass wir dort schnell sein werden, wenn wir von Anfang an eine gute Abstimmung hinbekommen."

Alexandre Prémat: "Ich bin bereit für mein Heimrennen in Dijon. Es liegt nur 300 Kilometer von Paris entfernt. Es ist eine tolle Strecke. In der Formel Renault habe ich dort schon gewonnen und im Winter hatten wir dort einen guten Test. Deshalb hoffe ich, dass wir in Dijon-Prenois gute Arbeit abliefern werden. Man weiß allerdings nie genau, was einen in Frankreich erwartet, da es zu dieser Jahreszeit auch gerne mal regnet. Ich werde alles geben, um erneut in die Punkteränge zu fahren."

Katherine Legge: "Ich freue mich auf Dijon-Prenois. Es ist ein neuer Austragungsort und alles ist möglich. Das sollte ein sehr aufregendes Rennen werden."

Hans-Jürgen Abt (Abt-Teamchef): "Wir müssen jetzt konzentriert weiterarbeiten, da wir in Dijon vielleicht sogar die Möglichkeit haben, vorzeitig Meister zu werden. Alle bei uns müssen jetzt einfach die Ruhe bewahren und so weiterarbeiten, wie sie es die letzten Rennen auch getan haben."

Ernst Moser (Phoenix-Teamchef): "Bei den Tests zu Jahresbeginn in Dijon waren wir mit beiden Fahrern sehr gut unterwegs. Speziell Oliver Jarvis scheint die Strecke zu lieben, wie ich glaube. Leider haben wir mehr Gewicht an Bord als die Konkurrenten mit dem Stern, was uns sicherlich nicht helfen wird. Damit müssen wir leben. Dafür hat Alexandre Prémat zuletzt seinen ersten Punkt geholt. Wenn wir alles so richtig machen wie in Barcelona, werden wir auch trotz dieses Handicaps in Dijon viel erreichen. Ich freue mich mal wieder auf eine richtig alte, klassische Rennstrecke mit Herzkurven - auch wenn es nicht ganz ungefährlich ist."

Arno Zensen (Rosberg-Teamchef): "Klar freue ich mich auf Dijon - tolle Küche, tolle Rennstrecke. Wir haben dort schon getestet, und diese Tests liefen nicht schlecht. Nach dem Wochenende in Barcelona hoffe ich, dass wir uns wieder steigern. Es bleiben noch zwei Rennen, in denen ein paar Punkte zu vergeben sind. Allerdings haben wir 20 Kilogramm mehr Gewicht als die gebrauchten Mercedes. Das wird natürlich hart. Ich wünsche mir für das Rennen Regen, dann können wir noch etwas mehr erreichen."

Fotoquelle: xpb.cc

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