Timo Scheider kann es kaum erwarten, bei den nächsten Tests wieder zu fahren

DTM 2010

— 23.01.2010

Scheider exklusiv: Das Feuer brennt wieder

Teil eins des Exklusivinterviews mit Timo Scheider: Der zweifache Champion über die vergangenen Monate, das mögliche Triple und seine neue Entspanntheit

Rund drei Monate sind vergangen, seit Timo Scheider beim Saisonfinale in Hockenheim seinen zweiten DTM-Titel feiern konnte. Seitdem hat der Audi-Pilot ein bisschen gefeiert und seine Akkus wieder aufgeladen. Im ersten Teil des Exklusivinterviews mit 'Motorsport-Total.com' vergleicht Scheider seine beiden Meistertitel, verrät, wie er sich in den vergangenen beiden Jahren verändert hat, spricht über die Bedeutung eines möglichen dritten Titels und schaut voraus auf die Zeit bis zum Saisonstart.

Frage: "Timo, dein erster Meistertitel wurde ziemlich lange gefeiert, du warst wochenlang ausgebucht. Wie war es in diesem Jahr? Wieder so lang oder etwas weniger stressig?"
Timo Scheider: "Es war Gott sei Dank ein bisschen weniger stressig. Ich wusste diesmal natürlich schon , was auf mich zukommen kann. Das war ein großer Vorteil. Allerdings habe ich auch nicht so intensiv gefeiert wie beim ersten Mal. Denn das erste Mal ist doch immer etwas ganz Besonderes. Wobei auch der zweite Titel eine Riesengeschichte war. Das Besondere daran war die Titelverteidigung, das war zuvor nur Bernd Schneider gelungen. Das war auch etwas, was ich erst einmal verstehen musste."

Die Emotionen waren ja von 2008 noch bekannt, aber die Wertschätzung vom Umfeld, von den Freunden, Fans und vor allem auch vom Team musste man sich erst einmal begreiflich machen. Ich musste erst einmal begreifen, was diese Titelverteidigung eigentlich bedeutet hat. Das hat es dann unter dem Strich doch wieder sehr besonders gemacht."

"Ich habe nicht in dem großen Kreis, wie wir es 2008 gemacht haben gefeiert, sondern eher in einem kleinen Kreis - manchmal sogar mehr für mich allein. Bei mir kamen zum Beispiel beim Sport oder wo auch immer ich mich gerade befunden habe, die Gedanken an die Situation auf, die mich sehr glücklich gemacht haben. Das war schon ein deutlicher Unterschied zu 2008. Und wir waren natürlich extrem froh, dass wir den Titel durch Konstanz und fleißiges Punktesammeln verteidigen konnten. Es ist und bleibt etwas Besonderes."

"Natürlich ist es jetzt auch wieder so, dass jeder kommt und sagt: 'Jetzt muss das Triple her!'. Das war kurz nach dem Titel nicht wirklich daran zu denken, denn man war von der Energie her nach zwei Jahren mentaler Extrembelastung doch ziemlich abgebrannt. Ich habe über Weihnachten und Neujahr einige Tage Auszeit mit meiner Familie gebraucht. Die habe ich mir genommen und sie auch genossen. Aber je mehr Tage jetzt ins Land gehen, umso mehr kommen die Gedanken, dass man es wieder schaffen möchte. Das ist ganz eigenartig, sich als zweifacher Champion wieder damit zu beschäftigen, wieder einen Titel zu gewinnen. Aber ich sage mal: Wenn man es zwei Mal geschafft hat, spricht eigentlich nichts dagegen, es auch ein drittes Mal zu schaffen. Ich weiß natürlich auch, wie hart und schwer es in der DTM ist. Aber wir werden sehen, wo die Reise hingeht."

"Ich war jetzt in Spanien bei einem kleinen Referenzrun zum ersten Mal wieder im Auto und habe gleich wieder das Feuer in mir entdeckt. Und ich muss sagen, dass ich mich jetzt auf die ersten offiziellen Testfahrten freue. Denn dann wird das Gefühl von jetzt auf gleich wieder da sein, dass man das Maximum erreichen möchte. So sind wir Rennfahrer einfach. So halblebig und halbgasig können wir ohnehin nicht leben - und fahren."

Frage: "Und wenn du jetzt sagen würdest, dass dir die beiden Titel reichen, dann könntest du sowieso gleich aufhören, dann gäbe es ja keinen Grund mehr, anzutreten..."
Scheider: "Eben. Jeder fragt mich: 'Was soll denn jetzt noch kommen, was soll denn noch besser werden?' und alle sagen: 'Ach, Glück und Erfolg brauche ich dir nicht mehr zu wünschen, das hattest du ja alles schon'. Aber ich sehe das natürlich anders. Ich bin ein Rennfahrer, um Rennen zu gewinnen. Jedes Jahr fängt wieder bei Null an und deshalb sind die Anforderungen und Herausforderungen von Jahr zu Jahr immer wieder die gleichen. Es entstehen immer wieder neue Situationen auf und neben der Rennstrecke, im Umfeld, wie auch immer. Das sind Lebensabschnitte, die man einfach bewältigen muss. Und wenn ich an den Motorsport denke, dann weiß ich ganz klar, dass ich dort wieder in der Spitze mitfahren und nach Möglichkeit wieder ein Kandidat auf den Titel sein möchte."

Frage: "Der dritte Titel in Folge wäre dann wirklich etwas Einmaliges, mit dem du Geschichte schreiben würdest. Motiviert das zusätzlich oder sind dir solche Statistiken egal?"
Scheider: "Mir waren Statistiken eigentlich grundsätzlich immer egal. Aber in der Vergangenheit war ein dritter Titel auch immer noch ganz weit weg - ein Titel war überhaupt ganz weit weg. Doch in den vergangenen beiden Jahren hat sich unser Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Die Themen Erfolg und Meisterschaft sind über uns hereingebrochen, wie man es sich extremer nicht hätte vorstellen können. Und das hat vielleicht auch ein bisschen zu einem Sinneswandel geführt."

"Dass man jetzt tatsächlich die Möglichkeit hat, in der DTM etwas Einmaliges zu schaffen, wäre schon etwas ganz, ganz Besonderes. Natürlich ist das keine Motivation, die mich jetzt zu einer besonderen Leistung treibt. Aber wenn man sich vorstellt, dass man es tatsächlich als Erster schaffen könnte, drei Titel zu holen, ist das schon etwas extrem Schönes. Doch ich bin genauso motiviert wie ich es wäre, wenn es mein erster Titel wäre. Von daher braucht es keine Extramotivation."

Respekt und neue Entspanntheit

Frage: "Wenn du jetzt den Timo Scheider aus dem Januar 2008 mit dem Timo Scheider aus dem Januar 2010 vergleichst - hast du dich in irgendeiner Art und Weise verändert?"
Scheider: "Ja, ich habe zwei Kilo mehr auf der Waage, das hat sich auf jeden Fall zu 2008 verändert (lacht; Anm. d. Red.). Aber das war der Genuss der Weihnachtszeit, das ist aber in spätestens vier Wochen wieder hinfällig. Doch - ich bin schon in einer anderen mentalen Verfassung, ich gehe jetzt relativ gelassen an das ganze Thema heran. Das merkt man auch aus dem Umfeld: Das Thema Respekt beziehungsweise Ansehen hat sich nach diesem Jahr schon noch einmal geändert. Denn nach dem ersten Jahr hätte man auch sagen können: 'Mensch, da hat er Glück gehabt, hat er gut gemacht dieses Jahr, das Auto hat ihm gut gepasst'."

"Aber dass wir es dann auch im zweiten Jahr geschafft haben, das auch nicht ruhig lief, in dem wir uns aus einem Loch herausgekämpft und irgendwann wieder Rennen gewonnen haben, das hat bei dem einen oder anderen vielleicht doch noch zu etwas mehr Respekt geführt. Denn das war eine Leistung, die mich selbst beeindruckt hat: Was wir als Team geschafft haben und dass 2008 eben nicht nur eine Eintagsfliege war. Das hat noch einmal ein Stück weit etwas bewirkt."

"Und das merke ich jetzt auch in meiner gesamten Einstellung gegenüber der DTM und des Motorsports, in meiner Motivation und meinem Auftreten in der Öffentlichkeit. Ich bin mental sehr entspannt und mich hat der Titel auch nicht so gestresst wie es beim ersten Mal war. Das sind alles sehr positive Faktoren. Und jetzt werden wir sehen, dass wir das wieder in Leistung auf der Rennstrecke umsetzen können. Denn ich will auch 2010 wieder Rennen gewinnen und dieses Ziel hat Audi genauso wie Abt."

Auch künftig keine Langeweile

Frage: "Wie sieht jetzt die restliche Vorbereitung in den drei Monaten bis zum Saisonstart aus?"
Scheider: "Ich freue mich schon auf den ersten offiziellen ITR-Test im März. Wir wissen, was wir für ein Auto haben und wir wissen ungefähr, was die Konkurrenz für ein Auto hat. Natürlich wird es vielleicht aufgrund der homologierten Optionsteile aus der vergangenen Saison noch die eine oder andere Verschiebung geben. Aber ich bin erst einmal sehr positiv aufgestellt. Jetzt werde ich mein Fitnesstraining dementsprechend anziehen."

"Ich bin ja aktuell auch dabei, mein eigenes Kart-Junior-Team zu gründen, um dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Das Konzept ist, schon im Nachwuchsbereich Weichen zu stellen und die ersten wichtigen Informationen eines Rennfahrerlebens mitzugeben. Da möchte ich auch noch ein bisschen Zeit dafür investieren."

"Natürlich ist der Entwicklungsstopp durch das Einfrieren der Autos so weit vorangeschritten, dass es da keine Entwicklungen mehr geben darf. Das gibt auch uns ein bisschen mehr Zeit und ich werde im Februar eine Woche Urlaub machen, um Energie zu tanken. Und dann starten wir mit Vollgas in die Saison und hoffen, dass wir das Saisonziel so erreichen, wie wir uns das vorstellen."

Der zweite Teil des Exklusivinterviews mit Scheider ist ab dem morgigen Sonntag bei 'Motorsport-Total.com' zu lesen. Darin spricht er unter anderem über die Wintertests in Zeiten des Entwicklungsstopps, das Kräfteverhältnis zwischen Audi und Mercedes, seinen neuen Teamkollegen Oliver Jarvis und sein neu gegründetes Kart-Team.

Fotoquelle: xpb.cc

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