Der zweifache DTM-Champion Timo Scheider nimmt den Hattrick ins Visier

DTM 2010

— 24.01.2010

Scheider exklusiv: Die Suche nach Nuancen

Teil zwei des Interviews mit Timo Scheider: Der Audi-Pilot über Wintertests in Zeiten der Einfrierung, das Kräfteverhältnis in der DTM und sein neues Kart-Team

Zwei Titel hat er schon, der dritte soll nach Möglichkeit in diesem Jahr folgen: Timo Scheider fiebert dem Saisonstart entgegen. Im ersten Teil des Exklusivinterviews mit 'Motorsport-Total.com' hatte er über seine beiden bisherigen Titel gesprochen und unter anderem verraten, wie er sich in den vergangenen beiden Jahren verändert hat. Im heutigen zweiten Teil geht es um Wintertests in Zeiten des Entwicklungsstopps, das Kräfteverhältnis zwischen Audi und Mercedes, seinen neuen Teamkollegen Oliver Jarvis und sein neu gegründetes Kart-Team:

Frage: "Timo, ändert sich bei euch Piloten durch die Einfrierung an der Arbeit bei den Wintertests etwas?"
Scheider: "Am Ende schaust du immer, ob du irgendwelche Nuancen verändern kannst, die dich schneller machen. Man lernt auch während einer Rennsaison nie aus. Es gibt immer Nuancen und Kleinigkeiten, die man ändern und verbessern kann. Es wird auch in diesem Jahr so sein, dass wir kleine, neue Wege probieren, um noch mehr Performance herauszukitzeln. Denn unter dem Strich geht es darum, schnell zu sein, Abstimmungsvarianten zu finden, auf die man auf der einen oder anderen Strecke zurückgreifen kann. Und das wird bei den anstehenden Tests unser Job sein."

"Wir haben deutlich weniger Tests als in der Vergangenheit und das bedeutet, dass wir schnellstmöglichst auf den Punkt da sein müssen, dass wir bis Hockenheim nicht viele Möglichkeiten haben, uns zu entwickeln und einzustellen. Sondern wir müssen die Erfahrungen aus 2009 bei den Wintertests nutzen, um dann wirklich Spot-on da zu sein. Das ist keine einfache Aufgabe, aber es wird uns sicherlich gelingen. Da bin ich sehr optimistisch."

Frage: "Wie würdest du anhand der letzten Rennen 2009 das Kräfteverhältnis zwischen Audi und Mercedes beurteilen?"
Scheider: "Sie sind - wie schon oft - in den letzten Rennen immer stärker geworden. Das muss man auch sagen: Sie haben über das Jahr eine tolle Entwicklung gemacht. Aber wir waren natürlich auch nicht in der Situation, dass wir immer alles riskieren mussten. Gerade was mich betrifft, gab es Situationen, in denen man sich ein bisschen zurückhalten konnte und nicht unbedingt zu 100 Prozent Attacke fahren musste. Das hat vielleicht zu der Situation geführt, dass der eine oder andere gesagt hat: 'Ja, aber die haben doch vier Rennen gewonnen, die waren doch besser als ihr, was die Siege betrifft'."

"Aber ich sehe das anders, weil wir eben nicht bei jedem Rennen immer unbedingt alles geben mussten, um die Meisterschaft zu gewinnen. Ich habe schon zu Beginn des vergangenen Jahres gesagt: Die Meisterschaft gewinnt der, der die meisten Punkte hat und der am cleversten agiert. Da haben wir einfach im Team den besten Job gemacht. Und darauf kommt es auch 2010 wieder an."

Frage: "Du bekommst mit Oliver Jarvis einen neuen Teamkollegen. Was traust du ihm zu?"
Scheider: "Zu allererst finde ich, dass Oliver hervorragend in unser Team passt. Er ist ein sympathischer, netter Kerl und ich mag ihn sehr gern. Er hat eine tolle Art. Und vor allem schätze ich ihn als Rennfahrer. Er ist jemand, der meiner Meinung nach großes Potenzial hat, den man auch gleich im ersten Jahr auf der Rechnung haben kann und muss. Denn er hat mit dem Vorjahresauto wirklich sehr gute Leistungen gezeigt. Für mich ist es auch eine neue Motivation, mich wieder zu beweisen und einen weiteren Fahrer - hoffentlich - zu schlagen. Doch ich vermute, dass wir in der Teammeisterschaft ein Team bilden werden und das ist etwas, was mich auch motiviert. Denn ich glaube, dass wir zusammen einiges erreichen können."

Frage: "Wie groß ist der Unterschied, wenn man von einem Team wie Phoenix ins Werksteam Abt kommt?"
Scheider: "Man muss ja sagen, dass Phoenix und Rosberg auch Werksteams sind, die lediglich mit Vorjahresautos arbeiten. Da ist die Umstellung nicht so groß. Da geht es mehr darum, den neuen Ingenieur kennenzulernen, sich dem neuen Auto irgendwie anzunähern und Abstimmungsvarianten zu finden. Das wird halt neu für ihn sein."

"Aber das ist jetzt für mich auch ein Thema: Ich werde einen neuen Renningenieur und einen neuen Datenmann bekommen - ich muß mich da komplett neu aufstellen. Da gibt es einige Aufgaben zu lösen, damit wir gemeinsam den richtigen Weg finden. Es ist nicht immer einfach, aber ich bin es aus meiner Karriere gewöhnt, dass von Jahr zu Jahr Leute kommen und gehen. Es ist natürlich schade, dass Armin Plietsch jetzt geht, aber er wird auf der Supportseite von Audi Sport noch da sein und dem gesamten Team zur Verfügung stehen, was positiv ist. Ich bekomme jetzt Pascal Zurlinden als neuen Renningenieur. Er ist natürlich hoch motiviert und möchte Armin in nichts nachstehen. Von daher freue ich mich auf eine hochmotivierte Mannschaft - schauen wir mal, was wir erreichen können."

Frage: "Es soll nun am Freitag wieder ein Training geben. Findest du es gut, dass man nun wieder eine Nacht Zeit hat bis zum Qualifying oder hat dir das Samstagstraining in der vergangenen Saison gereicht?"
Scheider: "Ich finde es sehr positiv. Wir haben ja 2010 weniger Testfahrten. Deshalb ist der Freitag wichtig und gut. Für mich hat der Freitag immer zum Rennwochenende dazu gehört. Es war im vergangenen Jahr sehr eigenartig, dass er gefehlt hat. Ich bin froh, dass wir jetzt wieder etwas testen können, bei dem wir uns vielleicht in auch in Sachen Abstimmung wieder etwas mehr trauen. Man kann vielleicht doch mal ein Risiko eingehen um dann festzustellen, ob es geht oder nicht. Denn man hat nun wieder die Möglichkeit, es am Samstag zu korrigieren, falls man mal danebengeschossen hat."

"Das konnten wir in der vergangenen Saison nicht. Man konnte fahrerisch nicht viel riskieren, weil die Gefahr bestand, dass man dann im Qualifying ein kaputtes Auto hat. Und genauso war es bei den Abstimmungsvarianten. Da kann man jetzt noch mehr probieren und es dann in der einen Nacht noch einmal überschlafen. Das kommt dem einen Fahrer mehr, dem anderen weniger entgegen. Ich mag den Freitag ganz gern, wobei ich auch jemand bin, der schnell auf den Punkt kommen kann, wenn es darum geht. Ich freue mich auf den Freitag, doch auf die reine Performance auf der Strecke wird es, glaube ich, keinen großen Einfluss haben."

Nachwuchsförderung im Kart-Team

Frage: "Kommen wir auf dein Kart-Team zu sprechen: Gibt es schon viele Bewerbungen?"
Scheider: "Momentan komme ich gar nicht hinterher, alle Bewerbungen durchzulesen und weiterzuleiten. Denn ich bin momentan mit sehr vielen Themen befasst, angefangen beim Aufbau des Teams über den Kauf von LKW und Zelten bis hin zum Finden von Mechanikern, Technikern und Fahrern und so weiter. Da ist gerade eine ganze Menge am entstehen. Ich habe deshalb auch eine Firma in Deutschland gegründet, in die das Team integriert ist. Das ist alles etwas, was Zeit und Energie braucht, aber im positiven Sinne. Ich bedanke mich jetzt schon bei den vielen Bewerbern. Es zeigt, dass das Konzept und der Gedanke, der dahinter steht, ankommen."

"Ich möchte eben auch nicht nur Namensgeber sein und jemand, der das mal eben macht, um ein bisschen Presse daraus zu generieren. Sondern ich möchte in der Zeit, in der ich nicht in der DTM eingespannt bin, für das Team da sein. Ich möchte so oft es geht und meine Performance in meinen Hauptberuf nicht beeinträchtig, für das Team da sein und mit den Jungs und Mädels arbeiten."

"In den nächsten Tagen und Wochen gilt es nun, die richtigen vier Fahrer auszuwählen und dann freue ich mich auf den Saisonstart. Ich möchte die Teampräsentation Anfang März machen, beziehungsweise bei unserem 'Race-4-Kids on Snow' in Österreich. Da habe ich mir als Ziel gesetzt, mit dem Team meine erste Präsentation in den Bergen auf die Beine zu stellen."

Fotoquelle: xpb.cc

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