2010 startet Martin Tomczyk einen weiteren Anlauf in Sachen Titel

DTM 2010

— 28.01.2010

Tomczyk: Ziel nicht geändert, nur verschoben

Im zweiten Teil des Exklusivinterviews blickt Audi-Pilot Martin Tomczyk voraus auf 2010, analysiert das Kräfteverhältnis in der DTM und spricht über seine Zukunft

2009 musste Martin Tomczyk die Hoffnung auf den Titel schon nach den ersten drei Rennen aufgeben. Im Jahr 2010 will der Audi-Pilot einen neuen Anlauf starten, um sein Ziel zu erreichen. Im ersten Teil des Exklusivinterviews mit 'Motorsport-Total.com' analysierte Tomczyk die vergangene Saison, im heutigen zweiten Teil blickt er nach vorn. So spricht Tomczyk unter anderem über die neuen Aufgaben bei den Wintertests, Aufsteiger Oliver Jarvis und seine persönliche Zielsetzung für die Saison 2010.

Frage: "Martin, nach dem Rennen am Nürburgring wurde die Technik der DTM-Autos eingefroren. Ändert sich für euch Piloten dadurch etwas an der Testarbeit im Winter?"
Martin Tomczyk: "Man kann jetzt bei den Wintertests natürlich mehr ins Detail gehen. Wir haben keine neuen Teile mehr, die entwickelt werden und deshalb auf der Strecke getestet werden müssen, sondern wir müssen mit dem Auto, das wir im vergangenen Jahr hatten, in die Feinabstimmung gehen, um das zu perfektionieren."

Frage: "Wird es bei den aktuellen Fahrzeugen im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten noch viel Spielraum für Weiterentwicklungen geben oder sind das nur noch Nuancen, um die die Autos besser und schneller werden?"
Tomczyk: "Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren sind es sicherlich nur Nuancen. Aber letztlich genügen ja auch die paar Hundertstel und Zehntel, die man aus diesen Nuancen rausholen kann. Und das hoffen wir jetzt über den Winter zu schaffen."

Frage: "Wie würdest du anhand der Situation am Ende der vergangenen Saison das Kräfteverhältnis zwischen Audi und Mercedes beurteilen?"
Tomczyk: "Es war schon ziemlich ausgeglichen. Die Rennen waren spannend und gut und wir hatten tolle Action. Es war auch in den Zeittrainings so, dass wir nie wussten, wer jetzt wirklich die Oberhand hat, Mercedes oder Audi. Von daher bin ich froh, dass die Entscheidung, die Autos einzufrieren, getroffen wurde. Ich glaube auch, dass es für den Sport gut ist und dass wir dieses Jahr vom ersten bis zum letzten Rennen eine tolle Saison erleben werden."

Frage: "Oliver Jarvis bekommt bei Audi den Neuwagen, der durch Tom Kristensens Rücktritt frei wurde. Was traust du ihm zu?"
Tomczyk: "Sehr viel eigentlich. Er hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass er wirklich in jedem Rennen hoch konzentriert ist und dass er versucht, alles herauszuholen und die Resultate haben das auch widergespiegelt. Ich habe ihn jetzt beim ersten Test erlebt und auch das Feedback von den Ingenieuren bekommen, dass er in der Tat sehr ehrgeizig ist und ambitioniert arbeitet. Das ist natürlich auch klar, wenn er als so junger Fahrer diese Chance bekommt. Ich glaube schon, dass er sich sehr gut in unser Team einarbeiten und auch mit uns zusammenarbeiten wird."

Frage: "Und noch dazu ist er ja auch ein sehr umgänglicher Typ..."
Tomczyk: "Ja, auf alle Fälle. Jung, unbelastet - aber auch sehr ehrgeizig."

Reglement: Ein Mittelweg ist gefragt

Frage: "Derzeit wird auch viel über ein neues Reglement für die DTM gesprochen. Du hast sehr viel Erfahrung - wie würde deiner Meinung nach ein ideales Reglement aussehen? Ein GT-Reglement oder etwas ganz anderes?"
Tomczyk: "Es ist immer schwierig zu entscheiden, weil letzten Endes kann man es nie jedem recht machen. Ich glaube, dass man einfach einen gesunden Mittelweg suchen muss. Man muss sich auch ein bisschen an der Zukunft orientieren, an der Frage, wo der Motorsport hin geht. Wenn man das alles unter einen Hut bekommt, dann sind auch die Weichen richtig gestellt. Aber wo genau das hingehen wird? Da muss man die fragen, die sich wirklich damit auskennen. Ich bin dann eher der ausführende Akteur, der sich dann in so ein Auto reinsetzt und versucht, zu gewinnen."

Frage: "Wir haben Winter. Du bist als Rosenheimer in der Nähe der Berge aufgewachsen, wo der Winter ja auch immer sehr schön sein kann. Kannst du den Winter genießen oder zieht es dich dann doch eher ins Warme?"
Tomczyk: "Ich kann den Winter sicherlich genießen, wenn wir mal einen richtigen Winter zum Genießen hätten (lacht; Anm. d. Red.). Manchmal ist der Winter ja nicht so überzeugend. Ich trainiere aber auch gern in wärmeren Umgebungen. Von daher freue ich mich, wenn ich einen gesunden Mix aus beidem habe."

Frage: "Wie sieht für dich jetzt die restliche Vorbereitung bis zum Saisonstart aus? Wir haben ja noch ein paar Monate vor uns, bis es wieder losgeht..."
Tomczyk: "Es stehen natürlich DTM-Tests an, die offiziellen mit Mercedes und auch die reinen Audi-Tests . Dann haben wir wieder wie in jedem Jahr die Audi-Winter-Fitnesswoche, die Ende Februar stattfinden wird. Darauf freue ich mich, weil dort alle Fahrer zusammenkommen und wir Zeit für Dinge haben, die wir während der Saison nicht haben. Ich persönlich habe noch einmal zwei Fitnesswochen geplant, um alles aus mir rauszuholen, bevor es dann in die Saison geht."

Kribbeln vor dem Saisonstart

Frage: "Ab wann kribbelt es dann wieder richtig in den Fingern?"
Tomczyk: "Bei mir fängt es bei der DTM-Präsentation immer richtig an, denn da spürt man wieder das Interesse der Presse und der Zuschauer, von denen immer sehr viele kommen. Die war in der Vergangenheit meistens ein oder zwei Wochen vor dem ersten Rennen. Da kommt dann Spannung auf und man kann es kaum erwarten, wieder im Auto zu sitzen."

Frage: "Die Saison 2010: Neuer Anlauf in Sachen Titelgewinn?"
Tomczyk: "Ja, auf alle Fälle. Mein Ziel hat sich nicht geändert, es hat sich nur verschoben. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr dann ab dem ersten Rennen im Titelrennen dabei sein und mein Ziel 2010 endlich erreichen kann."

Frage: "Blicken wir in deine längerfristige Zukunft: Was würde dich noch reizen, wenn du irgendwann einmal deine DTM-Karriere beendest? Le Mans? Die WRC ist derzeit ja auch populär? Oder die Rallye Dakar?"
Tomczyk: "Es gibt ziemlich viele Sachen, die ich gern ausprobieren möchte. Ganz klar ist aber auch, dass die DTM momentan die oberste Priorität hat. Und das wird auch in den weiteren Jahren so bleiben. Aber als Rennfahrer wünscht man sich immer, recht viele Möglichkeiten und verschiedene Rennserien auszuprobieren. Von daher hoffe ich schon, dass ich noch recht lange im Motorsport tätig sein werde. Wo es dann sein wird, sei dahingestellt. Klar schaut man sich im Winter als Rennfahrer die Rallye Dakar an, die ein ganz tolles Event ist. Ich gratuliere Volkswagen, die dieses Jahr wirklich einen perfekten Job gemacht haben. Aber Dakar ist nicht das einzige, sondern es gibt noch zahlreiche andere Rennserien, auch auf anderen Kontinenten."

Fotoquelle: xpb.cc

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