Mission erfüllt: David Coulhard brachte seine Mercedes C-Klasse heil ins Ziel.

DTM 2010

— 25.04.2010

Coulthard und das ablenkende Playboy-Häschen

David Coulthard lässt sein erstes DTM-Rennen Revue passieren: Vom "schrecklichen Start" über fliegende Teile bis hin zur unbeschadeten Zieleinfahrt

David Coulthard hat das erreicht, was er sich für sein erstes DTM-Rennen vorgenommen hatte: Der schottische Neuzugang hat seine Mercedes-C-Klasse beim Saisonauftakt 2010 in Hockenheim heil bis ins Ziel gebracht. Vom vorletzten Platz gestartet, wurde der frühere Formel-1-Pilot Zwölfter. Nun lässt er das erste DTM-Rennen seines Lebens noch einmal Revue passieren.

"Mein Start war schrecklich, schlimmer als ich mir hätte vorstellen können! Auf dem Weg zur Startaufstellung habe ich den Motor abgewürgt. Deshalb musste ich den Motor neu starten", berichtet er lachend. "Ich weiß nicht genau, was ich genau falsch mache. Wir müssen die Daten durchschauen, testen gehen und Starts üben."

Wie in einem Hörspiel schildert Coulthard, wie er auf die Startampel schaute und die Drehzahl des Motors dabei erst nach unten und dann schwunghaft wieder nach oben ging. "Deshalb hatte ich damit gerechnet, dass Katherine Legge mich überholt. Aber ich konnte sie im Spiegel nicht sehen", sagt er. "Und als ich wieder nach vorn geschaut habe, flogen da die Karosserieteile durch die Gegend. Aber die erste Runde hat Spaß gemacht, weil ich im Getümmel mit ein paar anderen Autos war. Und obwohl ich seit über einem Jahr kein Rennen mehr gefahren bin, habe ich instinktiv versucht, die Lücken zu finden."

Noch nicht eins mit dem Auto

Coulthard ist in der Formel 1 15 Jahre lang Rennen gefahren, doch er fühlte heute vor dem Start ein anderes Kribbeln als in der Grand-Prix-Startaufstellung: "In der Formel 1 hatte ich das Gefühl, dass ich eins mit dem Auto bin, man konnte die Kupplung so spüren, wie man seine Fingerspitzen spürt", erläutert er. Dieses sichere Gefühl hat er in der DTM noch nicht: "Ich sitze in diesem großen Auto, bin im ersten Gang, muss daran denken, das Armaturenbrett anzuschauen - es gibt viele Dinge, die ich im Moment einfach nicht kenne."

Von daher sei er sogar ein bisschen erleichtert gewesen, dass er am Start hinten stand, räumt Coulthard ein, "denn wenn ich noch Leute hinter mir gehabt hätte, dann hätte ich mehr Druck gespürt. Aber das wird kommen, wenn ich hoffentlich besser werde. Dann entwickle ich ein Gefühl, um in der ersten Kurve richtig fighten zu können."

Gefightet hat er dennoch, unter anderem mit Audi-Pilot Alexandre Prémat. Seinen Kollegen Congfu Cheng konnte er überholen, dann aber verlor er kurz die Konzentration: "Ich hatte einen Rad-an-Rad-Kampf mit dem Playboy-Auto. Das hat mich echt abgelenkt! Ich habe rüber geschaut und habe das Playboy-Häschen gesehen. Und ich habe angefangen, an die Frauen und so zu denken. Und dann kam die Kurve...", berichtet Coulthard lachend. Dass Winkelhock in der Startaufstellung echte "Bunnys" dabei hat, war ihm gar nicht aufgefallen - darüber aufgeklärt, kündigt er an: "Also muss ich mich neben Winkelhock qualifizieren!"

Auf alle Fälle hat es Coulthard Spaß gemacht, endlich wieder zu racen. "Und vor allem am Anfang, auf dem ersten Reifensatz, habe ich mich sehr gut gefühlt. Und ich konnte ein bisschen auf die Autos vor mir aufholen", resümiert er. "Aber mit jedem Satz Reifen habe ich mehr und mehr Übersteuern bekommen. Und am Ende bin ich so durch Kurve eins gedriftet. Ich hatte vor mir selbst Angst! Ich muss mich noch verbessern, bevor ich das im Griff habe."

Die Boxenstopps verliefen gut, auch wenn der Schotte "noch etwas langsam reagiert" hat, als seine C-Klasse wieder auf den Boden fiel. Und so lautet Coulthards zufriedenes Fazit: "Ich bin sehr happy, denn ich habe das Rennen beendet und es gab keinen Schaden am Auto, abgesehen vom Problem mit der Tür, die aufgegangen ist. Das war nett als Kühlung, aber ich denke nicht, dass es für die Aerodynamik sehr gut war." Die Tür war aufgesprungen, als er in die Startaufstellung fuhr. Warum, weiß der Schotte nicht.

Der Weg ist noch lang

Doch auch wenn das erste Rennen gut lief, weiß Coulthard: "Ich habe ganz klar noch einen langen Weg vor mir. Ich bin vielleicht eine halbe Sekunde hinter der Pace der Leute, gegen die ich racen will. Bei den Jahreswagen ist Jamie die Messlatte, aber er fährt in der Neuwagenliga, was seine Performance angeht." In seinem Lernprozess hat ihm aber auch geholfen, dass er im Rennen zum ersten Mal eine Stunde am Stück im Auto verbracht hat. Bei den Tests war er immer nur 15- bis 20-Runden-Runs gefahren.

Und deshalb ist für ihn noch einiges ungewohnt: "Ich habe keine Ahnung, wo die Nase des Autos ist", bekennt er lachend. Die Folge: "In der Spitzkehre habe ich nicht nach vorn geschaut, sondern geschaut, ob ich beschleunigen kann. Das war eines der seltsamen Dinge. Das mag vielleicht seltsam klingen, aber das fühlt sich im Vergleich zu dem, was ich früher gemacht habe, so fremd an - dass ich beim Fahren darüber nachdenken muss, wo die Nase des Autos ist."

"Das ist ganz anders, als wenn man eins mit dem Auto ist und einfach Gas gibt", erklärt er weiter. "Bis dahin habe ich noch einen langen Weg vor mir. Ich weiß nicht, wie lange das dauert. Hoffentlich nicht so lange, sonst werde ich viel von der hinteren Startaufstellung sehen", fügt er lachend an.

Das nächste Rennen steht in vier Wochen in Valencia an. "Ich hoffe, dass Valencia für mich einfacher wird", blickt Coulthard voraus. Denn er glaubt, dass ihm die Strecke mit ihren engen Kurven besser liegt als Hockenheim: "Diese langgezogenen Kurven hier liegen mir weniger. Und ich war hier eigentlich auch in der Formel 1 nie so gut - oder in irgendeiner anderen Serie, Formel 3000 oder so. Vielleicht liegt mir die Strecke einfach nicht." Dann auf ein Neues in Valencia!

Fotoquelle: xpb.cc


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