David Coulthard vertraut auf die Erfahrung von Peter Mücke und seinem Team

DTM 2010

— 04.06.2010

Coulthard: "Die größte Unbekannte bin ich selbst"

David Coulthard ist noch nicht in seiner "Wohlfühlzone" angekommen, lotet noch aus, wie man Kurven in der DTM am besten fährt und wartet auf den "Klick"

Das Abenteuer DTM hat für David Coulthard begonnen. Obwohl er mit seinen anderen Jobs wie Formel-1-Experte und Red-Bull-Botschafter jede Menge zu tun hat, kniet er sich auch in der DTM in die Arbeit und versucht, das Neue zu verstehen und sich konstant zu steigern. Mit 39 Jahren hat er es noch einmal gewagt, im Motorsport Neuland zu betreten. Zwei Rennwochenenden hat er nun schon absolviert, an einiges hat er sich inzwischen gewöhnt, einiges ist ihm aber immer noch eine Art Mysterium.

"Die größte Unbekannte bin sicher ich selbst. Denn ich weiß heute noch nicht, wo genau in einem Tourenwagen das Limit liegt", schildert der Mercedes-Pilot. "In einem Monoposto war das für mich wesentlich einfacher, denn das war mein Leben, seit dem Alter von 17 bis hin zu 37 oder 38 Jahren." Doch die DTM ist anders - und was so anders ist, das sei schwierig in Worte zu fassen. Aber Coulthard versucht trotzdem zu erklären, worin die Herausforderung besteht.

"Die Kurven sind eigentlich gleich. Eine Kurve ist eine Kurve, man kommt mit einem gewissen Speed dort an, das Auto hat ein gewisses Griplevel", erläutert der Schotte. Kompliziert werde es dann, wenn es ans Bremsen und in Richtung Scheitelpunkt geht: "Das Auto wiegt über 1.000 Kilo und bringt einen gewissen Schwung mit. Und dann beginnt man einzulenken, während man noch auf der Bremse steht, da überfährst du den Reifen einfach."

Das Kurvenfahren sei in einem DTM-Auto recht schwierig, da man gleichzeitig Bremsen und Einlenken muss. "Du musst so langsam in die Kurve einfahren, um am Ausgang Rundenzeit gutzumachen. Das ist eine andere Mentalität. In einem Formel-Auto gewinnst du die Rundenzeit am Kurveneingang. Je später du bremsen kannst, je mehr Zeit gewinnst du", so Coulthard. In der DTM hänge die Rundenzeit durch das Gewicht des Autos davon ab, "sauber zu bremsen und dann früh wieder Gas zu geben. Und das ist recht schwierig zu handeln."

"Immer wenn ich denke: 'ja, okay, jetzt habe ich es raus', dann kommt die nächste Kurve", berichtet er lachend. "Manchmal komme ich sogar von der Linie ab, wenn ich früh bremse. Und dann denke ich: 'hm, das ist seltsam'. Denn die Autos reagieren auch von der Neigung so genau. Wenn man früher bremst, aber nicht so stark, dann ist die Neigung ganz anders, wegen des Gewichts. Es ist also wirklich schwierig, all diese Abfolgen zu können. Manchmal habe ich ein paar wirklich nette Powerslides, wenn ich die Kurven anbremse."

Ob er mit diesen Powerslides schnell ist, weiß er nicht, "aber es fühlt sich gut an. Das ist der Teil, der Spaß macht. Das Fahren dieser Autos macht Spaß. Was dann weniger schön ist, wenn man am Schluss die Rundenzeiten sieht. Was ich erklären will: Das Fahrerlebnis in der DTM macht Spaß. Ich hoffe nur, dass ich irgendwann schneller bin."

In seinem Lernprozess vertraut Coulthard derzeit noch voll und ganz auf das Fachwissen seines Mücke-Teams. "Sie haben Erfahrung darin, mit unerfahrenen Typen zu arbeiten, in der Formel BMW, der Formel 3 und so. Okay, ich bin kein junger Kerl mehr, ich bin wahrscheinlich der älteste Typ, den sie je hatten (lacht; Anm. d. Red.). Aber sie sind sehr geduldig", berichtet er.

So mache er manchmal Runde um Runde denselben Fehler - ohne es zu merken, "denn ich fahre einfach nur. Aber sie schauen sich die Daten an und können einem zeigen, dass man diese und jene Kurve anders fahren sollte. So findet man also heraus, dass man einen Fehler macht."

Konkret läuft das so ab: "Ich fahre einfach instinktiv und meine Ingenieure sagen mir: Du nimmst zuviel Speed mit in die Kurve. Für mich fühlt sich das nicht so an, aber wenn sie mir das sagen, vertraue ich ihnen und versuche, ein bisschen früher zu bremsen. Und dann sieht man, wie die Rundenzeit aussieht. Sie haben da wesentlich mehr Erfahrung als ich."

Noch ist Coulthard in der Phase, in der er mehr Team zuhört als selbst Daten analysiert. "So muss ich erst einmal weiter machen und lernen. Und irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man anfangen kann, sich all diese Informationen näher anzuschauen, aber bis es soweit ist, muss ich erst einmal konstante Runden fahren", weiß er. "Heute könnte ich mir alle einzelnen Daten von jeder einzelnen Runde anschauen, aber ich glaube nicht, dass mich das irgendwie schneller machen würde. Ich denke, das Wichtigste ist, dem Team und dem Feedback, das es mir gibt, zu vertrauen und weiter zu experimentieren."

Coulthards Zwischenbilanz vor dem dritten Rennwochenende lautet also: "Ich bin noch nicht in meiner 'Wohlfühlzone'." Doch deshalb habe er die Herausfoderung DTM auch angenommen: "Ich bin nicht hier, weil ich dachte, dass ich hier gleich Rennen gewinne. Ich bin hier, weil ich gern mit einem Team zusammenarbeite, weil ich gern mit Ingenieuren zusammenarbeite, weil ich gern in einem Rennwagen schwitze. Und ich muss schauen, ob ich mit meinen 39 Jahren noch eine neue Fahrtechnik lernen kann. Bisher sieht es nicht wunderbar aus, aber vielleicht man es zu einem bestimmten Zeitpunkt 'klick'. Vielleicht bleibe ich auch einfach nur auf diesem Niveau. Aber das ist das Interessante für mich."

Fotoquelle: xpb.cc


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