David Coulthard ist auf dem Lausitzring auf Anhieb schnell gewesen

DTM 2010

— 05.06.2010

Coulthard: "Die Strecke kommt meinem Fahrstil entgegen"

David Coulthard fuhr auf dem ihm unbekannten Lausitzring auf Anhieb in den Top 8 mit - Im Rennen hat für ihn aber oberste Priorität, anzukommen und zu lernen

"David geht ab wie die Post" - das sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug über die bisherige Leistung seines prominenten Neuzugangs David Coulthard auf den EuroSpeedway Lausitz. Der Schotte fuhr auf Anhieb auf vorderen Plätzen mit. Im ersten Freien Training belegte er Rang sechs, im zweiten Freien Training wurde er Dritter und in der Qualifikation schaffte er den Sprung in Q3 und holte Startplatz acht.

Und das auf einer Strecke, die für ihn völliges Neuland ist. "Ich war hier noch nie. Ich habe zwar hinter der Strecke mal Starts geübt, aber ich war vorher noch nie auf der Strecke. Als wir hier waren, war grade ein Motorradtest, deshalb konnte ich mir die Strecke damals nicht anschauen.", berichtet Coulthard.

Er kann aber auch erklären, warum es in der Lausitz bisher so gut für ihn läuft: "Die Charakteristik der Strecke, kurze Kurven, stoppen, Gas geben, das kommt meinem Fahrstil wahrscheinlich ein bisschen mehr entgegen", sagt der Mücke-Pilot. "Auf Strecken wie Hockenheim hat man lange Kurven und in Valencia auch. Und da geht man schnell über das Limit des Reifens. Und wenn man weniger Last auf den Reifen hat, findet man das Limit leichter."

Er pflichtet jedoch auch der These bei, dass es für ihn vielleicht ein Vorteil ist, auf einer neuen Strecke zu fahren. Denn so kann er sie gleich im Tourenwagen lernen und muss sich nicht von seinem Formel-1-Fahrstil umgewöhnen. "Ich habe keine Ahnung von Linien oder Bremspunkten. Ich musste einfach instinktiv fahren." Und das macht ihm Spaß. Coulthard ist ohne Erwartungen in dieses Wochenende gegangen, sondern ist einfach gefahren - und das bisher sehr schnell.

Das Setup seiner C-Klasse hat auch auf Anhieb gepasst, der Schotte konnte vom ersten Training an die Pace der anderen mitgehen. "Das Auto hat zwar Untersteuern, aber das scheint auf eine Runde nicht viel Performance zu kosten", hat er festgestellt. "Das hat mich überrascht, denn normalerweise verliert man durch Untersteuern viel an Performance. Und als ich am Ende des Qualifyings Übersteuern bekommen habe, war ich wirklich langsam. Ich habe also gelernt, dass Übersteuern hier nichts Gutes ist und dass das ganze Untersteuern, über das ich immer klage, hier gut ist. Denn es scheint zu helfen, das Auto stabil zu halten."

Dass es für ihn in Q3 nicht weiter nach vorn ging, enttäuscht Coulthard nur ein ganz kleines Bisschen. "Natürlich will man als Rennfahrer immer mehr, aber auf der anderen Seite bin ich mit den Fortschritten, die ich an diesem Wochenende gemacht habe, schon zufrieden", erklärt er. "Es macht mir Spaß, das Auto zu fahren, es macht mir Spaß, auf dieser Strecke zu fahren. Ich möchte keinem im Kampf um die Meisterschaft im Weg herumfahren, ich möchte einfach im Auto wieder konzentriert sein und Fortschritte machen."

Denn er räumt ein, dass er immer noch am Üben ist. "Manchmal fahre ich durch Kurven und denke mir 'das war gut'. Und dann stelle ich in den Daten fest, dass ich Zeit verloren habe. Tourenwagen erfordern ein so spezielles Feeling und einen so speziellen Fahrstil, dass ich definitv noch nicht genau weiß, wie es geht", bekennt er. Die Informationen des Teams und die Datenvergleiche mit den anderen Mercedes-Jahreswagenpiloten würden da enorm helfen: "Denn ich sehe, wo ich weniger bremsen muss, wo ich früher einlenken muss und so. In der Formel 1 hat man nur seinen Teamkollegen, aber hier hat man vier oder fünf Jungs, das hilft."

Um schnelle Runden zu fahren, muss man manchmal auch über die Randsteine räubern. Doch das kostet Coulthard nach wie vor Überwindung. "Ich fühle mich nicht so wohl, wenn ich das Auto über die Randsteine prügle, denn es erscheint mir falsch zu sein", sagt er schmunzelnd. "Das scheint für das Auto nichts Schönes zu sein. Wenn ich in Kurve eins und zwei über die Randsteine fahre, tut mir das Auto wirklich leid, denn das muss irgendwie weh tun. Aber so macht man das im Tourenwagen."

Ein weiterer Problembereich war für ihn bisher der Start. Da er auf Platz acht steht, ist es nicht nur für ihn, sondern auch für die anderen wichtig, dass er gut wegkommt. An diesem Wochenende hat er bisher "vier oder fünf Starts" geübt - mit gemischtem Erfolg: "Ich habe einen guten Start auf der Startaufstellung gemacht, aber die in der Pitlane waren noch nicht sehr gut. Ich habe immer das Gefühl, dass die Kupplung ziemlich schwimmt, jedes Mal wenn man startet. Ich sammle da noch Erfahrung."

Im morgigen Rennen hat für ihn oberste Priorität, die Zielflagge zu sehen. "Ich kann mit jeder Runde etwas dazulernen", betont Coulthard. "Natürlich wäre ich happy, wenn ich ein gutes Ergebnis holen könnte. Aber wenn mir das nicht gelingt, wäre für mich die Hauptsache, das Rennen zu beenden. Ich will das Auto nicht in der ersten Runde crashen, sondern ich will mein Geld wert sein."

In der ersten Kurve könnte er aber schon arg in Bedrängnis kommen, denn hinter ihm lauern ein paar schnelle Piloten in Neuwagen, zum Beispiel Gary Paffett, Martin Tomczyk und Oliver Jarvis. Ob er da ein bisschen Angst hat? "Die sollten vor mir Angst haben! Ich sollte vor denen keine Angst haben", antwortet er lachend.

Und wer weiß, vielleicht schafft es Coulthard morgen schon, seine ersten DTM-Punkte zu holen. Auch, wenn er sich erst noch erkundigen muss: "Bis zu welchem Platz gibt es die denn?" Bis zum achten Platz... - "Na dann versuchen wir mal, den achten Platz zu halten."

Fotoquelle: xpb.cc


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