Der Norisring ist jedes Jahr ein Highlight in der DTM-Saison

DTM 2010

— 18.06.2010

Norisring: Interview mit Rennleiter Thomas Dill

Thomas Dill beschreibt im Interview seine Aufgaben als Rennleiter am Norisring, die eigenen Motorsportwurzeln und besondere Erlebnisse

Wer ist eigentlich dafr verantwortlich, dass vom 2. bis 4. Juli auf dem Areal rund um den Dutzendteich das DTM-Rennen stattfinden kann? Laut Norisring-Rennleiter Thomas Dill sind rund 620 Ehrenamtliche daran beteiligt, das "68. Internationalen ADAC Norisring Speedweekend" berhaupt mglich zu machen. Plus 600 Einsatzkrfte der Polizei, des Roten Kreuzes und der Feuerwehr.

Was bewegt die Mitglieder des MotorSportClubs Nrnberg dazu, jhrlich bis zu drei Wochen Urlaub fr den Norisring zu opfern? Was macht diesen Stadtkurs so besonders? Und wie wird man eigentlich Rennleiter? Im Interview mit 'norisring.de' spricht Dill ber seine Lieblingsstrecke, den umfangreichen "Nebenjob" als Rennleiter und die Grnde seines Engagements.

Frage: "Herr Dill, Was macht den Norisring so besonders?"
Dill: "Rennleiter beim Norisring zu sein ist eine Ehre. Stadtrennstrecken sind ja generell faszinierend, aber das Flair am Dutzendteich ist einzigartig. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine attraktivere Kulisse und ein schneres Fahrerlager als in Nrnberg, nirgendwo sind die Fans nher an der Strecke als hier. Der Blick von der Tribne direkt in die Boxengasse, wo gibt es das schon? Bei Rundenzeiten der DTM von etwa 49 Sekunden sehen die Zuschauer immer Action auf der Strecke. Kein Wunder, dass jedes Jahr um die 140.000 Besucher kommen."

Frage: "Was unterscheidet den Rennleiter des Hockenheimrings vom Rennleiter des Norisrings?"
Dill: "Aus sportlicher Sicht gibt es keine Unterschiede. Natrlich sind die permanenten Rennstrecken mit einer Infrastruktur und Platzverhltnissen ausgestattet, die das Arbeiten und vor allem die Kommunikation teilweise enorm erleichtern. Aber auf der anderen Seite ist die Aufgabe, in ein paar Wochen eine Rennstrecke mit allem Drum und Dran aus dem Boden zu stampfen, jedes Mal aufs Neue eine groe Herausforderung und macht fr mich den besonderen Reiz aus."

Frage: "Wie sind Sie zu dem Job gekommen?"
Dill: "Schon 1972, mit 14 Jahren, habe ich zum ersten Mal als 'Melder' an der Strecke gearbeitet. Es gab ja noch kein Internet und Co. Alle Rennergebnisse mussten im gesamten Renngelnde an schwarzen Brettern verteilt und aufgehngt werden. Die Melder waren zu Fu, mit dem Fahrrad oder Mofa unterwegs. Seitdem war ich in jedem Jahr ohne Unterbrechung in verschiedenen Positionen im Einsatz. Zuletzt als Fahrerlagerleiter, Rennsekretr und stellvertretender Rennleiter. Seit 2008 bin ich nun Rennleiter. Der Posten war immer mein Ziel, weil ich so die Erfahrungen, die ich als aktiver Rennfahrer gesammelt habe, optimal einsetzen kann."

Frage: "Sie waren selbst im Rennsport aktiv?"
Dill: "Ja, von 1998 bis 2006 bin ich Rundstreckenrennen gefahren. Zuerst Porsche 964 Cup, dann Porsche 993 und Porsche 996 GT3 Cup. Darber hinaus habe ich an verschiedenen Sprint- und Langstreckenrennen teilgenommen. Dafr, dass ich als Amateur an den Start ging, war ich gar nicht schlecht. Beim 24-Stunden-Rennen war ich sogar einmal Neunter der Gesamtwertung."

Frage: "Was sind die Aufgaben eines Rennleiters?"
Dill: "Ich bin unter anderem verantwortlich fr die Sicherheit der Zuschauer und Fahrer. Zum Beispiel berwache ich, ob beim Rennen auch alle Regeln beachtet werden. Bei Nichtbeachtung spreche ich Strafen aus. Beim Beenden des Rennens bin ich derjenige, der die Flagge schwenkt und ich muss sicherstellen, dass der gesamte Zeitplan eingehalten wird. Auerdem muss ich alle Einstze der Hilfs- und Abschleppdienste berwachen, die aber mein Leiter der Streckensicherung Wolfgang Schlosser koordiniert."

Frage: "Wie viele Nrnberger sind in die Planung und Durchfhrung involviert?"
Dill: "Wir sind ein Kernteam von circa 20 Personen. Zusammen planen wir die ganze Organisation und beginnen damit bereits im spten Herbst des Vorjahres. An der Durchfhrung sind dann noch einmal 600 Ehrenamtliche und zustzlich circa 600 Einsatzkrfte der Polizei, des Roten Kreuzes und der Feuerwehr beteiligt."

Frage: "Wie erleben Sie das Rennwochenende?"
Dill: "Mit wenig Schlaf, vielen spontanen Herausforderungen, einer groen Portion Adrenalin und mit viel Freude, wenn das Rennen am Sonntag erfolgreich und ohne Personenschden zu Ende geht."

Frage: "Welche Szenen haben Sie besonders in Erinnerung?"
Dill: "Die letzten sieben Runden des DTM-Rennens 2009 waren ein absolutes Highlight. So einen spannenden Kampf um den Sieg habe ich lange nicht gesehen. Nicht so schn waren die Unflle der letzten Jahre, die zu Rennabbrchen beziehungsweise zu greren Rettungsaktionen gefhrt haben. Die Sicherheit der Fahrzeuge und der Strecke haben hier aber Gott sei Dank Schlimmeres verhindert."

Frage: "Was motiviert Sie dazu, sich in diesem Mae ehrenamtlich zu engagieren?"
Dill: "Motorsport ist mein Hobby und meine groe Leidenschaft seit ich denken kann. Der grte Antrieb sind aber die treuen Zuschauer, die uns ber lange Jahre begleiten und die zuverlssigen, ehrenamtlichen Helfer des MCN, die teilweise bis zu drei Wochen Urlaub fr ihr Hobby opfern. Es ist einfach eine Genugtuung, gemeinsam mit vielen Freunden und Kollegen etwas zu schaffen, das weltweit hchste Anerkennung geniet."

Fotoquelle: xpb.cc


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