Vollgas beim Test: David Coulthard fand sich recht schnell in der DTM zurecht

DTM 2010

— 23.06.2010

Coulthard & Schumacher: Was es so schwierig macht

David Coulthard und Ralf Schumacher über die neuen Erfahrungen in der DTM: Fahrstil muss "geduldig, weich und doch aggressiv" sein

Mercedes hat seit Beginn der neuen DTM-Saison gleich zwei Ex-Formel-1-Piloten als Flagschiffe in der C-Klasse. Ralf Schumacher bestreitet bereits sein drittes Jahr in der Serie, David Coulthard macht gerade die ersten Gehversuche. Mit Erfolg: Der Schotte zeigte vor allem zuletzt am EuroSpeedway Lausitz enorme Fortschritte. Der 39-Jährige hat in seiner momentanen Gewöhnungsphase viel Spaß, während Schumacher in einem kleinen Loch zu stecken scheint.

"Ich kann mich noch an meinen ersten DTM-Test erinnern", sagt der Deutsche auf 'dtm.com'. "Der war nämlich völlig anders als der von David, bei dem es ja richtig gut klappte. Für mich war das damals eine unglaubliche Umgewöhnung. Erst beim zweiten Versuch fing es an, zu laufen. Jede Klasse hat halt so ihre Merkwürdigkeiten. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in Japan anfing, in der damaligen Formel 3000, also der Formel Nippon. Die ersten Gehversuche dort waren eine Katastrophe. Der totale Unterschied zur Formel 3, die ich damals gewohnt war. Man muss sich da halt völlig umstellen."

Fahrstil wie in der Formel 3

Die Erfahrungen aus der Formel Nippon nimmt Schumacher als Motivation. Immerhin konnte er sich damals nach Anlaufschwierigkeiten in seiner ersten Saison sofort den Titel sichern. "Die Fahrweise in der DTM ist eher mit der in der Formel 3 vergleichbar. Wo man ganz vorsichtig und behutsam mit dem Auto umgehen muss. In der Formel 1 ist viel mit der schieren Motorleistung hinzukriegen, diese Leistung fehlt in einem DTM-Auto."

Coulthard nickt zustimmend. "Das ist genau das, woran ich mich auch noch gewöhnen muss: Geduld zu haben und weich zu fahren. Aber trotzdem dabei noch aggressiv genug zu sein", beschreibt der ehemalige Red-Bull-Pilot. "Das ist schwierig zu erreichen. Das erinnert mich an einige Kampfsportarten, in denen es kaum Bewegung gibt und trotzdem eine Menge Energie drinsteckt." Laut Schumacher haben ehemalige Formel-1-Piloten einen Hang zum "Überfahren" der DTM-Boliden.

"Wenn du einmal hinten stehst, kommst du halt kaum vorbei. Generell gesehen war sicherlich das Qualifying ein Schwachpunkt. Zum Ende der Saison wurde es besser, aber es blieb ein Schwachpunkt", gibt sich Schumacher mit Blick auf die beiden Vorjahre selbstkritisch. "Schnell fahren in der Formel 1 heißt, in der Kurve so spät wie möglich bremsen und dann wieder möglichst früh aufs Gas gehen. In der DTM hingegen heißt schnell fahren, wahnsinnig rund und mit ganz viel Gefühl zu fahren."

Ballsportart und Motorsportgefühl

"Formel 1 und DTM sind wie Tischtennis und Tennis", versucht Coulthard den Unterschied zu umschreiben. "Sicherlich, das Einmaleins ist in der Formel 1 wie in der DTM das gleiche. Aber das ist es beim Tennis und beim Tischtennis auch. Ein Ball, zwei Gegner; beide haben einen Schläger; es gibt ein begrenztes Spielfeld, dessen Hälften durch ein Netz getrennt werden. Jeder Spieler versucht, so gut zu spielen, dass der Gegner nicht retournieren kann. Alles das Gleiche und trotzdem nicht zu vergleichen."

Schumacher erwartet, dass sich sein neuer Mercedes-Kollege immer mal wieder im Auto wohlfühlen wird. Bei anderen Gelegenheiten droht jedoch Enttäuschung: "Dann werden Rennstrecken mit völlig speziellen Linien kommen. Ich weiß noch genau, als ich das erste Mal als DTM-Fahrer auf dem Hockenheimring gefahren bin. Das hatte mit dem, was ich vom Formel-1-Hockenheimring kannte, rein gar nichts zu tun", so der 34-Jährige. "Da fährt man plötzlich über Randsteine oder auch schon mal komplett neben der Strecke - das sind ja Dinge, auf die man in der Formel 1 gar nicht kommt."

"Ich sehe schon: Es gibt viel zu lernen", sagt Coulthard. Lachend fügt er hinzu: "Und dabei heißt es doch immer, ein alter Hund lernt keine neuen Tricks mehr." Einen ganz wichtigen Trick muss Coulthard schnell lernen: den Start. Im Vergleich zur Formel 1 haben die Piloten in der DTM deutlich mehr Einfluss auf die Abläufe beim Start. "Im Moment leg ich nicht so gute Starts hin", gibt der Schotte offen zu.

Der Start: Viel Masse in der C-Klasse

"Da gibt es jetzt viel mehr Masse zu bewegen. 1.050 Kilo, also fast zwei F1-Autos. Da brauchst du eine ganz andere Technik. Die Technik an Bord ist auch anders, du hast andere Dinge zu tun beim Start", beschreibt Coulthard. "Da sind die ersten Rennen Training. Ich hoffe, ich steigere mich allmählich. Mein allerjüngstes Lernergebnis: Als ein Auto vor mir etwas neben der Linie fuhr, flog der ganze Staub ins Auto und direkt in meine Augen. Ich konnte gar nichts mehr sehen."

"Ich trage Kontaktlinsen", weist Schumacher auf eine besondere Problematik hin. "Ich schließe immer mein Visier kurz vor dem Start und lass es in der ersten Runde geschlossen. Die fahren da durch den Dreck. In der DTM geht es kreuz und quer - da kriegt man einiges ab. Und damit kommen wir nach Strecken und Start zum dritten: nämlich durch die erste Kurven zu kommen, ohne sein Auto zu beschädigen. Weil das, wenn man mitten im Getümmel steckt, gar nicht so leicht ist."

Für Coulthard ist die Umstellung auf enge Duelle mit Lackaustausch und Verformung von Fahrzeugteilen noch nicht abgeschlossen. "Die Umstellung auf die etwas ruppigeren Gepflogenheiten in der DTM geht relativ schnell", beruhigt Schumacher. "Das macht ja auch Spaß, so ist es ja nicht. Man muss es halt nur so dosieren, dass nichts kaputtgeht. Denn auch in der DTM sind die Anbauteile aus Karbon und somit ziemlich fragil. Eines aber muss ich wirklich sagen: dass ich mit extrem offenen Armen empfangen wurde. Von allen, auch von den Audi-Fahrern."

Fotoquelle: xpb.cc


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