Le-Mans-Sieger Mike Rockenfeller: Kann er Audi auch am Norisring beflügeln?

DTM 2010

— 25.06.2010

Le-Mans-Sieg beflügelt Audi vor Norisring-Heimspiel

Audi will am kommenden DTM-Wochenende die schwache Norisring-Bilanz ordentlich aufpolieren - der Le-Mans-Triumph gibt vor dem Heimspiel Hoffnung

Beflügelt vom Rekordsieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans nimmt Audi am ersten Juli-Wochenende das nächste Motorsport-Großereignis in Angriff: Vom 2. bis 4. Juli gastiert die DTM auf dem Norisring in Nürnberg. Nur 75 Kilometer nördlich von Ingolstadt ist der Norisring für Audi traditionell ein Heimspiel - bislang allerdings ohne Heimvorteil. Der nur 2,3 Kilometer lange Stadtkurs zwischen Frankenstadion und Dutzendteich ist - von der neuen Strecke in Schanghai abgesehen - die einzige Rennstrecke im DTM-Kalender, auf der Audi mit dem A4 DTM noch kein Sieg gelungen ist. Auf der Habenseite stehen insgesamt vier dritte Plätze und ein zweiter Platz durch Christian Abt in der Saison 2005.

Im vergangenen Jahr war die Mannschaft um Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich, der die Marke mit den vier Ringen vor wenigen Tagen zum neunten Triumph in Le Mans geführt hat, näher dran am ersehnten Heimsieg auf dem Norisring als in all den Jahren zuvor: Erst in der vorletzten Runde verlor der von der Poleposition gestartete Timo Scheider die Führung an Mercedes-Pilot Jamie Green.

Norisring-Simulationen auf einem Flugplatz

Wohl wissend, dass das Audi-Werksteam mit der Konkurrenz auf dem Norisring auf Augenhöhe kämpfte und der intern "R14 plus" bezeichnete Audi A4 DTM des Modelljahres 2009 vor dem Reglement-bedingten Einfrieren der Technik noch einmal in Details optimiert wurde, blickt die Audi-Mannschaft keineswegs ängstlich in Richtung Nürnberg. "Wir wissen, dass wir es schaffen können, wenn alles perfekt funktioniert", sagt Ullrich. "Le Mans hat gezeigt, was man mit einer perfekten Mannschaftsleistung erreichen kann - und allen bei Audi Sport besondere Motivation gegeben, es endlich auch wieder einmal auf dem Norisring zu schaffen."

Um optimal vorbereitet zu sein, hat Audi Sport den Norisring in diesem Jahr erneut auf dem Flugplatz im ostdeutschen Cochstedt simuliert. Dort, wo auch die letzten Vorbereitungen für den erfolgreichen Einsatz in Le Mans über die Bühne gingen, sammelten Mattias Ekström, Oliver Jarvis, Miguel Molina, Timo Scheider und Martin Tomczyk zwischen Pylonen wichtige Erkenntnisse für die Besonderheiten des Norisrings, auf dem es vor allem auf Traktion, Verzögerung und Höchstgeschwindigkeit ankommt. Die aerodynamische Effizienz, die den Audi A4 DTM besonders auszeichnet, soll vor allem für guten Topspeed genutzt werden.

Vorteil für die 2008er-Fahrzeuge?

Beste Chancen werden auf dem Norisring auch den Fahrzeugen der vorletzten Generation eingeräumt, die mit 25 Kilogramm weniger Gewicht an den Start gehen dürfen als die aktuellsten Modelle. "Am Norisring würde ich mein 2009er-Fahrzeug freiwillig gegen einen 2008er-A4 eintauschen", betont Mattias Ekström. "Das Gewicht spielt auf dem Norisring eine ganz entscheidende Rolle."

Deshalb freuen sich die Fahrer der 2008er-Fahrzeuge ganz besonders auf den Stadtkurs - allen voran Mike Rockenfeller aus dem Phoenix-Team, der bei zwei der ersten drei DTM-Rennen des Jahres jeweils der beste Audi-Pilot war und sich mit seinem Sieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans einen persönlichen Traum erfüllte und entsprechend beflügelt nach Nürnberg kommt. "Ich hätte nichts dagegen, nach meinem ersten Sportwagen-Sieg mit Audi auf dem Norisring meinen ersten DTM-Sieg zu feiern", sagt "Rocky". "Dass man dort mit einem Vorjahreswagen gewinnen kann, hat Jamie Green 2009 gezeigt. Und die Voraussetzungen sind für uns dieses Jahr noch besser."

Abstecher in die NASCAR-Serie und nach Le Mans

Nicht nur Mike Rockenfeller hat zwischen den DTM-Rennen auf dem EuroSpeedway und dem Norisring durch seinen Le-Mans-Sieg weiter Selbstvertrauen getankt. Titelverteidiger Timo Scheider schaffte bei seinem Le-Mans-Debüt auf Anhieb einen Podestplatz in der GT2-Klasse. Oliver Jarvis wurde in Le Mans als "Rookie of the year" ausgezeichnet. Und Mattias Ekström sorgte bei einem Abstecher in die nordamerikanische NASCAR-Serie für Furore. "Eine fantastische Erfahrung", schwärmt der Schwede. "Aber nun heißt es wieder volle Konzentration auf die DTM und den Norisring. Wir haben den Sieg im letzten Jahr nur knapp verpasst. Wir werden alles daransetzen, dass es dieses Mal klappt."

Das ist auch das Hauptanliegen von Audi-Motorsportchef Ullrich, der sich auf die vielen Fans der Ingolstädter an der Strecke freut: "Der Norisring ist für Audi immer ein ganz besonders wichtiges Rennen, da sehr viele Audianer an die Rennstrecke kommen, um uns die Daumen zu drücken, und natürlich gerne einem Audi-Erfolg beiwohnen möchten. Deshalb sind wir besonders motiviert, am Norisring ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wir haben uns dort immer etwas schwergetan, sind aber mit jedem Jahr unserem Ziel, auf dem Norisring siegfähig zu sein, einen Schritt näher gekommen."

Wann platzt der Knoten?

Dass man beim Hersteller mit den vier Ringen langsam ungeduldig wird, ist klar. Teamchef Hans-Jürgen Abt hat zumindest gute Erinnerungen, auch wenn diese schon einige Zeit zurück liegen: "Wir haben auf dem Norisring zuletzt 2002 mit Laurent Aiello den Sieg geholt. Es wird Zeit, dass der Knoten bei uns platzt und wir am Norisring zurückschlagen. Das wäre auch wichtig für die Meisterschaft, weil wir aus verschiedenen Gründen schon viele Punkte verloren haben."

Ernst Moser, der das Phoenix-Team leitet, blickt äußerst optimistisch zum Saison-Highlight in Nürnberg, auch wenn es sich beim Norisring um eine unkonventionelle Rennstrecke handelt. Dort seien "technisch ganz andere Sachen gefragt als auf einer normalen Rennstrecke, vor allem Traktion. Dank des Gewichtsvorteils von 25 Kilogramm gegenüber den aktuellen Autos rechnen wir uns gute Chancen aus, unser EuroSpeedway-Ergebnis zu wiederholen oder sogar zu toppen."

Das Monaco der DTM

Rosberg-Teamchef Arno Zensen ortet beim Norisring einige Eigenschaften, mit denen die Formel -1-Teams sonst nur in Monaco konfrontiert sind: "Die Atmosphäre ist fantastisch, das Arbeiten aufgrund der Begebenheiten für die Teams aber nicht so einfach". Seinen Piloten gibt er in Nürnberg gute Chancen: "Markus Winkelhock ist zuletzt auf dem EuroSpeedway ein gutes Rennen gefahren und kommt mit einem freien Kopf zum Norisring. Katherine Legge hat dort im vergangenen Jahr die schnellste Rennrunde gedreht und im Qualifying Platz fünf geholt. Es wäre toll, wenn wir das wiederholen könnten."

Gute Erinnerungen sind oft der erste Schritt zu einem erfolgreichen Rennwochenende - mit einer positiven Einstellung reist auch Mattias Ekström zum Norisring. Der Schwede holte dort 2002 seine erste Poleposition in der DTM und stand schon viermal als Dritter auf dem Podium. Für ihn ist der Norisring "die DTM-Strecke mit der schönsten Atmosphäre. Im vergangenen Jahr haben wir dort den Sieg nur ganz knapp verpasst. In diesem Jahr werden wir es erneut versuchen." Oliver Jarvis, der endlich sein Punktekonto eröffnen will, sagt Mercedes den Kampf an: "In der Vergangenheit war der Norisring eine Mercedes-Strecke. Das müssen wir in diesem Jahr ändern. Wir müssen versuchen, dort zu siegen, um den Mercedes-Jungs an der Spitze nach ihrem starken Saisonstart Punkte abzunehmen."

Kann Legge wieder glänzen?

Die britische Rosberg-Pilotin Katherine Legge möchte die tolle Performance aus dem Vorjahr wiederholen, als sie im Qualifying mit Startplatz fünf aufhorchen ließ. Leider passierte ihr dann ein Frühstart. Doch sie weiß: "Wir waren dort im vergangenen Jahr sehr schnell. Ich hoffe, wir können das wiederholen." Und sie outet sich selbst als Norisring-Fan: "Am besten finde ich am Norisring das späte Bremsen." Neuland erwartet hingegen den spanischen Rookie Miguel Molina, der vor seinem Debüt in Nürnberg steht. Dementsprechend vorsichtig sind die Erwartungen des 21-Jährigen: "Ich erwarte ein schwieriges Rennen, weil ich nicht so viel Erfahrung mit Stadtrennen habe. Ich bin bisher nur in Monaco gefahren. Ich freue mich trotzdem und werde mich so gut wie möglich vorbereiten."

Alexandre Prémat, der nach dem Rennwochenende seine Lebensgefährtin heiraten will, hat gute Erinnerungen an den Norisring, allerdings aus der Zeit vor seiner DTM-Karriere: ""Ich liebe diese Strecke. Ich habe dort in der Formel 3 gegen Hamilton, Rosberg und Kubica Rennen gewonnen. In der DTM fehlte mir auf dem Norisring bisher etwas das Glück." Ähnlich erging es bisher Le-Mans-Triumphator Mike Rockenfeller, der auf der schnellen Strecke bisher punktelos blieb: "In der Vergangenheit war es für uns oft schwierig, weil wir meistens mit etwas mehr Gewicht zum Norisring gekommen sind. Das ist dank des Reglements nun anders. Ich denke, dass wir gute Chancen haben."

Scheider will Rechnung begleichen

DTM-Champion Timo Scheider möchte mit dem Norisring ebenfalls eine Rechnung, "nachdem ich im letzten Jahr 80 Runden geführt habe. Ich möchte 100 Prozent vorbereitet anreisen und dieses Mal auch die letzten drei, vier Runden in Führung nach Hause fahren, damit Audi endlich wieder das Heimrennen gewinnt." Martin Tomczyk gesteht hingegen ganz offen: "Ich mag den Kurs nicht so sehr, doch es ist schön, dort zu fahren, weil dort so viele Audi-Fans sind." Kein Wunder, hat der 28-Jährige doch nach seinem schweren Unfall 2002 schlechte Erinnerungen an den Kurs.

"Kaum noch erwarten" kann Markus Winkelhock das kommende Rennwochenende. "Die Pause nach dem EuroSpeedway war viel zu lang." Sein Onkel Joachim siegte 2000 beim ersten Rennen der neuen DTM auf dem Norisring. Er ist ebenfalls zuversichtlich, ein gutes Resultat einfahren zu können: "Das ist quasi mein zweites Heimrennen mit einer ganz speziellen Atmosphäre. Ich mag die Strecke, und auch dem Auto sollte der Kurs gut liegen."

Fotoquelle: xpb.cc


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