David Coulthard konnte das Rennen auch ohne Tür gefahrlos zu Ende fahren

DTM 2010

— 05.07.2010

Ohne Tür: Deshalb durfte Coulthard weiterfahren

David Coulthard bestritt den Großteil des Norisring-Rennens ohne Fahrertür: Das beschäftigte auch die Rennleitung, doch eingreifen musste sie dann nicht

Es war schon ein etwas ungewöhnlicher Anblick: David Coulthard bestritt 66 der 82 Rennrunden auf dem Norisring ohne Fahrertür. Er war selbst davon überrascht, wie schnell er mit diesem Schaden fahren konnte. Das einzige Problem waren Staub und Kieselsteinchen, die ins Cockpit kamen. Doch viele Beobachter fragen sich, warum es die Rennleitung überhaupt erlaubt hat, dass de Mercedes-Pilot ohne Tür fährt und warum der Schaden nicht behoben werden musste. Die Sicherheitsbedenken bei den Fans waren groß.

'Motorsport-Total.com' hat beim DMSB nachgefragt. Coulthards fehlende Tür hat die Rennleitung durchaus lange beschäftigt, doch man kam dann zu dem Schluss, dass man nicht eingreifen muss. Anders wäre die Situation gewesen, wenn die Tür noch längere Zeit halb offen stehend dran geblieben wäre. Dann wäre das Sicherheitsrisiko größer gewesen.

In Runde 15 rammte Markus Winkelhock Coulthards C-Klasse in der Dutzendteichkehre in Höhe der Fahrertür. Die Tür lockerte sich und hing seitlich vom Fahrzeug weg. In diesem Moment wurde die Rennleitung aktiv und entschied, Coulthard an die Box zu beordern, damit der Schaden repariert wird und die lockere Tür nicht zum Sicherheitsrisiko für andere wird. Man nahm sofort per Funk Kontakt zum HWA-Team des Schotten auf und gab die Anweisung, ihn hereinzurufen.

Da der Unfall in der letzten Kurve passierte, war es aber zu spät für Coulthard, um umgehend in die Box zu fahren, sondern er musste noch einmal um den Kurs in Richtung Boxengasseneinfahrt fahren. Und dabei ist genau das passiert, was die Rennleitung eigentlich verhindern wollte, als sie die Anweisung zur Reperatur gab: Die Tür flog ab, manche konnten noch ausweichen, aber Susie Stoddart fuhr drüber und ruinierte sich den Unterboden.

Die Rennleitung stand nun vor einer neuen Situation. Die Gefahr, dass die Tür sich löst und unkontrollierbar über die Strecke fliegt, war ja nicht mehr gegeben, denn das war bereits passiert. Von daher gab es keinen Grund mehr, den Schotten umgehend an die Box zu beordern, man entschied, ihn vorerst weiterfahren zu lassen.

Nun beriet die Rennleitung darüber, wie groß das Sicherheitsrisiko ist, wenn der Schotte das Rennen ohne Tür fortsetzt. Sie kam zu dem Schluss, dass die Gefahr für ihn und andere nicht allzu groß ist. Deshalb entschied man, Coulthard weiterfahren zu lassen, statt ihm das Rennen kaputt zu machen.

Warum war das Fahren ohne Tür so ungefährlich? Die Tür eines DTM-Boliden hat keinerlei Sicherheitsfunktion, sondern ist eigentlich nur ein Teil der Verkleidung. Geschützt wird der Fahrer durch den Sicherheitskäfig und den Seitenaufprallschutz am Rahmen, und diese waren noch vollkommen intakt. Was nicht mehr gegeben war, war nur der Schutz gegen herumfliegende Splitter - aber denen sind Piloten in offenen Rennwagen, zum Beispiel in der Formel 3, genauso ausgesetzt.

Also entschied man: Das Risiko ist nicht zu groß, Coulthard darf weiterfahren. Das ist aber nur wegen der Sicherheitskonzepte moderner DTM-Autos so. In einem alten STW-Boliden zum Beispiel wäre das Risiko für einen Piloten, der ohne Tür fährt, noch wesentlich größer gewesen und er hätte das Rennen beenden müssen. Damals wurde der Fahrer auch durch die Tür geschützt.

Noch eine weitere Frage beschäftigt die Beobachter: Warum wurde nach dem Abflug der Tür nicht das Safetycar auf die Strecke geschickt, damit die Streckenposten alle Trümmerteile entfernen konnten? Auch dieses Thema wurde in der Rennleitung diskutiert. Man verzichtete dann aber aus zwei Gründen auf eine Safetycarphase.

Zum einen öffnete kurz darauf das Boxenstoppfenster. Eine Safetycarphase zu diesem Zeitpunkt hätte möglicherweise für ein ziemliches Durcheinander gesorgt und dafür, dass die einen profitieren und die anderen benachteiligt sind, je nachdem, wer schon an der Box war und wer nicht. Und zweitens: Die eigentliche Tür konnte auch so von der Strecke entfernt werden, es lagen nur noch kleinere Trümmerteilchen herum.

Von ihnen ging aber keine direkte Gefahr für die Fahrer aus, denn sie lagen so auf der breiten Geraden, dass sich jeder problemlos eine andere Linie suchen konnte. Und tatsächlich stellte die Rennleitung fest, dass alle Fahrer innerhalb kürzester Zeit eine Ideallinie gefunden hatten, auf der ihnen die Teilchen nicht im Weg lagen. Also konnte auf eine Safetycarphase verzichtet werden.

Fotoquelle: xpb.cc


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