David Coulthard könnte sich durchaus vorstellen, weiter in der DTM zu fahren

DTM 2010

— 08.08.2010

2011: Coulthard würde verlängern!

David Coulthard hat Gefallen am Experiment DTM gefunden: Wenn es nach ihm geht, ist er nächstes Jahr wieder dabei - Nicht nur Spaß am Racen, auch an der Technik

Als David Coulthard im Winter - eigentlich nur zum Spaß - einen DTM-Test absolvierte, ist er auf dem Geschmack gekommen. Er setzte sich mit Mercedes zusammen und dann fiel die Entscheidung, dass er den Einstieg wagt. Coulthard sah darin ein "Experiment". Ob er nach einem Jahr noch Lust darauf haben wird, wusste der Schotte anfangs nicht. Doch er ist schon lange nicht mehr nur der Starpilot, der Publicity bringt, sondern arbeitet sich auch fahrerisch immer weiter nach vorn.

Und inzwischen weiß er auch: Er hat Lust darauf, nach seinem Premierenjahr weiterzumachen. "Ich denke ganz positiv darüber", sagt er zum Thema einer möglichen Verlängerung seiner DTM-Karriere. "Ich habe mit Norbert Haug noch nicht darüber gesprochen und ich weiß, dass wir das nicht vor Ende August, Anfang September machen werden. Von daher gibt es keinen Druck. Ich bin sehr entspannt. Wenn sich die Gelegenheit bietet, dann bin ich definitiv heiß darauf, sie zu nutzen. Wenn sich die Chance nicht bietet, dann habe ich nichts verloren. Ich habe es probiert und hatte Spaß."

Der Schotte setzt sich weiter keine konkreten Ziele, was Platzierungen angeht. Er will auch im weiteren Saisonverlauf nur eines: immer weiter Fortschritte machen. Ihm ist aber dabei wichtig, dass er nicht missverstanden wird. Diese Einstellung bedeute nicht, dass er seine Aufgabe nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit angeht. So weit es seine Zeit zulässt, hängt er sich auch richtig rein. Das merkt man auch daran, wie sehr er sich in die Technik vertieft und versucht, sein Auto und dessen Verhalten auf den unterschiedlichen Rennstrecken zu verstehen. Doch er hat einfach - bedingt durch seine Biographie und seine aktuellen Aufgaben - eine andere Herangehensweise als andere Piloten.

"Ich freue mich sehr, Teil dieser Meisterschaft zu sein. Aber ich erwarte nicht, gleich Siege zu holen. Und ich wäre über ein schlechtes Wochenende nicht so enttäuscht, wie ich es in der Formel 1 war", erklärt der Mercedes-Fahrer. "Denn die Formel 1 war meine Karriere, sie war mein Lebensziel. Als Zwölfjähriger war nie mein Ziel, eines Tages DTM zu fahren. Aber im Laufe meiner Rennfahrerkarriere habe ich festgestellt, dass es eine wirklich tolle Meisterschaft ist. Die Autos sind interessant, die Fans kommen für 30 Euro nah an die Fahrer heran. In der Formel 1 kommst du für 30 Euro nicht auf eine Meile an die Strecke heran. Es gibt also sehr viele positive Dinge in dieser Meisterschaft."

"Aber bin ich jemand, der hier um Podestplätze, Siege oder gar Meisterschaften kämpfen kann? Ich denke es nicht. Vielleicht kann ich es eines Tages, aber im Moment nicht. Ich möchte einfach Spaß haben. Und da möchte ich auch niemandem etwas vormachen", betont Coulthard. "Ich war Norbert gegenüber sehr offen, er war sehr gut zu mir. Ich habe sehr viel Respekt vor den anderen Fahrern da draußen. Ich will nicht, dass jemand in mich rein fährt und ich will auch selbst in niemanden rein fahren. Auch wenn das im Tourenwagensport dazu gehört. Ich will einfach ein gutes Qualifying haben, ein gutes Rennen und am Ende nach Hause fahren zu meinem Sohn und meiner Verlobten und sagen: 'Wow, was habe ich für ein Glück.'" Das Glück, beruflich etwas machen zu dürfen, was ihm riesigen Spaß macht.

Natürlich beschäftige er sich sehr ernsthaft mit der DTM - wenn er am Rennwochenende an der Strecke ist. "Aber wenn ich am Sonntagabend wegfahre, dann habe ich ein anderes Leben", gibt er zu bedenken. "Für Jamie, Gary und all die anderen, die nach dem Titel jagen, ist das ihr Leben. Das sollte es auch sein. Wäre es das nicht, dann müsste ich auf sie sauer sein. Für mich ist es ein nur Teil meines derzeitigen Lebens, den ich aber wirklich genieße. Es bestimmt nicht jeden Tag meine Gedanken, weil mir mit meinen anderen Verpflichtungen ein Drahtseilakt gelingen muss."

Er versucht einfach, in der Zeit, die ihm für die DTM zur Verfügung steht, stetig voranzukommen. "Wenn ich Fortschritte mache und mich unter die anderen Fahrer in dieser Meisterschaft mischen kann, die ich als Profis ansehe, dann ist das positiv." Und mit dem bisher Erreichten ist er durchaus zufrieden: "Ich bin zwar nicht der Schnellste, aber ich habe auch nie erwartet, der Schnellste zu sein. Meine Erwartungen an mich sind wesentlich geringer als die, die andere Leute an mich haben. Ich spüre keinen Druck. Selbst wenn Michael Schumacher in die DTM kommen würde, wäre nicht sicher, dass er gewinnt."

Und immerhin: An die Zeiten seines Markenkollegen Jamie Green, der im Mercedes-Jahreswagen das Maß aller Dinge ist, kommt er immer näher heran. Auch seine Arbeitsweise hat sich geändert: "Am Anfang habe ich mir die Daten nicht genau angeschaut und habe nicht allzu viele Fragen gestellt. Ich habe einfach auf die Erfahrung des Teams vertraut, bin ins Auto gestiegen und habe versucht, zu fahren. Jetzt frage ich mehr und versuche, ein bisschen was zu verstehen."

Er beschreibt diesen Prozess mit einem Beispiel: "Dass ich hier bin, ist ja eher ein Zufall. Ich dachte eigentlich, dass ich zurückgetreten bin, dann kam der erste Test. Ich hatte überhaupt nicht geplant, in diesem Jahr Rennen zu fahren. Aber es ist so gekommen und es macht Spaß. Das ist, wie wenn man seine Freundin oder seinen Freund zum ersten Mal trifft - jemanden, mit dem man eigentlich gar nicht rechnet. Und daraus entsteht dann etwas." Etwas, was im nächsten Jahr weiter wachsen könnte.

Ein Fan wie alle anderen

Es ist aber nicht nur das pure Rennfahren, das Coulthard an seinem Job in der DTM gefällt. "Mir macht auch die technische Seite Spaß, die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren", berichtet er. Und falls er irgendwann nicht mehr die Gelegenheit bekommt, selbst ins Cockpit zu steigen, "dann würde ich definitiv irgendetwas im Entwicklungsbereich machen, entweder mit Tourenwagen oder was auch immer. Denn es ist toll, das Limit des Autos auszuloten, zu sagen, okay, vielleicht können wir da noch was ändern. So, wie jemand wie Adrian Newey immer noch Autos entwirft. Es macht ihm einfach Spaß. Er hatte genug Erfolg und hat genug Geld, dass er nichts mehr entwerfen müsste. Aber es macht ihm einfach Spaß."

Und da ginge es ihm nicht anders als all denen, die auf den Tribünen sitzen. "Ich bin selbst ein Motorsportfan. Der einzige Unterschied ist, dass ich das Auto fahren darf und dafür auch noch Geld bekomme", so Coulthard. "Als Elfjähriger habe ich mir mit meinem Freund Autos angeschaut und wir haben darüber diskutiert, weil wir Enthusiasten sind." Deshalb ist es führ ihn eine "komische" und auf eine gewisse Art "unangenehme Situation", wenn er bei den Fans Autogramme schreibt: "Nicht weil ich keine Zeit für die Fans habe, sondern weil ich einfach sein will wie sie und die Autos anschauen. Und das hat sich nicht geändert, nur weil ich 15 Jahre in der Formel 1 gefahren bin."

Wer weiß, vielleicht kann sich der Schotte die Technik auch 2011 noch direkt aus der Cockpitperspektive anschauen. Er hätte Lust darauf - auch, wenn er dann weiter auf die ganz angenehmen Seiten der DTM verzichten muss, die er früher bei seinem Besuchen im Fahrerlager kennengelernt hat: "Es hat mir großen Spaß gemacht, hier als Gast dabei zu sein, denn ich konnte ein Bier trinken, Würstchen essen und spätabends mit meinen Freunden zusammensitzen, Witze machen und lachen. Das war der wirklich schöne Teil von DTM-Wochenenden."

"Jetzt muss ich natürlich früh ins Bett gehen und das Rennfahrer-Zeug machen. Die Würstchen da drüben an der Mercedes-Tribüne schauen fantastisch aus, ich würde wirklich liebend gern eines essen. Aber das wäre am Abend vor dem Rennen wohl eher nicht optimal", schmunzelt er.

Fotoquelle: xpb.cc


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