Wolfgang Ullrich ärgert sich über die verschenkten Punkte in der DTM

DTM 2010

— 19.08.2010

Audis Sorgen: Reifenrätsel und zu viele Einzelfehler

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich zieht Bilanz einer bisher nur mäßig erfolgreichen Saison und fordert für die zweite Saisonhälfte 100 Prozent Konzentration

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich hatte in seinem Job schon einfachere Zeiten. Derzeit steht er vor der schwierigen Aufgabe, seine DTM-Mannschaft wieder nach vorn zu bringen. In der ersten Saisonhälfte gab Rivale Mercedes meistens das Tempo vor. In der Meisterschaft liegen vier Mercedes-Piloten vorn, Mattias Ekström ist als Fünfter mit 19 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bruno Spengler bester Audi-Fahrer.

"Es ist nicht nur dann ein nicht zufriedenstellendes Ergebnis, wenn man dreimal den Titel gewonnen hat. Es ist ganz einfach kein zufriedenstellendes Ergebnis. Denn wir hatten vom Beginn der Saison an eigentlich eine sehr gute Performance und haben es durch viele Einzelfehler, die ganz einfach nicht passieren sollten, nicht geschafft, das entsprechend in Punkte umzusetzen", lautet Ullrichs Zwischenbilanz. "Ich habe mir intensiv vorgenommen, dass wir in der zweiten Hälfte der Saison, aus der Performance, die wir eigentlich immer auf die Beine gestellt haben, auch entsprechende Ergebnisse machen."

Denn wenn an einem Audi alles passt, dann ist er auch in dieser Saison schnell. Aber es gelingt nicht, konstant eine geschlossen starke Mannschaftsleistung abzuliefern. Das liegt unter anderem daran, dass der neue Einheitsreifen von Dunlop Audi noch mehr Probleme bereitet als Mitbewerber Mercedes. "Wir haben ein bisschen gelernt, dass dieser Reifen generell ein bisschen mehr Grip bietet, dass er auch konstanter geworden ist, dass es aber sehr schwierig ist, den Peak des Reifens zu spüren und entsprechendes Feedback vom Reifen zu bekommen, um das Setup entsprechend zu optimieren", erklärt Ullrich.

Mit diesem Thema beschäftigt man sich in Ingolstadt intensiv: "Denn das Bindeglied zwischen Fahrzeug und Strecke ist nun einmal der Reifen. Das beste Fahrzeug kann auf der sympathischten Strecke nicht funktionieren, wenn man diesen Kontakt nicht optimal umsetzen kann."

Reifenrätsel auf dem Nürburgring

Warum Mercedes besser mit den Pneus zurechtzukommen scheint, kann der Audi-Sportchef nicht erklären. "Wenn wir das genau wüssten, dann hätten wir das Problem schon geregelt", sagt er, betont aber: "Es klingt vielleicht komisch, aber es ist ganz einfach so, dass wir eigentlich nicht der Meinung sind, dass wir den Reifen absolut nicht verstehen."

Doch es gibt Rennwochenenden, an denen Audi vor einem echten Reifenrätsel zu stehen scheint, wie zuletzt am Nürburgring. Dort schwankte die Performance von Session zu Session und zwischen den einzelnen Piloten extrem. "Wenn man konstantes Material hat - bei den Autos wissen wir auf jeden Fall, dass die Autos sehr, sehr identisch sind - dann sollte es bei der Fahrerzusammensetzung und der Performance, die die Fahrer bringen können, möglich sein, dass alle auf einem ganz ähnlichen Niveau fahren", so Ullrich.

Und da sei es besonders enttäuschend, "wenn es einem gelingt, eine relativ überlegene Pole-Position herauszufahren, der nächste Audi dann aber erst sechs Meter weiter dahinter steht. Das ist ganz einfach schwer zu erklären. Und genauso ist es schwierig, das Autos, die am Samstagvormittag in den Top 3 oder Top 4 gewesen sind, sich im Qualifying gerade einmal mit Ach und Weh ins zweite Qualifying hineinkämpfen konnten und teilweise gar nicht mehr weitergekommen sind. Das ist etwas, was uns intensiv beschäftigt."

Der Reifen habe Audi am Nürburgring "wirklich extrem überrascht", räumt Ullrich ein. "Das hat uns wieder dorthin gebracht, dass wir uns noch einmal mit all den Basisdaten beschäftigt haben." Denn ein solcher Einheitsreifen hänge viel vom Basisluftdruck ab und davon, wie man ihn anfährt: "Und das sind die Dinge, die auf wirklich jeder Rennstrecke wieder einen Tick anders sind, wenn man das Optimum holen muss. Darum muss man immer in den Trainingssitzungen, die man auf der Rennstrecke an dem Wochenende hat, versuchen ans Optimum heranzukämpfen."

Intensive Analyse vor Zandvoort

Vom Vorjahr könne man jeweils nur das Basissetup nutzen, "aber alles, was spezifisch ist um den Reifen optimal arbeiten zu lassen, musst du dir am Freitag und am Samstag erarbeiten, bevor es ins Qualifying geht. Und da kann ich nur sagen, dass wir bisher in der Summe nicht immer das Optimum geholt haben."

Nach dem Nürburgring wurde intensiv analysiert, wie man die Lage bessern kann. Nun hofft Ullrich, dass sich das bereits in Zandvoort bemerkbar macht. "Wir haben die Daten des Wochenendes ausgewertet. Wir bringen das in eine bereits mit sehr vielen Daten gefüllte Matrix und versuchen dann über Quervergleiche Dinge, die unserer Meinung nach aus den bisherigen Strecken für Zandvoort relevant sind, zu nutzen. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass wir die wichtigsten Daten erst am Freitag und Samstag in Zandvoort wirklich dazuholen können."

Fehler kosteten Topergebnisse

Doch das Reifenrätsel ist nicht die einzige Sorge des Audi-Sportchefs. Denn trotz der Probleme mit den Pneus hätte es in dieser Saison rein von der Performance her schon zu einen Erfolgen gereicht. "Wenn wir die Punkte, die wir eigentlich schon in der Tasche hatten und irgendwann einmal durch Fehler und Dummheiten hergeschenkt haben, auf dem Konto hätten, dann würden wir dieses Thema (Reifen; Anm. d. Red) wahrscheinlich gar nicht so sehr streifen", betont er.

"Es wurden ganz einfach auch von Verschiedensten in der Kette, sehr aktiven und wichtigen Personen, immer wieder kleine Fehler gemacht", räumt Ullrich ein. Fehler, die Audi in dieser Saison schon mehrfach Topergebnisse gekostet haben. "Das müssen wir auf jeden Fall abstellen. Wir müssen sicherstellen, dass jeder immer 100 Prozent bringen kann und voll konzentriert und fehlerfrei arbeitet. Denn das ist in einer Meisterschaft wie dieser, die so eng ist, ganz einfach die Basis, um überhaupt vorn mitreden zu können."

Personelle Konsequenzen werden bei Audi aufgrund der Fehlerhäufung aber derzeit nicht gezogen. "Wir sind Gott sei Dank noch nicht so weit gekommen", sagt der Sportchef. "Ich weiß, dass jeder in dieser Mannschaft selbst so viel Erfolgswillen hat und sich selbst so sehr bemüht, das Maximum für den Gesamterfolg des Teams zu geben, dass ein Fehler, den er macht - und das natürlich danach folgende Gespräch - die Jungs sicherlich maximal motiviert, sich hundertprozentig zu konzentrieren und noch ein bisschen mehr zu geben. Denn das ist unser gemeinsames Ziel."

Fotoquelle: xpb.cc

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