Zweiter Saisonsieg: Gary Paffett ist vor seinem Heimrennen voll im Titelkampf

DTM 2010

— 22.08.2010

Doppelsieg: Mercedes nutzt Scheider-Patzer

Ein verpatzter Start von Timo Scheider eröffnete Gary Paffett und Paul di Resta die Chance auf einen Doppelsieg in Zandvoort - Bruno Spengler nur Siebter

Polesetter Timo Scheider (Audi) hat heute in Zandvoort seinen möglichen ersten Saisonsieg verschenkt und Mercedes die ersten zwei Plätze überlassen. Denn bei (unerwarteterweise) trockenen Bedingungen - zu regnen begann es erst nach der Pressekonferenz - gewann Gary Paffett vor seinem Markenkollegen Paul di Resta. Scheider musste sich nach einer starken Vorstellung mit Rang drei begnügen.

Der DTM-Titelverteidiger verspielte seine Chancen bereits am Start, als er erst gut wegkam, dann aber die Drehzahl absacken ließ und von neun Gegnern überholt wurde. "Es war ganz klar mein Fehler", ärgert er sich. "Ich wollte einen guten Takeoff haben und die erste Reaktion war gut, aber dann ist mir der Motor abgestorben. Zu viel Grip aufgebaut, das war's. Ich hatte einen dicken Hals, habe den immer noch. Wenigstens hat es zum ersten Mal für das Podium gereicht."

Leichtes Spiel für die Briten

An der Spitze hatten Paffett und di Resta, die auf der Ziellinie nur durch 0,396 Sekunden getrennt waren, relativ leichtes Spiel. Die beiden fuhren ihre eigene Pace, absolvierten saubere Boxenstopps, mussten kein unnötiges Risiko eingehen und taten sich gegenseitig nicht weh. Als Scheider im Finish mit der schnellsten Rennrunde aufhorchen ließ, konnten die "Sternfahrer" schon ganz entspannt von mehr als zehn Sekunden Vorsprung zehren.

Scheiders Aufholjagd war bemerkenswert: Gleich zu Beginn schnappte er sich Mike Rockenfeller (Audi) und Ralf Schumacher (Mercedes), dann fuhr er einen um sieben Runden längeren Stint als Bruno Spengler (Mercedes), mit dem er sich lange duellierte. Beim Versuch, am Meisterschaftsführenden vorbeizugehen, täuschte Audi einen Boxenstopp an: "Wir haben versucht, Bruno ein bisschen zu irritieren, was nicht gelungen ist", so Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich.

Spengler hat nun nur noch neun Punkte Vorsprung in der Meisterschaft. "Mit dem siebten Platz habe ich das Beste rausgeholt", sagt der Kanadier, dessen Crew sich beim zweiten Boxenstopp zu sehr auf Scheider konzentrierte und dabei Oliver Jarvis (Audi) und Rockenfeller ganz übersah. "Es war sehr schwierig für meinen Ingenieur, eine perfekte Strategie zu treffen, weil zu viele Audis in meiner Gegend waren. Aber klar, im Nachhinein redet es sich leicht."

Erster Verfolger ist Markenkollege Paffett, dem die fahrerisch anspruchsvolle Strecke in Zandvoort wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint: "Zandvoort liegt mir. Du musst hier pushen, musst alles aus dem Auto rausholen - das kommt mir entgegen", strahlt der zweifache Saisonsieger, der sich nun gute Chancen auf die DTM-Krone ausrechnet: "Bruno hatte kein gutes Rennen, ich habe jetzt zweimal gewonnen. Ich bin bereit für den Titelkampf!"

Keine Strafe für Spengler

Spengler kam übrigens mit einem blauen Auge davon, als eine Karambolage mit Rockenfeller im Kampf um Platz acht von der Rennleitung nicht geahndet wurde. "Jeder hat gesehen, was passiert ist", tobte Audi-Sportchef Ullrich noch während des Rennens. "Es ist an der Rennleitung, eine Entscheidung zu treffen." Zum Vorwurf der Stallorder zwischen Miguel Molina und Mattias Ekström, der noch untersucht wird, wollte er sich nicht äußern.

Molina lag zu Beginn hinter dem Mercedes-Führungstrio auf Podiumskurs, leistete aber verdächtig wenig Gegenwehr, als Ekström an ihm vorbei wollte. Gegen den deutlich schnelleren Scheider, der auch seinen zweiten Boxenstopp spät ansetzte, hatten beide keine Chance. Sechster wurde Jarvis vor Spengler und Martin Tomczyk (Audi), der ein unauffälliges, aber fehlerfreies Rennen fuhr und dafür mit einem Punkt belohnt wurde.

Leer gingen hingegen die Mercedes-Formel-1-Stars aus: Ralf Schumacher verteidigte am Start seinen achten Platz, öffnete später aber mit einem Verbremser in der ersten Kurve eine Lücke für den von hinten drückenden Scheider und fiel bei den Boxenstopps noch weiter zurück. Die äußerst kämpferische Schlussoffensive, mit der er seinen Markenkollegen Jamie Green überholte und Tomczyk unter Druck setzte, kam zu spät.

Guter Start von Coulthard

David Coulthard verbesserte sich am Start vom 16. auf den 13. Platz und lieferte anschließend auch eine tadellose Performance ab - nach den eher schwachen Vorstellungen am Freitag und Samstag durchaus überraschend. Letztendlich belegte er den zwölften Rang, knapp drei Sekunden hinter Alexandre Prémat (Audi), der nach einer Durchfahrstrafe wegen Frühstarts keine echte Chance mehr hatte, in die Punkte zu kommen.

Coulthards Teamkollege Maro Engel humpelte übrigens schon nach zwei Runden mit einem lockeren Rad rechts vorne an die Box zurück. "Es gab schon Berührungen in der Startphase, aber daran hat es sicher nicht gelegen", vermutet der Mücke-Pilot. "In Turn acht ist es einfach gebrochen. Wir müssen mal schauen warum, aber manchmal sind leichte Kollisionen, wenn sie am falschen Punkt passieren, sehr schwierig."

Gar nicht erst am Start war Markus Winkelhock: "Beim Fahren in die Startaufstellung spürte ich Vibrationen", berichtet der Deutsche. "Die Jungs haben noch die Kardanwelle gewechselt, aber zehn Minuten später ins Rennen zu gehen, hat auch keinen Sinn." Außer Engel und Winkelhock gab es heute aber keine Ausfälle in einem insgesamt recht diszipliniert geführten und nur phasenweise unterhaltsamen Rennen.

In der Gesamtwertung führt Spengler nach sechs von elf Rennen neun Punkte vor Paffett und elf vor di Resta. Bestplatzierter Audi-Pilot ist Ekström auf Platz vier, der 16 Zähler aufholen muss, wenn er noch DTM-Champion werden will. Weiter geht es am 5. September in Brands Hatch, wo die beiden britischen Doppelsieger von heute natürlich erneut auftrumpfen wollen. "Brands Hatch ist immer etwas Besonderes", freut sich Paffett.

Fotoquelle: xpb.cc

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