So würde sich Audi das vorstellen: Timo Scheider vor den Mercedes-Verfolgern...

DTM 2010

— 10.09.2010

Audi ist erpicht auf eine Trendwende in Oschersleben

Kann Audi das Ruder noch einmal herumreißen? Sämtliche Beteiligten haben sich für Oschersleben eine gehörige Leistungssteigerung vorgenommen

In der Motorsportarena Oschersleben wird Audi beim achten Lauf der DTM am 19. September alles daransetzen, eine vorzeitige Titelentscheidung zu verhindern. Gute Chancen dazu besitzt Timo Scheider, der in Oschersleben zuletzt zweimal in Folge siegte. In der Magdeburger Börde wird es auf jeden Fall spannend: Nach einer ungewöhnlichen DTM-Saison beginnt sich der Titelkampf bereits vier Läufe vor dem Finale zuzuspitzen.

Scheider, Titelträger der Jahre 2008 und 2009, hat mit zwei dritten Plätzen zuletzt in Zandvoort und Brands Hatch sowie der Trainingsbestzeit in den Niederlanden seine besten Saisonergebnisse eingefahren. Nun kehrt der 31 Jahre alte Deutsche an den Ort großer Erfolge zurück: In Oschersleben feierte Scheider in der Saison 2008 seinen ersten Sieg bei einem DTM-Rennen - und auch 2009 hatte er die Nase vorn.

"Es ist höchste Zeit, wieder auf die Siegerstraße zurückzukehren", sagt der Audi-Pilot angriffslustig. "Meine Formkurve zeigte zuletzt nach oben. In Oschersleben habe ich mich schon immer wohlgefühlt. Ich mag die Charakteristik des Kurses." Mit 29 Punkten ist Scheider einer von sieben Piloten, die vier Rennen vor Saisonende noch rechnerische Titelchancen haben - und nur einer von drei Fahrern im Feld, die in allen bisherigen sieben Rennen der Saison Punkte gesammelt haben.

Sollte Scheider in Oschersleben seinen dritten Sieg in Folge schaffen, könnte er den Rückstand in der Gesamtwertung im besten Fall auf 13 Punkte reduzieren. "Und dann", so Scheider, "ist plötzlich alles wieder offen." Doch Scheider ist nicht der einzige Audi-Pilot, der das Ruder im Titelkampf noch einmal herumreißen könnte. Auch Mattias Ekström, sein Teamkollege im Audi-Team Abt Sportsline und im Vorjahr Zweiter in der Magdeburger Börde, reist voller Elan an.

"Mattias liegt nur einen Zähler hinter Timo", erklärt Audi-Motorsportchef Wolfgang Ullrich. "Dass sein Punktekonto deutlich besser sein könnte, wissen wir alle. Zweimal hat er in dieser Saison durch unverschuldete Unfälle keine Punkte gesammelt. Zuletzt ist er in Brands Hatch gleich in der ersten Kurve von einem Gegner aus dem Rennen gerammt worden. Das tut besonders weh."

Jeder im Audi-Lager weiß, dass Oschersleben die letzte Chance bietet, in der für die Marke mit den vier Ringen bisher unglücklich verlaufenen DTM-Saison 2010 doch noch die Wende zu schaffen. Viermal hat Audi in den vergangenen sechs Jahren seit der werksseitigen Rückkehr in die DTM den Lauf in Oschersleben gewonnen. Auch die aktuelle Saisonbilanz zeigt, dass die Leistungsfähigkeit des Audi A4 DTM grundsätzlich vorhanden ist: In der Frage der Pole-Positions steht es zwischen Mercedes-Benz und Audi 4:3, bei den schnellsten Runden 3:4.

Einen bemerkenswerten Beitrag zu dieser Bilanz hat zuletzt Miguel Molina geleistet. Der Neuzugang im Audi-Rookieteam Abt hat zwei exzellente Wochenenden hinter sich: Die beiden anerkannten Fahrerstrecken Zandvoort und Brands Hatch waren dem 21 Jahre jungen Katalanen bislang unbekannt.

Mit Rang fünf in den Niederlanden und dem vierten Platz in Großbritannien hat er nicht nur seine persönlich besten Saisonleistungen abgeliefert. In Brands Hatch gelang ihm sogar ein neuer Streckenrekord. In Oschersleben startet das Nachwuchstalent nun auf einem Kurs, der ihm bereits aus seiner früheren Karriere bekannt ist.

"Die Charakteristik in Oschersleben erfordert viel Abtrieb und der Kurs verfügt über keine nennenswert lange Gerade", gibt Audi-Motorsportchef Ullrich vor dem Rennen bei Magdeburg zu Protokoll. "Wir haben es in Brands Hatch zu einem ordentlichen Teamergebnis gebracht und unsere Leistung gesteigert. Unser Ziel ist es, so weiterzuarbeiten. Wir möchten Oschersleben nutzen, um die Meisterschaft vielleicht doch noch herumzudrehen. Mit einem Sieg in der Börde würden wir allen Grund dazu geben, positiv nach vorn zu blicken."

Teamchef Hans-Jürgen Abt stimmt zu: "Man sollte nach vorn schauen. Wir wissen, dass es in der Meisterschaft sehr schwierig ist, aber unsere Aufgabe sollte sein, die einzelnen Veranstaltungen positiv zu sehen. Wir müssen versuchen, im Qualifying noch einmal besser zu werden, um im Rennen die Leistung zeigen und vorn bleiben zu können. Das ist möglich. Wichtig ist, dass die Motivation nicht verloren geht. Ich werde persönlich dafür kämpfen, dass wir gemeinsam an die Erfolge herankommen. Denn wir wünschen uns immer, ganz vorn zu stehen."

Ernst Moser plädiert ebenfalls für eine gute Grundeinstellung: "Oschersleben ist traditionell immer eine Strecke für Audi gewesen. Sie passt gut zum Auto, und zwar zum alten und zum neuen. Wir müssen mit der besten Startabstimmung beginnen und dann von Anfang an schnell sein. Unser Ziel muss es sein, unsere Fahrer mental gut einzunorden. Und dann geht's ab", verspricht der Phoenix-Teamchef.

Arno Zensen, Teamoberhaupt bei Rosberg, ist zuversichtlich: "An Oschersleben habe ich gute Erinnerungen, weil wir dort vor drei Jahren mit 'Rocky' unser erstes Podiumsergebnis eingefahren haben. Die Strecke ist relativ winklig und sollte uns eigentlich liegen. Wir laufen immer noch unseren ersten Punkten der Saison hinterher. Ich hoffe, dass es in Oschersleben endlich funktioniert."

Darauf setzt freilich auch Ekström. "Das Wochenende in Brands Hatch will ich so schnell wie möglich vergessen", meint der Schwede. "In Oschersleben wurde ich im Vorjahr Zweiter. Das ist die einzige dauerhafte Rennstrecke in der DTM, auf der ich noch nie gewonnen habe. Und es ist die Strecke, auf der wir in diesem Jahr die Titelentscheidung noch einmal hinauszögern können. Das muss unser Ziel sein."

Markenkollege Oliver Jarvis ist ebenfalls auf Wiedergutmachung aus: "Leider hat mich ein Reifenschaden im Vorjahr in Oschersleben um ein gutes Ergebnis gebracht. Aber unser Tempo war dort grundsätzlich immer gut. Nach einem etwas enttäuschenden Rennen in Brands Hatch freue ich mich schon auf Oschersleben. Die Strecke ist klasse und sehr aggressiv für die Autos. Meine Vorfreude steigt schon."

Audi-Fahrerin Katherine Legge pflichtet bei: "Das Rennen in Oschersleben kann ich kaum abwarten. Wir müssen noch einiges am Auto ausprobieren. Leider haben wir zuletzt bei der Abstimmung ein bisschen in die falsche Richtung gearbeitet", gesteht die Rennlady und fügt hinzu: "Wir müssen mit frischen Ideen an das nächste Rennwochenende herangehen."

Auf seine Erfahrungsdaten bauen kann indes DTM-Neuling Molina: "Die Strecke kenne ich aus dem Formelsport. Dort war ich vor fünf Jahren einmal am Start. Aber der Verlauf hat sich wohl ein bisschen verändert. Ich hoffe, dass wir auf dem gleichen Niveau wie bei den vergangenen beiden Rennen fahren können. Ich würde am liebsten so weitermachen."

Alexandre Prémat erhofft sich Zählbares vom Gastspiel in der Motorsport Arena Oschersleben: "Ich mag den Kurs sehr gern. Es wird sehr schwierig, dort inmitten der neueren Autos Punkte zu sammeln. Aber genau das ist das Ziel, denn ich will in der Tabelle schon noch einen Schritt nach vorn machen."

Nichts anderes hat auch Mike Rockenfeller im Sinn: "Ich freue mich auf Oschersleben, denn dort hatte ich meinen bislang größten Erfolg in der DTM", sagt der Deutsche. "Das ist zwar schon eine Weile her, aber ich war auf dieser Strecke immer schnell. Ich erhoffe mir dort in diesem Jahr wieder Punkte und wenn möglich sogar ein richtig gutes Ergebnis."

"Ich glaube, dass wir uns voll aufs Qualifying konzentrieren müssen, denn unser Renntempo war in diesem Jahr immer gut, speziell zuletzt in Zandvoort und Brands Hatch", erläutert Rockenfeller. "Leider gab es dafür nie Punkte. Das liegt daran, dass wir nicht von vorn gestartet sind. Daran müssen wir arbeiten. Wir waren zuletzt im Qualifying nicht gut."

Auf eine gute Bilanz zurückblicken kann hingegen Scheider in der Magdeburger Börde: "Ich habe sehr gute Erinnerungen an Oschersleben, denn dort habe ich in den letzten beiden Jahren gewonnen. Oschersleben hat zu meinem Fahrstil, aber auch zu meinem Wohlbefinden im Auto immer sehr beigetragen. Auch meinen ersten DTM-Sieg habe ich dort geholt", so der amtierende Champion.

"Es würde genau zum richtigen Zeitpunkt kommen, wenn wir im Leistungsverhältnis mit Mercedes die Kehrtwende schaffen und einen Sieg landen könnten. Auch für mich wäre das eine schöne Tendenz, nach den Rennen in Zandvoort und Brands Hatch auch einmal auf die oberste Stufe des Podiums zu klettern. Ob es funktioniert, ist eine andere Frage. Aber ich komme mit einem sehr positiven Gefühl."

Dieser Optimismus wird von Teamkollege Martin Tomczyk geteilt: "Oschersleben zähle ich zwar nicht zu meinen Lieblingsstrecken, aber dort war ich immer recht schnell. Deshalb gehe ich zuversichtlich zum achten Lauf in dieser Saison", meint der Audi-Pilot. "Und ich freue mich, dass die Rennen in so kurzer Folge kommen."

Markus Winkelhock kann dieser Tatsache ebenfalls vieles abgewinnen: "Bereits zwei Wochen nach Brands Hatch steht Oschersleben auf dem Programm, und darauf freue ich mich. Ich gehe mit einem guten Gefühl dorthin, denn ich glaube, dass meine Pechsträhne einfach ein Ende haben muss. Ich gehe von einem Aufwärtstrend aus. Oschersleben liegt mir", so der deutsche Renfahrer.

"Ich habe dort 2001 meine erste Pole-Position in der Formel 3 geholt und stand auch auf dem Podium. 2008 habe ich dort meine ersten DTM-Punkte geholt", hält Winkelhock rückblickend fest. Und wie sich die Rennanlage in Oschersleben aus Fahrersicht darstellt, weiß Scheider zu berichten: "Mein Verhältnis zu Oschersleben ist nach zwei Siegen in Folge sehr speziell."

"Die ganze Anlage gibt mir ein positives Gefühl und ich finde auf der Strecke immer gleich einen guten Rhythmus. Eine besonders schnelle Stelle ist die Triple-Linkskurve. Hart für das Auto sind die Randsteine in der ersten Kurve und die schnelle Schikane vor der Gegengeraden. Die Begrenzungsmauern sind in Oschersleben etwas näher an der Strecke als auf anderen Kursen, aber ich mag Kurse, die keine Fehler verzeihen."

"Zuschauern würde ich die Tribüne empfehlen, die an der Schikane vor der Gegengeraden liegt", so der zweimalige Titelträger abschließend. "Man sieht eine spektakuläre Stelle und kann die Autos ab der ersten Kurve lange beobachten. Eine Besonderheit ist die lange Boxenanfahrt. Die gesamte Boxenstopp-Phase dauert damit viel länger als anderswo."

Fotoquelle: xpb.cc

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