Drei Piloten, ein Ziel: Einer dieser drei Mercedes-Fahrer wird neuer Meister

DTM 2010

— 29.10.2010

Volle Konzentration hoch drei

Drei Fahrer, ein Titeltraum: Paul di Resta, Bruno Spengler und Gary Paffett vor dem entscheidenden Endspurt - Weiter miteinander statt gegeneinander

Der Endspurt beginnt: Dass der Fahrertitel in dieser Saison an einen Mercedes-Piloten geht, steht seit Hockenheim fest. Aber noch ist vollkommen offen, an wen. Vor dem vorletzten Saisonrennen im italienischen Adria können sich noch drei Fahrer den Traum von der Meisterkrone erfüllen: Paul di Resta (63 Punkte), Bruno Spengler (60) und Gary Paffett (49).

"Das ist natürlich für mich eine gute Ausgangslage", sagt di Resta, der vor zwei Wochen in Hockenheim die Tabellenspitze übernommen hat und in den vergangenen Rennen einen perfekten Run hatte. Adria und Schanghai sind für ihn zwar neue Rennstrecken, doch zumindest bei Schanghai trifft das auch auf seine Titelrivalen zu.

"Wir kämpfen zwar gegeneinander, aber wir respektieren uns weiter", schildert der Schotte die Situation im Team. "Es ist eng, aber ich bin mir sicher, dass wir alle mit der Situation umgehen können." Und er will sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Di Resta weiß, dass er als Tabellenführer genauso hochkonzentriert in den Endspurt gehen muss wie die anderen beiden: "Ich hatte einen guten Run, aber mir ist auch klar, dass sich das schnell ändern kann."

Teamkollege Spengler ist in Hockenheim vom Gejagten zum Jäger geworden. "Ich fühle mich okay", sagt der Kanadier im Hinblick auf den Showdown. "Zunächst einmal ist es eine sehr gute Leistung, dass Mercedes in diesem Jahr die Meisterschaft gewinnt. Darauf sind wir sehr stolz", betont er.

"Und was den Rest angeht: Die letzten beiden Rennen werden ein großer Fight", prophezeit Spengler. "Es ist zwar gut, dass Mercedes sicher gewonnen hat, aber jeder von uns wird nun versuchen, den Titel für sich selbst zu holen. Ich werde einfach hier und in Schanghai mein Bestes geben. Erst einmal werden wir hier in Adria versuchen, am Freitag, Samstag und Sonntag den bestmöglichen Job zu machen und am Sonntagabend sehen wir dann, was dabei herauskommt."

"Das nächste Ziel ist immer das nächste Rennen, und man denkt nicht allzu sehr darüber nach, wer vorn liegt und wer hinten liegt", sagt Spengler über seine Herangehensweise. "Man blickt immer nach vorn und denkt an das, was als nächstes kommt. Und das ist vielleicht die beste Herangehensweise, um in den letzten beiden Rennen das Maximum herauszuholen: Wenn man immer nach vorn schaut und nicht darüber nachdenkt, was passiert ist. Und genau das tun wir. Wir versuchen, in jedem Rennen das Maximum zu holen."

Auch der Tabellendritte Paffett findet die Ausgangslage vor dem Endspurt aus Mercedes-Sicht bestens. "Ich denke, dass wir alle mit der Situation recht zufrieden sein müssen. Drei von uns kämpfen um den Titel, und die Gefahr, dass Audi den Titel holt, besteht nicht mehr. Also kämpfen wir untereinander, wie wir es die ganze Saison über getan haben", erklärt Paffet. "Ich liege etwas hinter Paul und Bruno zurück, ich habe also noch mehr Arbeit vor mir. Aber wir sind recht entspannt, geben einfach unser Bestes und versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen."

Der Brite bezeichnet die Teamleistung von Mercedes in dieser Saison als "herausragend" - denn: "Die Tatsache, dass jetzt drei von uns um den Titel fighten, zeigt, dass es bei uns keinen speziellen Fahrer gab, auf den man gesetzt hat und dem geholfen wurde." Auch ohne die Konzentration auf einen Fahrer habe es Mercedes geschafft, die Titelfrage schon vorzeitig für sich zu entscheiden.

Es sei "natürlich ein bisschen anders", wenn man den Titelkampf nur gegen Teamkollegen austrägt und nicht gegen Fahrer der anderen Marke, bestätigt Paffett: "Man fährt immer noch hart, aber man fährt auch immer noch für sein Team. Doch natürlich versucht man immer, sein Bestes zu geben."

Für Spengler macht es keinen Unterschied, wer seine Rivalen sind: "Ich denke nicht darüber nach, wer gegen mich fährt. Man geht einfach raus und gibt zusammen mit seinem Team sein Bestes. Das Ziel ist, am Ende des Wochenendes das Rennen zu gewinnen. Und wenn einem das gelingt, dann heißt das, dass man einen guten Job gemacht hat und kein Pech hatte. Das ist das Ziel aller und wir versuchen, das zu erreichen."

Audi weiter ein Gegner

Der teaminterne Titelfight sorgt übrigens nicht dafür, dass es nun bei Mercedes in Sachen Setuparbeit "gegeneinander" statt "miteinander" heißt. Normalerweise wird innerhalb einer Marke eng zusammengearbeitet, um gemeinsam die andere Marke zu schlagen. Laut Paffett ändert sich das jetzt nicht, nur weil die einzigen Konkurrenten aus dem eigenen Lager kommen: "Denn wenn wir zu den letzten beiden Rennen gehen und uns Audi recht deutlich schlägt, dann wäre das schlecht."

"Wir müssen immer noch sicherstellen, dass unser Auto so schnell wie möglich ist. Und das geht nur, wenn wir so weitermachen wie schon die ganze Saison: Eng zusammenarbeiten, um zu versuchen, das bestmögliche Setup zu finden und die Rennen zu gewinnen", betont Paffett. "Wir schotten uns nicht plötzlich voneinander ab und versuchen, gegeneinander zu fighten. Man muss zusammenarbeiten, um Rennen zu gewinnen. Die letzten beiden Rennen zu gewinnen ist fast so wichtig wie die Meisterschaft zu gewinnen. Wir möchten den Titel nicht mit zwei Audi-Siegen in den letzten beiden Rennen holen. Deshalb werden wir genauso pushen, wie die ganze Saison schon."

Fotoquelle: xpb.cc

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