Timo Scheider holte von Startplatz 15 aus seinen ersten Saisonsieg

DTM 2010

— 31.10.2010

Adria-Chaos: Scheider-Sieg, Titelkampf und Horrorcrash

Timo Scheider gewann von Startplatz 15, Bruno Spengler ist wieder Tabellenführer und Alexandre Prémat überstand einen Horrorcrash offenbar unverletzt

Das Europafinale in Adria war nichts für schwache Nerven: Es begann mit einem Horrorcrash von Alexandre Prémat und endete mit seinem sensationellen Sieg von Audi-Pilot Timo Scheider, einem Wechsel an der Tabellenspitze und einem weiter mehr als offenen Titelkampf. Prémat hatte sich am Ende der ersten Runde mehrfach überschlagen, konnte aber wie es scheint unverletzt aus seinem total zerstörten Audi klettern.

Das Rennen wurde nach diesem Horrorcrash unterbrochen. Nach dem Restart arbeitete sich Scheider von Startplatz 15 (!) bis ganz nach vorne und holte sich seinen ersten Saisonsieg vor den Mercedes-Piloten Gary Paffett und Bruno Spengler. Spengler übernahm mit seinem dritten Platz wieder die Führung in der Gesamtwertung und hat nun vor dem letzten Rennen wieder drei Punkte Vorsprung auf Kollege Paul di Resta. Der Schotte war direkt nach dem ersten Start mit Audi-Jahreswagenfahrer Mike Rockenfeller kollidiert und musste nach dem Restart das Feld von hinten aufrollen. Er arbeitete sich bis in die Punkteränge zurück, erlebte aber noch einen Rückschlag und ging am Ende als Neunter leer aus. Paffett hat nun neun Punkte Rückstand und konnte sich damit ebenfalls im Titelrennen halten.

Audi schien mit den widrigen Bedingungen in Adria besser zurechtzukommen als Mercedes. Immer wieder gab es leichten Regen, richtig nass war die Strecke aber auch nicht. Während die C-Klassen-Fahrer Probleme mit ihren Regenreifen bekamen, konnte der spätere Sieger Scheider seine beiden Stopps ganz spät einlegen und sich mit schnellen Rundenzeiten ganz nach vorn arbeiten. Nach der Zieldurchfahrt ließ er seinen Freudenschreien freien Lauf, während Teamchef Hans-Jürgen Abt via Boxenfunk witzelte: "Dich lassen wir jetzt immer hinten starten!"

Riesenjubel gibt es auch bei Markus Winkelhock: Der Audi-Jahreswagenfahrer holte sich als Vierter seine ersten Punkte der Saison, vor seinen Markenkollegen Oliver Jarvis und Martin Tomczyk. Maro Engel holte als Siebter ebenfalls Zähler, Mattias Ekström komplettierte die Top 8, nachdem er in der Schlussphase di Resta vom letzten Punkterang verdrängt hatte.

Horrorcrash: Prémats Schutzengel

Beim Start konnte sich Spengler sofort an Paffett vorbei an die Spitze setzen, dahinter wurde das Feld in der ersten Runde munter durchgemischt. Di Resta hatte sich schon auf den vierten Platz verbessert, dann folgte aber eine Kollision mit Rockenfeller und beide landeten im Kiesbett. Das Rennen schien für beiden beendet, doch dann erlebte die DTM einen Schockmoment, der das vermeintliche Ausscheiden des Tabellenführers erst einmal unwichtig machte.

Plötzlich flog auf der Start-Ziel-Gerade Prémats Audi mit mehrfachen Überschlägen durch die Luft, bis das Wrack kopfüber an der Streckenbegrenzung liegen blieb. Was war passiert? Prémat und Maro Engel hatten sich touchiert, Prémats Auto schoss im 90-Grad-Winkel nach links, kippte auf dem Übergang von einem asphaltierten Rettungsweg in eine Wiese um, wobei er gleichzeitig die Ecke einer Leitplanke touchierte und überschlug sich mehrfach. Wie durch ein Wunder konnte der Franzose offenbar unverletzt aus den Trümmern steigen, die einmal sein A4 waren. Er wurde zur Sicherheit ins Krankenhaus gebracht, doch es scheint, als ob ihm nichts passiert ist. Das Rennen musste für rund 20 Minuten unterbrochen werden.

"Das zeigt, dass diese Autos brutal viel aushalten und eine gute Sicherheitszelle haben. Gott sei Dank ist nichts passiert, wir werden uns um ihn kümmern, und sicherstellen, dass da nicht später noch Probleme auftreten", sagt Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug pflichtet bei: "Es ist gut, dass wir ein solches Sicherheitskonzept im Auto haben. Das Wichtigste ist, dass Alexandre nichts passiert ist."

Engel hatte zwar mitbekommen, dass er uns Prémat sich berührt hatten, aber nicht, was danach folgte. "Es war extrem gefährlich, was er gemacht hat", schildert er den Zwischenfall aus seiner Sicht. "Er kam schlecht aus der letzten Kurve und ist dann nach rechts gegangen, also bin ich nach links, er dann auch. Den Überschlag habe ich dann gar nicht mitbekommen, ich habe es gerade erst gesehen. Gut, dass es ihm gut geht!"

Durch den Restart hatten di Resta und Rockenfeller die Chance, das Rennen auch wieder aufzunehmen. Gestartet wurde hinter dem Safetycar, in der Reihenfolge, wie sie nach der ersten Runde war, also Spengler vor Paffett und Green sowie Rockenfeller und di Resta ganz hinten. Das Auto des Schotten sei "notdürftig zusammengeflickt geworden", teilte das Team mit.

Mercedes-Motorsportchef Haug sah ihn Rockenfeller eindeutig den Schuldigen an der Kollision der beiden: "Sperren den Mann, keine Diskussion! Herr Rockenfeller sollte sich raushalten. Wenn di Resta dadurch den Titel verliert... Das war ein klassischer Rumdreher, und das sollte man nicht machen, wenn es um den Titelkampf geht. Der Fahrstil sollte sich dann, wenn es um die Meisterschaft geht, in einem entsprechenden Rahmen halten."

Restart: Es geht turbulent weiter

Nach dem Restart behauptete sich Spengler an der Spitze vor Paffett, Green, Ekström, Jarvis, Winkelhcok, Scheider und Coulthard. Rockenfeller und di Resta nahmen das Rennen von hinten auf und vor allem der Schotte konnte sich gut nach vorn arbeiten. Nach 15 Runden lag er schon auf dem zehnten Platz. Die Runden vor dem Öffnen des Boxenstoppfensters waren turbulent, denn es begann wieder leicht zu regnen. Die Fahrer mit Trockenreifen bekamen massive Probleme, darunter Green, der von drei bis auf Rang acht nach hinten durchgereicht wurde. Vor allem im Mittelfeld kam es zu Positionskämpfen und leichten Touchierungen.

Nach 16 Runden führte Spengler vor Paffett, Ekström, Scheider war schon Vierter vor Winkelhock, Jarvis, Coulthard und Green. Engel und di Resta komplettierten die Top 10. Nach der 17. Runde öffnete das Boxenstoppfenster. Ekström, Green, Molina und di Resta bogen sofort ab. Di Resta kam bei der Einfahrt nach links in die Wiese ab, dabei ging Molina an ihm vorbei. Unterdessen gab es bei Ekström massive Probleme, weil sich ein Splint an der Gangschaltung gelöst hatte. Er stand lange, bevor er weiterfahren konnte.

Zurück auf der Strecke konnte di Resta Molina dann gleich wieder überholen. Eine Runde später rückte unter anderem Coulthard ein, der eine Menge Kies mit an die Box brachte, nachdem er zuvor ins Kiesbett gerodelt war. Davor lag der Schotte auf Punktekurs, doch das hatte Zeit gekostet.

In Runde 20 ging es turbulent weiter: Paffett drehte sich und fiel auf den dritten Platz hinter Scheider zurück. Der Brite hatte Probleme mit seinen Hinterreifen, nachdem er noch nicht an der Box war. Nach dieser 20. Runde kam der Führende Spengler an die Box und holte sich neue Regenreifen. Seine Crew legte einen perfekten Stopp hin.

Nach 22 Runden kamen dann auch Paffett und Winkelhock an die Box. Ekström bog in dieser Runde gleich zu seinem zweiten Stopp ab, diesmal ging alles gut. Unterdessen kämpfte di Resta gegen die Mercedes-Jahreswagen, erst gegen Engel, dann gegen Green. Beide machten ihrem Markenkollegen das Leben nicht gerade leicht, zudem kämpfte der Schotte mit seinem Auto. Doch er konnte zumindest an Green vorbeigehen und hatte damit zunächst Platz acht und die Punkteränge erreicht.

Scheider auf dem Weg nach vorne

Nach 24 Runden waren nur zwei Piloten gar nicht an der Box, Scheider und Tomczyk. Beide schienen mit ihren Reifen keine Probleme zu haben und lagen im unbereinigten Zwischenklassement auf den Plätzen eins und drei, vor und hinter Spengler.

Nach 27 Runden kam di Resta zu seinem zweiten Stopp - und er kam vor Engel zurück auf die Piste. Damit hatte der Schotte noch einen Platz gut gemacht und sich einen möglicherweise wichtigen Punkt mehr gesichert. Zwei Umläufe später absolvierte Tomczyk seinen ersten Stopp, Scheider blieb aber weiter draußen. Dadurch, dass Tomczyk abgebogen war, war Paffett wieder direkt hinter Spengler, und versuchte gleich eine Attacke.

Elf Minuten vor Schluss kam Spengler zu seinem zweiten Stopp, musste sich aber hinter Tomczyk einreihen. Danach absolvierte Scheider seinen ersten Stopp, nach 3,2 Sekunden konnte er weiterfahren - und kam deutlich in Führung liegend wieder auf die Strecke. Nach 31 Runden kam Tomzcyk zum zweiten Stopp.

Während vorn der spannende Strategiekampf um die Spitze tobte, gab es dahinter weitere Dramen. Di Resta und Molina kollidierten zunächst Ende Start-Ziel auf den Plätzen sieben und acht liegend. Dabei brach Molinas Radaufhängung, in der nächsten Kurve verlor er die Kontrolle, fuhr gerade in die Wiese und rammte dabei noch das Heck von di Resta. Molina musste aufgeben, di Resta fuhr mit kaputtem Heck weiter.

Auch vorn blieb es spannend: Paffet konnte sich an Spengler vorbeidrücken, Platz zwei übernehmen und seine Titelchance waren. Sechseinhalb Minuten vor Schluss kam Scheider zu seinem zweiten Stopp - und behauptete sich an der Spitze. Er fuhr ungefährdet seinem ersten Saisonsieg entgegen, während der rutschende di Resta mit aller Macht versuchte, den letzten Punkt gegen Ekström zu verteidigen. Doch der Schotte musste sich schließlich geschlagen zu geben.

Fotoquelle: xpb.cc

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