Alexandre Prémat wenige Minuten vor seinem Unfall in der Startaufstellung

DTM 2010

— 04.11.2010

Prémat: "Ich hatte echt Angst!"

Alexandre Prémat über die Momente vor, während und nach seinem Crash - Er ist wieder fit und froh, dass auch kein Streckenposten verletzt wurde

Vier Tage nach seinem Horrorcrash in Adria geht es Alexandre Prémat schon wieder bestens. Der Audi-Pilot erinnert sich noch an jedes Detail des Unfalls, vor allem an die unendlich langen Sekunden, während sein A4 durch die Luft katapultiert wurde. "Während der Überschläge war es sehr seltsam, denn innen hatte ich das Gefühl, dass das Auto immer kleiner wird, es sind immer mehr Teile abgeflogen", schildert Prémat.

Er räumt ein: "Ich hatte echt Angst, denn es hat wirklich lang gedauert. Ich habe mich vier oder fünf Mal überschlagen, da hat man viel Zeit zum Nachdenken. Ich habe nur gehofft, dass es so bald wie möglich aufhört. Denn bei so einem schweren Crash wünscht man sich nur, dass das Auto auf seinen vier Rädern stehen bleibt und dass man sich nicht verletzt."

Das Auto blieb nicht auf seinen vier Rädern stehen, sondern das, was vom A4 übrig war, blieb seitwärts gekippt an der Leitplanke liegen. Doch Prémats Wunsch, unverletzt zu bleiben, hat sich erfüllt: "Als das Auto liegen geblieben ist, habe ich meine Beine gecheckt, meinen Knöchel, meine Arme, meine Finger, meinen Kopf, meinen Nacken - um herauszufinden, ob sich alles noch bewegen lässt. Das war der Fall, also bin ich dann so schnell wie möglich rausgeklettert."

Die Sicherheitssysteme in seinem Audi hätten ganze Arbeit geleistet, berichtet der Franzose weiter. Der Gurt habe ihn so fest im Sitz gehalten, dass er sich während der Überschläge überhaupt nicht bewegt habe. "Ich habe mir nur den Knöchel an der Lenkung angeschlagen. Das hat ein bisschen weh getan, als ich ausgestiegen bin. Aber es ist sehr wichtig, zu betonen, wie gut die Sicherheitszelle gemacht ist. Denn wenn man so einen Crash hat, kann man selbst nicht viel tun."

Prémat hatte zum zweiten Mal in seiner DTM-Karriere einen wirklich heftigen Crash. Den ersten hatte er gleich bei seiner DTM-Premiere 2007 in Hockenheim, als er in den schlimmen Unfall mit Tom Kristensen verwickelt war. Damals zog er sich eine Fraktur im Rücken zu und musste ein Rennen lang pausieren. Diese beiden Crashs ließen sich jedoch nicht miteinander vergleichen, sagt der Audi-Pilot.

"Das damals war ein heftiger Einschlag. Aber damals habe ich das Auto wirklich erst im letzten Moment gesehen. Ich konnte einfach gar nichts machen. Ich habe eine Vollbremsung gemacht und dann Toms Auto gerammt. Dabei habe ich mich am Rücken verletzt", erinnert er sich. Der Unfall am vergangenen Sonntag habe wesentlich länger gedauert, da er sich mehrfach überschlagen hat. "Bei dem Unfall mit Tom war es nur der Aufprall als solcher. Der Aufprall in Adria war heftig, aber der mit Tom war zehn Mal heftiger. Das Gute ist, dass ich in Adria ohne Verletzungen rausgekommen bin."

Und deshalb hat Prémat auch keinen Zweifel daran, dass er beim Saisonfinale in Schanghai wieder dabei sein kann. Die Halskrause konnte er am Montag schon wieder ablegen. "Ja sicher werde ich fit sein. Ich stehe auf meinen eigenen Füßen, ich habe mir nichts gebrochen, meinem Knöchel geht es auch viel besser, ich kann laufen. Sie haben alles gecheckt, den Kopf, den Rücken, alles ist in Ordnung. Mit tut auch nichts mehr weh, der Nacken ist auch nicht mehr steif, alles ist bestens", sagt er.

Sicher habe ihm auch seine Fitness geholfen, gibt der Franzose zu bedenken. Denn eigentlich hatte er sich auf den New-York-Marathon am kommenden Wochenende vorbereitet, den er zusammen mit Freunden bestreiten wollte. Doch nun beschränkt er sich darauf, seine Freunde als Zuschauer anzufeuern. "Ich bin ja noch jung und habe sicher wieder die Gelegenheit, teilzunehmen", meint der 28-Jährige.

Bei Prémat haben vor allem die Sicherheitssysteme des Autos Schlimmeres verhindert - was die Streckenposten angeht, war jedoch eine ganze Horde Schutzengel im Einsatz. Denn das Auto flog genau dort in die Leitplanke, wo die Streckenposten standen. In den Fernsehbildern ist zu sehen, wie sie weg springen und sich einer gerade noch vor dem heranfliegenden Autowrack wegducken kann.

"Wir hatten wirklich Glück, dass auch kein Streckenposten und sonst niemand verletzt wurde", bestätigt Prémat. Denn Streckenposten werden durch die Leitplanke in diesem Bereich auf der Startzielgerade von Adria nicht besonders gut geschützt. "Aber normalerweise rechnet man auch nicht damit, dass auf einer Geraden ein solcher Crash passiert", gibt er zu bedenken. "Aber vielleicht sollte man dort für die Streckenposten einen höheren Schutz hinbauen, denn das hätte wesentlich schlimmer enden können. Da hätte sich einer verletzten können."

Daran, wie der Unfall überhaupt zu Stande gekommen ist, erinnert sich Prémat noch genau. "Ich bin ganz gut durch die erste Runde gekommen und war hinter Ralf Schumacher. In der letzten Kurve habe ich dann versucht, Ralf links zu überholen, aber er hat mich auf dem Randstein ins Gras gedrückt, dadurch bin ich sehr schlecht aus der Kurve gekommen, ich konnte nicht schnell genug beschleunigen. Maro Engel kam von hinten. Auf der Gerade bin ich dann ein bisschen nach links gefahren, weil ich wegen der Gischt so wenig gesehen habe", schildert der Franzose.

Dabei habe er auch in seinen linken Außenspiegel geschaut, Engel aber nicht sehen können: "Er hat mich dann leicht berührt, aber bei den schlechten Bedingungen und dem wenigen Grip der Reifen hat dieser leichte Kontakt ausgereicht, dass ich mich gedreht habe und in die Leitplanke gefahren bin." Schuld habe an diesem Unfall überhaupt niemand, so Prémat: "Ich denke nicht, dass irgendjemand dafür verantwortlich ist, weder ich, noch Maro Engel. Ich denke, dass das einfach Pech war. Bei den nassen Bedingungen war es sehr rutschig. Da hat keiner Schuld, das war Pech." Allerdings hatte die Rennleitung Prémat verwarnt, weil er vor Engel nach links gezogen hatte.

Den Unfall hat Prémat abgehakt, jetzt blickt er nach vorn. Wenn er nächste Woche aus New York zurück ist, steht bei Audi in Ingolstadt die Sitzanpassung für sein neues Auto an, das Phoenix für Schanghai aufbaut. Und dann will er beim Finale wie gewohnt Gas geben. Denn auch mental sei er ganz der Alte.

"Ich habe den Crash gesehen, als ich nach Hause gekommen bin, und wenn man sich das anschaut, sieht es ganz anders aus, als wenn man im Auto sitzt. Da ich mich nicht verletzt habe, hat sich auch mental nichts verändert", sagt er. "Ich will immer noch gute Rundenzeiten hinlegen und so schnell fahren wie möglich. Das wäre vielleicht anders, wenn ich zwei Wochen lang im Krankenhaus liegen würde." Doch das blieb ihm erspart.

Fotoquelle: xpb.cc

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