Hans Werner Aufrecht möchte weiterhin etwas Freiraum für die Hersteller

DTM 2010

— 07.11.2010

Aufrecht und das Reglement: "Ein Balanceakt"

ITR-Chef Hans Werner Aufrecht im Exklusivinterview über vergangene Sorgen, die neue Zukunft der DTM ab 2012, Einheitsteile und Spielwiesen für Techniker

ITR-Chef Hans Werner Aufrecht hat ein Ziel erreicht: Ab dem Jahr 2012 kann die DTM neu durchstarten. Statt bisher zwei werden mindestens drei Hersteller an den Start gehen, ein neues Reglement wurde auf den Weg gebracht. Im Exklusivinterview mit 'Motorsport-Total.com' spricht Aufrecht über die bald vergangene Zeit als "Zwei-Marken-Meisterschaft", Sorgen um Arbeitsplätze, die Eckpunkte des neuen Reglements und seine Erwartungen für das Übergangsjahr 2011:

Frage: "Herr Aufrecht, nun haben wir Ende 2010, es ist bereits sicher, dass ab übernächstem Jahr mit BMW ein dritter Hersteller kommt, mit weiteren sind Sie in Verhandlungen, ab 2012 gibt es ein neues Reglement. Hätten Sie sich vor einem Jahr vorstellen können, dass die DTM jetzt eine so gute Perspektive hat?"
Hans Werner Aufrecht: "Ja. Weil ich daran geglaubt habe. Ich wusste ja damals, wie weit wir schon gekommen waren, und ich wusste auch um die Einigungsbemühungen der Hersteller. Und deshalb war ich schon sehr positiv gestimmt. Trotzdem musste das alles zunächst Realität werden. Aber ich habe daran geglaubt, und dachte mir schon, dass es gehen kann."

Frage: "Wie gut ist das Gefühl, jetzt wo alles auf den Weg gebracht ist?"
Aufrecht: "Es sind zwei Themen. Zum einen bin ich unheimlich glücklich, dass wir uns durchgesetzt haben. Die DTM ist ja immer in Frage gestellt worden, ob es denn mit zwei Herstellern überhaupt geht. Und es ging einfach verdammt gut. Egal wo man hinschaut: Es ist verdammt guter Sport geboten worden, die Zuschauer haben es angenommen. Das ist die eine Seite."

"Und auf der anderen Seite macht man sich ja auch Gedanken über die Arbeitsplätze, die hier sind. Man kennt viele Menschen, die hier arbeiten, bei den Teams, viele Journalisten, die Leute vom DSO (Sicherheitsdienst der DTM; Anm. d. Red.), egal wer und in welchem Bereich. Das sind einfach Arbeitsplätze. Und wenn so eine Serie von heute auf morgen kaputt geht, dann sind die Arbeitsplätze für diese vielen Menschen eben weg. Und deshalb sind wir auch aus diesem Grund froh, dass es weitergeht."

"Und jetzt denken wir natürlich schon wieder darüber nach, wie das Ganze auch rund werden kann. Und daran arbeiten wir. Denn das neue Reglement gibt einfach vielen Herstellern die Möglichkeit, zumindest einmal darüber nachzudenken, ob es für sie in Frage kommt. Und es ist einfach so, dass man im Moment sehr positiv darüber denkt. Ob sie sich nun für den Einstieg entscheiden oder nicht - zumindest überlegen sie es sich. Und es war vorher gar keine Diskussion. Mit dem alten Reglement hat jeder gesagt: 'Nein, nein, das ist nichts für uns.' Aber jetzt prüfen sie das und kommen dann zu einer Entscheidung. Und das ist ein ganz tolles Gefühl, dass man gemeinsam etwas gemacht hat, was für viele doch überlegenswert ist."

Frage: "Was sind denn die wichtigsten Eckpunkte an diesem neuen Reglement?"
Aufrecht: "Ich kann das mit drei Punkten zusammenfassen. Das ganz Entscheidende ist einmal Kostenreduktion. Die Hersteller stehen mit ihren Budgets massiv unter Druck. Das Zweite ist die Sicherheit. Natürlich sind auch die aktuellen Autos nach altem Reglement unheimlich sicher. Es ist sehr wahrscheinlich der sicherste Tourenwagen der Welt - nach dem alten Reglement. Trotzdem sehen die Techniker da Lücken. Und die mussten abgearbeitet werden. Wir wollen einfach ganz sicher sein, dass dem Fahrer eigentlich nichts passieren kann, nach menschlichem Ermessen. Und das ist in dem neuen Reglement umgesetzt worden."

"Und das Dritte ist, dass Chancengleichheit für alle Hersteller herrscht. Dass alle Hersteller sich zumindest überlegen können: 'Ist es was für mich oder ist es nichts für mich'. Und das ist jetzt gegeben."

Frage: "Wie wird zum Beispiel die Kostenreduzierung durch das neue Reglement erreicht?"
Aufrecht: "Auch das ist eigentlich ein offenes Geheimnis. Das kennt man bereits von den Serienfahrzeugen der Hersteller. Wie machen die ihre Kostenreduzierung? Indem sie viele Teile für viele Autos nehmen. Und so ist es uns jetzt gelungen, dass wir in diesem neuen Reglement 51 Teile haben, die von allen drei Herstellern benutzt werden können. Das heißt: Es wird einmal entwickelt, und damit wird geteilt durch drei. So einfach ist das. Und dann ist die Anzahl der Teile natürlich größer, wenn sie mal drei hergestellt werden, also werden sie auch in der Produktion billiger. Das ist ein ganz einfaches System."

"Und nur so geht es. Man kann mit vielen Möglichkeiten Kosten reduzieren, aber der Einsatz von Gleichteilen, das ist das Entscheidende. Und da muss man den Herstellern auch ein Kompliment machen, dass sie sich darauf geeinigt haben. Denn da gibt es ja auch so Sprüche wie 'Wo ein Stern drauf ist, muss Mercedes drin sein', oder 'Wo die Ringe sind, Vorsprung durch Technik'. Es muss für die Hersteller auch noch eine gewisse Möglichkeit geben, sich darstellen zu können. Das war ein Balanceakt. Denn Audi will zeigen, dass man besser ist als Mercedes. Und Mercedes will es umgekehrt zeigen. Also muss jeder noch seine Spielwiese im Reglement haben, wo er sich darstellen kann."

Frage: "Und in welchen Bereichen haben die Hersteller dieser Spielwiese noch?"
Aufrecht: "Da sind die Techniker gerade dabei, das final auszuloten."

Frage: "Wissen Sie schon in etwa, wie viele Autos 2012 in der Startaufstellung stehen werden oder hängt das noch davon ab, ob noch weitere Hersteller dazu kommen?"
Aufrecht: "Jetzt gehen wir mal davon aus, dass wir mindestens 15 neue Autos haben werden. Sehr wahrscheinlich 18 oder 19. Aber wir haben ja vereinbart, dass wir das alte Reglement noch eine gewisse Zeit weiterlaufen lassen, dass also die derzeit aktuellen Fahrzeuge weiter eingesetzt werden können. Wir schauen zwar, dass das neue Reglement einen kleinen Vorteil bringt, aber wir wollen es im ersten Jahr noch ein bisschen ausgeglichen halten, so dass man davon ausgehen kann, dass wir ein ganz starkes Feld haben werden."

Frage: "Was ist die maximale Anzahl an Autos im Starterfeld?"
Aufrecht: "Die maximale Anzahl wären 32 Fahrzeuge. Aber Ziel sind eigentlich 24. Mehr nicht."

Frage: "Hat man sich eine Frist gesetzt, bis wann festgelegt wird, wie viele Autos die einzelnen Hersteller in den Teams einsetzen werden?"
Aufrecht: "Da ist man jetzt schon im Gespräch. Die Hersteller stimmen miteinander ab, wie viele Autos gebaut werden. Im Moment gehen wir eigentlich von sechs pro Hersteller aus. Die Hersteller brauchen ja auch ein Testauto, das nicht zum Renneinsatz kommen, aber dass fünf Autos in den Rennen eingesetzt werden. Zwischen fünf und sechs."

Frage: "Es gibt derzeit auch viele Spekulationen zur Reifenfrage. Ist ein Wechsel des Lieferanten derzeit nur Spekulation oder ist da schon etwas spruchreif?"
Aufrecht: "Das ist ganz einfach: Der Reifenvertrag läuft dieses Jahr aus, und wir machen einen neuen Vertrag. Die Frage ist im Moment nur, mit wem. Aber einen neuen Vertrag gibt es. Entweder mit dem alten Ausrüster oder mit einen neuen (lacht; Anm. d. Red.)."

Frage: "Wobei es für einen neuen Hersteller wohl er problematisch wäre, jetzt das eine Jahr bis 2012 zu überbrücken?"
Aufrecht: "Nein, das stellt keine Problematik dar."

Frage: "2011 wird ein Übergangsjahr für die DTM. Lässt man sich speziell für dieses Jahr noch etwas einfallen, um die Sache noch spannend und aufregend zu halten?"
Aufrecht: "Da haben wir uns doch München einfallen lassen, DTM im Olympiastadion. Das ist doch schon einmal nicht so schlecht, oder?"

Frage: "Stimmt. Aber manch einer könnte ja im Zuge der Euphorie auf 2012 sagen, dass man 2011 halt einfach schnell hinter sich bringen muss..."
Aufrecht: "Also, ich gehe davon aus, dass wir 2011 einen riesigen Zweikampf haben werden. Im Moment ist Mercedes überlegen, fast dominierend. Audi wird so nicht aus diesem Reglement aussteigen wollen. Deshalb kann ich mir schon vorstellen, dass auch nächstes Jahr ein ganz spannendes Jahr wird."

Frage: "Im Zuge der Internationalisierung orientiert sich die DTM auch nach China. Das Saisonfinale wird in diesem Jahr erstmals in Schanghai ausgetragen, auch im nächsten Jahr soll dort die Saison abgeschlossen werden. Viele Fans und auch Fahrer sind aber der Meinung, dass das Finale nach Hockenheim gehört. Ist es in Stein gemeißelt, dass das Finale danach weiter in Schanghai stattfinden wird, oder noch nicht?"
Aufrecht: "Nein, das hängt jeweils vom aktuellen Kalender ab. Es kann sein, dass Schanghai wieder das Finale sein wird, aber das muss man von Jahr zu Jahr sehen. Wir können aber nicht im Sommer bei 40 Grad dort fahren. Da waren wir mal dort, das war ja unvorstellbar. Also geht es nur im Frühjahr oder im Herbst. Und dann muss es natürlich passen, denn der Transportweg ist ja auch ein großes Thema."

Fotoquelle: xpb.cc

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