Markus Winkelhock hofft, dass seine Pechsträhne mit Adria aufgehört hat

DTM 2010

— 11.11.2010

Winkelhock: Das Pech für zehn Jahre aufgebraucht

Audi-Pilot Markus Winkelhock im Exklusivinterview über seine Saison, in der er bis Adria vom Pech verfolgt war, über empfindliche DTM-Autos und die neue Ära ab 2012

Es gab wohl niemandem im Fahrerlager, der Markus Winkelhock seinen vierten Platz in Adria nicht von Herzen gegönnt hat. Der Audi-Pilot hatte es endlich geschafft, seine ersten Saisonpunkte einzufahren. Denn bis dahin hatte er Jahr zum Abhaken - und für alle eindeutig der größte Pechvogel der Saison. So übte er sich schon in Galgenhumor und kommentierte, er kaufe sich jetzt eine Zielflagge, damit er sie wenigstens zu Hause mal sehe.

Entsprechend war der vierte Platz im Italien-Rennen für Winkelhock wie ein Sieg. Im Exklusivinterview mit 'Motorsport-Total.com' blickt der Schwabe zurück auf sein schwieriges Rennjahr, erklärt, warum er nie die Motivation verloren hat und blickt voraus auf 2011. Außerdem spricht er über das Kräfteverhältnis zwischen Jahres- und Neuwagen, die Empfindlichkeit der DTM-Boliden und die Neuerungen im Jahr 2012.

Frage: "Beschreibe deine Saison in einem Wort - ohne dabei das Wort mit 'Sch...' zu benutzen!"
Markus Winkelhock: "Mist, das wollte ich gerade. Ich glaube, das passende Wort gibt es noch nicht - das muss noch erfunden werden. Natürlich war die Saison weit unter dem, was ich mir erhofft hatte. Sie hat schon mit der 60-Sekunden-Strafe in Hockenheim schlecht angefangen und ging dann in Valencia mit dem Aufhängungsbruch weiter. Das Pech zog sich wie ein roter Faden durch die ganze Saison. Ich bin ein Mal am Lausitzring als Neunter regulär angekommen, bevor ich es in Adria mit Platz vier endlich in die Punkte geschafft habe. Ansonsten nur Ausfälle oder Strafen."

"Das war für mich und das Team auf jeden Fall eine harte Saison. Aber da muss man durch. Manchmal hat man einfach eine Saison, da hat man das Glück auf seiner Seite und dann läuft es natürlich besser. Dann hat man eine Saison nur Pech und es läuft einfach gar nichts. So war es bei mir. Es ging von Anfang bis Ende weitgehend alles schief, das nur schief gehen kann."

"Ich bin trotzdem jemand, der nie an sich selbst zweifelt. Ich weiß, dass ich Autofahren kann. Ich hatte im letzten Jahr Mike als Teamkollegen und wir waren, denke ich mal, auf einem Speed. Manchmal war er schneller, manchmal war ich schneller - wir haben uns nicht viel geschenkt. Das Qualifying vergangene Saison ging 5:5 aus, da waren keine großen Unterschiede. Ich glaube nicht, dass Mike über den Winter das Autofahren neu erfunden hat und ich es vergessen habe."

"Fakt ist nur, dass dieses Jahr zum Abhaken ist und das werde ich auch machen. Mein Ziel war, die Saison mit einem guten Resultat abzuschließen. Das ist immer besser als mit einem schlechten Gefühl in den Winter zu gehen. In Adria ist mir das schon gelungen, schauen wir, wie Schanghai läuft."

Frage: "Gibt es ein Rennen, das dich am meisten geärgert hat?"
Winkelhock: "Oschersleben! Dort bin ich im Kiesbett gelandet. Das war definitiv mein Fehler, ohne den hätte ich in die Punkte fahren können. Das war sehr ärgerlich. Und auch Hockenheim. Das war ein Rennen bei dem ich, wenn ich durchgefahren wäre, Vierter, Fünfter hätte werden können. Da ärgert man sich im Nachhinein extrem."

Frage: "Wusstest du vor Adria eigentlich noch, wie die Zielflagge aussieht?"
Winkelhock: "Ich habe sie ja regelmäßig im Fernsehen gesehen, wenn ich mit die Rennen von der Box aus angeschaut habe."

Frage: "Wie motiviert man sich von Rennen zu Rennen immer wieder neu?"
Winkelhock: "Ich muss sagen, dass ich eigentlich immer motiviert bin, wenn ich ins Auto einsteige. Wichtig ist nur, dass man das alles hinter sich lässt, wenn es schlecht läuft. Dass man Rennen gut abhaken kann und einfach nach vorne blickt. Ich versuche aus Fehlern zu lernen, alles hinter mir zu lassen und nicht das Negative zum nächsten Rennwochenende mitzuschleppen. Man muss bei Null anfangen und wieder konzentriert arbeiten. Das ist das Wichtigste."

Frage: "Wie bewertest du das Verhältnis zwischen Neuwagen und Jahreswagen in dieser Saison?"
Winkelhock: "Ich denke, im Moment läuft es für die Jahreswagen ganz gut. Im Vergleich zum letzten Jahr sind wir bei dem ein oder anderen Rennen wirklich konkurrenzfähig gewesen. Etliche Male waren die Jahreswagen in den ersten ein, zwei Reihen. Von daher war es ein gutes Jahr."

Frage: "Wie siehst du deine Chancen für einen Platz im Neuwagen?"
Winkelhock: "Ich bin Realist und da brauche ich im Moment auf kein neues Auto zu hoffen. Bei so einer Saison, auch wenn ich viel Pech gehabt habe, zählen Resultate. Wenn man keine Resultate vorweisen kann, dann braucht man sich auch keine Hoffnungen auf einen Neuwagen machen. Fertig!"

Frage: "Die Meinung vieler Fans ist, dass die Autos viel zu schnell kaputtgehen. Siehst du das auch so?"
Winkelhock: "Die Autos sind empfindlich. Teilweise braucht es nur eine leichte Berührung und es geht schon etwas kaputt. Manchmal hat man einen harten Rempler und es ist nichts beschädigt. Das ist immer schwierig einzuschätzen. Aber Fakt ist, dass man mit den Autos schon vorsichtig umgehen muss, da man schon Angst hat, dass man sich etwas kaputtfährt, was speziell im Rennen ein Problem darstellen kann."

Frage: "Siehst du auch bei dir persönlich Raum für Steigerungen?"
Winkelhock: "Es gab sicherlich das ein oder andere Rennen, in dem mehr drin gewesen wäre. Auch wieder im Qualifying in Adria. Das Auto hat sich echt gut angefühlt. Nach der Saison interessiert keinen mehr, was hier im Qualifying war und dort im Rennen. Ob hier mal gelbe Flagge gezeigt wurde oder dort dir jemand vors Auto gefahren ist und deine Runde kaputtgemacht hat. Das war sicherlich bei mir dieses Jahr auch öfter der Fall. Sicherlich passiert das anderen Fahrer genauso wie mir. Aber auch bei so Kleinigkeiten, die im Nachhinein keinen mehr interessieren, habe ich dieses Jahr oft Pech gehabt. Das hat richtig in meine Saison gepasst. Ich hoffe, dass das Pech, das mich dieses Jahr getroffen hat, für die nächsten zehn Jahre verbraucht ist."

Frage: "Was erhoffst du dir von den neuen Autos für die Saison 2012?"
Winkelhock: "Ich weiß bisher noch nicht, wie die Autos vom Reglement her aussehen sollen. Aber ich würde mir wünschen, dass alle drei Marken auf einem ganz engen Level sind und wir somit spannende Rennen haben. Dass man mit den neuen Autos vielleicht leichter überholen kann - das würde mehr Spaß für uns Fahrer und auch für die Fans bedeuten. Ansonsten muss man sich einfach überraschen lassen."

Frage: "Was nimmst du dir für die kommende Saison vor?"
Winkelhock: "Ankommen! Das Pech im alten Jahr zu lassen. Letztendlich das gleiche wie immer. Von Rennwochenende zu Rennwochenende gehen und jedes Wochenende konzentriert einen guten Job zu machen. Ich will einfach mehr zeigen, was ich kann."

Fotoquelle: xpb.cc

Weitere DTM Themen

News

Neue Struktur bei BMW: Schnitzer und MTEK verlassen DTM

News

Top 10: Die ältesten DTM-Sieger der Geschichte

News

Die Mercedes-DTM-Stars feiern in Sindelfingen

News

Timo Glock lobt Mick Schumacher: "Er hat beste Chancen"

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.