Timo Scheider wird am Schanghai-Wochenende endgültig entthront

DTM 2010

— 19.11.2010

Audi will das DTM-"Weltfinale" gewinnen

Audi möchte das DTM-Jahr mit einem Laufsieg in Schanghai abschließen: Prémat-Ersatzmann Darryl O'Young vor seinem Debüt im Audi A4 DTM

Zum zweiten Mal startet die DTM in Schanghai, zum ersten Mal trägt die populärste internationale Tourenwagen-Rennserie dort einen Wertungslauf und ihr Weltfinale aus. Audi will in China an die zuletzt bewiesene Form anknüpfen, als Timo Scheider beim Europafinale in Adria vom 15. Startplatz einen überlegenen Sieg herausfuhr. Mit Darryl O'Young aus Hongkong setzt Audi in Schanghai zudem einen Fahrer mit regionalem Bezug zur Veranstaltung ein.

Nach seiner bislang besten Saisonleistung und seinem sechsten persönlichen DTM-Sieg will Timo Scheider ebenso wie seine Teamkollegen die Saison 2010 für Audi glanzvoll beenden. Der Meister der beiden Vorjahre war ebenso wie Mattias Ekström, Martin Tomczyk und Markus Winkelhock bereits 2004 in Schanghai am Start, als die DTM erstmals in China gastierte.

Während Audi den Hattrick des Meisterschaftsgewinns in den drei Vorjahren nicht mehr fortsetzen kann und die Titelentscheidung in China zwischen den Fahrern von Mercedes-Benz fällt, bleibt Audi seit seiner Rückkehr in die DTM in der Saison 2004 bei der Zahl der Titelsiege mit vier zu drei der erfolgreichere Hersteller.

O'Young mit Werbung für Frauenmagazin

Das Finale in Schanghai wird auf einer eigens für die DTM verwirklichten, 2,456 Kilometer langen Strecke im Stadtteil Pudong ausgetragen. Keines der Teams hat eine Kenntnis des neuen Kurses, der keinen Bezug zur Strecke von 2004 aufweist. "Damit werden die Karten am Jahresende noch einmal ganz neu gemischt", betont Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. "Während unser Mitbewerber einen harten Kampf im eigenen Team erleben wird, sind wir frei, um den Sieg zu fahren. Es wäre schön, dies in einem für Audi so wichtigen Land wie China auch umzusetzen."

Mit einem neuen Fahrer und einer eigenen Beklebung wird dabei das neu aufgebaute Einsatzfahrzeug mit der Startnummer "9" antreten. Audi hat nach der Beurlaubung von Alexandre Prémat den Hongkong-Chinesen Darryl O'Young verpflichtet. Der blaue Audi A4 DTM des 30 Jahre alten Rennfahrers wirbt weiterhin für ein Produkt der Bauer Media Group - diesmal allerdings nicht für TV Movie, sondern für die chinesische Zeitschrift "Du Shi Li Ren". Der Titel ist in China das auflagenstärkste Mode- und Lifestyle-Magazin für Frauen mit einer verkauften Auflage von über 1,25 Millionen Exemplaren.

Neben den neun Audi A4 DTM-Rennwagen sehen die chinesischen Fans am Rennwochenende noch vier weitere faszinierende Modelle: Zwei #PARSER#SR TT iduA#PARSER# in Langstrecken-Spezifikation, ein Audi R8 LMS Renntaxi und ein Audi R8 GT werden im Rahmenprogramm der DTM zu bewundern sein. Gefahren werden die Renntaxis von den fünfmaligen Le-Mans-Siegern und früheren Audi-Werksfahrern Emanuele Pirro und Frank Biela, vom früheren FIA GT3-Europameister Christopher Mies sowie von dem Malaysier Alex Yoong. Yoong war am Steuer des R8 LMS zuletzt beim ILMC-Lauf in Zhuhai in der GTC-Klasse siegreich.

Aufwendige Logistik, bedeutender Markt

Die DTM trägt mit ihrem Finale in Schanghai dem Gewicht eines immer größeren Automobilmarktes Rechnung. Im Oktober hat Audi das einmillionste Fahrzeug in China ausgeliefert, nachdem die Erfolgsgeschichte 1988 mit einem Lizenzvertrag begann. Die jüngsten Absatzzahlen ergänzen den Erfolg: In den ersten zehn Monaten des Jahres 2010 lieferte Audi in China 192.060 Fahrzeuge aus - ein Wachstum von 55,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit ist China nun vor Deutschland der größte Einzelmarkt für Audi.

Von Oktober bis Januar - so lange dauert das DTM-Finale in Schanghai aus Sicht der Logistiker. Bereits am 8. Oktober haben Gefahrgüter aller Teams wie Schmierstoffe, Bremsenreiniger oder Pressluftflaschen in einem Sammelcontainer die Schiffsreise angetreten. Individuell gaben die Teams Abt, Phoenix und Rosberg seit dem 10. November ihre Luftfracht auf. Am Flughafen Hahn im Hunsrück sind das Material auf Flugzeugpaletten und die Audi A4 DTM-Rennwagen auf Tragegerüste - sogenannte Car-Racks - verladen worden.

Ein Zwei-Wagen-Team wie Rosberg oder Phoenix verfrachtete dabei rund 16 bis 18 Tonnen Gewicht an Material, Ausrüstung und Fahrzeugen, Abt mit fünf Rennwagen, den beiden DTM-Safety-Cars und einem Renntaxi 40 Tonnen. Nach der Ankunft, der Verzollung an der Strecke am 22. November und dem Rennen werden bereits am 28. und 29. November die Seecontainer für die Rückreise beladen.

Die Rennwagen werden zurückgeflogen und landen am 6. Dezember in Frankfurt. Voraussichtlich in der 49. Kalenderwoche tritt das Container-Frachtschiff die Europareise an und erreicht in der dritten Kalenderwoche 2011, also ab 17. Januar, den Hafen von Antwerpen. Dann erst können die Teams ihr Material vom "längsten Rennwochenende des Jahres" in Empfang nehmen.

Die Audi-Stimmen vor dem Saisonfinale:

Wolfgang Ullrich (Audi-Motorsportchef): "Wir haben uns in den vergangenen Rennen immer näher an die Chance zum Sieg herangearbeitet. In Adria hat es dann wirklich funktioniert. Das war ein großer Motivationsschub für die ganze Mannschaft. Diesen Schub würden wir gern in Schanghai nutzen, um uns gut zu präsentieren und damit wir erneut um den Sieg fahren können. Das Rennen ist für Audi sehr bedeutend. China ist einer der wichtigsten Märkte überhaupt. Deshalb gehen wir zum Saisonende noch einmal voll konzentriert ans Werk."

Hans-Jürgen Abt (Teamchef Abt Sportsline): "Wir freuen uns auf Schanghai. Es wird toll, sich in dieser Metropole einzuarbeiten. Das ist ein Riesen-Event für die ganze Serie. Die Entscheidungen in der Meisterschaft können wir entspannt sehen. Wir haben dagegen nichts zu verlieren. Diesen letzten Pokal der Saison wollen wir uns noch holen, wenn es geht. Und wir haben noch eine Chance, in der Teamwertung den zweiten Platz zu erreichen."

Ernst Moser (Teamchef Phoenix): "Der Stadtkurs ist für alle unbekannt. Eine solche Strecke hat erst einmal gar keinen Grip. Man muss die Nerven behalten und die richtige Abstimmung finden, auch wenn sich die Bodenhaftung noch verändert. Man benötigt einen guten Startplatz, denn Überholen ist auf solchen Kursen schwierig. Und man muss sich aus dem Tumult heraushalten. Solche Situationen reichen uns, in Adria haben wir genug davon erlebt. Es ist besser, die Flucht nach vorn anzutreten und zu gewinnen!"

Arno Zensen (Teamchef Rosberg): "Auch wenn ich mit Schanghai leider die Erinnerung an einen Totalschaden wegen eines Kanaldeckels im Jahr 2004 verbinde, werden wir trotzdem mit Schwung beim Finale starten. Platz vier von Markus Winkelhock in Italien gibt uns allen Auftrieb. Wir sind befreit und gehen es locker an. Es lastet nicht mehr der Druck auf uns wie vor Adria. Ich bin optimistisch, dass es in Schanghai für uns genauso gut laufen kann wie zuvor in Italien."

Mattias Ekström: "Noch weiß ich nicht, was uns in Schanghai erwartet. Die Strecke kenne ich bislang nur von einer Karte. Ich mag Straßenkurse, und dieser wird sehr eng werden. Also wird bereits im Qualifying viel vorentschieden. Vor dem Flug nach Asien genieße ich noch ein paar freie Tage, dann kommt das Finale."

Oliver Jarvis: "Es ist immer wieder schön, nach Asien zurückzukehren. Ich habe gute Erinnerungen an Rennen in Japan und in China. Mein erstes A1GP-Podium habe ich in Peking erreicht. Unsere Formkurve zeigt ein wenig nach oben. Ich habe in den vergangenen fünf Rennen vier Mal Punkte gesammelt. Es wäre toll, die Saison mit einem guten Ergebnis abzuschließen."

Katherine Legge: "Mein Auto war zuletzt beim Regenrennen in Adria exzellent. Ich mag Stadtkurse sehr gerne und bin in den USA oft auf solchen Strecken gefahren. Wahrscheinlich wird es ein bisschen wie am Norisring sein. Die Atmosphäre ist bei solchen Veranstaltungen ganz speziell. Ich war noch nie in diesem Teil der Welt. Deshalb freue ich mich sehr darauf. Auf den Bildern sieht die Strecke toll aus. Ich kann es kaum erwarten, dort zu fahren. Es wird sicher spannend."

Miguel Molina: "Das wird eine ganz neue und gewiss gute Erfahrung für mich. Noch wissen wir nicht, was uns dort erwartet. Ich will weiter möglichst gute Ergebnisse einfahren. Und ich hoffe, dass uns das besser gelingt als bei den vorherigen Rennen."

Darryl O'Young: "Ich bin stolz, für Audi in Schanghai an den Start gehen zu dürfen. Das ist eine fantastische Gelegenheit. Ich starte nicht zum ersten Mal in einem Audi: Es war eine tolle Erfahrung, im August für das Race Experience Team Joest anzutreten und im R8 LMS bei den 12 Stunden von Sepang den zweiten Platz zu belegen. Mir ist natürlich bewusst, dass der Audi A4 DTM ein ganz anderes Auto ist."

"Das Straßenrennen in Schanghai ist etwas ganz Besonderes. Noch nie ist jemand auf dem Kurs gefahren. Ich mag Stadtkurse sehr gerne und habe in den vergangenen Jahren gute Ergebnisse in Macau erreicht. Auch wenn ich nur wenig Zeit habe, um mich auf mein neues Umfeld einzustellen, werde ich mein Bestes geben, damit ich Audi und den DTM-Fans eine gute Leistung zeigen kann."

Mike Rockenfeller: "Ich freue mich auf Schanghai. Leider habe ich zuletzt in Adria kein Punkteergebnis eingefahren. Ich hoffe auf ein gutes Qualifying und will zum Abschluss nochmals ordentlich punkten. Der Kurs ist neu für uns alle. Hoffentlich ist es eine schöne Strecke, die uns liegt und Spaß macht."

Timo Scheider: "Das Finalrennen ist eine schöne Motivation. Klasse ist auch, dass wir zuvor doch noch den lange erhofften Sieg geschafft haben. Seit Mitte der Saison haben sich unsere Leistungen stabilisiert. Dabei standen wir in der zweiten Saisonhälfte zwei Mal auf der Pole-Position, haben aber vor Adria kein Rennen gewonnen. Schanghai wird noch einmal ein heißer Tanz. Dort werden wir noch mal attackieren und hoffentlich ein gutes Finalresultat abliefern."

Martin Tomczyk: "Das ist mal was Neues. Ich glaube, uns steht in Schanghai ein schöner Saisonabschluss bevor. Und garantiert ein hartes und spannendes Rennen, denn immerhin geht es noch für drei Fahrer von Mercedes-Benz um den Titel."

Markus Winkelhock: "Ich freue mich riesig auf Schanghai. Nach meinem Erfolg in Adria bin ich noch motivierter. Stadtkurse haben mir schon immer gelegen, ob im Tourenwagen oder im Formelrennwagen. Ich war zwar schon einmal in Schanghai am Start, aber diese Streckenvariante kenne ich natürlich noch nicht. Also ist es Neuland für jeden und es gelten die gleichen Voraussetzungen für alle."

Fotoquelle: xpb.cc

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