Gary Paffett startete mit einem Sieg in Hockenheim in die Saison 2010

DTM 2010

— 26.12.2010

Rückblick 2010 - Teil 1: Mercedes-Triumph und Audi-Konter

Im ersten Teil geht es um den Vierfachsieg von Mercedes und die Audi-Dramen beim Auftakt in Hockenheim sowie den Konter der Ingolstädter in Valencia

Das Jahr 2010 ist auf die Zielgerade eingebogen - doch bevor in der Silvesternacht das Jahr 2011 durchstartet, blicken wir noch einmal zurück auf die vergangene DTM-Saison. Elf Rennen in sechs Ländern standen auf dem Kalender. Am Ende holte sich einer den Meistertitel, den man zu Saisonbeginn noch nicht unbedingt auf der Rechnung haben konnte - Mercedes-Pilot Paul di Resta.

Nach drei Jahren ohne Fahrertitel konnte Mercedes in diesem Jahr erfolgreich zurückschlagen. Unterdessen musste sich Audi durch das Jahr kämpfen. Mit der Titelentscheidung hatten die Ingolstädter am Ende nichts mehr zu tun.

Auch 2010 gab es Favoritensiege ebenso wie Überraschungen, Kurioses und Dramatisches. In unserem Rückblick lassen wir Rennen für Rennen noch einmal Revue passieren. Im heutigen Teil beleuchten wir den Saisonauftakt in Hockenheim, bei dem Mercedes mit einem Vierfachsieg schon andeutete, dass sich das Blatt wenden könnte. Doch beim zweiten Rennen in Valencia, das heute ebenfalls Thema ist, gelang Audi der Konter - allerdings stand man sich auch in Spanien ein bisschen selbst im Weg.

Die DTM startete am 25. April traditionell in Hockenheim in die neue Saison. Doch schon vorher beherrschte die Serie wochenlang die Schlagzeilen - dank eines prominenten Neuzuganges: David Coulthard. Der Schotte hatte eigentlich nur zum Spaß bei Mercedes einen Test absolviert, doch er kam auf den Geschmack. Wochenlang wurde spekuliert - kommt er, kommt er nicht? Drei Wochen vor Saisonbeginn, am 3. April, war es dann fix: Der frühere Formel-1-Pilot war offiziell DTM-Neuzugang bei Mercedes. 2010 wurde für ihn ein Lernjahr, an dessen Ende er allerdings doch noch in die Punkte fahren konnte.

24./25. April: Hockenheim

Während Coulthard im Jahreswagen an den Start ging, gab es unter seinen Neuwagenkollegen gleich mehrere Titelkandidaten. Vor Saisonbeginn wurden vor allem Gary Paffett die größten Chancen eingeräumt. Der Brite war bereits 2009 die Speerspitze bei Mercedes, und verlor den Titel beim Finale nur knapp geschlagen an Timo Scheider. 2010 machte sich Paffett auf, das Versäumte nachzuholen. Und tatsächlich konnte er den Auftakt in Hockenheim für sich entscheiden - dabei profitierte er allerdings auch von den massiven Reifenproblemen bei Audi, die die Ingolstädter nicht nur beim Auftakt, sondern auch im weiteren Saisonverlauf beschäftigten.

In der Qualifikation sicherte sich Paffet gleich die erste Pole-Position des Jahres. In Q4 raste der Mercedes-Pilot mit einem entschlossenen Husarenritt zu Startplatz eins. Doch in Audi-Pilot Martin Tomczyk hatte er in Hockenheim einen harten Gegner. Der Bayer war bereits in den Trainings stark unterwegs und sicherte sich Startplatz zwei neben Paffett. Die zweite Reihe teilten sich Bruno Spengler und sein Mercedes-Markenkollege Jamie Green, der so wieder andeutete, dass auch im Jahreswagen mit ihm zu rechnen ist. Titelverteidiger Timo Scheider (Audi) haderte das ganze Wochenende mit Gripproblemen, schied überraschend in Q2 aus und startete von Platz neun.

Der prominente Neuzugang Coulthard beendete seine erste DTM-Qualifikation auf dem 17. und vorletzten Platz. "Der vorletzte Startplatz ist nicht ideal, aber besser ging es heute nicht. Ich lerne immer noch dazu und kann mich in Zukunft hoffentlich steigern", erklärte der Schotte danach. "Im Rennen will ich nur die Zielflagge sehen. Ich bin in den Tests nie mehr als 20 Runden am Stück gefahren, das Rennen wird meine bisher längste Distanz in einem DTM-Auto." Dieser Wunsch erfüllte sich: Coulthard beendete das Rennen als Zwölfter.

Ganz vorn konnte Mercedes nach mehreren Jahren Audi-Dominanz beim Auftakt das Blatt wenden. Die Stuttgarter konnten gleich einen Vierfachsieg feiern - auch, weil Audi sich teilweise selbst ein Bein gestellt hat. Gary Paffett gelang der "Hattrick": Der Brite holte nach Dijon und Hockenheim 2009 den dritten Sieg in Folge. Zweiter wurde sein Teamkollege Bruno Spengler, Platz drei ging an Jamie Green im Mercedes-Jahreswagen. Der spätere Champion Paul di Resta komplettierte als Vierter das Mercedes-Quartett an der Spitze.

Dagegen herrschte bei Audi Katzenjammer - so hatte man sich den Auftakt nicht vorgestellt. Bester Audi-Pilot wurde Mike Rockenfeller im Jahreswagen als Fünfter. Die Audi-Neuwagenfahrer Mattias Ekström und Timo Scheider wurden Sechster und Siebter. Lichtblick der Ingolstädter war Neuzugang Miguel Molina, der sensationell in seinem allerersten DTM-Rennen als Achter seinen ersten Punkt holte.

Das Rennergebnis hätte aber auch ganz anders aussehen können, hätte es bei Audi nicht Pech und Pannen gegeben. Denn in der turbulenten ersten Runde, in der es einmal mehr zu zahlreichen Kollisionen kam, hatte Tomczyk die Führung übernommen. Doch der Bayer hatte zwei Reifenschäden und gab noch vor Rennende entnervt auf. Auch Jahreswagenfahrer Alexandre Prémat wurde durch einen Reifenschaden aller Chancen auf ein gutes Ergebnis beraubt.

Ihr Kollege Ekström hatte sich mit einer aggressiven Strategie und frühen Stopps bis auf Rang zwei verbessert. Doch er und sein Team stolperten über eine Änderung bei der Boxenstoppregel. Statt bisher die Ziellinie galt nun die Safetycarlinie als Anhaltspunkt für die Öffnung der Boxengasse. Der Führende muss in der Runde, in der das Fenster öffnet, diese Line überquert haben - erst dann darf man zum Stopp abbiegen. In Hockenheim befindet sich diese Safetycarlinie aber erst am Ende der Runde. Ekström bog in die Box ab, als Tomczyk als Führender in die betreffende zehnte Runde gestartet war.

Doch nach dem neuen Reglement hätte er warten müssen, bis Tomczyk in der zehnten Runde über die Safetycarlinie gefahren war. Also wurde der Boxenstopp des Schweden als ungültig, weil zu früh bewertet. Ekström musste innerhalb des Fensters ein drittes Mal einrücken - und fiel vom zweiten Platz wieder zurück. Der Crew um Audi-Kollege Markus Winkelhock geschah das gleiche Missgeschick. Winkelhock verzichtete aber auf einen dritten Stopp und kassierte dafür 60 Strafsekunden.

22./23. Mai: Valencia

Nach den Reifenschäden und dem Strategieärger reiste Audi mit der Entschlossenheit zum zweiten Saisonrennen nach Valencia, das Auftakt-Debakel wieder wettzumachen. Und tatsächlich gelang in Spanien der erhoffte Konter. Doch die Tabellenführung übernahm einer, der dann über weite Teile der Saison der absolute Topfavorit auf den Titel sein sollte: Bruno Spengler.

Audi-Pilot Ekström fand in Valencia die perfekte Antwort auf seine Probleme vom Saisonauftakt. Im Qualifying sicherte er sich zunächst die Pole-Position, wenn auch nur denkbar knappe 16 Tausendstelsekunden vor Spengler. Oliver Jarvis, der in dieser Saison in den Audi-Neuwagen aufgestiegen war, wurde Dritter, Noch-Mercedes-Speerspitze Gary Paffett Vierter vor dem späteren Meister Paul di Resta. Audi-Neuzugang Miguel Molina überzeugte auch beim Heimspiel mit Startplatz sieben. Titelverteidiger Scheider kam auch in Valencia noch nicht in Tritt und holte nur Startplatz zehn.

Das Valencia-Rennen wurde zur Hitzeschlacht. Und Audi durfte einen Doppelsieg feiern - zumindest vorerst, denn das Thema "Pleiten, Pech und Pannen" setzte sich bei den Ingolstädtern fort. Ekström holte sich seinen ersten Sieg seit Le Mans 2008 und beendete damit seine lange Durststrecke. Der Schwede feierte von der Pole-Position weg einen klaren Start-Ziel-Sieg. Damit bescherte er seiner Mutter Agneta auch das perfekte Geschenk zum 60. Geburtstag. Was damals noch niemand ahnen konnte: Es war der Erste von nur zwei Audi-Siegen in dieser Saison.

Auf Platz zwei landete sensationell Martin Tomczyk - zunächst. Der Bayer, der in Hockenheim ohne seine Reifenschäden hätte gewinnen können, war von Platz neun ins Rennen gegangen. Er arbeitete sich mit zwei extrem späten Boxenstopps fast unbemerkt auf den zweiten Platz nach vorn. "Ich war plötzlich hinter 'Eki', ich weiß auch nicht, wie das ging", sagte er strahlend. Doch die Freude währte nicht lange. Denn Tomczyk wurde nachträglich vom Rennen ausgeschlossen, weil er einen Reifen verwendet hatte, der aufgrund eines Formfehlers nicht mehr für das Rennen registriert war.

Da es Tomczyk nicht in den dritten Teil des Qualifyings schaffte, war das Team laut Reglement verpflichtet, einen der Reifensätze wieder aus der Registrierung für das Rennen zu nehmen. Das Team übermittelte regelgerecht die Nummern der vier zu streichenden Reifen an die Technischen Kommissare. Dabei unterlief dem Team allerdings ein Schreibfehler - es wurde aus Versehen ein Reifen aus dem Rennkontingent registriert.

"Die Entscheidung ist laut Reglement richtig, da steht der Passus exakt beschrieben. Und der wird auch durch Disqualifizieren bestraft", sagte ein enttäuschter Tomczyk. "Allerdings ist es natürlich für mich schade, weil es ein Teamfehler war, der aber keinerlei Performance-Gewinn gebracht hat. Er wurde einfach ein Reifen verwendet, der schon ausgecheckt war." Pech hatte auch sein Teamkollege Oliver Jarvis, der bis sieben Runden vor Schluss auf dem dritten Platz lag, dann aber mit einem technischen Defekt vorzeitig ausschied.

Mercedes-Pilot Bruno Spengler holte sich nach einem schwierigen Rennen noch den dritten Platz auf dem Podium. Durch Tomczyks Disqualifikation übernahm er den zweiten Platz. Und - der Kanadier verließ Valencia als neuer DTM-Spitzenreiter. Denn der bisherige Gesamtleader Gary Paffett hatte ein Rennen zum Vergessen, konnte aber am Ende als Siebter zumindest noch zwei Punkte holen.

Paffett geriet schon am Start in massive Probleme: Der Brite, der von Startplatz vier aus ins Rennen gegangen war, kam im Getümmel der ersten Kurven weit nach rechts außen von der Linie ab. In den folgenden Kurven duellierte er sich mit Alexandre Prémat, dabei ließ der Brite über den Boxenfunk nicht jugendfreie Beschimpfungen los. Nach der ersten Runde lag Paffett nur noch auf dem achten Platz, zudem hatte er Probleme mit der Vorderachse.

Acht Runden vor Schluss kam dann auch noch Lokalmatador Molina, der eine heftige Attacke auf Paffett startete. Die beiden berührten sich, Paffett musste in den Kies ausweichen, Molina rutschte noch ein Stück mit. Es folgte Paffetts zweite deutliche Schimpftirade auf einen Audi-Jahreswagenfahrer an diesem Sonntagnachmittag.

Audi-Jahreswagenfahrer Prémat übernahm nach Tomczyks Ausschluss den dritten Platz vor Timo Scheider, Paul di Resta und Mike Rockenfehler. Die beiden Streithähne Paffett und Molina kamen in Valencia als Siebter und Achter ins Ziel.

Zwei Wochen später gastierte die DTM auf dem EuroSpeedway Lausitz. Hier durfte Mercedes wieder jubeln - und bei Audi gab es erneut eine Menge Diskussionsstoff. Nach diesem Rennen wurde sogar erstmals eine "gelbe Karte" für einen Piloten vergeben. Nach einer ersten längeren Pause traf sich die DTM dann zur Hitzeschlacht am Norisring - wo Jamie Green das Triple gelang. Diese beiden Rennen beleuchten wir im nächsten Teil unseres Jahresrückblicks.

Fotoquelle: xpb.cc

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