Bruno Spengler fuhr weiter auf Titelkurs, letztendlich sollte es aber nicht reichen

DTM 2010

— 28.12.2010

Rückblick 2010 - Teil 3: "Stern"-Revanche, Spengler-Patzer

Im dritten Teil geht es um das Ende der Audi-Dominanz am Nürburgring und das Dünenrennen in Zandvoort, wo Bruno Spengler einen ersten Rückschlag erlebte

Das Jahr 2010 ist auf die Zielgerade eingebogen - doch bevor in der Silvesternacht das Jahr 2011 durchstartet, blicken wir noch einmal zurück auf die vergangene DTM-Saison. Elf Rennen in sechs Ländern standen auf dem Kalender. Am Ende holte sich einer den Meistertitel, den man zu Saisonbeginn noch nicht unbedingt auf der Rechnung haben konnte: Mercedes-Pilot Paul di Resta. Nach drei Jahren ohne Fahrertitel konnte Mercedes in diesem Jahr erfolgreich zurückschlagen. Unterdessen musste sich Audi durch das Jahr kämpfen. Mit der Titelentscheidung hatten die Ingolstädter am Ende nichts mehr zu tun.

Auch 2010 gab es Favoritensiege ebenso wie Überraschungen, Kurioses und Dramatisches. In unserem Rückblick lassen wir Rennen für Rennen noch einmal Revue passieren. Heute geht es um den Eifellauf am Nürburgring, wo Mercedes die Audi-Dominanz mit einem Dreifachsieg beenden konnte, und das Dünenrennen in Zandvoort, wo die Erfolgsserie von Bruno Spengler unterbrochen wurde.

Nach fünf Wochen Sommerpause ging die DTM-Saison 2010 mit dem Eifelrennen am Nürburgring weiter. Bei Audi hatte man die "Ferien" genutzt, um genau zu analysieren, warum man so große Probleme mit den Reifen hat und wie man zurück in die Erfolgsspur finden könnte. Nach den ersten vier Rennen dominierte Mercedes in der Meisterschaft, die Ingolstädter wollten das Blatt wieder wenden.

Für zusätzlichen Optimismus sorgte die Tatsache, dass es auf einer Strecke weiterging, die in den Jahren zuvor fest in Audi-Hand war. 2009 hatten die Ingolstädter auf dem Nürburgring dort sogar einen Vierfachsieg gefeiert. Doch in diesem Jahr sollte es anders kommen: Mercedes behielt auch in der Eifel das Heft in der Hand und revanchierte sich mit einem Dreifachsieg für die Schmach des Vorjahres.

7./8. August: Nürburgring

Dabei gab es für Audi am Samstag noch einen Grund zum Jubeln. In der Qualifikation sicherte sich Mattias Ekström mit deutlichem Vorsprung seine insgesamt 16. DTM-Pole-Position. In Q4 war er mit seiner Zeit von 1:23.817 Minuten vier Zehntelsekunden schneller als die Konkurrenz. Doch ansonsten verlief schon die Qualifikation für die Ingolstädter eher enttäuschend.

Denn es war nichts mit der prophezeiten Audi-Dominanz. Hinter Ekström reihten sich gleich fünf Mercedes-Piloten ein. Tabellenführer Bruno Spengler stand zum vierten Mal in dieser Saison auf Startplatz zwei. Jamie Green, zu diesem Zeitpunkt Zweiter der Gesamtwertung, zeigte im Jahreswagen erneut eine starke Leistung und holte Startplatz drei. Dahinter folgten Paul di Resta und Gary Paffett.

Besonders enttäuscht war Audi-Pilot Martin Tomczyk: Er galt nach seinen früheren Eifelsiegen auch diesmal wieder als einer der Favoriten und war in den Trainings wieder stark unterwegs. Doch wie so oft in dieser Saison hatte er erneut Pech und schied bereits in Q2 aus. Wegen Abkürzens der Schikane wurde ihm eine Rundenzeit gestrichen, in seinem letzten Versuch kam er über Platz elf nicht hinaus. "Ich hatte hier fest mit der Pole-Position gerechnet. Und ich hatte gesagt, dass alles andere eine Enttäuschung wäre. Von daher ist P11 eine derbe Enttäuschung", haderte der Bayer.

Ekström war also im Rennen einmal mehr die einzige große Hoffnung von Audi. Doch er fiel bereits am Start zurück und so war für Mercedes der Weg zum Dreifachtriumph frei. Bruno Spengler holte seinen zweiten Saisonsieg vor seinen Teamkollegen Paul di Resta und Gary Paffett. Spengler konnte damit seinen Vorsprung als Gesamtführender weiter ausbauen. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug war selbst etwas überrascht über diesen Erfolg, denn auch für ihn war Audi in der Eifel favorisiert.

Aber diesmal war Timo Scheider als bester Audi-Pilot nur Vierter. Der frisch verheiratete Mercedes-Jahreswagenfahrer Jamie Green fuhr auf Rang fünf, Ralf Schumacher holte als Sechster seine ersten Punkte der Saison. Während des gesamten Rennnachmittags gingen die Blicke immer wieder besorgt gen Himmel. Denn am Sonntagmorgen war es wegen Nebels und Regens zu massiven Verzögerungen gekommen. Und auch für das Rennen drohten Regenschauer. Tatsächlich zogen auch immer wieder gefährlich schwarze Wolken über die Strecke, doch es blieb bis zum Zieleinlauf - bis auf ein paar vereinzelte Tropfen - trocken.

Tabellenführer Spengler stellte die Weichen zum Sieg gleich am Start, als er noch auf der Geraden an Polesetter Ekström vorbeizog, Green in seinem Windschatten. Der Audi-Schwede versuchte dann eingangs der ersten Kurve, wieder nach vorn zu kommen, musste aber weit nach außen ausweichen, verschaltete sich und fiel noch weiter zurück. Und sein A4 hatte diesmal einfach nicht die nötige Performance, um sich im Feld wieder irgendwie nach vorn arbeiten zu können, mehr als Platz sieben war für Ekström nicht drin.

Auch am Nürburgring gab es wieder jede Menge Kleinholz. So wurde Mercedes-Rookie David Coulthard gleich in Kurve eins das Opfer einer Kollision, die sich vor ihm ereignet hatte. Susie Stoddart hatte sich verbremst, Markus Winkelhock gerammt und diesen in Martin Tomczyk geschoben. Alle vier fanden sich in der ersten Kurve neben der Strecke wieder. Für Stoddart und Winkelhock war das Rennen beendet, Coulthard und Tomczyk mussten das Feld von hinten aufrollen. In Runde acht endete das Rennen von Alexandre Prémat. Der Audi-Pilot verbremste sich in einer Rechtskurve und wurde dann von seinem Markenkollegen Oliver Jarvis touchiert und nach außen gedrückt. Mit einer beschädigten Radaufhängung fuhr Prémat geradeaus in den Reifenstapel.

Ansonsten gab es am Nürburgring vor allem in der Anfangsphase beherzte Positionskämpfe, doch weitere Dramen blieben aus. Und vorn an der Spitze fuhr Mercedes ungefährdet dem Dreifachsieg entgegen. Zur Saisonmitte führte nun Spengler führt mit 42 Punkten vor Green (26), Paffett (25) und Di Resta (25). Ekström fiel als bestplatzierter Audi-Fahrer zurück auf den fünften Gesamtrang und hatte 23 Zähler auf seinem Konto.

21./22. August: Zandvoort

Nur zwei Wochen später stand im niederländischen Zandvoort das nächste Rennen auf dem Programm. Und hier erlebte der bislang so dominante Tabellenführer Bruno Spengler seinen ersten Rückschlag, der es seinen Konkurrenten erlaubte, um Titelkampf wieder aufzuholen. Bereits im Qualifying kam der Kanadier - sonst immer vorn mit dabei - nicht über den siebten Platz hinaus.

Dafür gab es für Titelverteidiger Timo Scheider, für den die Saison gar nicht gut begonnen hatte, endlich wieder ein Erfolgserlebnis. Der Audi-Pilot sicherte sich in Zandvoort seine erste Pole-Position der Saison, vor Paul di Resta, Gary Paffett und Rookie Miguel Molina, der im Audi-Jahreswagen einmal mehr überraschte. "Langsam geht es wieder aufwärts im Leben. Es ist ein schönes Gefühl, zurück zu sein", jubelte Polemann Scheider.

Und Tabellenführer Spengler gab sich nach der Qualifikation noch kämpferisch: "Vom siebten Platz ist alles möglich." Doch die Hoffnungen des Kanadiers erfüllten sich nicht. Auch im Rennen kam er über den siebten Platz nicht hinaus. Damit verringerte sich sein Vorsprung auf seine Verfolger auf neun Punkte. Denn seine Rivalen und Teamkollegen Gary Paffett und Paul di Resta holten sich in Zandvoort den Sieg und Platz zwei.

Polemann Scheider hatte seinen möglichen ersten Saisonsieg verschenkt und musste sich nach einer starken Aufholjagd mit Platz drei hinter Paffett und di Resta begnügen. Der Audi-Pilot verspielte seine Chancen bereits am Start, als er erst gut wegkam, dann aber die Drehzahl absacken ließ und von neun Gegnern überholt wurde. "Es war ganz klar mein Fehler", ärgerte er sich. "Ich wollte einen guten Takeoff haben und die erste Reaktion war gut, aber dann ist mir der Motor abgestorben. Zu viel Grip aufgebaut, das war's. Ich hatte einen dicken Hals, habe den immer noch. Wenigstens hat es zum ersten Mal für das Podium gereicht."

An der Spitze hatten Paffett und di Resta, die auf der Ziellinie nur durch 0,396 Sekunden getrennt waren, relativ leichtes Spiel. Die beiden fuhren ihre eigene Pace, absolvierten saubere Boxenstopps, mussten kein unnötiges Risiko eingehen und taten sich gegenseitig nicht weh. Als Scheider im Finish mit der schnellsten Rennrunde aufhorchen ließ, konnten die "Sternfahrer" schon ganz entspannt von mehr als zehn Sekunden Vorsprung zehren. Ihr Kollege Spengler seufzte, dass mehr als Platz sieben dieses Mal nicht drin war. Er kam übrigens mit einem blauen Auge davon, als eine Karambolage mit Mike Rockenfeller von der Rennleitung nicht geahndet wurde.

Aus den Niederlanden ging es weiter nach England, wo zwei Wochen später das Rennen in Brands Hatch auf dem Programm stand. Und hier begann die eindrucksvolle Siegesserie von Paul di Resta, der bis dahin eine unauffällige Saison hatte, sich am Ende aber zum Champion krönen konnte. Um das Rennen in Brands Hatch geht es im nächsten Teil unseres Jahresrückblicks. Darin lassen wir auch den achten Saisonlauf in Oschersleben noch einmal Revue passieren, in dem Audi den nächsten fatalen Reifenschaden hatte und di Resta seine Aufholjagd fortsetzte.

Fotoquelle: xpb.cc

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