Paul di Resta startete in Brands Hatch seine erfolgreiche Jagd nach dem Titel

DTM 2010

— 29.12.2010

Rückblick 2010 - Teil 4: Di Resta startet durch

Die Aufholjagd begann: In Brands Hatch holte Paul di Resta seinen ersten Saisonsieg, in Oschersleben legte er nach, während Timo Scheider zum tragischen Helden wurde

Das Jahr 2010 ist auf die Zielgerade eingebogen - doch bevor in der Silvesternacht das Jahr 2011 durchstartet, blicken wir noch einmal zurück auf die vergangene DTM-Saison. Elf Rennen in sechs Ländern standen auf dem Kalender. Am Ende holte sich einer den Meistertitel, den man zu Saisonbeginn noch nicht unbedingt auf der Rechnung haben konnte - Mercedes-Pilot Paul di Resta.

Nach drei Jahren ohne Fahrertitel konnte Mercedes in diesem Jahr erfolgreich zurückschlagen. Unterdessen musste sich Audi durch das Jahr kämpfen. Mit der Titelentscheidung hatten die Ingolstädter am Ende nichts mehr zu tun.

Auch 2010 gab es Favoritensiege ebenso wie Überraschungen, Kurioses und Dramatisches. In unserem Rückblick lassen wir Rennen für Rennen noch einmal Revue passieren. Im heutigen vierten Teil geht es um die beiden Läufe in Brands Hatch und Oschersleben, wo sich der spätere Champion Paul di Resta eindrucksvoll zurückmeldete und wo Titelverteidiger Timo Scheider zum tragischen Helden wurde.

05. September: Brands Hatch

Der siebte Saisonlauf 2010 stand Anfang September im englischen Brands Hatch an. Und hier wurde die Wende im Titelkampf eingeläutet. Mercedes-Pilot Gary Paffett war als größter Meisterschaftskandidat der Stuttgarter in die Saison gestartet, Teamkollege Bruno Spengler führte die Tabelle seit dem zweiten Rennen in Valencia an. Beide hatten auch schon je zwei Siege auf dem Konto, als die DTM nach England reiste. Doch dort setzte ihr Kollege zur Aufholjagd an, die später auch mit dem Titel gekrönt wurde: Paul di Resta.

Wie schon im Jahr zuvor war Brands Hatch das Rennwochenende, bei dem sich der Schotte ganz vorn zurückmeldete. Dieses Mal holte er sich auf der Strecke in Kent den ersten von drei Siegen in Folge. Schon im Qualifying am Samstag war di Resta das Maß aller Dinge. In allen vier Qualifyingteilen sicherte sich der Schotte den ersten Rang. Im entscheidenden Shootout unterlief ihm zwar ein Fahrfehler, doch sein Vorsprung betrug trotzdem 0,052 Sekunden auf Bruno Spengler. Timo Scheider hatte als einziger Audi-Pilot den Sprung in die Top 4 geschafft und belegte am Ende Rang drei vor dem Sensationsvierten Ralf Schumacher.

Im Rennen selbst wurde di Resta seiner Favoritenrolle mehr als gerecht. Der Mercedes-Pilot setzte seine Dominanz aus Trainings und Qualifying auch im Rennen nahtlos fort und feierte einen souveränen Heimsieg - genau ein Jahr nach seinem bis dahin letzten Rennerfolg. Di Resta drückte dem Rennen vom Start weg seinen Stempel auf. Er raste von der Pole-Position aus vorne weg und hatte auf der kurzen Strecke zwischenzeitlich ein Polster von bis zu 15 Sekunden auf die Konkurrenz. "Es war nicht allzu hart, aber natürlich hat man bei Stopps immer etwas Sorge. Aber heute lief alles gut. Es war ein toller Tag", jubelte er nach seinem lang ersehnten ersten Saisonsieg.

Bruno Spengler fuhr ungefährdet auf den zweiten Rang und sicherte so seine Gesamtführung in der DTM weiter ab. Spengler wurde nur am Anfang von Audi-Pilot Timo Scheider unter Druck etwas unter Druck gesetzt, doch diesem war relativ schnell klar, dass mehr als Platz drei für ihn nicht drin ist. "Paul war am Anfang in einer eigenen Welt. Ich habe fast gar nicht mehr gemerkt, dass er dabei war. Er konnte ein einsames Rennen fahren. Und Bruno war auf gebrauchten Reifen schneller", bilanzierte Scheider.

Hinter den Podestplätzen bot "Magic" Miguel Molina mal wieder eine sensationelle Leistung, die er als Vierter mit seinem besten DTM-Resultat krönte. Der spanische Rookie manövrierte sich mit extrem schnellen Runden und kluger Taktik an Gary Paffett, Oliver Jarvis und Martin Tomczyk vorbei. Das Trio belegte am Ende die Ränge fünf bis sieben, den letzten Punkt ergatterte Alexandre Prémat. In der Gesamtwertung hatte di Resta durch seinen Sieg Platz zwei von Gary Paffett übernommen. Nur noch neun Punkte trennten ihn vom Führenden Spengler. "Der Rhythmus stimmt. Ich fühle mich mit dem Wagen wohl und nun geht es voran. Wir werden noch mehr Punkte gewinnen", kündigte di Resta nach dem Rennen in Brands Hatch an. Und er sollte Recht behalten.

98 Mal wurde der Kurzkurs in Brands Hatch umrundet. Während das Trio an der Spitze einsam seine Runden drehte, blieb es auch dahinter ruhig. Nur kurz nach dem Start ging es turbulent zu. Mattias Ekström und Ralf Schumacher gerieten aneinander. Der Schwede bekam einen herben Stoß auf die Achse, schleppte sich um den Kurs und wurde am Ende der ersten Runde von Susie Stoddart torpediert. Deren Rennen war wenige Umläufe später ebenfalls mit gebrochener Aufhängung beendet.

Schumacher fuhr unterdessen zunächst auf dem soliden sechsten Rang weiter, ergatterte am Ende aber nicht die erhofften Zähler. Das vorzeitige Aus kam für den Mercedes-Piloten nach dem zweiten Boxenstopp. "Die Lenkung ging nicht mehr richtig", so Schumacher, der heftig durch ein Kiesbett rodelte und dann in die Box kam.

19. September: Oschersleben

Di Resta nahm seinen unglaublichen Schwung vom Heimspiel in Brands Hatch direkt mit zum achten Saisonlauf zwei Wochen später in Oschersleben. Der junge Schotte sicherte sich bei teils kniffligen Bedingungen die souveräne Pole-Position - und teilte sich die erste Startreihe mit Tabellenführer Bruno Spengler. Audi-Jahreswagenfahrer Mike Rockenfeller war eine der Überraschungen im Oschersleben-Qualifying. Er sicherte sich Startplatz drei vor einer Neuwagen-Armada bestehend aus Timo Scheider, Martin Tomczyk, Mattias Ekström und Oliver Jarvis.

Für Mercedes-Pilot Gary Paffett, der zuvor in Brands Hatch den zweiten Gesamtrang an di Resta verloren hatte, verlief der Samstag äußerst frustrierend. "Ich war einfach nicht schnell genug", seufzte der Brite, der sich mit Startplatz zehn begnügen musste.

Im Rennen selbst feierte di Resta seinen zweiten Sieg in Folge, auf Platz zwei fuhr Spengler - damit belegten sie dieselben Ränge wie im Qualifying. Doch es war für sie kein Spaziergang. Die Zuschauer in der Börde erlebten einen heißen Dreikampf um die Spitze, Audi-Pilot Timo Scheider wurde zum tragischen Helden von Oschersleben, dafür schaffte sein Kollege Mattias Ekström den Sprung auf das Podium. Der Schwede hatte damit noch rechnerische Chancen auf den Titel.

Di Resta und Spengler behaupteten sich beim Start ganz vorn und gingen Rad an Rad durch die erste Kurve, während Rockenfeller und Scheider lieber nicht zu viel riskierten und sich zurückhielten. Dahinter gab es jedoch schon in der Anfangsphase einige Ausfälle. Nach der ersten Kurve kreiselte Maro Engel ins Kiesbett, konnte aber weiterfahren. Gary Paffett drängte in der ersten Runde Oliver Jarvis so ab, dass dieser Audi-Kollege Miguel Molina ins Aus rammte. Markus Winkelhock landete ebenfalls gleich zu Beginn des Rennens im Kies. Am Ende der ersten Runde schob sich Scheider an Rockenfeller vorbei auf den dritten Platz.

Di Resta führte vor Spengler, bis er in Runde 20 zu seinem ersten Stopp an die Box kam. Doch wie schon am Lausitzring hakte es beim Boxenstopp, der Wechsel des linken Hinterrads dauerte zu lange. Di Resta musste sich hinter Spengler wieder einreihen, der damit die Führung übernommen hatte. Einen Umlauf später bog auch Scheider in die Box ab, er kam hinter den beiden Mercedes zurück auf die Strecke, sein Rückstand war von sechs auf zwei Sekunden geschmolzen - und der Audi-Pilot machte weiter Druck.

In Runde 25 absolvierte er seinen zweiten Boxenstopp, um danach freie Fahrt zu haben. Und der Plan ging auf: Da es auch bei Spenglers zweitem Stopp Probleme gab, übernahm Scheider die Führung vor dem Kanadier. Doch entschieden war das Rennen noch lange nicht: Di Resta witterte seine Chance, bei seinem Stopp wieder ganz nach vorn zu kommen. An der Spitze des Zwischenklassements liegend gab er mächtig Gas und riskierte viel. Mit seinem zweiten Stint brachte er sich wieder ins Rennen und auf Siegkurs. Doch Scheider jagte ebenfalls mit Spitzengeschwindigkeiten um den Kurs, gleichzeitig hing ihm Spengler im Heck.

Doch in Runde 34 nahmen Scheiders Träume von Sieg und Titelverteidigung ein jähes Ende: Reifenschaden hinten links. Ein Fremdkörper im Reifen sorgte für den Plattfuß. Der Audi-Pilot konnte noch zurück zur Box humpeln und sich einen neuen Reifen holen, doch mit dem Sieg hatte er nichts mehr zu tun. Er wurde am Ende Elfter, damit hatte er auch keine theoretische Chance mehr, in den Titelkampf einzugreifen.

Unterdessen wurde Di Restas Jagd nach vorn belohnt: Mit seinem zweiten Boxenstopp übernahm der Schotte wieder die Führung vor Spengler. In den letzten Runden änderte sich an der Spitze nichts mehr. Doch es blieb kurzweilig, dafür sorgten Ekström und Paffett. Die beiden früheren Champions, die sich schon oft tolle Duelle geliefert hatten, kämpften beherzt um Platz drei. Paffett hing in Ekströms Heck, doch der Schwede ließ sich den Podiumsplatz nicht mehr nehmen.

Durch seinen zweiten Sieg in Folge war di Resta in Oschersleben bis auf sieben Punkte an Tabellenführer Spengler herangerückt. Paffett war weiter Dritter, Ekström wahrte sich als Gesamtvierter bei drei noch ausstehenden Rennen zumindest eine theoretische Chance.

Vier Wochen nach Oschersleben traf sich die DTM zum "Deutschlandfinale" in Hockenheim. Es war der Auftakt zu einem dramatischen Saisonendspurt, nicht nur wegen des Massencrashs in Runde eins. Di Resta machte in Hockenheim seinen dritten Sieg in Folge perfekt und verdrängte Spengler von der Tabellenspitze. Doch beim Italien-Gastspiel in Adria wendete sich das Blatt erneut. Und unvergessen wird der schwere Unfall von Alexandre Prémat in Adria bleiben. Diese beiden Rennen beleuchten wir morgen im fünften Teil unseres Jahresrückblicks.

Fotoquelle: xpb.cc

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