Ende der Titeljagd: Paul di Resta mit dem Pokal, Paffet und Spengler geschlagen

DTM 2010

— 31.12.2010

Rückblick 2010 - Teil 6: Finale furioso

Erstmals wurde das DTM-Finale in Schanghai ausgetragen: Erst gab es Chaos, dann reichlich Kleinholz und am Ende den Titel für Paul di Resta

Das Jahr 2010 ist auf die Zielgerade eingebogen - doch bevor in der heutigen Silvesternacht das Jahr 2011 durchstartet, blicken wir noch einmal zurück auf die vergangene DTM-Saison. Elf Rennen in sechs Ländern standen auf dem Kalender. Am Ende holte sich einer den Meistertitel, den man zu Saisonbeginn noch nicht unbedingt auf der Rechnung haben konnte - Mercedes-Pilot Paul di Resta.

Nach drei Jahren ohne Fahrertitel konnte Mercedes in diesem Jahr erfolgreich zurückschlagen. Unterdessen musste sich Audi durch das Jahr kämpfen. Mit der Titelentscheidung hatten die Ingolstädter am Ende nichts mehr zu tun. Beim Finale im chinesischen Schanghai waren es noch drei Mercedes-Piloten, die den Kampf um die Meisterschaft untereinander ausmachten. Bruno Spengler hatte sich beim vorletzten Saisonrennen in Adria die Führung zurückgeholt und ging mit drei Punkten Vorsprung auf Paul di Resta ins Finale. Gary Paffett hatte mit neun Punkten Rückstand ebenfalls noch Chancen.

Damit kam es Ende November - am ersten Adventswochenende - zum Showdown im Fernen Osten. In der Millionenmetropole Schanghai war im Stadtteil Podung ein Stadtkurs aus dem Boden gestampft worden. Doch reibungslos ging das Finale nicht über die Bühne. Bis di Resta am Sonntagabend seinen ersten DTM-Titel feiern durfte, erlebte die DTM noch turbulente Tage in China. Das Geschlängel durch die Leitplanken hatte es in sich - und auch sonst erwies es sich als nicht so einfach, im geschäftigen Viertel ein Autorennen zu veranstalten.

28. November: Schanghai

Schon der Trainingsfreitag verlief chaotisch. Die Strecke war noch schmutzig, Werbebanden fielen herunter und Mercedes-Pilot Maro Engel hatte kurz vor Ende des ersten Freien Trainings einen heftigen Crash - so lässt sich Auftakt zum China-Finale zusammenfassen. Bevor die Fahrer am Freitag ins Rollout starten konnten, mussten sogar die Mechaniker zu Besen und Kehrblech greifen, um den stark verschmutzten Asphalt sauber zu bekommen. Nachdem die ersten Rennfahrzeuge auf die Strecke gegangen waren, rissen zudem auch noch einige Werbebanner aus ihren Befestigungen. Der Fahrtwind der DTM-Boliden war offenbar zu stark.

Das erste Freie Training verlief dann zunächst ganz normal - auch wenn die Fahrer auf den Bodenwellen ziemlich durchgeschüttelt wurden. Aber vier Minuten vor Schluss des Freitagstrainings krachte es heftig. Mercedes-Pilot Engel touchierte auf Höhe der Boxeneinfahrt eine Mauer, die in die Strecke hineinragte und wurde in die Streckenbegrenzung auf der anderen Seite der Strecke geschleudert. Engel hatte Glück und blieb unverletzt, seine C-Klasse war jedoch komplett zerstört und auch die Streckenbegrenzung hatte Schaden genommen.

In der Folge entbrannte eine Diskussion um die Sicherheit der Boxeneinfahrt - und es wurde gehandelt. Die Einfahrt wurde zum Training am Samstag hin umgebaut und entschärft. Zudem wurden die Fahrbahnmarkierungen abgeschliffen, um den Grip zu verbessern. Am Freitag hatten viele Piloten darüber geklagt, dass sie auf der rutschigen Farbe keinen Halt haben. In Turn eins und zwei wurden zusätzliche Reifenstapel aufgebaut. Unterdessen schaffte Engels Mücke-Team in einer Nachtschicht das fast Unmögliche und reparierte die zerstörte C-Klasse.

Doch in der Qualifikation am Samstagnachmittag gab es noch jede Menge mehr Kleinholz. Immer wieder landete ein Bolide auf dem engen Stadtkurs in der Mauer oder im Reifenstapel, immer wieder musste das Qualifying unterbrochen werden. Den Auftakt machte ausgerechnet der Meisterschaftsführende Spengler. Er hatte schon im Training einen Unfall. Und nun krachte er unter den ungläubigen Blicken seines Teams mit der rechten Front seines Mercedes in die Mauer. Q1 wurde abgebrochen, damit durften automatisch alle Piloten im verlängerten Q2 antreten.

Auch Q2 musste vorzeitig abgebrochen werden. Diesmal sorgte der Chinese Darryl O'Young für die rote Flagge. Er war im Phoenix-Audi des vor Schanghai suspendierten Alexandre Prémat am Start. Schon in Q1 war O'Young der Mauer so nahe gekommen, dass er sich den rechten Außenspiegel abfuhr. In Q2 hatte er weiter Probleme: Erst drehte sich der Chinese und verpasste die Mauer mit seinem Heck nur um Millimeter.

Kurz darauf schrammte er dann aber doch kurz an der Mauer entlang - zum Glück für ihn ohne Folgen. Dann aber berührte er die Begrenzung erneut und donnerte zwei Kurven später in die Mauer der Boxeneinfahrt. Für O'Young war das Heimspiel in Schanghai damit beendet. Nach dem Abbruch von Q2 durften alle Piloten - sofern sie noch konnten - in Q3 antreten.

Doch auch im dritten Qualifikationsabschnitt ging es chaotisch weiter. Susie Stoddart knallte in die Mauer, konnte sich aber trotz gebrochener Aufhängung zurück an die Box retten. Vier Minuten vor dem Ende von Q3 kehrte dann auch Pechvogel Spengler zurück auf die Strecke. Doch er konnte mit seiner verbogenen C-Klasse nicht mehr richtig angreifen und blieb auf Platz 17 hängen. Damit war klar: Der Kanadier musste auf ein Wunder oder auf Probleme bei seinen Titelrivalen hoffen, wenn er seinen dünnen Vorsprung von drei Punkten noch über den Rennsonntag retten wollte.

Die Zeit von Q3 war schon abgelaufen, als wieder Rot geschwenkt wurde: Timo Scheider hatte das Heck seines Audis verloren und war rücklinks in die Mauer geknallt. Dort rutschte er fast 200 Meter lang entlang und bleib quer über der Strecke stehen. Scheider hätte sich mit der viertschnellsten Zeit für Q4 qualifiziert, an einen Start im Shootout war aufgrund der Schäden an seinem Auto aber nicht zu denken.

Das entscheidende Q4 war dann aber auch schon zu Ende, bevor es richtig anfing. Jamie Green, der das Shootout eröffnete, knallte in die Reifenstapel. Damit wurde wieder die rote Flagge gezeigt, das Qualifying wurde endgültig abgebrochen. Stattdessen galt das Ergebnis aus Q3 als Startreihenfolge: Paul di Resta hatte mit der Pole-Position die beste Ausgangslage auf dem Weg zum Titel, Gary Paffett teilte sich mit ihm die erste Startreihe, Green und Scheider folgten auf den Plätzen drei und vier. Spengler musste das Rennen von Platz 17 aus in Angriff nehmen.

Nach dem Chaos in der Qualifikation ging die Rennleitung am Sonntag lieber auf Nummer sicher. Das Finalrennen wurde hinter dem Safetycar gestartet, um weitere Unfälle in der Anfangsphase zu verhindern. Allerdings mit Verspätung, denn da kurz vor dem Start noch Zuschauer auf der Suche nach ihren Plätzen zu nah an der Strecke waren, kam es zu einer weiteren Verzögerung.

Nach drei Runden hinter dem Safetycar gab es freie Fahrt. Aber in den ersten drei Kurven nach der Freigabe bestand noch Überholverbot. Danach drehte das Feld weitgehend prozessionsartig seine Runden um den engen Stadtkurs. Nur die beiden Audi-Piloten Martin Tomczyk und Miguel Molina erfreuten das chinesische Publikum mit beherzten Manövern. Vor allem neben der Strecke war es immer noch sehr rutschig. Doch immerhin hatte sich die Stadtregierung dazu entschlossen, alle weißen Markierungsflächen über Nacht abzuschleifen.

Positionswechsel gab es fast nur durch die Boxenstopps. So auch ganz vorn an der Spitze: Di Resta verlor die Führung an Kollege Paffett, weil ein Radwechsel am Auto des Schotten etwas zu lang dauerte. So führte Paffett vor di Resta und Audi-Pilot Scheider an - bis das Rennen und damit die Saison ein überraschendes und abruptes Ende fanden. Wenige Minuten vor Ablauf der Zeit drehten sich Mike Rockenfeller und Susie Stoddart nach einer Berührung. Sie bleiben quer auf der Strecke stehen - die Folge waren die rote Flagge und das Rennende.

Paffett konnte das Rennen zwar gewinnen, doch di Resta sicherte sich mit Rang zwei den Titel. Für Paffett reichte es noch zum zweiten Gesamtrang, Spengler ging in Schanghai leer aus. Der Kanadier, der die Saison so lange dominiert hatte, musste sich am Ende mit Gesamtrang drei begnügen.

"Es war eine lange Saison, in die wir nicht optimal gestartet sind, aber zum Schluss haben wir wirklich gut gekämpft" jubelte di Resta. "Es ist einfach großartig. Ich glaube, ich war einmal Fünfter, Zweiter und Dritter in der Meisterschaft. In diesem Jahr habe ich es geschafft. Ich wusste immer, dass ich es schaffen kann und habe mich immer sehr stark gefühlt. Wir hatten drei Siege hintereinander, haben also viele Punkte geholt. Man muss immer weiterkämpfen und darf nie aufgeben."

"Mit dem Sieg habe ich alles getan, was möglich war. Leider habe ich im Laufe der Saison ein paarmal Punkte liegen lassen, sonst wäre der Kampf mit Paul noch spannender geworden. Glückwunsch an ihn zum Gewinn der Meisterschaft, er ist eine tolle Saison gefahren und hat den Titel verdient", gab sich Paffett fair geschlagen. Unterdessen war Spengler verständlicherweise enttäuscht: "Ich hatte eine gute Saison, aber beim letzten Rennen habe ich im Qualifying leider einen Fehler gemacht. Dadurch war die Meisterschaft fast schon vor dem Rennen entschieden."

Eines blieb beim turbulenten Finale in Schanghai beinahe unbeachtet: David Coulthard, 2010 prominenter Mercedes-Rookie, holte sich mit Platz acht seinen ersten DTM-Punkt und außerdem die schnellste Rennrunde. Der Schotte würde gern auch 2011 fahren, entschieden ist aber noch nichts.

In der Winterpause konzentriert sich die Arbeit der Teams vor allem auf einen Bereich: die Reifen. Denn während die Technik der Autos weiter eingefroren bleibt, gibt es mit Hankook nun einen neuen exklusiven Reifenausrüster. Wer sich am besten auf die koreanischen Pneus eingestellt hat, zeigt sich spätestens am 1. Mai in Hockenheim - denn da startet die DTM in die Saison 2011. Es wird die letzte Saison als "Zweimarkenserie", ab 2012 stößt BMW dazu, auch andere Hersteller sollen Interesse haben.

Fotoquelle: xpb.cc

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