Wolfgang Ullrich ist der starke Mann am Kommandostand bei Audi

DTM 2011

— 03.01.2011

Ullrich: Gemeinsam ist man stärker

Wolfgang Ullrich lenkt bei Audi die Geschicke am Kommandostand - Der Österreicher gibt einige Einblicke in seinen Führungsstil

Am Kommandostand von Audi hält Motorsportchef Wolfgang Ullrich die Fäden in den Händen. Unter seiner Regie haben die Ingolstädter zahlreiche Siege und Titel in der DTM und in Le Mans eingefahren. Der Österreicher verfügt über viel Erfahrung und ist durch die Faszination für Elektromotoren mit dem Ingenieurswesen und schließlich dem Motorsport in Berührung gekommen. Neben der Technik spielt auf den Rennstrecken der Welt auch die menschliche Komponente eine große Rolle.

In Le Mans teilen sich drei Piloten ein Fahrzeug und in der DTM kämpfen neun Lenkradartisten um die Audi-Ehre. Das Geheimnis für den richtigen Umgang mit den Piloten beschreibt Ullrich folgendermaßen: "Ein guter Rennfahrer muss ein Alphatier sein und einen gewissen Egoismus an den Tag legen, sonst wird er sicher kein ganz Großer. Auf der anderen Seite ist es mir glaube ich gelungen, meinen Rennfahrern über die Jahre klarzumachen, dass man gemeinsam immer noch ein bisschen stärker sein kann."

"Das heißt aber nicht, dass man den gesunden Egoismus zum richtigen Moment nicht nutzen kann. Aber selbst als ganz toller Hecht kann man auch einmal einen schlechten Tag haben. Dann wäre es ganz gut, wenn man einige Leute rund um sich hat, die einem an so einem Tag helfen. Das geht aber nur, wenn man auch selbst bereit ist, jemandem anderen zu helfen", sagt der 60-Jährige in 'SWR1'. "In einer guten Familie funktioniert es genauso. Ich versuche eben, es über die Jahre mit meinen Rennfahrern ähnlich abzuwickeln. Ich denke, es ist bisher ganz gut gelaufen."

Am Steuer sind die Piloten ganz in ihrem Element. Um jeden Zentimeter wird gekämpft und es soll immer schneller gehen. Die Suche nach dem absoluten Limit treibt die Fahrer zu neuen Bestleistungen an, doch es läuft nur selten perfekt. "Es kommt immer wieder der Kommentar 'das Auto ist nicht fahrbar' über Funk, obwohl er auf Platz drei von 40 Piloten fährt und nur um zwei Zehntel langsamer ist als seine Vorderleute."

"Das ist im Motorsport schon einiges, aber es kommt bei den Chefingenieuren nicht gut an, wenn man diesen Kommentar abgibt. Das ist natürlich auch die Emotion des Rennfahrers, aber es wurde noch nie nach dem Rennen in einer technischen Sitzung der Ausdruck 'nicht fahrbar' gesagt. Dann wird sehr wohl definiert, was an dem Auto nicht ganz so optimal war und verbessert werden muss."

Neben den Piloten kümmert sich Ullrich auch um alle übrigen Abläufe an der Box. Stress ist immer mit dabei. "Es gibt Leute, die wie ein aufgescheuchtes Huhn mit Hektik und Aktivität versuchen das Problem zu lösen", so der Österreicher. "Der andere Extremfall ist der, dass man es demjenigen gar nicht anmerkt, dass es rundherum lichterloh brennt. Er arbeitet konzentriert, ruhig und löst das Problem rasch und ohne Hektik. Dazwischen gibt es eine große Bandbreite."

"Ich glaube Mattias Ekström ist bei uns sehr cool. Trotzdem weiß ich, dass er sich nach außen hin sehr locker gibt, aber über bestimmte Dinge dann sehr lange nachdenkt. Ich glaube nicht, dass man die Coolness über die Herzfrequenz messen kann. Sie kann eher dafür herangezogen werden wie fit ein Fahrer ist und wie gut er mit einer Stresssituation umgehen kann."

Abgesehen von Markus Winkelhock, der bei seinem einzigen Formel-1-Gastauftritt 2007 auf dem Nürburgring für Furore gesorgt hat, sind in der DTM bei Audi keine weiteren ehemaligen Piloten aus der Königsklasse zu finden. Bisher konnte in den vergangenen Jahren niemand mit ganz großen Erfolgen glänzen, abgesehen von vereinzelten Siegen. Warum ist das so? "Ich glaube das liegt daran, dass einige Fahrer, die in der DTM groß geworden sind, sehr gut sind. Sie haben ihren Weg in der DTM gelernt."

"Für ehemalige Formel-1-Piloten gibt es eine recht lange Lernphase, bis man mit dem spezifischen DTM-Auto klarkommt. Diejenigen, die das parallel machen, entwickeln sich natürlich auch ständig weiter. Es kommt noch dazu, dass die Leute aus der Formel 1 schon eher die etwas älteren Fahrer sind. Wir müssen alle akzeptieren, dass es im Sport immer auch etwas mit dem Alter zu tun hat."

Fotoquelle: xpb.cc

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