Edoardo Mortara kommt als amtierender Champion der Formel-3-Euroserie

DTM 2011

— 25.02.2011

Mortara-Interview: "Ich musste es allen zeigen"

Exklusiv: Audi-Neuzugang Edoardo Mortara über den Druck beim Sichtungstest und die Herangehensweise an die erste DTM-Saison

Für Edoardo Mortara hat sich 2011 schon ein großer Wunsch erfüllt. Der französisch-italienische Rennfahrer wollte nach seinen Erfolgen in der Formel 3 endlich weiter nach oben. Bei der Sichtung von Audi im Dezember in Almeria präsentierte sich der 24-Jährige stark. Der Lohn: Ein Cockpit 2011 im Team Rosberg. Wie Mortara seine neue Aufgabe angehen möchte, verrät er im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Frage: "Edoardo, du hast es geschafft, hast den ersehnten DTM-Sitz bei Audi ergattert. Herrscht bei dir große Erleichterung?"
Edoardo Mortara: "Es ist fantastisch. Ein Platz in der DTM stand für dieses Jahr auf der Wunschliste ganz oben. Ich bin sehr froh und glücklich, dass ich zumindest erst einmal für die Saison 2011 ein Teil der Audi-Familie in der DTM sein darf."

Frage: "Als du im vergangenen Jahr deinen Titel beim Formel-3-Grand-Prix in Macao sensationell verteidigt hast, warst du einerseits sehr glücklich, aber gleichzeitig auch etwas besorgt. Du meintest damals, dass die DTM wohl deine einzige Chance für 2011 sei. Sah es wirklich so bedrohlich aus?"
Mortara: "Ja, so war es. Das lag ganz einfach daran, dass ich nicht das Budget für die GP2 oder andere Kategorien hatte. Obwohl ich gerade den Titel in der Formel-3-Euroserie geholt hatte, waren mir die Türen zu anderen Serien schlichtweg verschlossen."

"Es war nicht einfach. Ich hatte mir aber damals schon die DTM in den Kopf gesetzt, wollte unbedingt dorthin. Ich finde, es ist eine herausragend gute Serie, sehr professionell. Vor allem auch die Anwesenheit von großen Herstellern bedeutet für einen jungen Kerl wie mich, dass sich gute Möglichkeiten für die Zukunft ergeben könnten."

Der Druck bei der Sichtung

Frage: "Du bist also mit reichlich Druck im Nacken in den Sichtungstest von Audi im Dezember in Spanien gegangen. Wie bist du damit fertig geworden?"
Mortara: "Es war nicht ganz einfach, denn mir war klar, dass ich bei diesem Test unbedingt eine gute Leistung zeigen musste. Meine Vorleistungen aus anderen Serien waren absolut keine Garantie für einen Platz in der DTM. Es war also klar, dass ich es allen zeigen musste. Ich musste Audi davon überzeugen, dass sie mich dieses Jahr an Bord holen sollten."

Frage: "Das war bestimmt eine gewaltige Last auf deinen Schultern..."
Mortara: "Ja, einfach war das ganz sicher nicht. Ich muss zugeben, dass ich vor dem Test schon ziemlich nervös war. Mir war völlig klar, dass es wohl meine einzige Chance wäre, die Verantwortlichen von Audi zu überzeugen, dass ich für die neue DTM-Saison die richtige Wahl bin."

Frage: "Bist du dort erstmals ein DTM-Auto gefahren?"
Mortara: "Nein. Man hatte mir glücklicherweise vor dem Almeria-Test die Teilnahme an einem Sechs-Stunden-Rennen in Tschechien ermöglicht. Ich musste mir dort das Auto mit vier Teamkollegen teilen, konnte aber richtig gute Stints abliefern, obwohl es nie die Chance mit frischen Reifen gab. Letztlich konnte ich so wenigstens ein paar Runden im DTM-Auto üben. Aber dennoch kam ich in Almeria als absoluter Neuling in das Auto."

Frage: "Wie war der Wechsel vom Formel-3-Auto in den Audi A4 DTM?"
Mortara: "Ich war wirklich etwas überrascht. Ich hatte mir den Unterschied zwischen einem Formelauto und einem DTM-Wagen ganz anders vorgestellt. Ich hatte vorab einen klassischen Tourenwagen erwartet, mit viel Gewicht und viel Neigung in Kurven. Aber es war ganz anders. Das DTM-Auto ist dem Formel-3-Fahrzeug vom Verhalten her sehr ähnlich. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl, war wirklich überrascht. Solch ein Auto ist toll zu fahren."

Die Ziele im ersten DTM-Jahr

Frage: "Welches Ziel hast du für deine erste DTM-Saison?"
Mortara: "Höchste Priorität hat, dass ich Rennen beende und Erfahrungen sammle. Wenn ich das schaffe, dann schauen wir weiter. Mehr kann ich jetzt kaum dazu sagen. Ich bin im Moment erst noch auf Entdeckungstour in meinem neuen Umfeld. Über präzise Ziele kann ich bisher nicht viel sagen. Sicher ist, dass ich immer mein Bestes geben werde. Ich gehe es Rennen für Rennen an und schaue dann mal, wie konkurrenzfähig ich sein kann."

Frage: "Du bist mit dem ebenfalls unerfahrenen Filipe Albuquerque im Rosberg-Team. Hättest du dir einen erfahreneren Teamkollegen gewünscht?"
Mortara: "Im Grunde ist es doch so, dass Filipe und ich sieben weitere Teamkollegen haben. Ich werde mich auch an den erfahrenen Audi-Piloten orientieren können, von denen lernen. Ich habe zwar bei Rosberg einen unerfahrenen Kollegen an meiner Seite, aber es ist nun ganz und gar nicht so, dass man uns dort mit unseren Aufgaben allein lassen würde."

Frage: "Aber es stehen einige DTM-Lektionen an, die es zu lernen gilt. Wie ist deine Art zu lernen? Gehst du aggressiv nach dem Motto "Learning by doing" heran, oder gehst du gelassen und ruhig an eine solche Aufgabe?"
Mortara: "Aggressivität bringt dich meist nicht weiter. Ich muss es ganz ruhig angehen. Die ersten Rennen werden sicherlich hart, weil es so viel Neues zu entdecken gibt. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich mir die nötige Zeit zum Lernen ganz einfach geben und nehmen muss. Solange man immer versteht, warum etwas passiert, ist man auf dem richtigen Weg. So möchte ich es angehen: mich langsam aber sicher in die Geheimnisse der DTM einarbeiten und das Gelernte dann konsequent anwenden."

Die passend dosierte Aggressivität

Frage: "Wie würdest du deinen persönlichen Fahrstil beschreiben? Bist du ein aggressiver Racer wie Lewis Hamilton oder eher ein präziser und ruhiger Fahrer wie Jenson Button?"
Mortara: "Normalerweise bin ich eher ein Jenson Button, ich habe nämlich einen eher sanften und weichen Fahrstil. Aber natürlich muss man sich immer auch an die jeweilige Situation anpassen. Wenn es also mal erforderlich ist, richtig zu pushen und aggressiv zu sein, dann kann ich das auch. Ich habe keine Angst davor, sondern mache das dann. Es hängt immer von der Situation ab. Ich versuche, immer flexibel zu sein und mich anzupassen."

Frage: "Ist der Einstieg in die DTM zu diesem Zeitpunkt wegen der neuen Reifen 2011 und der neuen Autos 2012 perfekt abgepasst? Stimmt das Timing?"
Mortara: "Das kann man immer schlecht beurteilen. Der Wechsel der Reifenmarke könnte ein Vorteil für mich sein. Alle müssen sich erst auf die neuen Hankook-Reifen einstellen, das wird für alle nicht ganz einfach. Die Erfahrungen mit den vorherigen Dunlop-Pneus helfen jetzt niemandem mehr, alle starten bei Null. Das ist ein Pluspunkt für alle Rookies in diesem Jahr."

"Bezüglich des neuen Reglements und der neuen Autos 2012 kann man noch nicht viel sagen. Es gibt noch nicht so viele Informationen darüber. Ich will mein Bestes geben, um Audi davon zu überzeugen, mich auch im kommenden Jahr im Kader zu behalten. Dafür muss ich aber erst einmal gute Resultate liefern und zeigen, was ich zu leisten imstande bin."

Fotoquelle: Audi

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