Filipe Albuquerque bestreitet 2011 seine erste DTM-Saison für das Audi-Team

DTM 2011

— 03.03.2011

Albuquerque: "Ich will einen guten Job abliefern"

Audi-Neuling Filipe Albuquerque im Interview über seine Verpflichtung für die DTM, seinen bisherigen Karriereverlauf und neue Herausforderungen

Beim Race of Champions 2010 fuhr sich ein junger Portugiese ins Rampenlicht, nun hat er ein Cockpit in der DTM: Filipe Albuquerque zeigte beim Audi-Sichtungstest in Spanien eine solide Leistung und darf sich in dieser Saison im Audi A4 beweisen. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht der 25-Jährige über die Begeisterung in seiner Heimat, den Umzugsstress und seine Pläne für die Premierensaison. Albuquerque erläutert zudem, weshalb er nicht den Red-Bull-Weg ging.

Frage: "Filipe, fühlst du dich gerade rundherum wohl?"
Filipe Albuquerque: "Ja, ich bin gerade daheim in Portugal. Wir haben hier nette 20 bis 25 Grad Celsius, es ist wirklich richtig schön warm. Ich bin in der Woche von Deutschland wieder nach Hause geflogen, kam von minus drei Grad in den Frühling. Das war wie ein positiver Schock. Tut mir leid! Aber es ist vielleicht der einzige Vorteil von Portugal im Vergleich zu Deutschland (lacht; Anm. d. Red.)."

Frage: "Du darfst dich neuerdings auch in deiner Heimat als 'Filipe, Audi-Werksfahrer in der DTM' vorstellen. Klingt gut, oder?"
Albuquerque: "Und wie! Das hört sich einfach wunderbar an. Besser kann es kaum sein."

Frage: "Wie haben Familie und Freunde reagiert?"
Albuquerque: "Alle freuen sich sehr für mich, dass ich es geschafft habe. Die werden bestimmt in der neuen Saison sehr viel DTM im Fernsehen schauen. Ohnehin habe ich in Portugal sehr viele positive Reaktionen gespürt."

"Du hast es verdient', "Filipe, du zeigst bestimmt gute Leistungen' - solche Sätze waren oft dabei. Meine Freunde wollen auch mindestens bei einem Rennen live vor Ort sein. In meiner Heimat gab es tolle Resonanz. Nicht nur von Seiten der Familie und der Freunde, sondern von der gesamten Öffentlichkeit."

Die Resonanz in Portugal ist positiv

Frage: "Also hast du in den Tagen nach der Verkündung deines Audi-Vertrages reichlich Anrufe und SMS erhalten?"
Albuquerque: "Ja, jede Menge. Das liegt unter anderem daran, dass ich in meiner Zeit in der A1GP-Serie für unser Land gestartet bin. Die Fans haben das verfolgt, mein Name ist in Portugal recht bekannt."

"Die werden sicherlich meine Karriere gerne weiter verfolgen. Die DTM ist in ganz Europa sehr bekannt, in Portugal natürlich auch. Man kann auch hier vorm Fernseher mitfiebern. Es ist toll, dass die Fans meine Rennen sehen können."

Frage: "Hast du am Tag deiner Vertragsunterschrift gefeiert?"
Albuquerque: "Ja. Als ich wieder in der Heimat war, habe ich meine Freunde zusammengetrommelt und alle zum Essen eingeladen."

"Viele meiner Freunde starten gerade im Berufsleben durch oder studieren noch. Die haben also alle nicht sonderlich viel Geld. Ich habe sie angerufen und gesagt, dass das Essen dieses Mal auf mich geht. Die haben sich alle sehr gefreut, wir hatten zusammen extrem viel Spaß."

Frage: "Hast du dir selbst auch etwas gegönnt? Ein neues Männer-Spielzeug?"
Albuquerque: "Nein, ich muss mein Geld auch nach der Vertragsunterzeichnung gut zusammenhalten. Derzeit ziehe ich gerade gemeinsam mit meiner Freundin in eine neue Wohnung."

"Das ist ein ganz schön teurer Spaß. Man muss bei solch einem Umzug immer wieder neue Sachen für die neue Wohnung kaufen. Aber wenn das überstanden ist, dann werde ich bestimmt etwas Nettes finden, was ich mir gönnen werde (lacht; Anm. d. Red.)."

Albuquerque geht seinen eigenen Weg

Frage: "Schauen wir kurz auf deinen Karriereverlauf: Bis zum Jahr 2007 schien alles bestens zu laufen. Du hattest Erfolg in der Formel Renault, in der World-Series, warst in der GP2 unterwegs und hast sogar Formel-1-Tests absolviert. Was passierte dann plötzlich?"
Albuquerque: "Ehrlich gesagt, war das schon etwas verrückt. Ich war damals im Förderkader von Red Bull."

"In deren Projekt gibt es eine klare Marschroute: Wenn du deine Ziele erreichst, dann geht die Förderung weiter. Am Ende des Jahres 2007 hatte ich diese Ziele erreicht, vor allem in der Renault-World-Series. Für Red Bull war eigentlich klar, dass alles richtig gut vorangeht. Am Ende kamen sie dann aber seltsamerweise mit dem Vorschlag, dass ich die Formel Nippon in Japan und ein paar Tests fahren sollte."

"Das hat mir nicht gefallen. Mein Manager und ich haben entschieden, dass wir nicht länger Teil dieses Projektes sein wollten. Ich schätze, man wollte damals nicht zwei Jungs gleichzeitig nach vorne bringen. Damals war die Frage, ob Sebastien Buemi oder ich. Er ist im Red-Bull-Kader geblieben, ich hingegen habe meine Karriere damals selbst in die Hand genommen."

"Irgendwie war es ein ganz normaler Vorgang. Sie haben einen Vorschlag gemacht und ich musste entscheiden, ob ich zustimme oder nicht. Ich wollte nicht. Ich fragte, ob ich nicht im Folgejahr in der World-Series auf Titeljagd gehen dürfe, aber sie lehnten ab. So musste ich meinen eigenen Weg gehen."

Das Race of Champions als Karriere-Neustart?

Frage: "Drei Jahre später bist du dann zum Race of Champions in Düsseldorf gekommen und hast dort sensationell im vergangenen November gewonnen. War das - ähnlich wie bei Heikki Kovalainen 2004 - der perfekte Erfolg zum perfekten Zeitpunkt?"
Albuquerque: "Was beim Race of Champions absolut beeindruckt, ist die Präsenz in den Medien. Das ist unglaublich. Nicht nur in Portugal, sondern weltweit."

"Damals haben sich Ex-Teamkollegen und Konkurrenten bei mir gemeldet, die ich seit 2002 oder 2003 nicht mehr gesehen hatte. Die schrieben aus Brasilien, aus den USA oder wo immer sie gerade aktiv waren. Alle haben das Race of Champions gesehen. Die mediale Darstellung war der Hammer. Und das, obwohl es weniger ein ernstes Rennen als vielmehr eine Jahresabschluss-Party ist."

"Dort sind alle großen Namen am Start, dieser Event ist in aller Munde. Es war so gesehen natürlich klasse, dass ich meinen Namen dort im Umfeld all dieser Topleute in die Auslage stellen konnte. Für mich einfach fantastisch, zumindest bezüglich der Bekanntheit."

"Was Audi anbelangt, haben sie mich sicherlich nicht wegen der Leistung von Düsseldorf geholt, sondern wegen meiner Ergebnisse im Rahmen der DTM-Tests. Der Erfolg beim Race of Champions war bestimmt nicht Voraussetzung."

Albuquerque beim Audi-Test - wieder einmal...

Frage: "War der Sichtungstest in Almeria für dich ein Schritt ins Ungewisse?"
Albuquerque: "Nicht ganz, denn ich hatte schon im Vorjahr an der Audi-Sichtung teilnehmen dürfen. Damals war ich schon recht gut unterwegs. Leider waren dort aber andere ebenfalls sehr schnell. Das beste Beispiel ist Miguel Molina. Er hat mich damals ausgestochen. Es hat sich damals letztlich zwischen ihm und mir entschieden, es war richtig eng."

"Als ich im Dezember also zum Audi-Test kam, waren zwar ein paar neue Leute dort, aber mir war nicht alles gänzlich unbekannt. Das Auto war mir auch nicht neu, weil ich schon vorher mal diesen Test bestritten hatte. Dennoch musste ich natürlich auch dieses Mal wieder eine richtig gute Leistung zeigen."

Frage: "Wie groß war der Druck?"
Albuquerque: "Natürlich enorm, weil der Test sehr wichtig war. Wenn du für einen Hersteller wie Audi einen Test bestreiten darfst - und wenn es auch nur ein Rollout ist -, dann willst du die Verantwortlichen mit allen Mitteln von deinen Fähigkeiten überzeugen."

"Es war immer mein Traum, Werksfahrer bei Audi zu sein. So musste ich natürlich alles zeigen, musste einen reibungslosen Ablauf gewährleisten. Es war auf meiner Seite etwas Nervosität und Aufregung mit im Spiel, aber das habe ich in den Griff bekommen."

Am Limit trennt sich die Spreu vom Weizen

Frage: "Du warst zuletzt auch in der italienischen Superstars-Serie mit einem Audi RS4 aktiv. Sind dieser RS4 und dein künftiges DTM-Auto in irgendeiner Form vergleichbar?"
Albuquerque: "Oh, nein! Der Unterschied ist riesig. Man muss einfach sehen, dass bei den Superstars wirklich seriennahe Fahrzeuge am Start sind, um die Kosten gering zu halten."

"Diese Autos haben teilweise schon zehn Jahre auf dem Buckel und bräuchten eigentlich mal dringend ein Update. In der DTM ist es völlig anders, dort sind die Autos nahe an Formel-Fahrzeugen. Man arbeitet in der DTM viel mit Karbon, es gibt viel Leistung und wenig Gewicht. Vielleicht sind die Flügel vergleichbar, aber das war dann auch schon alles."

Frage: "Wie fühlt sich ein DTM-Auto aus deiner Sicht an? Ist es einfach zu fahren, oder eher wie ein ungezähmtes Biest?"
Albuquerque: "Am Limit ist kein Auto einfach zu bewegen. Jeder könnte ein DTM-Auto auf einer Rennstrecke bewegen. Richtig schwierig wird es aber erst im Grenzbereich."

"Wie schwierig das wirklich ist, werde auch ich erst genau wissen, wenn ich beim Test oder Rennen den Vergleich zu den erfahrenen Stammfahrern erlebe. Es sind in der DTM so viele starke Piloten unterwegs, es geht unglaublich eng zu. Einfach wird das für mich sicherlich nicht."

Albuquerque will für Audi gute Leistungen zeigen

Frage: "Wie würdest du deinen persönlichen Fahrstil beschreiben? Aggressiv und hart oder kontrolliert und weich?"
Albuquerque: "Ein bisschen von beiden Arten. Ich bin kein Crashkid, aber insgesamt gehe ich meist doch recht aggressiv ans Werk. Ich bin jemand, der eine starke Vorderachse mag, die gut einlenkt."

"Ich liebe viel Grip vorne, damit ich zackig in die Kurven gehen kann. Ich kontrolliere den Wagen dann im weiteren Verlauf, komme gut mit Übersteuern zurecht. Ich bin wirklich nicht oft in Unfälle verwickelt, also bin ich auch nicht übermäßig aggressiv. In etwa die Mitte also. Ich bin eher ein Hamilton als ein Button, mag mehr Übersteuern als Untersteuern."

"Hoffentlich kann ich damit ähnlich erfolgreich sein wie ein Lewis Hamilton in der Formel 1. Vor allem, wenn man dessen erste Saison in der Formel 1 sieht. Der war sofort im Titelkampf. Ganz so gut wird es aber bei mir wohl nicht laufen. Das wird mir kaum passieren, aber versuchen werde ich natürlich alles."

Frage: "Wie lautet das wichtigste Ziel für 2011?"
Albuquerque: "Ich will einen guten Job abliefern. Ich will einfach zeigen, dass Audi zurecht auf mich setzt. Natürlich würde ich gern in der ersten Saison ein paar Punkte holen. Wenn möglich, dann sogar gern einige Podestplätze. Am allerwichtigsten ist aber, dass der Titel am Ende des Jahres endlich wieder an Audi geht. Die Meisterschaft gehört nach Ingolstadt. Das ist also das vorrangige Ziel."

Fotoquelle: Audi

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