In der neuen DTM-Saison müssen 18 Gridgirls die Startnummern zeigen

DTM 2011

— 25.04.2011

DTM 2011: Die große Castingshow beginnt

Am kommenden Wochenende beginnt die neue DTM-Saison: Gesucht wird nicht nur ein Nachfolger von Champion Paul di Resta - Kampf um die Cockpits für 2012

Ohne China-Rennen, dafür aber mit viel Brisanz und neuen Reifen geht die DTM am kommenden Wochenende in ihre nächste Saison. Eines steht jetzt schon fest: Nach dem Abschied von Paul di Resta in Richtung Formel 1 wird man am Ende des Jahres einen anderen Namen auf den Championspokal gravieren müssen.

"Die abgelaufene DTM-Saison war für unsere Marke und ihre Teams eine sehr erfolgreiche", sagt Norbert Haug. Wie so oft hat der Mercedes-Motorsportchef die entsprechende Statistik gleich zur Hand: "Mit neun Siegen in elf Rennen, der Teammeisterschaft und den Plätzen eins bis drei in der Fahrermeisterschaft war Mercedes mit der C-Klasse im wahrsten Sinne des Wortes die Klasse des Feldes. Wir haben 2011 aber kein Sieg-Abonnement."

Rivale Audi will 2011 zurückschlagen. Die Reifenprobleme sollen der Vergangenheit angehören, dank Hankook kann man sozusagen den Resetknopf drücken. "Diese Saison wird eine der ganz besonders spannenden und engen", sagt Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Wir sind in der Situation, dass nicht alle Fahrer der bisherigen Hersteller im kommenden Jahr dabei sein können."

Das große Casting für 2012

Das Jahr 2011 bezieht zusätzlichen Charme durch einen teaminternen Verdrängungswettbewerb, der nun einsetzen soll. Die Piloten spielen die "Reise nach Jerusalem". Von derzeit neun Cockpits pro Hersteller werden am Ende nur nur sechs für 2012 übrig bleiben. Die Saison 2011 wird also eine Art Castingshow für die besten Piloten. Wer kann sich seinen Sitz für das Folgejahr sichern?

"Ich denke, dies wird die gesamte DTM in diesem Jahr aufwerten. Bei Mercedes ist die gleiche Situation", frohlockt Ullrich. Allerdings wird dieser interne Wettbewerb auch Probleme mit sich bringen können. Persönlicher Erfolg könnte plötzlich vor dem Teamerfolg stehen. "Eines ganz klar: Je enger es zugeht, umso härter wird oft auch gefahren", sagt der Audi-Sportchef.

"Eine härtere Gangart vorauszusagen, da wäre ich aber doch sehr vorsichtig. Jeder weiß genau, dass er nicht mehr die gleichen Chancen wie zuvor hat, wenn er an seinem Auto etwas kaputt macht", folgt die Ermahnung an die Piloten auf dem Fuße. "Wir haben eine Sporthoheit, die ein Auge darauf werfen wird. Wir wollen tollen Tourenwagensport bieten, es soll kein Hauen und Stechen werden."

"Einzelhighlights sind schön und gut, aber man muss über die gesamte Saison konstante Leistungen bringen. Jeder muss im Team seine Stärken vernünftig darstellen können", sagt Ullrich, der beim Casting als "Audi-Jurypräsident" eine Art Dieter Bohlen für die Ingolstädter sein wird. Besondere Last liegt auf den Schultern der Rookies. "Wir haben Fahrer ins Team bekommen, die mit Druck umgehen können", winkt der Österreicher ab und stellt den Neulingen einen Recall in Aussicht.

Wer hat seinen Platz schon sicher?

Die Neulinge Filipe Albuquerque, Edorardo Mortara und Rahel Frey (alle Audi) sowie Renger van der Zande und Christian Vietoris (beide Mercedes) können bei diesem Spiel eigentlich nur gewinnen. "Man hat das schon im Hinterkopf. Aber ich bin hier, weil ich schnell fahren kann", so van der Zande. "Wenn mir das nun in der DTM gelingt, dann kann ich mir vorstellen, dass Mercedes mich behalten wird."

Um wie viele Plätze geht es eigentlich wirklich? Das ist unklar. Sicherlich gelten einige Piloten in den beiden Lagern auch für 2012 als gesetzt. Audi und Mercedes werden bestimmt nicht ausgerechnet jene Piloten vor die Tür setzen, die in Bezug auf die Entwicklung des Autos für 2012 die meiste Arbeit leisten. "Nein, da mache ich mir gar keine Gedanken", gibt sich beispielsweise Mike Rockenfeller entspannt.

Der Audi-Pilot aus Neuwied ist Aufsteiger in den "Neuwagen". Rockenfeller hat somit ohnehin gute Karten. "Ich habe ein volles Programm, fahre nicht nur DTM, sondern auch Sportwagen. Ich versuche, das Beste herauszuholen. Am Ende kann es gut laufen, und ich sitze hoffentlich 2012 wieder in der DTM. Das würde mich freuen. Es kann aber auch sein, dass ich nicht mehr dabei bin. Das muss ich dann auch akzeptieren."

Ihm bliebe somit immerhin noch die Karte Le Mans, die er weiterhin auf der großen Motorsportbühne ausspielen könnte. Zum Drahtseilakt ohne Sicherungsnetz könnte die Saison für Martin Tomczyk werden, der sein Cockpit an Rockenfeller abgeben musste und nun im älteren A4 DTM sitzen muss.

Hankook-Reifen als neue Unbekannte

"Für mich spielt das momentan keine Rolle. Für mich hat diese Saison Priorität. Was danach kommt, werden wir dann sehen", winkt der Bayer ab. Für Tomczyk geht es darum, sich möglichst schnell bei Phoenix einzuleben und die Saison klar als bester Audi-Gebrauchtwagenpilot abzuschließen. Dann hat der erfahrene Audi-Pilot sicherlich gute Karten für das kommende Jahr.

Vieles hängt ohnehin davon ab, wer sich am schnellsten auf die neuen Reifen einschießen kann. Die DTM rollt 2011 nicht mehr auf Dunlop, sondern neuerdings auf Hankook-Pneus. "Beide Hersteller arbeiten mit dem neuen Partner darauf hin, dass wir 2011 einen Reifen haben, der uns nicht überrascht. Ich denke, dass wir uns eine gute Basis erarbeitet haben", sagt Wolfgang Ullrich, dessen Audi-Mannschaft zuletzt oft von Reifensorgen gebremst worden war.

"Die Qualität scheint sehr gut zu sein. Das Fahrverhalten ist anders, aber gut. Wir müssen abwarten", sagt Mike Rockenfeller. "Als wir zuletzt am Lausitzring gefahren sind, da war es ziemlich kühl. Das Gefühl für die Reifen kann sich bei warmen Temperaturen völlig ändern. Als es kühl war, waren wir gut. Wir wissen nicht, wo die anderen bezüglich der Reifen stehen. Das werden wir erst in Hockenheim sehen."

"Ich bin zuversichtlich, dass der Reifen zu unserem Auto passt", sagt der Neuwagen-Neuling, der mit seiner Aussage die gleiche Richtung anstimmt wie seine Abt-Kollegen Mattias Ekström und Timo Scheider. Die Hoffnungen von Audi liegen erheblich im Bereich Reifen. "Die Reifensätze haben bisher überhaupt keine Schwankungen, sie sind schnell im passenden Betriebsfenster", lobt Rockenfeller.

Perfektes Einstiegsjahr für Rookies?

"Die Zeiten waren bei den Tests unglaublich eng zusammen. Das macht die Sache für uns alle nicht leichter", fügt der Le-Mans-Sieger an. "Wenn du die kleinste Kleinigkeit falsch machst, dann bist du jetzt noch weiter hinten als in der Vorsaison." Der neue Reifen könnte grade für die Rookies somit Fluch und Segen zugleich sein. Einerseits ist der Wissensrückstand nicht mehr so groß, auf der anderen Seite fehlt die Erfahrung bezüglich der nötigen Setups.

"Die Reifen sind nicht so viel anders als zuvor. So habe ich es zumindest von den anderen Fahrern gehört", relativiert van der Zande. "Es ist für Rookies dennoch immer ein Vorteil, wenn ein ganz neuer Reifen kommt. Die erfahrenen Piloten müssen auch erst lernen, damit zu fahren. Somit ist der Kenntnisstand vor der Saison in etwa gleich", meint der Niederländer.

"Ja, auf jeden Fall", stimmt Rahel Frey zu, "denn alle beginnen fast bei null." Auch Filipe Albuquerque sieht darin eine große Chance: "Ich gehe also mit dem gleichen Wissensstand an die Sache heran. Das ist gut für mich und auch für meinen Teamkollegen Edoardo Mortara. Wir müssen diese Chance nutzen." Besondere Spannung könnte es bei wechselnden Bedingungen geben, denn Hankook hat für die DTM Regenreifen und Intermediates parat - es kann gepokert werden.

Wer hat im gesamten DTM-Spiel 2011 das beste Blatt? Bei Mercedes sieht man Gary Paffett nach zwei Vizemeisterschaften in Folge als die Speerspitze. Der Brite hat nach eigener Aussage Jamie Green und Bruno Spengler aus dem eigenen Lager, Mattias Ekström und Timo Scheider aus dem Lager von Mercedes auf der Rechnung. Die Entscheidung fällt in zehn Saisonrennen, zusätzlich absolviert die DTM im Juli einen Showrun im Münchener Olympiastadion.

Fotoquelle: xpb.cc

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