Ralf Schumacher grüßt zum ersten Mal in der DTM vom Podest

DTM 2011

— 01.05.2011

Ralf Schumachers "Ego-Befriedigung"

Ralf Schumacher hat seinen ersten Podestplatz in der DTM geholt und ist erleichtert, von einem Durchbruch will er aber nicht sprechen

Über fünf Jahre musste Ralf Schumacher darauf warten, wieder auf dem Podest zu stehen. In der Formel 1 kletterte er zuletzt 2006 in Australien auf das Treppchen. Nun ist es auch der DTM soweit. Mit Platz drei in Hockenheim feiert er in seinem vierten DTM-Jahr seinen ersten Podiumsplatz.

Schumacher selbst konnte sich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann er zuletzt auf dem Podium war. Als er es gesagt bekommt, staunt er: "Schon so lange her? Schau an....wow, na dann." Er fügt aber schmunzelnd an: "Wobei, ich war im Kartrennen schon ein bisschen früher, vergangene Woche, also von daher..."

Der Mercedes-Pilot war von Platz drei aus ins Rennen gegangen und hielt sich auf dieser Position auch. In der letzten Runde wurde es aber knapp richtig knapp. Die beiden Audi-Fahrer Timo Scheider und Martin Tomczyk waren immer näher herangekommen - schlißelich kam Schumacher mit einer Zehntelsekunde Vorsprung auf dem Podiumsrang ins Ziel.

"Das waren meine eigenen Fehler, die ich da ein bisschen gemacht habe, Zeit verloren habe, ich habe ihnen immer wieder die Gelegenheit gegeben", räumt er ein. "Schneller waren wir schon, aber warum auch immer habe ich da ständig ein stehendes Rad gehabt, und das hat ziemlich viel Zeit gekostet. Gott sei Dank konnte ich meine Position halten bis zum Schluss. Von daher bin ich da recht happy. Ich glaube, eins und drei ist ein Anstand nach Maß für das Team, und wir hoffen natürlich, dass wir so weitermachen können."

Dass der Podestplatz dieses Mal möglich ist, war Schumacher "eigentlich die ganze Zeit" über klar. "Ich habe gemerkt, dass es eigentlich hätte schneller gehen können", berichtet er über sein Rennen. "Teilweise war Mattias Ekström im Weg, dann kamen sie von hinten. Der Tomczyk hat auch ein super Rennen gefahren. Er war teilweise sogar auch ein bisschen schneller dann und hat Druck gemacht. Aufgrund der Strategie war er dann Gott sei Dank wieder hinter Timo. Das war auch noch einmal gut, denn ich denke, er hätte mehr Druck ausüben können als Timo. Klar war mir das schon - nur mir war auch klar: Wenn ich Fehler mache, ist das schnell vorbei."

Die letzten Kurven waren für ihn im Cockpit dann aber genauso spannend wie für die Zuschauer. Scheider rückte ihm sehr gefährlich nahe. "Es wurde auch eng, aber Timo ist zwar ein sehr harter Gegner, aber ein sehr fairer Gegner, auf den man sich auch verlassen kann und der im Gegensatz zu vielen anderen hier im Feld wenige Dummheiten macht. Denn er ist einfach auch schon so lang dabei und weiß, dass Punkte manchmal mehr sind, weil es viele Rennen gibt."

Nach drei langen Jahren in der DTM steht Schumacher nun also zum Start in seine vierte Saison auf dem Podest. Drei Jahre, in denen er von vielen Seiten Kritik einstecken musste. "Grundsätzlich sind wir froh, dass es jetzt mal geklappt hat, es hat ja lang genug gedauert. Klar, die Nachfragen waren auch berechtigt, weil eben die Ergebnisse einfach nicht da waren. Von daher bin ich jetzt froh, dass wir zumindest es mal ansatzweise zeigen konnten, und gleich am Anfang der Saison", bestätigt er, schränkt aber sofort ein: "Aber die Saison ist ja noch lang, und das heißt ja nicht, dass es in Zandvoort genauso gut ist. Da müssen wir mal schauen."

Er selbst ist in den vergangenen Jahren nicht an dem Punkt angelangt, an dem daran zweifelte, Erfolg haben zu können: "Gut, ganz am Anfang war es natürlich so, dass es ganz weit weg war. Und da hatte ich auch immer meine direkten Teamkollegen als Vergleich, Maro zum Beispiel. Da war kein großer Unterschied, ganz im Gegenteil. Von daher war ich da ganz beruhigt. Im vergangenen Jahr war es am Anfang schwer, aber Gott sei Dank ging es dann Mitte des Jahres los.

Aber viele andere hatten Zweifel: Fans, Journalisten, Experten. Die Kritik, die es in den vergangenen Jahren an ihm hagelte, interessiert ihn aber nicht. "Das hat nichts mit Arroganz zu tun, aber ich bin wirklich so egoistisch, dass mir das von außen eigentlich wirklich egal ist", erklärt er. Von daher gehe es ihm nun auch nicht darum, es den Kritikern gezeigt zu haben: "Das ist nur eine reine Ego-Befriedigung, wenn ich ehrlich sein muss."

"Ich habe mir immer gesagt: 'Okay, das würde ich jetzt gerne irgendwie hinkriegen'", erklärt Schumacher. "Vergangenes Jahr waren ja Gott sei Dank die Zeiten schon einmal da. Dass man es nun ergebnistechnisch umsetzen konnte, ist natürlich sehr schön. Das freut mich wahnsinnig für mein Team." Denn er gibt zu: "Ich muss ganz ehrlich sagen, so viel Geduld hätte ich als Teamchef bei Mücke mit meinen Fahrern nicht. Aber da sind Norbert Haug und seine Truppe genauso wie Gerhard Ungar und HWA sehr umsichtig gewesen mit mir."

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hat an Schumacher festgehalten und immer betont, dass Schumacher den Platz bei HWA verdient habe. Heute bekam er dafür eine Bestätigung. "Er ist fantastisch gefahren, es war sehr beeindruckend", freut sich Haug. "Nicht nur Dritter am Start, sondern auch Dritter im Ziel, mit ein bisschen mehr Glück hätte Platz zwei daraus werden können. Er war unter Bedrängnis, aber hat immer mit Timo Scheider einen mehrfachen Meister hinter sich gehalten. Er hat es im Griff gehabt und hat gezeigt, dass er ein großer Rennfahrer ist."

Freude und Lob vom Chef, aber Schumacher selbst hütet sich vor zu großer Euphorie. Und er würde den heutigen dritten Platz auch nicht als Durchbruch bezeichnen. "Letztes Jahr waren sicherlich auch schon vordere Plätze drin. Und dann ist hier und da mal was passiert, was halt im Team geblieben ist, aber wo ich nicht so viel dafür konnte, oder eigentlich gar nichts. Von daher hat es jetzt einfach mal funktioniert."

Einen großen Anteil habe der neue Reifen. Schumacher schließt sich den Piloten an, die viel Lob für den Pneu von Hankook parat haben: "Ich denke, dass der neue Reifen mir grundsätzlich ganz gut liegt, denn das Auto ist ja gleich geblieben. Der Reifen vermittelt einfach mehr Grip. Es ist halt ein Rennreifen im Gegensatz zu dem, was wir mal hatten."

Nun geht es weiter nach Holland. Bereits in zwei Wochen steht das nächste Rennen in Zandvoort an. Ob es auf dem Dünenkurs für ihn genau so gut laufen wird wie in Hockenheim, weiß Schumacher aber noch nicht. "Das ist mit dem neuen Reifen auch wieder eine neue Strecke, da müssen wir mal abwarten", erklärt er. "Bis jetzt war es nicht immer meine Lieblingsstrecke, zumindest seit der DTM, letztes Jahr ging es schon ein bisschen besser. Und wenn das Auto wieder so funktioniert wie im letzten Jahr, dann hoffe ich schon, dass wir die vorderen Plätze wieder belegen können - als Team. Ob ich das jetzt gerade bin, das bleibt noch abzuwarten."

Fotoquelle: xpb.cc

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