Die Emotionen hielten sich bei Mike Rockenfeller trotz des Sieges in Grenzen

DTM 2011

— 15.05.2011

Rockenfeller "erleichtert", aber ohne große Emotionen

Endlich "Rocky": Nach schwierigen Jahren klappte es gleich beim zweiten Start in einem Audi-Neuwagen mit dem ersten Sieg in der DTM

"Ich bin erleichtert", sagt Mike Rockenfeller nach seinem ersten DTM-Sieg im Interview mit 'Motorsport-Total.com', aber "das ist auch schon alles", meint der Abt-Audi-Neuling cool. Denn: "Es ist nicht der erste Sieg in meinem Leben, nur der erste in der DTM - aber ich sitze ja auch zum ersten Mal in einem A-Auto."

44 Anläufe hat der 27-Jährige gebraucht, um heute in Zandvoort erstmals ein DTM-Rennen zu gewinnen. Dabei hatte seine Karriere 2007 wie im Bilderbuch begonnen, als er schon im zweiten Lauf in Oschersleben vom Podium herunterlächelte: "Mike ist in seinem zweiten Rennen auf dem Podium gestanden - zwar nur als Dritter, aber immerhin war das ein Zeichen, dass da was kommen wird", erinnert sich der stolze Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich.

Sieg nach langer Durststrecke

Doch 2007, 2008 und 2009 fuhr "Rocky", wie der sympathische Neuwieder genannt wird, nie wieder auf das Podium - erst nach dem Wechsel von Rosberg zu Phönix gelang ihm beim zweiten Hockenheim-Lauf 2010 eine Wiederholung dieses Kunststücks. Der Sieg heute ist für ihn trotzdem "keine Überraschung, aber eine Erleichterung. Ich weiß, wie lange es dauern kann, bis man den nächsten hat."

"Daher genieße ich den jetzt mal und versuche zu kämpfen, damit es nicht allzu lange dauert, nochmal zu gewinnen", lächelt er. Ullrich ergänzt: "Er hatte zwei harte Jahre, auch bei den Sportprototypen, als es in Le Mans wirklich nicht gut gegangen ist. Aber seit Beginn des vergangenen Jahres hat er die Stabilität und den Lauf. Ich glaube, wir können ihm sehr, sehr viel zutrauen. Ich tue es auf jeden Fall und ich freue mich, dass wir ihn bei uns in der Mannschaft haben."

Dabei hatten die meisten Audi-Fans heute eher mit Timo Scheider gerechnet, dessen Longruns in den Freien Trainings und im Warmup am stärksten aussahen. Doch Rockenfeller sagt selbstbewusst: "Mein Longrun im Warmup war der beste von allen Audi-Neuwagenfahrern." Dass er als Werksfahrer plötzlich eine neue Siegermentalität ausstrahlt, zeigt sich auch daran, dass er wenig Emotionen preisgibt, sondern nüchtern analysiert: "Die zehn Punkte sind wichtig für die Meisterschaft."

Den Grundstein legte Rockenfeller schon am Start, als er Jamie Green überholte und sich auf die Verfolgung von Bruno Spengler machte. Dann wechselte er in der elften Runde auf einen neuen Reifensatz - zwei Runden vor Spengler, der dadurch zurückfiel. Rockenfeller selbst betont im Nachhinein, er habe schon am Start "erstmal nach vorne geschaut. Das Ziel war, nach vorne zu kommen. Der Start war gut und dann brauchte ich nicht viel in den Rückspiegel zu schauen."

"Ich bin sehr zufrieden", atmet er auf. "Ein tolles Rennen, vom Start weg. Ich glaube, der Grundstein war, einen guten Start zu haben und Jamie zu überholen. Den Rest hat dann mein Team am Kommandostand gemacht. Ich konnte mit dem zweiten Satz nach dem frühen ersten Stopp wirklich eine gute Pace gehen, war dann am Bruno vorbei - und ab dann habe ich zumindest versucht, das Rennen zu kontrollieren."

Alles unter Kontrolle

"Ich denke, die Pace war sehr ähnlich, aber jeder weiß, dass es hier auf dieser Strecke sehr schwierig ist, zu überholen", meint der Abt-Audi-Pilot. "Der Abstand war eigentlich immer groß genug. Von daher genieße ich den Tag, und freue mich, gerade nachdem es in Hockenheim im Rennen so schwierig war, nach einem guten Qualifying, jetzt hier das Qualifying auch mit ins Rennen zu nehmen. Zehn Punkte sind gut, der erste Sieg in der DTM - das freut mich sehr."

Beim Überfahren der Ziellinie habe er "eine große Erleichterung gespürt. Wenn man es einmal geschafft hat, dann ist der Druck künftig glaube ich ein bisschen geringer. Denn jeder hat gesehen, dass du es kannst, wenn du das passende Auto hast. Deshalb habe ich den Moment einfach genossen, gesehen, wie meine Mechaniker die Fahnen geschwenkt haben. Das wird ein großartiger Tag - und hoffentlich eine großartige Nacht!"

Seine Gefühle in Worte zu fassen, sei "nicht so einfach", erklärt Rockenfeller und gesteht: "Ehrlich gesagt habe ich nicht mit dem Sieg gerechnet. Nach dem Warmup, in dem wir ein paar Probleme hatten, dachte ich, es wäre gut, wenn ich den dritten Platz halten kann." In den letzten Runden fiel es ihm dann nicht mehr schwer, gelassen zu bleiben: "Es war nicht das erste Rennen in meiner Karriere, das ich angeführt habe", winkt er ab.

"Das Gute war, dass Martin ein bisschen gegen Bruno gekämpft hat. Von daher wusste ich, dass ich nur das Auto auf der Strecke halten und cool bleiben muss. Das hat geklappt", sagt Rockenfeller. "Das Auto war mit allen drei Satz Reifen gut zu fahren. Das Einzige, wo ich ein bisschen nervös wurde, war, als es zu nieseln begann, denn dann kann man nie wissen. Wenn es mehr wird, kann man alles verlieren. Deshalb war ich froh, dass es trocken geblieben ist."

Weniger Sorgen bereitete ihm hingegen der zweite Boxenstopp in der 24. von 41 Runden, bei dem er die eine oder andere Sekunde liegen ließ und daher nur knapp vor Spengler wieder rauskam. Aber: "In dem Moment, als ich vor ihm auf die Strecke bin, war mir eigentlich klar, dass ich die Pace hatte", so Rockenfeller in der 'ARD'. "Wir haben den zweiten Stopp auf Nummer sicher gemacht, sehr lange getankt, damit auch genügend Sprit im Auto ist. Dann konnte ich das Rennen kontrollieren."

Erster Sieg mit neuem Renningenieur

"Mein Team und mein Ingenieur haben am Auto die richtigen Entscheidungen getroffen", lobt der Deutsche seine Crew und damit auch seinen neuen Renningenieur Dominik Quosdorf, früher Dateningenieur am Tomczyk-Audi. Noch in Hockenheim hatte Rockenfeller erklärt, dass es wohl ein bisschen dauern werde, bis er mit seinem neuen Mann am Kommandostand perfekt harmoniert, doch davon war heute in Zandvoort nichts mehr zu sehen.

"Es sieht immer leicht aus, wenn man gewinnt, aber es ist trotzdem schwierig", relativiert er gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Da ist immer noch Bedarf, aber ich glaube, das wird mehr und mehr zusammenwachsen. In Hockenheim war das Auto im Rennen nicht gut, aber wir wissen auch den Grund. Von daher hätten wir dort schon ein gutes Ergebnis zeigen können. Jetzt hat es hier geklappt, von daher bin ich umso zufriedener, dass sogar ein Sieg dabei herausgekommen ist."

Einer, über den sich sogar die Konkurrenz freut: "Einfach fantastisch. Er hat schon einige Langstreckenklassiker gewonnen - Le Mans, Daytona -, also verdient er es", gratuliert Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Das muss ein grandioses Gefühl sein. Er war absolut top und hat das Rennen kontrolliert. Es war ein Klassiker. Es ist so eng, so hart umkämpft und so überraschend. Das war eines der wirklich tollen DTM- und Zandvoort-Rennen."

Übrigens hat "Rocky" nach dem heutigen Tag eine neue Glückszahl - und zwar nicht die 44 für sein 44. DTM-Rennen, sondern die Neun, die als Startnummer auf seinem Audi prangt: "Im vergangenen Jahr habe ich Le Mans und Daytona gewonnen und nun mein erstes DTM-Rennen - mit der Nummer neun auf dem Auto. Also ist das meine Glückszahl", erklärt der 27-Jährige, in der Meisterschaft nun schon Gesamtzweiter.

Nach der Party, die heute Abend bevorsteht, geht es für den Mann der Stunde allerdings hektisch weiter: Test mit dem Audi R18, dann VLN im R8 und Anfang Juni wieder DTM auf dem heute eröffneten Red-Bull-Ring. Da bleibt "nicht viel Zeit für mich zum Durchatmen, aber das ist eigentlich schon seit ein paar Monaten so", winkt Rockenfeller ab. Und als Sieger geht einem sowieso so manches leichter von der Hand...

Fotoquelle: xpb.cc

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