Martin Tomczyk geht in dieser Saison besonders cool zu Werke

DTM 2011

— 12.07.2011

Tomczyk: Erfolgsfaktor Coolness

Martin Tomczyk ist in der DTM der Mann der Stunde - Der Rosenheimer feiert beim Show-Event in München sein Heimspiel

Erst "Jabadabadu", dann "Jeckidijeckidi-yeah": Audi-Werksfahrer Martin Tomczyk und das Phoenix-Team schwimmen in der DTM auf einer Welle des Erfolgs und von Freudenschrei zu Freudenschrei. Fünf Rennen, vier Mal auf dem Podium, zwei besonders süße Siege - nach zehn DTM-Jahren startet Tomczyk in der Topliga des Tourenwagensports zum ersten Mal mit einer anderen Mannschaft und mit Material älteren Jahrgangs.

Beim Audi-Team mit Sitz in der Nähe des Nürburgrings hat der 29-Jährige eine neue sportliche Heimat gefunden. Und die nötige Lockerheit, seinen Nummer-eins-Status routiniert in Top-Ergebnisse umzusetzen. Ein Porträt des sympathischen Bayern, der in der härtesten DTM-Saison der Neuzeit Coolness als Erfolgsfaktor etabliert.

Was Tomczyk nach dem Wechsel vom Abt-Team zu Phoenix als Erstes aufgefallen ist? "Teamchef Ernst Moser ist ein extrem leidenschaftlicher und akribischer Motorsportler", sagt Tomczyk. "Das überträgt sich unmittelbar auf das gesamte Team, das mit jeder Menge Herzblut voll bei der Sache ist. Deshalb habe ich mich dort auch sofort wohlgefühlt."

Für den Rosenheimer war der Wechsel zu Phoenix nach Jahren im Werksteam alles andere als ein Kulturschock. Familiäre Atmosphäre kennzeichnet beide Mannschaften. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. "Während man bei Abt in der DTM fünf Autos einsetzt, sind es bei Phoenix nur zwei", so Tomczyk. "Dadurch genieße ich dank meiner Erfahrung aus den vergangenen Jahren und dem, was ich bei den 'Äbten' gelernt habe, das volle Vertrauen der gesamten Truppe und bin als der routiniertere Fahrer von zweien der Teamleader."

Ohne Druck bei Phoenix

Für Tomczyk ein angenehmer Druck. Denn mit dem Wechsel zu Phoenix stand auch der Wechsel zurück zum Audi A4 DTM älteren Jahrgangs auf dem Programm. Mit einem Schlag veränderten sich über den Winter Zielsetzung und eigene Erwartungshaltung. "Für mich sind bei Phoenix gleich drei Dinge neu: einen älteren A4 DTM zu fahren, das Team, mein Renningenieur. Ich kann ohne Druck von Rennen zu Rennen denken und Spaß am Rennfahren haben. Und genau das genieße ich im Moment."

Doch wird sich das nach dem Erfolg in der ersten Saisonhälfte, die Tomczyk als Tabellenzweiter mit nur drei Punkten Rückstand zum Spitzenreiter als bester Audi-Pilot abgeschlossen hat, nicht ändern? "Auf gar keinen Fall. Ich bin lange genug in der DTM, um zu wissen, wann es Zeit ist, nervös zu werden, und wann es besser ist, die gewisse angespannte Lockerheit zu bewahren."

Seine Ausgeglichenheit und Lockerheit holt sich Tomczyk in der Freizeit zwischen den Rennwochenenden. Faktor eins: seine Verlobte Christina Surer, mit der er gemeinsam in der Nähe von Basel in der Schweiz lebt. Faktor zwei: seine Freunde, die er regelmäßig in der Heimat Rosenheim besucht.

"Christina hat einen ähnlich vollen Terminkalender wie ich. Doch wir verstehen es, die gemeinsame Freizeit, die uns bleibt, zu genießen und vom Rennalltag abzuschalten. Christina kennt den Motorsport genau und ist dort wie ich zu Hause. Und doch dreht sich bei uns nicht alles um Motoren, Reifen und Benzin. Das empfinde ich als äußerst angenehm. Zudem harmonieren wir am Rennwochenende gut miteinander, denn Christina weiß genau, wann sie mich besser nicht anspricht und wann und wie sie mich motivieren kann."

Jung und doch schon routiniert

Tomczyk gehört als "Twen" zur jüngeren Fahrergeneration der DTM - und zählt doch zu den routiniertesten. Nur seine Audi-Markenkollegen Timo Scheider und Mattias Ekström können mehr Rennstarts vorweisen. Seine Erfahrung gibt Tomczyk gern weiter. Mit Rahel Frey hat er bei Phoenix einen Serien-Neuling als Teamkollegin.

"Rahel ist eine Racerin durch und durch. Doch mit nur wenigen Tests vor der Saison hat sie es nicht leicht, in der DTM Fuß zu fassen. Ich versuche, ihr die richtigen Tipps zu geben", sagt Tomczyk. "Wir leben bei Audi seit Jahren ein offenes Verhältnis - genau das setzen wir auch bei Phoenix um."

Das Phoenix-Team, das seinen Sitz in Meuspath einen Steinwurf von der legendären Nürburgring-Nordschleife entfernt hat, besucht der Harley-Fan so häufig wie möglich. "Vor der Saison abseits des hektischen Rennalltags war das sicher häufiger der Fall, aber ich richte es so gut es geht ein", so Tomczyk.

Die Herzen der Mechaniker und Ingenieure eroberte Tomczyk gleich mit dem ersten Arbeitstag im Sturm. Von Teamchef Moser ließ er sich ein Organigramm der Mannschaft nebst Fotos und Spitznamen der Beteiligten schicken, um sie von Beginn an mit Namen ansprechen zu können und zu wissen, welche Rolle sie in der Mannschaft einnehmen. "Das gehört für mich ganz selbstverständlich zum guten Ton und ist eine Frage des Respekts", so Tomczyk.

Neues Hobby: ein DJ-Pult

Ein besonderes Verhältnis hat er zu seinem neuen Renningenieur Jürgen Jungklaus entwickelt. "Jürgen ist ein echter Ruhepol", so Tomczyk. "Das schätze ich sehr, denn während die DTM und die Rennen hektisch genug sind, wählt er eine besonnene Ansprache. Er weiß, dass es auf Kleinigkeiten ankommt, und arbeitet sehr gewissenhaft und präzise."

Tomczyk gilt als begeisterter Technik-Fan. Seine neueste Anschaffung ist sehr nach dem Geschmack seiner Freunde: ein DJ-Pult, das auf die neueste Technik und digitalisierte Musik ausgerichtet ist. Ob man Tomczyk eines Tages bei der DTM "auflegen" sehen wird - so wie seinen damaligen Teamkollegen Laurent Aiello? "Auf gar keinen Fall", lacht Tomczyk. "Professionelle DJs haben meinen vollen Respekt, denn leicht ist die Sache ganz und gar nicht."

Ohnehin werden Rennerfolge bei Phoenix auf eine ganz eigene Art und Weise gefeiert. Auf "Jabadabadu" beim Sieg in Spielberg folgte "Jeckidijeckidi-yeah" nach dem Lausitzring-Erfolg - jeweils als Freudenschrei von Tomczyks Renningenieur Jürgen Jungklaus per Boxenfunk übermittelt.

"Da ist Jürgen richtig aus sich rausgegangen. Einfach toll. Für das Team waren es nach langer Zeit auch die ersten Siege in der DTM und die ersten mit Audi. Entsprechend emotional ging es zu", verrät Tomczyk. "Ich glaube, dass sich das Team aber schnell daran gewöhnt hat."

Kein Grund, die 2011 neu gefundene Lockerheit zu verlieren. Und was als nächster Freudenschrei im Falle eines möglichen Sieges durch den Äther schallt? Besser, bei der Zieldurchfahrt genau hinzuhören.

Fotoquelle: xpb.cc

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