BMW Motorsportdirektor Jens Marquardt sieht das DTM-Projekt voll im Plan

DTM 2011

— 21.07.2011

Marquardt: "Sind absolut im Plan"

BMW Motorsportdirektor Jens Marquardt gibt Einblick ins Entwicklungsprogramm des BMW M3 DTM und schildert die Herausforderungen beim Comeback

In der vergangenen Woche wurde das BMW M3 DTM Concept Car in München der Öffentlichkeit vorgestellt, nachdem zuvor die ersten Testfahrten in Oschersleben noch unter Ausschluß dieser stattgefunden hatten. Bis zum ersten Rennen im Frühjahr 2012 sieht BMW Motorsportdirektor Jens Marquardt noch jede Menge Arbeit auf die BMW Mannschaft zukommen.

Im Interview spricht Marquardt über den aktuellen Stand des Entwicklungsprogramms, die Erkenntnisse der ersten Testfahrt, weitere Zeitpläne und die Herausforderungen für einen neuen Hersteller.

Frage: "Das Auto ist vorgestellt, die Fahrer sind begeistert. Wie wichtig war dieser Schritt?"
Jens Marquardt: "Das ist natürlich ein Riesenschritt. Dass das Auto fertig geworden ist, ist für uns der erste große Schritt. Emotionen weckt man bekanntlich nur über Hardware. Aus diesem Grund war es wichtig, dass wir das Auto jetzt zeigen und ein paar Emotionen wecken konnten. Wir haben darauf hin gefiebert. Was unsere Fahrer Augusto und Andy betrifft, so ist es ein wichtiger Meilenstein, dass wir auf diesem Gebiet Kontinuität haben und mit ihnen weitermachen werden. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass noch ein Haufen Arbeit vor uns liegt. Wir sind motiviert und haben Spaß an dem Ganzen, aber wir wissen auch, dass es noch ein langer Weg ist."

Frage: "Wie ist der aktuelle Stand der Entwicklung?"
Marquardt: "Es ist noch sehr viel zu tun. Das Reglement noch nicht bis zum letzten Satz geschrieben, sondern wird gerade finalisiert. Da ist es sicherlich hilfreich, dass das Auto schon einmal gelaufen ist und wir bereits ein erstes Feedback vorliegen haben. Das Auto, das im nächsten Jahr auf dem Grid stehen wird, wird in vielen Bereichen sicherlich deutlich anders aussehen als das Konzeptauto."

Frage: "Wie viele Tests stehen in diesem Jahr noch an?"
Marquardt: "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich wüsste es genau. Wir werden sicherlich noch ein paar Fahrten unternehmen. Ab September werden wir dann mit Audi und Mercedes gemeinsam testen. Ich weiß aus dem Stegreif nicht, wie viele Tage es genau sind. In diesem Jahr wird noch bis Dezember getestet. Dann geht es im Januar wieder los und weiter bis zum ersten Rennen."

Frage: "Beim Test in Oschersleben waren in einigen Bereichen noch nicht die endgültigen Komponenten verbaut. Hat es da überhaupt schon Sinn gemacht, in die Abstimmungsarbeit einzusteigen oder ging es zunächst nur darum zu sehen, wie gut alles funktioniert?"
Marquardt: "Man kann auf Prüfständen testen und alles Mögliche simulieren. Schlussendlich ist es aber nur dann reell, wenn die Teile im Auto eingebaut sind und auf einer Rennstrecke getestet werden. Natürlich ist es im Moment nicht unser Ziel, irgendwelche Setup-Tricks herauszufinden und irgendeine Performance aus dem Auto herauszukitzeln."

"Uns geht des momentan darum, das Auto zu verstehen und dabei insbesondere zu verstehen, wie das Auto reagiert. Wichtig ist, den Fahrern ein Gefühl dafür zu geben und Systeme testen zu können: Kilometer fahren und danach schauen, ob wirklich alles so ist, wie wir uns das vorstellen. Es gibt jede Menge Anpassungsarbeit. Der Antriebsstrang und das Getriebe müssen auf den Motor abgestimmt werden. Für uns ist beides brandneu. Insofern gibt es viel Arbeit, die in der Applikation auf der Strecke stattfinden muss."

Frage: "Ein ganz wichtiger Aspekt im Motorsport ist der Reifen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen BMW und Hankook?"
Marquardt: "Da gilt das Gleiche wie bei den anderen Komponenten. Für uns ist es wichtig, dass wir den Reifen jetzt einmal fahren, kennenlernen und damit Erfahrung sammeln können. Wir schauen noch nicht in Richtung Performance, sondern trainieren zunächst die Zusammenarbeit mit Hankook und da vor allem mit den Leuten. Dadurch, dass sich das Auto in Bezug auf die aerodynamischen und auch auf die mechanischen Komponenten noch stark entwickeln wird, macht es überhaupt noch keinen Sinn, auf irgendwelche Performance-Geschichten zu schauen."

"Die Reifen sind auf dem Auto drauf und wir sehen, wie sich die Rundenzeiten verhalten, wenn wir nichts am Auto verändern und ein paar Long-Runs fahren. Das ist Basiserfahrung, die wir sammeln und hat mit dem Performance-Ziel für die kommende Saison im Moment überhaupt nichts zu tun."

Frage: "Wurde in Oschersleben mit den Dimensionen der Reifen für 2012 gefahren?"
Marquardt: "Ja, das Auto ist dafür entwickelt. Da würde gar nichts anderes drauf passen."

Frage: "Wie viele Kilometer sind bis jetzt absolviert worden?"
Marquardt: "Da müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, ich wüsste es genau. Ich glaube wir haben mittlerweile insgesamt knapp 1.000 Kilometer geschafft. Die Ziele für die einzelnen Bauteile sind natürlich deutlich höher, weshalb es noch ein weiter Weg ist."

Frage: "Wie hat sich der Motor, der für BMW absolutes Neuland ist, bei der Testfahrt bewährt?"
Marquardt: "Wir haben sicherlich auf den Prüfständen schon einiges an Erfahrung mit dem Motor gesammelt. Ich denke, wir haben eine Abstimmung, mit der man sehr gut Basistests durchführen kann. Wir lernen die Abstimmung für den gesamten Antriebsstrang und auch was das Getriebe angeht. Bisher hatten wir in diesem Bereich keine Probleme, aber auch hier gilt: Performance ist im Moment nicht das Ziel. Wichtig ist für uns, so viel wie möglich mit dem Auto zu fahren und so viel wie möglich Erfahrung zu sammeln."

Frage: "Wie viele Stunden stand der Motor auf dem Prüfstand?"
Marquardt: "Das kann ich nicht sagen, da ich das nicht weiß. Er hat sicherlich einiges an Dauer in Bezug auf Haltbarkeit hinter sich. Letztlich war es das ganz normale Programm wie bei jedem Rennmotor, den wir bisher entwickelt haben."

Frage: "Gab es in Bezug auf den Motor Parallelen zum Vier-Liter-V8, der im BMW M3 GTR in der American-Le-Mans-Serie (ALMS) lief?"
Marquardt: "Wir haben mit einem weißen Blatt Papier angefangen, weil sich das Reglement von der Art her wie es geschrieben ist, sehr stark an den existierenden Motoren anlehnt. Das Reglement gibt ein Motorkonzept vor in Bezug auf Größen und Dimensionen. Da hatten wir nichts, das gepasst hätte. Deswegen gab es die Entscheidung, wir müssen einen neuen Motor entwickeln. Natürlich hätten wir gern einen eingesetzt, den wir schon haben, aber das war eben nicht kompatibel mit dem Reglement."

Frage: "Der Motor aus der ALMS, war einer, der von den Dimensionen und Bauteile-Vorschriften eigentlich ein DTM-Motor war. Durch die Einfrierung der Motoren bis 2014 seitens des Reglements hat sich da nichts getan. Warum dann trotzdem eine neuer Motor?"
Marquardt: "Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Entscheidung damals von technischer Seite her nicht im Detail beleuchtet habe, weil ich noch nicht involviert war. Die Experten bei uns haben sich sicherlich anhand des Reglements intensive Gedanken gemacht, ob der Motor wirklich kompatibel und dann auch konkurrenzfähig ist oder nicht. Die Entscheidung war damals ganz klar: Wir müssen für dieses Reglement etwas Neues machen."

Frage: "Wie viel Prozent hat das Konzeptauto mit dem gemein, das im kommenden Jahr auf der Strecke zu sehen sein wird?"
Marquardt: "Was die Einheitsbauteile betrifft, sind wir meiner Meinung nach schon auf einem sehr guten Level. Da sind wir mittlerweile bei 80 bis 90 Prozent. Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, aber nichts wirklich Schwerwiegendes. Alle Komponenten, die nicht vom Reglement vorgegeben sind wie Unterboden und solche Dinge, die werden sich sicherlich noch deutlich verändern - in dem Bereich, in dem Veränderungen erlaubt und möglich sind. Auch da ist das Reglement sehr spezifisch, in welchen Bereichen Performance entwickelt und erprobt werden darf und in welchen nicht."

Frage: "Steht das finale Gewicht des DTM-Autos für 2012 schon fest?"
Marquardt: "Das wird sehr stark davon abhängen, was mit den Einheitsbauteilen noch passiert: Sind die alle so haltbar, wie sie im Moment gemacht sind? Da werden wir noch etwas warten müssen, bis wir da die Ergebnisse haben, denn das wird ein treibender Faktor sein für das endgültige Gewicht des Autos."

Frage: "Gibt es so etwas wie einen Masterplan bis hin zur Rennreife des Fahrzeugs?"
Marquardt: "Wir haben definitiv einen Plan, wenn es darum geht, was wir wie abarbeiten wollen. Der erste Teil des Plans ist die Verifizierung des Fahrzeugs. Parallel dazu läuft die Entwicklungsarbeit. Im Windkanal und an allen Teilen, an denen wir arbeiten, läuft ein kontinuierliches Programm. Diese Planung gibt es schon sehr lange und die haben wir auch nicht anpassen müssen."

"Wir haben entlang dieser Entwicklungsarbeit gewisse Meilensteine gesetzt, wann wir wieder ein Paket umsetzen und im Auto testen werden. Das läuft nach einem sehr strukturierten Plan. Da sind wir anhand der Erfahrung aus anderen Rennserien - inklusive der Formel 1 - sehr gut aufgestellt. Im Moment sind wir absolut im Plan."

Fotoquelle: DTM

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