Manuel Reuter ist für die 'ARD' auch immer wieder in DTM-Autos unterwegs

DTM 2012

— 13.04.2012

Reuter: "Es wird für BMW nicht einfach"

Ex-DTM-Star Manuel Reuter und die Aussichten auf die neue Saison: "Man kann es wohl auf Audi und Mercedes eingrenzen"

In zwei Wochen startet die neue DTM-Saison. Viele Fans warten bereits sehnsüchtig auf Rückkehrer BMW. Einige Experten sehen die Münchener bei deren Comeback in der Szene als Kandidat auf Siege - und zwar von Beginn an. "BMW gewinnt gleich das erste Rennen", meint beispielsweise Hans-Joachim Stuck. Manuel Reuter schätzt die Situation anders ein. Der ITC-Champion von 1996 und zweimalige Le-Mans-Sieger sieht BMW derzeit noch im Hintertreffen.

"Man kann in diesem Jahr gar keine konkreten Tipps abgeben, denn es ist dermaßen offen. Allerdings kann man es wohl auf Mercedes und Audi eingrenzen. So zumindest war mein Eindruck von den Tests in Hockenheim. BMW war dort etwas hinten dran", schildert der heutige 'ARD'-Experte im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Reuter verfolgte die viertägigen ITR-Testfahrten in Hockenheim ganz genau.

"Der BMW lag im Vergleich zu den anderen Autos etwas unruhiger", sagt er. "Audi und Mercedes haben einen enormen Vorteil. Die wissen ganz genau, wie sie das Auto einstellen müssen, wenn sie von Valencia nach Hockenheim kommen. Diese Erfahrung hatte BMW noch nicht. Wenn BMW kein grundsätzliches Problem am Auto hat, sondern es wirklich nur um das Setup geht, dann können sie noch einen großen Schritt machen. Wünschen würde ich mir, dass sie von Anfang an gut dabei sind."

Wenn es um die Namen der DTM-Titelkandidaten 2012 geht, dann kann sich Reuter kaum entscheiden. Bei den etablierten Herstellern wimmelt es nur so von starken Piloten. "Die Speerspitzen haben natürlich die besten Karten. Bei Audi sind dies Eki und Timo, aber auch Rocky hat beim Test gut ausgesehen. Der hat einen erstklassigen Longrun absolviert und dürfte im Umfeld von Phoenix gut aufgehoben sein", sagt der 50-Jährige.

Vietoris mit guten Chancen im Mercedes

"Audi hat auch noch Tambay, der einen richtig guten Eindruck macht, zudem auch noch Mortara und Albuquerque. Die sind alle für Podestplätze gut. Wenn einer von denen einen guten Lauf bekommt, dann ist auch mehr drin. Das haben wir letztes Jahr bei Martin Tomczyk gesehen", meint Reuter mit Blick auf den Kader der Ingolstädter. "Bei Mercedes glaube ich, dass neben Paffett und Green der Vietoris einer ist, der ein kräftiges Wörtchen mitreden kann."

"Der Christian hat ein Jahr Erfahrung, fährt jetzt bei HWA und kann sich ausschließlich auf die DTM konzentrieren. Die neuen Junioren Merhi und Wickens haben auch sofort einen richtig guten Speed gezeigt", meint Reuter. "Gary Paffett hat sicherlich einen Vorteil, weil er komplett in die Entwicklung des neuen Autos eingebunden war, aber er hat immer noch die Doppelbelastung. Gary pendelt nach wie vor zwischen DTM und Formel 1 hin und her. Das bringt einerseits natürlich ein gewisses zusätzliches Know-how, aber es ist auch eine Belastung."

"Bei jedem Hersteller wird sich im Verlauf der ersten Rennen zeigen, wer ein Titelkandidat ist. Alle werden sich hüten, sich zu früh auf einen Piloten festzulegen", so Reuter. Bei BMW werden aus Sicht des Fachmanns die DTM-Haudegen Tomczyk und Spengler die Messlatte darstellen, auch wenn dahinter Prominenz mit dem starken Gasfuß scharrt.

Erwartungen an die DTM 2012 zu hoch?

"Andy Priaulx hat nun endlich die Chance, auf einer ganz großen Bühne zu zeigen, dass seine drei WM-Titel kein Zufall waren. Er kann nun im Kampf gegen die besten Tourenwagen-Fahrer der Welt zeigen wie gut er ist", freut sich Reuter auf den Neuling in der Szene. "Ich glaube, er hat schon gemerkt, dass die Luft in der DTM etwas dünner ist. Einfach wird es nicht. Es wird für BMW generell nicht einfach."

In der Saison 2012 müssen sich die drei Hersteller zunächst an die Feinheiten der neuen Fahrzeuge gewöhnen. "Das Zusammenwirken von Fahrer und Ingenieur wird in diesem Jahr noch wichtiger, weil die Autos noch nicht ganz fertig entwickelt sind", sagt Reuter. "Man muss schnell auf den Punkt kommen und ein Setup erstellen, dann spezifisch bezüglich der Reifen arbeiten. Wer das am besten schafft, der wird in der Qualifikation am Samstag und auch im Rennen am Sonntag einen Vorteil haben."

"Die Erwartungen an die neue Ära in der DTM sind sehr hoch", erklärt Reuter, der sich auf den Start in die Saison freut. "Ich finde, man sollte da etwas vorsichtig sein. Man darf nicht davon ausgehen, dass die Abstände mit den neuen Autos sofort wieder so gering sind wie in den Vorjahren. Außerdem wird das Überholen nicht einfach. Das wird man vermutlich erst zum kommenden Jahr über die Reifen ändern können."

Fotoquelle: xpb.cc

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