Beim Start kann man sehr schnell, viele Positionen gutmachen oder verlieren

DTM 2012

— 26.04.2012

Balanceakt: Die Starts in der DTM

Ein guter Start kann ein schlechtes Qualifying-Ergebnis durchaus wettmachen, doch auch die Gefahr, Plätze zu verlieren, ist jederzeit gegeben

Es ist der vielleicht spannendste Moment eines DTM-Wochenendes: der Start. Die Fans auf den Tribünen halten den Atem an, Millionen von TV-Zuschauern blicken genauso gebannt auf die Bildschirme wie die Mannschaften in den Boxen. Und der Puls der Fahrer in den Cockpits der DTM-Fahrzeuge steigt beim Aufleuchten der roten Lichter der Startampel auf bis zu 160 Herzschläge pro Minute.

Der Start kann ein DTM-Rennen entscheiden, den Vorteil einer Pole-Position, den man sich in den Trainingssitzungen und im Qualifying erarbeitet hat, in Sekundenbruchteilen zunichte machen oder dem Fahrer den vielleicht schon entscheidenden Vorsprung auf dem Weg in die erste Kurve verschaffen. "Der Start ist immer wieder eine neue Herausforderung und sorgt für viel Adrenalinausstoß", sagt der zweifache DTM-Champion Timo Scheider.

Übung macht den Meister

"Du kannst nie voraussagen, was wirklich passiert. Der Start kann hervorragend sein, aber auch eine Katastrophe. Mit einem perfekten Start kann man auf einer schlechten Position eine ganze Menge gewinnen - von einem guten Startplatz aber auch alles verlieren. Deshalb heißt es: trainieren, trainieren, trainieren. Und selbst dann passieren Fehler. Ich glaube, ich kann noch viele, viele Jahre fahren - die Anspannung beim Start wird immer da sein."

Läuft alles perfekt, dann beschleunigt ein DTM-Auto in weniger als drei Sekunden aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde. Um das zu erreichen, wird der Ablauf immer wieder trainiert. Bei Testfahrten im Winter genauso wie bei Startübungen am Ende der Boxengasse während eines DTM-Wochenendes.

Die Teams haben die Technik des Startens in den vergangenen Jahren perfektioniert - trotz eines sehr restriktiven Reglements, das nahezu alle technischen Hilfsmittel, die den Startvorgang vereinfachen würden, ausschließt. Eine perfekt funktionierende Technik ist dennoch die Grundvoraussetzung. So ließ sich Martin Tomczyk auf dem Weg zu seinem Meistertitel im vergangenen Jahr vor jedem Rennen eine neue Kupplung einbauen - nur so war er sich sicher, exakt das richtige Gefühl für die sensible Technik zu haben.

Handbremse am Lenkrad

Die Startprozedur ist komplex und verlangt vom Fahrer viel Gefühl und volle Konzentration. Sie beginnt damit, das Auto exakt innerhalb der vorgesehenen Markierungen auf der Strecke zu positionieren. Der Fahrzeugingenieur hilft dabei per Funk. Anschließend aktiviert der Pilot die Handbremse - im Fall von Audi nicht mehr über einen Hebel hinter dem Lenkrad wie beim Vorgängermodell A4 DTM, sondern per Knopfdruck am Lenkrad.

Ist der Bremskreislauf geschlossen, kann der Fahrer den ersten Gang einlegen und langsam die Kupplung kommen lassen. "Vorspannen" nennen das die DTM-Piloten. Und in der Regel erfolgt das Vorspannen beim Aufleuchten der ersten roten Lichts der Startampel. "Irgendwann spürt man dann durch das Fallen der Drehzahl oder das Setzen des Autos, dass die Kupplung langsam anfängt zu schließen", beschreibt Timo Scheider.

"Dann müssen wir etwas Gas dazugeben, um den Motor nicht abzuwürgen, und halten dann die Stellung von Gaspedal und Kupplung. Ab der dritten Ampel fange ich an, die richtige Drehzahl aufzubauen. Das darf nicht zu früh erfolgen. Das Schwierige ist, dass man nie weiß, wie lange die Ampel braucht, ehe sie von rot auf aus geht", so Scheider.

Im ersten Moment des Anfahrens lässt der Fahrer lediglich den Knopf für die Handbremse los. Die Fußstellung auf Gas und Kupplung bleibt für die ersten Meter unverändert, um mit möglichst wenig Schlupf loszufahren. "Erst ab 50, 60, 70 Kilometern pro Stunde, je nach Gripzustand der Strecke, lässt man die Kupplung ganz los und beschleunigt so hart und gut, wie es eben geht", verrät der DTM-Routinier. "Anschließend geht es darum, seine Position zu verteidigen oder die richtige Lücke zu finden. Das Durchschalten der Gänge erfolgt dabei nach Gefühl. Die Schaltlampen nehme ich nur peripher wahr."

"Speziell, wenn man auf der Pole steht, ist der Druck, die Position nicht zu verlieren, sehr groß", weiß Scheider aus Erfahrung. "Mir ist es dabei auch schon passiert, dass ich zu viel gewollt habe und den Motor beim Vorspannen abgewürgt habe - oder zu viel Schlupf hatte." Der Faktor Mensch bleibt beim DTM-Start eben der alles entscheidende.

Fotoquelle: xpb.cc

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