Jamie Green holte sich in der letzten Kurve einen weiteren Norisring-Erfolg

DTM 2012

— 01.07.2012

Wahnsinn: Last-Minute-Sieg von Green

Zehn Sekunden vor dem Ende eines turbulenten Rennens am Norisring jagt Jamie Green (Mercedes) seinem Rivalen Martin Tomczyk (BMW) die Spitze ab

Was für ein Herzschlagfinale beim fünften Saisonlauf DTM! Norisring-Spezialist Jamie Green sicherte sich auf den allerletzten Drücker seinen vierten Erfolg auf dem Stadtkurs. Genau zehn Sekunden vor der karierten Flagge zog der britische Mercedes-Pilot nach einer furiosen Aufholjagd am führenden Martin Tomczyk (BMW) vorbei. Green hatte zuvor die großen Vorteile seines Autos mit Regenreifen auf trocknender Strecke voll ausgespielt.

Bei anfangs nassen Bedingungen ging das Rennen nach zwei Einführungsrunden mit einem echten Paukenschlag los. Auf der Jagd in die erste Ecke schoben sich mindestens zehn Fahrzeuge gegenseitig an. Es gab viel Kleinholz und Ärger. Vor allem für Polemann Gary Paffett, der infolge einer Kettenreaktion von Green umgedreht wurde. Der DTM-Gesamtführende war somit nach wenigen Metern aus dem Kampf um den Sieg verschwunden. Aber Paffett bot später noch eine große Show.

Aus dem Chaos der ersten Kurve trugen unter anderem Edoardo Mortara, Timo Scheider und Mattias Ekström (alle Audi) erheblichen Schäden an ihren Fahrzeugen davon. Für den Schweden war das Rennen sofort beendet, der Spielberg-Sieger stellte seinen Wagen zur Halbzeit ab und Scheider fuhr mit seinem lädierten A5-Bausatz immerhin noch auf Platz ins Ziel. Der großer Sieger des Crashdays am Dutzenteich war zunächst Ralf Schumacher.

Der Ex-Formel-1-Star hatte seinen Mercedes von Startplatz vier glücklich durch das Chaos in der ersten Kurve manövriert und die Führung übernommen. Fortan beherrschte Schumacher die Szene an der Spitze vor den beiden BMW von Spengler und Tomczyk. Doch nach 17 Runden die ersten Anzeichen von Problemen. Ausgangs des Schöller-S wurde die C-Klasse von Schumacher langsam. Er musste einen Reset durchführen, konnte dann zunächst auf Platz vier weiterfahren.

Doch zur Halbzeit des turblenten Rennens traten jene Probleme immer wieder an jener Stelle auf. Der Wagen ging kurz aus, sprang dann murrend wieder an. "Wir wissen nicht, was die Ursache war. Irgendetwas mit der Elektrik, das passiert im Regen", kommentiert Schumacher nach seinem Aus. "Heute lief es sehr gut im Regen. Aber wenn ich zwei bis drei Sekunden pro Runde verliere, macht es keinen Sinn mehr." Der Mercedes-Star wäre zeifellos erster Siegkandidat gewesen.

Allerdings hatten es sich mittlerweile andere an der Spitze gemütlich gemacht. Auf abtrocknender Strecke (zwischendurch nur noch einmal wenige Tropfen) konnten Bruno Spengler und Martin Tomczyk die Spitze vor Jamie Green und dem gut aufgelegten Christian Vietoris halten. Die Positionen veränderten sich auch nach der ersten Runde der Boxenstopps nicht. Gary Paffett wählte eine ungewöhnliche Taktik. Seine C-Klasse rannte auf gebrauchten Regenreifen zu gut.

Somit verlegte Paffett seine beiden Pflichtstopps an äußerste Ende des Boxenstoppfensters. Mit Erfolg: Der gute Speed und die schnellen Stopps spülten ihn auf Platz vier nach vorne. Im engen Duell gegen Vietoris, der am Ende mit Slicks experimentierte und damit kaum langsamer war, setzte sich der DTM-Gesamtführende durch. Vietoris rutschte wegen eines Fehlers in der allerletzten Runde noch von Rang fünf auf Platz acht ab.

Vorne wechselte indes die Führung nach den letzten Boxenstopps. Martin Tomczyk konnte sich an Kollege Bruno Spengler vorbeischieben. Es sah alles nach einem BMW-Doppelsieg aus, aber ein Blick auf die Rundenzeiten brachte die Bedrohung durch Jamie Green deutlich zutage. Der Brite war in der Schlussphase um eine Sekunde pro Runde schneller als die beiden M3s. Zwei Minuten vor dem Ende schnappte er sich Spengler, genau zehn Sekunden vor Schluss auch noch Tomczyk.

Sieger zu früh abgewunken

Das Manöver fand in der allerletzten Kurve statt. Der Sprint zur Ziellinie endete just in dem Moment, als die Uhr abgelaufen war. Green sah die karierte Flagge, die eigentlich noch gar nicht hätte geschwenkt werden dürfen. Um fünf Tausendstelsekunden zu früh wurde abgewunken, meldete die Rennleitung. Aber man fügte gleich hinzu, dass dies für das Rennergebnis nicht relevant sei - eine Tatsachenentscheidung wie im Fußball.

"Mein Reifen hat sehr viel Grip gehabt in den letzten zehn Runden. Mein Tempo war stark, das war mein Rennen. Ich bin sehr stolz", lacht Green nach der Zieldurchfahrt. "Das war nichts für schwache Nerven. Gary war klar der schnellste Mann über weite Strecken, Jamie hat das richtig gut gemacht. Ein Thriller", so Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Ich dachte, wenn es noch ein paar Runden geht, schaffen wir das. Gary ist noch Vierter geworden und hat seine Meisterschaftsführung ausgebaut."

Hinter dem jubelnden Briten sicherten sich Tomczyk und sein BMW-Kollege Bruno Spengler die weiteren Podestplätze. "Es ist ein Wechselbad der Gefühle. Wir wussten, dass es richtig knapp wird", kommentiert BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. "Schade, dass Jamie es noch geschafft hat. Trotzdem sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es war saumäßig schwierig heute." Das gute BMW-Resultat rundeten Andy Priaulx (7.) und Dirk Werner (10.) mit Punkten ab.

Sein bestes DTM-Resultat fuhr David Coulthard als Fünfter ein. Der Schotte konnte sich bis zum Ende gegen Mike Rockenfeller wehren, der als Sechster bester Audi-Vertreter war. Christian Vietoris (8.), Robert Wickens (9./beide Mercedes) holten ebenso Zähler. Audi erlebte nach dem Sieg in Spielberg nun ein Debakel. In der Gesamtwerung hat Paffett nun 95 Punkte, dahinter folgen Green (69) und Spengler (58). Ekström (47) ist als bester Audi-Pilot nur noch Fünfter.

Fotoquelle: xpbimages.com

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