Bei Rahel Frey überwog nach dem Rennen in Valencia die Freude

DTM 2012

— 30.09.2012

Duell Frey vs. Priaulx: "Das war schon grenzwertig"

Das Duell Rahel Frey vs. Andy Priaulx in der Schlussphase des Rennens in Valencia wird kontrovers diskutiert, die beiden Piloten bleiben aber überraschend gelassen

Rahel Frey hatte nach dem Rennen in Valencia allen Grund zum Jubeln. Die Audi-Pilotin erreichte an diesem Wochenende gleich zwei Ziele, die sie sich für die Saison gesetzt hatte: Sie wollte den Einzug in den zweiten Qualifying-Durchgang schaffen, was ihr durch Position 15 am Samstag bereits gelang, und sie wollte einen Meisterschaftspunkt holen. Am Ende wurde sie Siebte und holte sogar sechs Zähler.

"Es ist natürlich absolut großartig - je mehr Punkte, desto besser", erklärt eine hocherfreute, jedoch auch sichtlich abgekämpfte Frey nach dem Rennen. "Ich freue mich wirklich riesig! Das war heute eine absolut tolle Leistung, ich habe absolut alles gegeben im Auto, bekam aber auch von Audi eine tolle Unterstützung, die ich jetzt endlich umsetzen konnte. Das ist schon grandios."

Ihr Chef Wolfgang Ullrich war voll des Lobes für seine junge Rennfahrerin. In seinen Augen mache die Schweizerin momentan eine positive Entwicklungsphase durch: "Rahel hat sich in den letzten Rennen permanent gesteigert und hat vor allem in den Rennen immer wieder eine tolle Leistung gezeigt", so der Österreicher. "An diesem Wochenende hat es bei ihr schon im Qualifying sehr gut gepasst. Sie hat sich ihr erstes Ziel, das sie sich gesteckt hat, nämlich in Q2 zu kommen, hier umgesetzt. Heute im Rennen in die Punkte zu fahren, das war ihr zweites Ziel. Dass sie es sogar bis auf Platz sieben geschafft hat, freut sie und mich besonders."

Für Aufsehen sorgte Rahel Frey jedoch nicht nur durch ihre Qualifying- oder ihre letztendliche Rennleistung. Kurz vor Schluss lieferte sich die 26-Jährige ein hartes Duell mit BMW-Pilot Andy Priaulx: Der Brite setzte zum Manöver gegen Frey an, beide berührten sich, ließen jedoch nicht locker. Frey wäre um ein Haar von der Strecke geflogen, wodurch vor allem der von hinten anrauschende BMW-Pilot Bruno Spengler profitierte.

Frey und Priaulx sehen Situation gelassen

Spengler war nur von Position zwölf gestartet und im Rennen mit einer Menge Frust im Bauch unterwegs, da er aufgrund eines Frühstarts eine in seinen Augen ungerechtfertigte Durchfahrtsstrafe erhielt, die ihn weit zurück warf. Für manch einen mag es in dieser Situation so ausgesehen haben, dass Priaulx Frey absichtlich abdrängte um Spengler so den Weg frei zu räumen, da der Kanadier sich bekanntlich in der entscheidenden Phase im Kampf um den Titel befindet. Jeder weitere Punkt ist dabei von Nutzen.

Überraschend gelassen sahen die beiden Beteiligten Priaulx und Frey die Situation nach dem Rennen: "In der Tourenwagen-Weltmeisterschaft haben wir uns beinahe jedes Wochenende solche Duelle geliefert, da war das ganz normal", so Priaulx, der insgesamt drei Mal Meister der Tourenwagenweltmeisterschaft WTCC wurde. Er würde nach eigenen Angaben jederzeit wieder solche Manöver fahren.

Frey gab in diesem Zusammenhang zu Bedenken, wie schwierig es ist, in der modernen DTM an einem Mitstreiter vorbei zu kommen: "In der DTM muss man dagegenhalten, da es so brutal-schwierig ist, vorbeizukommen", so die Schweizerin. "Es war eigentlich an der Grenze, hat für uns beide aber ein gutes Ende genommen. Von dem her ist es okay." Priaulx selber konnte aus der Situation letztendlich keinen Nutzen ziehen, kam er doch hinter Frey als Achter über die Ziellinie. Lob - wenn auch in typischer Macho-Manier - gab es seinerseits dennoch: "Sie fuhr nicht wie eine Frau, sie fuhr sehr gut! Sie lieferte sich mit mir ein schönes Duell und wie sie auch im Interview gesagt hat, war es fair."

Ullrich: "Das war unterste Schublade!"

Wenngleich Frey das direkte Duell gegen Priaulx letztendlich gewann, büßte sie dennoch einen Platz gegenüber Spengler ein, der wie erwähnt den Zweikampf der Beiden nutzte und sie überholte. Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich war unmittelbar nach dem Rennen angesichts des Duells außer sich und sprach davon, dass das Manöver Priaulx' "unterste Schublade" gewesen sei. Eine Weile nach dem Rennen hatte sich sein Gemüt jedoch wieder etwas abgekühlt.

"Es war absehbar, was da auf Rahel zukommen wird, und sie hat sich in dieser Situation sehr sauber verhalten", lobt Ullrich das Verhalten seiner Pilotin. "Die anderen Piloten haben jedoch gemeinsam versucht, sie in eine schlechte Position zu bringen. Das war in meinen Augen zumindest grenzwertig. Wir würden so etwas nicht machen."

Mercedes trifft das Ergebnis am härtesten

Besonders erbost über den Ausgang dieses Duells dürfte Mercedes sein. Das heißeste Eisen der Stuttgarter, Gary Paffett, war das ganze Wochenende über nicht konkurrenzfähig. Im Rennen kollidierte Paffett zudem in der Startphase mit einem Kontrahenten, der entstandene Schaden an seinem Silberpfeil kostete ihn letztendlich das Rennen. Er musste frühzeitig aufgeben und führt nun vor dem Saisonfinale mit nur noch drei Zählern vor Spengler die Gesamtwertung an.

"Ich kenne das von uns nicht", kommentiert Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug das Verhalten BMWs, welches er als pure Absicht betrachtet. "Ich kann dem Kollegen Wolfgang Ullrich nur beipflichten, dass das nicht die Richtung ist, in die gefahren werden sollte." Haug fordert ein strenges Eingreifen der Rennkommissare, Aussicht auf Erfolg sieht er in diesem Zusammenhang aber offenbar nicht: "Das ist nicht mein Thema, aber das ist meine Meinung dazu."

Fotoquelle: xpbimages.com

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