Der Dreikampf endet, aber wer gewinnt ihn? Paffett, Spengler und Green (v.l.n.r.)

DTM 2012

— 16.10.2012

Paffett, Spengler und Green ziehen ins letzte Gefecht

Showdown in Hockenheim: Welche mathematischen Szenarien es gibt, wie sich die Mercedes-Piloten helfen wollen und auf wem der größte Druck lastet

Zur Grundausstattung für das DTM-Saisonfinale am kommenden Wochenende in Hockenheim gehören zwei Dinge: ein üppiger Vorrat Baldrian und ein großer Rechenschieber. Schließlich haben drei Piloten noch die Möglichkeit, den Titel zu holen, wenn es am Sonntag auf die letzten Kilometer des Jahres 2012 geht. Die besten Chancen liegen bei Mercedes-Pilot Gary Paffet, der mit aktuell 127 Punkten auf dem Konto die Meisterschaft anführt. Gewinnt der Brite, ist ihm sein zweiter Titel nach 2005 nicht mehr zu nehmen.

Paffett demonstriert eine breite Brust: "Ich habe in Hockenheim vier Mal gewonnen, auch den Saisonauftakt mit den Fahrzeugen der neuen Generation", macht er klar, obwohl das C-Klasse-Coupé in Valencia zuletzt eklatante Schwächen offenbarte. "Wir sind zuversichtlich, über ein gutes Auto zu verfügen. Wir haben 2005 gezeigt, dass wir die Fähigkeiten besitzen, die Meisterschaft zu gewinnen", gibt sich Paffett selbstbewusst und ist sich sicher, Probleme ausgeräumt zu haben.

Mercedes vor Spengler gewarnt

Dem schließt sich Norbert Haug gerne an: "Wir haben aus Valencia eine Menge gelernt und verstanden, was uns dort passiert ist. In Hockenheim wird eine ganz andere Schlacht geschlagen", so der Mercedes-Motorsportchef. Sollte die Marke mit dem Stern allerdings wieder geschlossen am Ende des Feldes fahren, wären die Aussichten Paffetts düster. Denn auch BMW-Pilot Bruno Spengler kann noch aus eigener Kraft Meister werden, wenn er im Badischen gewinnt.

Haug ist gewarnt, schließlich war der Kanadier bis 2011 in Mercedes-Diensten: "Wir wissen, was Bruno bei uns gelernt und geleistet hat." Auch wenn Spengler Zweiter oder Dritter werden sollte und Paffett nicht vor ihm ins Ziel kommt, würde sich der zweifache Vizemeister erstmals die DTM-Krone aufsetzen. Auf allen anderen Positionen innerhalb der Punkteränge müssten sich weitere Piloten zwischen ihn und Paffett schieben.

Keine Vorteile im Nervenkrieg

Der Mann aus Bromley bevorzugt die simple Alternative: vor Spengler ins Ziel kommen. "Wir müssen dieses Rennwochenende angehen wie jedes andere auch und unser Bestes geben: Bruno schlagen. Und nach allem, was wir dieses Jahr gesehen, sind wir dazu in der Lage", meint Paffett. Dass er einen einst riesigen Vorsprung nach der Sommerpause sukzessive eingebüßt hat, betrachtet der 31-Jährige nicht als mentales Problem eines Gejagten.

"Auf mir lastet genauso viel Druck wie auf Bruno. Da gibt es keine zusätzliche Belastung. Wir hatten eine großartige erste Saisonhälfte", meint er rückblickend über Siege in Hockenheim und Brands Hatch. "Dass es danach nicht mehr so weiterging, lag ja nicht an unseren Leistungen, sondern an Einflüssen auf der Strecke." Diese Ansicht ist durchaus diskussionswürdig, schließlich geriet Paffett durch schlechte Qualifyings überhaupt erst in brenzliche Situationen und verlor in Zweikämpfen Punkte.

Green, der krasse Außenseiter

Lieber streicht Paffett heraus, dass er als Tabellenführer ins Badische reist. Allerdings will der Brite die Tatsache, dass er die Gesamtwertung im Gegensatz zum oft knapp gescheiterten Spengler schon für sich entschied, nicht als Vorteil proklamieren. "Auch Bruno hatte bereits mehrmals die Möglichkeit, den Titel zu holen. Ich bin entspannt und zuversichtlich, den Job zu erledigen", versichert er auf 'Motorsport-Total.com'-Nachfrage. Es spricht der Routinier aus dem McLaren-Testfahrer.

Doch es gibt ja noch einen dritten Titelkandidaten: Jamie Green. Dessen Chancen sind mathematisch weniger kompliziert, da sie sehr gering sind. Der Mercedes-Pilot und Vorjahressieger hat 109 Zähler auf der Habenseite und muss in Hockenheim erneut gewinnen. Paffett darf nicht besser als Platz sieben abschneiden und Spengler maximal Sechster werden - dann würde der Ruhm einem Piloten gehören, dessen DTM-Tage die Gerüchteküche vor einiger Zeit schon als gezählt angesehen hatte.

Lieber Helfer als Einzelkämpfer

Die Devise des zweiten Briten im Titelrennen ist es, alles so zu machen, wie immer. Die Routine ausspielen, das Saisonfinale angehen wie jeden anderen der neun Läufe auch. "Aus meiner Sicht müssen wir für das Rennen arbeiten und zusehen, dass wir das Auto in Schuss bekommen", meint Green gelassen. Die Gelassenheit, die es braucht, um gegen zwei psychisch deutlich stärker belastete Konkurrenten doch noch die Meisterschaft zu gewinnen?

Davon scheint der 30-Jährige gar nichts wissen zu wollen und sieht sich in der Rolle des Wasserträgers für seinen Landsmann und Markenkollegen. "Vielleicht kommt es zu einer Situation, in der ich Gary und Mercedes helfen kann, die Meisterschaft zu gewinnen. Ich werde natürlich tun, was ich kann. Aber bis dahin ist es ein Rennen wie jedes andere", erklärt Green entspannt. "Ich habe im vergangenen Jahr gewonnen und wenn ich das wieder hinbekommen würde, wäre das fantastisch."

Und damit spricht Green also doch über die Meisterschaft, denn alles andere als ein erster Platz ist zu wenig für den HWA-Piloten. Haug sorgt sich darum, zu welchen Mitteln die Konkurrenz im Titelkampf greifen könnte. Legt sie noch härtere Bandagen an, als sie die Diskussion ohnehin schon vergiftet haben? "Ich hoffe das nicht. Das war teilweise über dem Limit, das hat schon mein Kollege Wolfgang Ullrich schon gesagt", so der Mercedes-Verantwortliche auf 'Motorsport-Total.com'-Nachfrage.

Mercedes will fair bleiben

Es ist eine Anspielung auf den Vorfall zwischen Rahel Frey und BMW-Konkurrent Andy Priaulx in Valencia, den der Audi-Sportchef als "unterste Schublade" bezeichnet hatte - weil der Profiteur Spengler hieß. Auch Haug passt das Vorgehen nicht. "Es ist nicht die Gangart, die man wählen sollte. Härte auf der Strecke ist gut, aber was Gary in Zandvoort passiert ist, war nicht okay. Was Gary am Norsiring passiert ist, war nicht in Ordnung." Es ist das alte Klagelied, aber es schmerzt Mercedes noch immer.

"Das hat viele Punkte gekostet. Aber vielleicht spricht darüber nachher niemand mehr." Haug wünscht sich, dass die Entscheidung nicht mit Mitteln fällt, die ein Fall für die Sportkommissare sind. Für seine Schützlinge Paffett und Green macht er keine Ausnahme: "Unterstützung ist nur bedingt möglich. Hilfe, wie ich sie neulich gesehen habe, was Rahel Frey betrifft: Die wird es bei uns nicht geben. Das ist nicht die Art und Weise, wie man Rennen fährt. Das hat Audi so gesehen, das haben wir so gesehen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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