Wer hat die besseren Argumente? Paffett (links) und Spengler

DTM 2012

— 19.10.2012

Paffett und Spengler: Schlagabtausch vor dem Sturm

Die Kandidaten auf den Meistertitel sehen die Vorteile bei sich: Paffett baut auf das schnellste Auto in Hockenheim, Spengler verspürt keinen Druck mehr

Der Countdown zur Entscheidung um die DTM-Krone läuft: In weniger als 48 Stunden ist klar, wer im Saisonfinale auf dem Hockenheimring den Meistertitel feiert: Gary Paffett, Bruno Spengler oder doch Außenseiter Jamie Green. Vor dem Qualifying am Samstag und dem Rennen am Sonntag versuchen die beiden Topfavoriten, sich zum Champion zu argumentieren: Wer ist Jäger, wer Gejagter? Wer ist für den Showdown besser aufgestellt, wer hatte Pech? Und was wenn, die Entscheidung im direkten Duell fällt?

Noch führt Paffett die Meisterschaft mit drei Zählern Vorsprung an, seit dem Mercedes-Debakel in Valencia ist der Brite jedoch gefühlter Außenseiter. Das spanische Fiasko habe ihn nicht aus der Ruhe gebracht, er nennt es "eine einmalige Schwäche" und beteuert: "Dort waren wir auch früher oftmals nicht am stärksten. Das hat uns also nicht zu sehr überrascht." Dass die gesamte Flotte geschlossen hinterherfährt, kann die Marke mit dem Stern aber nicht auf der Rechnung gehabt haben.

Spengler sieht sich schon als Sieger

Lieber erinnert Paffett an das Kräfteverhältnis, wie es vor der Reise auf die iberische Halbinsel herrschte: "In Oschersleben hatte ich gegen Bruno um den Sieg gekämpft", so der 31-Jährige, der Spengler in einer rundenlangen Verfolgungsjagd nicht in einen Fehler hetzen konnte. Optimismus ist da, in Euphorie will Paffett aber nicht verfallen: "Wir werden wahrscheinlich nicht wieder so dominant sein wie beim Saisonstart, aber wir werden stark sein." Der erste Schuss im Psychoduell ist gefallen.

Der nächste kommt aus Kanada: "Wir sind Gewinner. Wir haben vor dem letzten Rennen einen Podestplatz in der Meisterschaft sicher. Das ist klasse", gibt sich Spengler als jemand, der den Lorbeerkranz nicht mehr aus der Hand geben kann. Im Gegensatz zu Oschersleben will er Jäger sein: "Aber wenn man die Chance auf den Titel hat, dann will man ihn auch holen. Wir haben nichts zu verlieren, können hier in Hockenheim nur gewinnen." Das klingt komfortabel und schreit nach der nächsten Salve.

Paffett will selbst für die Entscheidung sorgen

Spengler legt nach: "Es war eine tolle Saison, auch aus BMW-Sicht. Was wir bisher erreicht haben ist sensationell. Das hätte niemand erwartet, auch wir selbst nicht. Wir sind nun am Ende der Meisterschaft und haben alle Chancen, den Titel zu gewinnen." Die Devise ist klar: positiv bleiben. Schließlich hat Spengler das Momentum auf seiner Seite. Seit dem Rennen auf dem Norisring erzielte er in jedem Lauf mehr Punkte als Paffett, holte seitdem insgesamt 29 Punkte auf.

Alles Schall und Rauch, meint Paffett. Er betont: Es gibt nur ein Rennen, das zählt. Das steigt am Sonntag auf dem Hockenheimring. "Ich muss nur auf mich selbst achten. Wenn man Meister werden will, dann sollte man versuchen, dieses Rennen zu gewinnen", insistiert der Mercedes-Pilot, für den es kein Taktieren gibt: "Es geht nicht, dass ich nur darauf achte, vor Bruno zu sein. Ich will die Pole-Position und den Rennsieg, dann muss ich mich um nichts anderes kümmern."

Beide Favoriten mit Zweikampf-Pech

Doch das Saisonfinale ist kein Rennen wie jedes andere. Das räumt auch Spengler ein und versucht, etwas Positives daraus zu ziehen: "Druck, viele Fans, viele Medien - das gehört einfach dazu. Wenn ich all die Leute auf den Tribünen sehe, dann bekomme ich eine Gänsehaut pur. Solche Momente soll man genießen und sich nicht unter Druck setzen lassen", erklärt der 29-Jährige, der auf die Erfahrung von 82 DTM-Rennen bauen kann, aber eben auch zwei Titel aus der Hand gab. "Das ist ein geiles Gefühl, Adrenalin pur."

Paffetts Konter lässt nicht lange auf sich warten: "Ich freue mich sehr auf das Finale." Doch er stimmt gleich darauf das Klagelied an, das Tag für Tag durch die Mercedes-Box schallt. "In der zweiten Hälfte gab es leider ein paar Zwischenfälle, die mich viele Punkte gekostet haben." Am Norisring wurde er in der ersten Kurve infolge einer Kettenreaktion umgedreht und an das Ende des Feldes zurückgeworfen, in Zandvoort machte er die Bekanntschaft mit dem M3 von Martin Tomczyk.

Eine Situation, die Spengler kennt. Schließlich war auch er in Unfälle verwickelt, an denen er keine Schuld trug. In Hockenheim rauschte er mit Ralf Schumacher zusammen, in Spielberg war es Jamie Green, der seinen Boliden havarierte. "Man ärgert sich sehr. Es wird sich jeder daran erinnern, was mir hier im ersten Rennen passiert ist", beschreibt Spengler solche Sonntage. "Aber das liegt jetzt weit hinter uns und ich konzentriere mich auf die Zukunft, das nächste Rennen."

Fairer Kampf unter Ex-Teamkollegen

Und auch der BMW-Pilot will nur noch eines in der Visierlinie haben, und das sind die Ampellichter, die am Sonntag in Hockenheim ausgehen: "Alles, was mir und Gary in diesem Jahr passiert ist, ist jetzt wurscht. Ich bin ein Kämpfer, der nie aufgibt." Auch nicht, wenn es Spiegel an Spiegel und Stoßstange an Stoßstange mit Paffett zur Sache gehen sollte. "Wenn es so kommt, dass wir auf der Strecke zusammen sind, dann freue ich mich, das wird ein schöner Kampf."

Der kein Fall für die Sportkommissare werden und damit neues Wasser auf die Mercedes-Mühlen sein sollte - glaubt Spengler. "Wir waren sehr oft auf der Strecke dicht beisammen und es war eigentlich immer fair. In der Vergangenheit waren wir Teamkollegen und haben nie Probleme miteinander gehabt", erinnert er an die gemeinsame Zeit in der HWA-Box. Dort baut man vor: "Wenn die Meisterschaft so entschieden werden würde, wäre es wirklich schade für mich und die Serie", warnt Paffett.

Green in Lauerstellung

Er will nicht wirken, als bereite ihm ein mögliches direktes Duell Unbehagen: "Mich überrascht es nicht, dass alle Autos so dicht beisammen sind. Das ist die DTM mit ihrem Reglement und ihren Einheitsteilen", meint Paffett unaufgeregt und fügt an: "Mercedes hat im Winter gut gearbeitet, sodass wir den Gegnern beim Auftakt in Hockenheim einige Kopfschmerzen bescheren konnten." Doch was wäre, wenn es zwischen ihm und Spengler wirklich kracht?

Der lachende Dritte könnte Jamie Green heißen. Der hat seinem Landsmann und Markenkollegen längst seine Schützenhilfe zugesagt, doch bleiben ihm im Falle eines Laufsieges in Hockenheim "Außenseiterchancen", wie er selbst sagt. "Es war für Gary und mich wirklich eine gute Saison. Der Mercedes war ab Saisonstart konkurrenzfähig", hält sich Green bedeckt. Verbale Offensive: Fehlanzeige. "Für die Fans ist das eine erstklassige Sache, es gibt reichlich Spannung. Das Wochenende wird bestimmt äußerst interessant."

Fotoquelle: xpbimages.com

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