DTM 2012

— 09.11.2012

Zanardi, Marquardt und der Stoff, aus dem Träume sind

BMW scheint Interesse an einem Comeback des 46-Jährigen in der DTM zu haben - Ein konkurrenzfähiges Konzept gibt es aber noch nicht, aber es ist in Arbeit



Darf man im Motorsport eigentlich noch träumen? Wenn ja, dann dürfte der gestrige Tag nicht nur bei DTM-Fans Begehrlichkeiten geweckt haben. BMW hat gezeigt, dass es möglich ist, ein für Alex Zanardi fahrbares Auto zu bauen. Der Italiener mit dem sonnigen Gemüt wiederum stellte unter Beweis, dass er in der Lage ist, es um den Nürburgring zu bringen, und welche Anziehungskraft er als Person noch immer ausübt. Und: Im DTM-Kader der Münchener ist für die Saison 2013 noch mindestens ein Platz frei.

Während Zanardi selbst keinen Hehl daraus macht, dass er diese Perspektive mehr als verlockend findet, ist Jens Marquardt zurückhaltender. Dass BMW einen Renneinsatz aber tatsächlich in Erwägung zieht, bestreitet der Motorsport-Direktor nicht: "Es ist nicht eine Frage des Wollens, es ist eine Frage der Technik", gibt er zu bedenken, wenn es um die mögliche Sensation geht. "Es muss umsetzbar sein und eine Lösung, die Alex in die Lage versetzt, konkurrenzfähig unterwegs zu sein", so Marquardt.

Eingesetzte Lösung nicht renntauglich

Das scheint im Moment die schwierigste Hürde auf dem Weg zu einem Renncockpit für Zanardi. "Zwei Zehntelsekunden in der DTM sind teilweise zehn Plätze. Und wenn er es von der Technik her nicht umsetzen kann, eine gewisse Leistung herauszuholen, ist es auch für Alex nicht unbedingt Riesenspaß", weiß Marquardt über den ehrgeizigen Paralympics-Sieger. "Heute hatte er mit dieser Konfiguration genug Spaß und genießt es." Aber das ist eben nicht genug, wenn es um Wettkampf und Prestige geht.

Vorerfahrungen aus dem mit dem 320i aus der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) halfen den Ingenieuren beim Bau eines Zanardi-gerechten M3 DTM. Die Bremse bediente er mit der Prothese des rechten Beines, das Gas wurde an das Lenkrad verlegt. "Alex kann aber er kann die Kupplung nicht betätigen", ergänzt Marquardt. Deswegen wurde ein externes System, das dem Italiener das Anfahren ermöglicht, eingesetzt. Damit in ein Rennen zu starten ist aber nicht denkbar.

BMW will an geeignetem Konzept arbeiten

Der "Demorun", wie es BMW bewusst unverbindlich ausdrückte, hatte andere Prämissen als schnelle Rundenzeiten. Es ging in erster Linie um Sicherheit. "Das haben wir mit Alex alles ausprobiert, dass er schnell genug und alleine aus dem Auto herauskommt", so Marquardt, der die eingesetzte Lösung und ein renntaugliches Konzept "zwei verschiedene Paar Stiefel" nennt. Allerdings scheinen die Techniker bereits an einem Konzept zu tüfteln, das die Anforderungen erfüllt.

Das bestätigt Marquardt: "Es geht um die technischen Lösungen. Von dem, was wir heute gelernt haben, können wir uns nächste Schritte anschauen." Er klingt nicht, als würde ihm ein mögliches Comeback Zanardis Unbehagen bereiten. "Ich bin wirklich froh, dass wir von BMW ihm dieses Geschenk machen konnten. Es war für uns eine Herzensangelegenheit, ihm das zu ermöglichen. Wenn man gesehen hat, wie verschwitzt, aber trotzdem glücklich er aus dem Auto ausgestiegen ist, haben wir das richtig gemacht."

Auch andere Rennserien als DTM denkbar

Nicht zu vergessen, dass der Komplettumbau in nur zweieinhalb Wochen seit dem Saisonfinale in Hockenheim vonstatten gegangen ist. Sollten es die Münchener also tatsächlich ernst meinen mit Zanardi, hätten sie in der Winterpause deutlich mehr Zeit. Doch es würden sich weitere Probleme offenbaren. Zum Beispiel mit dem Reglement, das BMW noch gar nicht auf mögliche Umbauten geprüft hat. Es dürfte angesichts der PR-Wirksamkeit eines Zanardi-Einsatzes jedoch kein Problem sein, Audi und Mercedes von Ausnahmen zu überzeugen.

Marquardt klingt dann doch noch optimistisch, zieht aber mehr Alternativen als die DTM in Betracht: "Alex Zanardi ist seit Jahren Teil unserer Motorsport-Familie und ich denke, wir werden eine Lösung finden, dass er konkurrenz- und wettbewerbsfähig unterwegs ist - ob jetzt in der DTM oder irgendwo anders." Eine mögliche Perspektive wäre etwa der Einsatz im GT-Rennsport. Allerdings: An einen Z4 GT3 hat BMW noch nicht Hand angelegt. An einen M3 DTM hingegen schon.

Fotoquelle: BMW

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